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Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 27

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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No. 16. DlE<3§&ELT Pessadi»morgen (Bus einer alten Chronik) nach dem Südlichen des 3tl)oa$Cl) Das Bethaus erfüllt der fromme Chor, 3nbrünftig fleht er zu Gott empor, 3hm neigen Ben Seelen und beiber. — Da plöfclich — die Beter durchfehauert eslkalf— Pocht's an das Cor mit rauher Gewalt, Codfehrecken fafjt Hlänner und Weiber. Und fchon kracht das Cor, und mit wildem Sdirei'n . Ein wütender Haufe ftürzt herein, Hn den Händen bindende Waffen: „6in Shriftenkind ift plötzlich per« fdiwunden, 3hr habt es gefchlachtet, aus feinen Wunden Das Blut fürs Feit euch zu fchaffen!?" Und einer, ein Cäüfling, ftürmt durchs Gedränge Zum Chorafchrein, — ihm nach ftürmt die ITlenge, — Huf reifet er des Schreines üüre,— Und zieht eine Kindesleiche herpor Und hält He mit teuflifchem Grinfen empor: „Sie tranken fein Blut, die Vampire!" Entworfen in der Kunstgewerbeschule Bezalel, Jerusalem Die Borde brüllt und fdiäumt vor Wut, Den 3uden erftarrt zu 6is das Blut, — Die Uodesftunde gekommen! Sie murmeln leite ein lefctes Gebet, Sie wiffen: manch Grabmal am Friedhof fteht Von fchuldlos erfchlagenen Frommen. Rn der Oftwand, perfunken in Gottes Wort, Steht Rabbi Sew, der Gemeinde Bort, 3hn lähmt nicht der Codesfehrecken; mit demutsvoll-fetter Stimme fpricht er: Du, Sfräels Gott, du, gerechter Richter, Kannft Cote zum lieben erwecken!" Und gläubig-verklärt blickt der Rabbi empor, €in Glanz bricht aus feinen Hugen hervor, — Und fiehe, — das Wunder ift nah': Das tote Kind beginnt fich zu recken, Die Karren Glieder zu heben und ffrecken Und — jetjt fteht es aufrecht da. „nun zeig uns, wer graufam den Hlord begangen, Getrieben von ruchlos-blutrünftigera Verlangen, Unfchuldige bluten zu fehen!" — Und fchon hat das Kind den Cäüfling erfaßt Und fchleppt ihn, der jäh erbebt und erblafct, Zum Rabbi, — und kaum iffs gefchehen, Verlöfchen die üebensflammen wieder, Cot fällt das Kind zu Boden nieder, — Scheu Hieben von dannen die Feinde... fln der Oftwand der Rabbi fteht wie zuvor, Andächtig fchickt er Gebete empor, Still betet mit die Gemeinde...

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