Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16 , DIE3§gELT Du, der tötet, um zu beleben, der in der Wüste Heimsuchungen schickt, um zur Ruhe des Erbbesitzes zu führen! Der sich erhebt, um hinabzusteigen, der die Lehre gibt, um sein Volk die Pfade des Lebens auf der Erde zu lehren! Wie sind wir geringer als Staub mit all unsern . Helden und Weisen, wenn wir auf Dich blicken! Du Seraph der Stürme und der Sonnen! Aus dem Hebräischen übersetzt von Dr. Ernst Müller-Jaffa AUS DER VENEZIANISCHEN HAGADAH (XVII. JAHRH.) Die Kunst im Dienste des Pessachfestes Von Heinrich Frauberger Direktor des 'Kunstgewerbemuseums in Düsseldorf und geschäftsführender Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler Unter den Festen, die die jüdische Familie bis in die neueste Zeit hinein noch in altgewohnter Weise feiert, nimmt das Pessachfest noch immer den hervorragendsten Rang ein, und mit den mannigfaltigen Gebräuchen, die bei diesem Feste üblich sind, verbindet sich gerne die Kunst, um den Zeremonien einen sieht-* baren Ausdruck zu verleihen.' Es soll dieses Fest an den Aufenthalt in Ägypten und an die Wanderungen des israelitischen Volkes erinnern, bevor es in den Besitz des gelobten ^Landes kam. Die Hauptaufgabe des Hausvaters ist es, die Erlebnisse der Vorfahren von den Robotdiensten in Ägypten angefangen, ganz besonders der Jugend möglichst eindringlich zu schildern. Das soll aber auch gleichzeitig beim festlichen Mahle geschehen und bei viermaligem Festtrunk. Man kann auf acht Jahrhunderte zurück besonders reich mit Bildwerken ausgestattete Bücher, die sogenannten Hagaden, verfolgen, -die je nach den verschiedenen Riten sich unterscheiden, doch in ziemlich verwandter Art den Auszug aus Ägypten schildern. Umsichtige Frauen haben Sedertischdecken gestickt, die die Anfangsworte der einzelnen Abschnitte in den Schriftzeichen haben. Der Zweck war die künstlerische Verschönerung — und vielleicht auch die Absicht, dem Gedächtnis etwas nachzuhelfen. Ich kenne aus Italien zwei verschiedene Decken, wo die Anfangsworte auf Kattun aufgedruckt sind, wo also sogar die Anwendung eines- Vervielfältigungsverfahrens sich lohnen konnte. Außer dieser großen Decke wird auch gerne die Mitte des Tisches mit einer kleinen Decke geschmückt, die die Frau mit kunstvoller Hand ausgestattet hat. Bald sind es Segenssprüche, die eine leere Mitte umgeben, die ihrerseits wieder groß genug ist, um die Schüssel mit der „Zroa" (zum Andenken des Pessachlämmchens) aufzunehmen, oderman ist so weit gegangen, daß man eine ganze Familie in lebhaften Kostümstücken rund um den Tisch, wo das gebratene Lämmchen aufgesetzt ist, vielfarbig aufgestickt hat. Frauenhände haben sich auch betätigt bei den handtuchartigen Tüchern, mit denen die Sederschüssel überdeckt wird, und' die dazu dient, die drei Mazzen zu verdecken. Unser Bild gibt eine solche- Decke wieder, wie sie in Bayern im Gebrauch war. Auch aus Polen und Italien kennt man solche Stickereien, die mit mehr oder minder Geschick den Zweck des handtuchartigen Gegenstandes andeuten. Sehr abwechslungsreich sind die Sederschüsseln; in» den meisten Fällen bestehen sie aus Zinn, dem Silber des armen Mannes, dessen Oberfläche mit allerlei Gravierungen verziert ist, mit figürlichen Darstellungen wie mit verzierter hebräischer Schrift, wovon auch unter den Abbildungen eine Probe zu finden ist. In reichen Häusern wird unter dem alten Familienbesitz manche kostbare Sederschüssel aus Silber oder Gold aufbewahrt, die geeignete Darstellungen in erhabener Treibarbeit zeigt und nur aus der Schatzkammer herausgeholt wird, um das schöne Fest zu verherrlichen. Der Kidduschbecher, zumeist aus Silber, seltener aus Zinn, schmückt die Tafel. Auch nach dieser Richtung hin kenne ich einen Kidduschbecher aus Zinn, der im oberen Rande durch besondere Einkerbungen auf die Zahl 1, 2, 3, 4, hinweist, und wenn der alte Hausvater nicht vergißt, entsprechende Drehungen zu machen, ihm auch Andeutung geben kann, wie weit ver in der Schilderung des Auszuges aus Ägypten schon gelangt ist. Nicht selten findet man auch silberne Doppelbecher im Zusammenhang mit der schönen Sitte, den einen der gefüllten Becher arh Eingang der geöffneten Tür •hinzustellen, damit auch der Prophet Elias an dem