Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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die3qKelt No. 16 Und hinauf zu den Burgen der Erdenmächtigen stiegst Du, wandeltest in Prunkhallen und machtest die Throne der Pharaonen wanken. Dann kehrtestDü zum Volke zurück, um es zu führen. Und das Volk ging hinter Dir . und blickte nach dem Schimmer der ratenden Weisheit, der über Deiner, hohen Stirne schwebte. Und es schmachtete aus dem Kerker des Leids nach dem Erbteil der Schönheit. Doch Kraft hatte es nicht zu gehen. III. Und Du, wie der Adler, schlugst es in Deinem Pfeilflug und zwangst es, zu gehen. Und Deine Augen waren wie die Wimpern der Morgenröte nach dem Lichte gekehrt, das im Osten aufersteht. Und der Tau Deines Segens träufelte den jungen Pflänzchen, die noch nicht knospen. Und Du hörtest das Heulen des wegelagernden Wüstenkauzes, und der Geist der Schwermut ließ Dich wie in Abendschatten Gebilde zurückkehrender Knechtschaft schauen. Alle Spuren des Druckes, allen Ekel der Ketten! Dann schlugst Du mit dem Hammer, Du fälltest mit der Axt und zerschmettertest mit dem Sturmbock — ßerge, in denen Titanen hämmerten. In den Wüstensand zeichnetest Du die Umrisse eines bewohnten Landes. Im Klar von Felsenbildern webtest Du die Gestalt des Hebräerlandes, das sein wird. Du lebtest in der Welt, die Du gebildet, einer Welt voll Strenge und Reinheit, einem Reich von Licht und Recht, das sein wird! Und rings um Dich war noch übler Dunst von Schmutz und Verwesung, fratzenhaftes Scheusal und Sehnsucht nach der Ruhe in Fesseln. Der wimmernde Jammer des Geschlechts, in dessen Antlitz die Furche der Vergänglichkeit gegraben ist. Dieses Volk führtest Du, führtest es, indem Du Felsen spaltetest. Du, der Arzt, der die faulen Glieder gebrochen, der alle Siechenden von sich schleudert, Du der Erbarmer, der das Große aufbaut! Sie haßten Dich — weil Du aufwärts Dich sehntest aus dem Schmerzenstal nach den Höhen des Heils. Sie haßten Dich, weil Dich ein Grausen* erfaßte beim Anblick des Schmutzes der Knechtschaft. Sie haßten Dich, weil die Tränen des Volkes sich in Dir verwandelten zu hartem Edelstahl. Weil Du nackt und rein warst von jedem eigensüchtigen Gedanken. Weil Du Deine offenen Wunden zur ersten Zielscheibe setztest den Pfeilen des Verderbens. Weil der Letzte des Volkes Dir teurer war als Dein Leben. Weil Du rings um Dich streutest alles Gold Deiner Sonnenstrahlen, alle Perlen Deines Taues, alle Gewebe Deiner Schwingen, alle Blüten Deines Lenzes. Weil Du alles Öl Deines Hauptes vergossen hast über die nackten Felsen und die fahlen Klippen. Weil Du erhaben über die Höhen der Wüste, in Deinen Augen niedriger warst als der Straßenstaub. Weil Dein Hochmut kleiner war als der des Lammes, ' das der Schur hingestreckt — und weil Du des Volkes Opfer warst, bei Tag und Nacht. Weil Du im Geiste herrlich, der Kräfte Bändiger und unschuldig warst, wie das Kind. Deshalb haßten sie Dich. IV. Wie der Blitz rissest Du Dich von der schwarzen Wölk« los, einherschwebend, und Licht und Entsetzen bringend. Du zerschmettertest, was Du am Wege trafst als Hindernis Deines Königsflugs. Die Funken Deines Grimmes versengten die Herde der Finsternis, die Kälber des Maststalles, geschwollen vom Gifte der Sklaverei und die Leithammel in Ketten und Gefangenschaft. Alle jene, die klein geworden waren in Bedrängnis und Not, oder an vollen Töpfen und Krippen. Und darum fragten sie: ^,Wer hat Dich eingesetzt?" In Einsamkeit ward Deine Seele voll des Forschens, des Wissens und des Singens, wie ein Garten voll von jungen Trieben und ein Taubenschlag von Lauten weicher Demut und süßer Liebe brausend. Und alles Licht wölbte sich zu Dir wie ein Regenbogen und breitete sich vor Dir wie die Spiegelfläche des Meeres. Mit jenen wundersamen Qualen, mit jenen Geburtsschmerzen des Seelenfrühlings, mit jenen. Blitzströmen und der leuchtenden Botschaft, die genannt wird: Offenbarung der Lehre. Und darum haßten Dich sowohl jene, die sie nicht empfingen, wie viele von jenen, die sie empfingen. Und wie Du niederstiegst vom Wolkenberg, da hörtest Du ein Gespött und Zähneknirschen und Röcheln der Schwäche und Schnarchen von Schlafenden und Klirren von Ketten und Stampfen, von Reigentänzen. Und Du standest einen Augenblick, schlank wie die Palme, Deine Blicke scharf wie Pfeile. Und die Hand ausgestreckt; um ■ mit feurigem Griffel auf die Tafel die Worte der Zukunft zu schreiben. Und darum sagten sie, daß Du nur ein Künder der Zukunft seiest und der gegenwärtigen Dinge nicht achtest. Du Furchtbarster unter den Furchtbaren, Held unter den Helden, Gewaltiger unter den Gewaltigen. , Du, in dem sich wie im Brennpunkte alles sammelte, was heimlich lebte in den verborgenen Tiefen meines Volkes! In Dir löste es seine Rätsel und die Geheimnisse seines Schicksals. Komm wieder, o Prophet, komm wieder! So stark," so groß, so hell wie Du gewesen! Komm und erneuere die Oeister, komm und durchzucke die Wüste! Komm und züchtige, komm und künde das Wort des Herrn! Komm und streu' nach allen Seiten die Blitze Deines Lichts! Daß jene noch einmal herfallen, brüllen. und schelten, und Deine funkelnden Steine auf ihre Lumpen' legen und in Beutel und Büchsen stopfen.