Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-04-15 · 16 (15.4.1908) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316313--50511-3377642
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6 V// ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII. JAHRG. KÖLN» 15. April 1908 ]ywb D^ntY« p\J -""> MOSES Von Nahum Sokolow*) I. II. Einer Sonne, die ihre leuchtenden Strahlen zur Erde wirft, einem Licht- und Lebensborn, dem Blüte und Wonne entsprüht, "glichest Du, Prophet der Flammen! t Endlose Schätze warfst Du aus Felsenhöh' in Abgrundtiefen. Massen von Kristall und Edelstein prallten an den harten, nackten Fels, daß das tönende Echo hallte. Du spanntest Saphirbläue über Dein Haupt und wobst in Himmelsteppiche die Farbea des Regenbogens. Auf daß das Menschenauge. juble, -wenn Du die Pracht des Reichtums über den Staub der armen Erde breitest. Und dann kam das Gesindel gesprungen und gestampft und wollte die Gewänder des Glanzes in Fetzen zerreißen. Alles kriechende Getier und alles wimmelnde Gewürm fiel her, das Manna Deines Lichts einzuheimsen. Es pflückte und zerstückte, was Du aus goldenem Oberschwall von Dir geworfen und was davon zur Seite fiel. Und Krieg entbrannte zwischen den Würmern um jedes Fünkchen Licht und jeden Hauch von Wärme! Und sie kamen von ringsumher und warfen sich hin, zu sammeln und zu pflücken, zu zerstückeln und zu stehlen. Aus dem Staub Deiner Kostbarkeiten bauten sie ihre Festungstürme. Man glaubte, daß die kostbaren Steine ihre Sehnsucht wecken, der Diamant und der Jaspis, der Smaragd und der Topas. Daß sie jene zur Leuchte machen wollen und Deine reine Wahrheit zu ihrem Schmuck. Doch nein! In Beutel und Büchsen stopften sie, was Du zum Leuchten schufst. Denn sie begriffen den Sinn nicht und brauchten Deine Perlengebilde wie gemeinen tönernen Kram. Sie wollten an Deinen Karfunkelblöcken hauen, wie man an rohen Feldsteinen tut. *) Aus „Kethabim Nywchariraa. Band I. Warschau 1903 Durch das tobende Meer schrittest Du. Der Himmel ballte über Deinem Haupt finstere Donnerwolken. Der Sturm umwickelte Dich und schleuderte Dich in alle vier Winde. Die aufgewühlten Wogen peitschten ihren Schaum in Dein Auge. Manchen Tag war in der Höhe kein Stern zu sehen, und das Blut in Deinen Adern erstarrte vor Kälte. Und Du fielest fast unter der Wucht der Qual. Doch die Stimme Deines Herzens rief Dir: „Gehe!" Du gingst, mächtig und furchtbar, zum Schrecken und Verderben jedem Widerstande. Du beugtest die Großen und setztest g#-etene Knechte auf den Thron. Und so immer Dich eine Schwäche anwandelte, ergriff Dich die mächtige Hand und zwang Dich, weiter; zu wandern. Und weiter gingst Du durch schaurige Wüste. Dörrender Sturm zermürbte Dich, Wolken und Berg von nacktem Sand machten Dein Auge dunkel und es füllte sich mit Blut. Aber Du fandest Deinen festen Schritt mitten im brennenden Sand. Oft sankst Du hin, in Beben un'd Verzweiflung, aber die Hand faßte Dich: „Weiter!*. Und Du drangst in verstrickte Dornen. Scharf waren sie wie Spieße und stachen wie giftige Schlangen, aber Du bahntest Dir den Weg durch Stachelknäuel — für das Volk, das hinter Dir kam. Und Du irrtest, das Land zu suchen und den Segen der Gnade für das Volk, das hinter Dir kam. Du warst der rätselhafte Rufer in der schwarzen Nacht. Du verscheuchtest die regungslosen Träume schwarzer Sphynxe. Du stiegst hinab in die Höhlenkeller der Zeichendeuter und zu den Gräberstätten der Geheimnisse und ■ rissest den Schleier von den verborgenen Dingen:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.