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Die Welt · 1908-04-10 · 15 (10.4.1908) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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die3§Kelt; KORRESPONDENZEN An die Redaktion der „Welt". In seinem herrlichen Aufsatz „Ein Vorläufer der Iwria" (Welt Nr. 10) schreibt Nahum Sokolow u. a.: „Es wäre hier nicht angebracht, über die Bedeutung des Mischnahkommentars, natürlich im korrekten arabischen Original, zu berichten. Es ist dies Sache der Spezialforschung, und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß der gewissenhafte und unermüdliche Herr Ben Jehuda diese Fundgrube mit dem ihm eigenen Fleiß ausbeuten wird oder schon ausgebeutet hat" * Ich kann der Wertschätzung des Maimonides als Sprachmeister, wie - sie Nahum Sokolow in seinerkurzen, aber inhaltreichen Abhandlung gibt, vollständig beipflichten. Ich habe schon im ersten Heft meines Wörterbuches im Aufsatze „Agaf" (S. 42) bemerkt: „Trotz der Ansicht des „Aruch" und des Raschi müssen wir uns in der Feststellung des radix „Agaf" als hebräischen Stammwortes nach Maimonides richten, dessen hebräischer Sprachsinn überaus zutreffend ist." Alle, die meine Wörterbuchzettel gelesen haben, werden es bestätigen, daß ich,-ohne Übertreibung, Tausende von Zetteln, die auf Zitaten aus Maimonides aufgebaut sind, besitze. Natürlicherweise bediente ich mich seines Mischnahkommentars im arabischen Original. Außer den von Derenbourg, Weil, Bamberger u. a. bereits veröffentlichten Teilen bediente ich mich auch des in der Berliner Bibliothek befindlichen Manuskriptes. Ich machte während meines dortigen Aufenthaltes vor 4 Jahren reichlich Gebrauch von dieser wirklichen Fundgrube hebräischen Wortschatzes und fertigte mir Tausende von Wortzetteln an. Was Nahum Sokolow vorschlägt, galt mir schon lange zum Prinzip. Die Maimonidesschen Ansichten waren für mich insbesondere bei der Benennung konkreter Gegenstände entscheidend. Auch Professor Dahlmann, mit dem ich über diese Frage mehreremal konferiert habe, legt ungeheuren Wert auf die Realien des Maimonidesschen Stils, — also ganz genau die Sokolowsche Idee von der Lebendigkeit des Maimonidesschen Hebräisch. Auf jeder Seite meines „Million", besonders der neuen Ausgabe in den letzten sechs Heften, die jetzt erschienen sind, steht Maimonides bei mir in erster Reihe als beinahe in allen Fällen entscheidende Autorität. Hochachtungsvoll! _ E. Ben Jehuda Berlin, 30. März 1908. Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 13 der „Welt" berichtet Ihr Wiener Korrespondent von einem Artikel des sozialdemokratischen Abgeordneten Winarski, über Karl Marx, aus dem man den Eindruck gewinnen könnte, als . ob bei dem Vater der modernen Sozialdemokratie durch die Taufe das Bewußtsein seiner jüdischen Abstammung vollständig erloschen gewesen wäre. Daß dies nicht so ganz der Fall gewesen sein kann, geht aus einer Anekdote hervor, die der dritte Reichskanzler des Deutschen. Reiches, Fürst Hohenlohe, in seinen Memoiren erzählt, und die, nicht nur für die Stellung Karl Marxens zum Judentum, sondern auch für den Ursprung des Kosmopolitismus bei manchen jüdischen Sozialdemokraten interessant ist, so daß sie hier mitgeteilt werden soll. Fürst Hohenlohe schreibt (S. 397): „Dann kam Maxime Ducamp auf die Juden zu sprechen und .sagte: Er habe einmal die Bekanntschaft von Karl Marx gemacht, dieser habe ihm gesagt, die Internationale und seine Partei erkenne keine einzelnen Nationen, nur die Menschheit an. Er habe darauf erwidert, es sei wahr, daß die Nationalität erst ein Moment zweiten Ranges sei, aber mit diesem an erster Stelle der zweiten Momente stehenden Prinzip habe man doch große Dinge ausgeführt Darauf habe' ihm Marx leidenschaftlich geantwortet: „Comment voulezvous que nous ayons du patriotisme, nous, qui depuis Titus n'avons plus de patrie!" Das sei, meinte Maxime Ducamp, die Ursache der Internationale, die eigentlich den Juden ihre Entstehung verdanke." Mit Zionsgruß ergebenst -_—.-- Dr. A. Cassirer; Im Hinblick auf die zahlreich eintreffenden Beiträge, die zur Eintragung unseres seeligen A. H. Rudolf Nassau bestimmt sind, richten wir an die P. T. Spender die Bitte, die Spenden fortab nicht mehr zur Eintragung in das „Goldene Buch" des Nationalfonds zu widmen, da eine solche bereits vollzogen ist. Wir bitten vielmehr, ■ 17 diese für ölbaumspenden in dem von uns angeregten „Rudolf Nassau-Hain" ausweisen zu lassen, der ein lebendes Denkmal zu Ehren unseres unvergeßlichen Toten im Lande unserer Väter sein soll. — Die Bestimmung der bereits eingelaufenen Spenden bitten wir in diesem Sinne zu ändern. Für die jüd.-akad. Verbindung „Ivria" J. U. C. Felix Winterstein ing. Erwin Hüttner Dz. X Dz. XXX NOTIZEN Die Seidenindustrie in Syrien Ein Bericht des französischen Vizekonsuls in Beirut vom 16. Dezember 1907 enthält interessante Daten über die Seidenindustrie in Syrien. Wir' entnehmen dem Berichte nach dem im „Bulletin des Halles" erschienenen Auszuge folgendes: Die Seidenkampagne in Syrien im Jahre 1907 begann in den ersten Tagen des April. Damals war auf dem europäischen Markte ein äußerst geringer Vorrat an feinen Seiden, so daß die syrischen Seidenspinner tagtäglich zahlreiche Anfragen auf sofortige Lieferung, aber auch auf Lieferung bis Ende November erhielten. Handelte es sich in diesen Fällen hauptsächlich um Marken prima Qualität, so liefen auch auf geringere Marken zahlreiche Bestellungen auf Lieferung im Juli, September und Oktober ein, und zwar zu den bisher höchsten Preisen nicht nur der Saison, sondern auch der ganzen letzten 5 Jahre. In Syrien befinden sich zurzeit folgende Seidenspinnereien: In Beirut 3, Chouf 27, Metten 48, Kesruan 7, Batruam 9, Kura 12, Akar und Safita 6, Zahleh 3, insgesamt 115. Die jährliche Gesamtproduktion dieser Spinnereien beläuft sich auf ca. 500000 kg. Aus dem Hafen Beirut wurden ausgeführt: 1905: 334600 kg Seide, 48650 trockene Kokons 1906: 350700 kg Seide und 70000 kg trockene Kokons 1907 bis September: 260000 kg Seide und 53000 Kokons. Hilfsverein der deutschen Juden Aus dem Jahresbericht des Hilfsvereins der deutschen Juden seien folgende Einzelheiten hervorgehoben: Die Mitgliederzahl des Hilfsvereins hat sich von 14000 auf 18000 vermehrt. Die regelmäßigen Jahreseinnahmen sind von 98000 auf 138000 JC gestiegen. Mit dem Wachsen des Hilfsvereins hat auch sein Wirkungskreis eine sehr große Ausdehnung erfahren. Namentlich ist es das Schul- und Erziehungswerk, das in großem Maßstabe ausgebaut worden ist Zur Organisierung des Schulwerks und um sich über die Möglichkeit der weiteren Ausgestaltung aus persönlicher Anschauung zu informieren, begab sich der Geschäftsführer im Ehrenamt, Herr Dr. Paul Nathan, zu einer Studienreise in den Orient, die sich auf vier Monate erstreckte. Auf Grund der gewonnenen Erfahrungen und Eindrücke konnten die Grundzüge festgestellt werden, nach denen das Erziehungs- Schulwesen im Orient zu leiten sei. Den größten Umfang hat das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina. Das Schulwerk dort ist aus den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung des Landes heraus entstanden, ist dem religiösen, Verkehrs- und wirtschaftlichen Leben derselben aufs engste angepaßt und entwickelt sich als ein Organismus von lebendiger Kraft in engem Zusammenhang mit der Gesamtentwicklung des palästinensischen Lebens. Als eines der wertvollsten Ergebnisse der Reise des Herrn Dr. Nathan ist es anzusehen, daß ein prinzipielles Einverständnis mit den beteiligten Kreisen über eine zeitgemäße Ausgestaltung des Unterrichts an ■ den Talmud-Thora-Schulen herbeigeführt werden konnte, so daß bei voller Wahrung des religiösen Charakters und der religiösen Grundlage der Anstalten in ihnen den Bedürfnissen des praktischen Lebens in Zukunft Rechnung getragen werden kann. Der Lehrplan soll nach der Richtung hin erweitert werden, daß die Zöglinge nach Verlassen der Schule in den Stand gesetzt sind, sich im wirtschaftlichen Leben zu betätigen und ihr Brot selbst zu erwerben, statt mehr oder weniger von der Chalukah abhängig zu bleiben. Auch in der europäischen Türkei, so z. B. in dem durch den furchtbaren Brand in den letzten Tagen bekannt gewordenen Haskieu, wurden neue Schulen errichtet oder die bestehenden erweitert und

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