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Die Welt · 1908-04-10 · 15 (10.4.1908) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
15 (10.4.1908)
Date
1908-04-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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DIE^ELT No. 15 FEUILLETON neue hyrik i. Gedichte von D. €inftorn*), überseht aus dem Jüdischen Bei [lacht näher und näher rückt die [lacht Wie ein schwarzer riesiger Hdler. fleh, Liebste, mir bangt por ihr; 6s schreckt mich ihr Bück. Sie starrt wie ein Blinder mit offenen flugen; Doch die flugen, so scheint mir, sehen wie wir, Und sehen vielleicht noch tiefer, noch besser... mir bangt vor dem Wäldchen, Das sich dort ballt. Gin schwarzer Fleck auf dem dunklen Bimmel... Was mag jefjt dort wirken und werden Und welch ein Geheimnis Sich weben zwischen den Bäumen, -Die dort stehen, in schwarze Flore gehüllt, Und schweigen und steinernen Blickes schauen Huf das schwarze, perbrannte Gesträuch? ... Ein Stern blitjt auf, ein zweiter nach ihm, Sie blinken und winken ... Wem doch, Geliebte? mir bangt: 0, Dielleicht fällt einer pon ihnen * Zur Erde nieder, um jäh zu erlöschen, — Und oben im Bimmel fehlt dann ein Stern, Und unten auf Erden Gibts ein Cotes mehr, Einen kalten, erloschenen Körper ... Geliebte, mir bangt por der nacht, Der Berrin der riesigen Schatten ... Die Birke - Sachte, sachte schaukelt sein grüngelocktes Köpfchen mein weifjes Birkenbäumchen und betet inniglich. 3edes, jedes Blättchen flüstert still Gebete, — 0 du meine kleine Birke, bet' doch auch für mich! 5ieh, ich bin so elend, pon ferne komm' ich her, Fremd ist mir der Gott pon hier, fremd ist mir sein Wort, nicht wird er mein üeiden sehn, nicht perstehn mein Beten, Wollt' ich beten auch zu ihm, beten immerfort... Weither aus dem Westen hat traurig sich geschlichen 3n die schlanken Zweige ein rosigzarter Strahl Und mit stillem Kufj geküfjf die Blättchen all, die feinen, Die entschlummernd lauschten dem [sied der flachtigall. *) Diese Gedichte des talentvollen Lyrikers D. Einhorn sind im Original in den in Jüdischer Sprache erscheinenden «[literarischen ülonatsschrirteni», Wilna, ueröffentlicht worden. Wir möchten durch obige Probe alle freunde der jüdischen friferatur auf die neue Zeitschrift auf. merksam machen, deren Besprechung wir uns uorbehälten. Die Red. Von den breiten Feldern kommt ein leiser Wind gezogen Und erzählt den Blättern Geschichten, wunderlich. Seltsam tief im ßerzen fafjt mich an ein Sehnen... 0, du meine kleine Birke, bet' doch auch für mich! liegende Verschüchtert, still und eingehüllt in Schatten, in sich persunken, in das eigne Dunkel, So ziehn sich lange Reihen finstrer Häuser Und bilden Gass' um Gass' und Straf;' um Strafje. Undin der Gassen Uiefe, auf feuchtkalten Steinen, mit nackten Füfjen, in zerriss'nem Kleid, Geht eine hohe, hagere Gestalt mit blinden flugen starr und weit geöffnet, Und sucht etwas mit ff-stend-zagen Fingern Und sucht ohn' Unterlaß und sucht... Und weit am Ende aller Gassenzüge Steht ein perfallnes kleines Häuschen Einsam, perlassen. Cür und Fenster Sind fest pernagelt und permacht mit Brettern, Durch deren Spalten in die Gassen Ein grofjes, schweigendes Geheimnis blickt, Cags mit den finstern Blicken eines üoten, Bei nacht mit schreckhaft-rotem Glänzen, Gleich eines weiten Brandes Flammenschein, Der zitternd färbt das ferne Firmament... Und wenn pom Uurm, des Spifce hoch aufstrebt, Die zwölfte Stunde schlägt, beim hellem Schein der Sterne, naht sich der Blinde dem perfallnen Baus, Die kippen festgeprefjt pon Weh und Iieiden, Und pocht und pocht an die permachten Fenster Und ruft dort jemand, fleht bei jemand Und sucht im eignen Echo Antwort, — Doch keine Antwort dringt herpor. Stumm bleibt wie früher die perfallne Stätte, Verschlossen, eingehüllt in nacht und Schatten, in tiefem Schweigen wahrend das Geheimnis, Das durch die Spalten in die Gassen starrt... Und wenn es dämmert und der morgen naht, Schrumpft ein die hohe, hagere Gestalt Und wird ein kleines, schwaches, dürres, männchen, Das, einen Packen auf dem Rücken, wandert Und handelt und perkauft und kauft. Doch kaum wird's leer und finster in den Gassen, So wächst das kleine, schwache, dürre männchen Zur hohen, hageren Gestalt und wandelt mit blinden flugen, starr und weit-geöffnet, Und sucht etwas mit rastend*zagen Fingern Und sucht ohn' Unterlaß und sucht...

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