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Die Welt · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Jossei Sachriye, 30 Jahre alt, schwere Schußwunde am Arm, Blutvergiftung, Hieb über den Kopf, Zustand lebensgefährlich; Abraham L. Goldmann, 35 Jahre alt, 5 Wunden, am Kopf, 2 an der Stirn, und 1 im Rücken, Alle Verwundeten mit Ausnahme des letztgenannten, der Amerikaner ist, stammen aus Rußland. Unsere letzten Nachrichten lassen dieses beklagenswerte Geschehnis als einen isolierten Fall eines in Palästina beispiellosen polizeilichen Krawalls erscheinen. Die Bevölkerung ließ sich durch die künstlich inszenierte lokale Hetze, die der Kaimakam auf eigene Faust betrieben hatte, nicht in den Zustand einer allgemeinen Auf. regung versetzen. Man hat es hier mit der wilden Laune eines kleinstädtischen Satrapen zu tun, der in vollständiger Mißachtung der Gesetze und der Traditionen seiner Regierung den friedsamen Juden gegenüber einen durch nichts motivierten Oberfall arrangiert hat. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die türkische Regierung schleunigst durch die Bestrafung der Schuldigen und in erster Reihe durch die Absetzung des Kaimakams Remedur schaffen wird Nachträglich erhalten wir noch folgenden Bericht, der uns als auf eingehender Untersuchung der Vorfälle basierend bezeichnet wird, und für dessen Richtigkeit uns dreizehn der angesehendsten jüdischen Bürger Jaffas als absolut vertrauenswürdige Quellen mit ihrem Namen garantieren: Schon seit einiger Zeit zeigen die Lokalbehörden unserer Stadt, insbesondere der Kaimakam, offen eine feindselige Haltung gegenüber den Juden und lassen keine Gelegenheit vorübergehen, "ihre Gefühle zu äußern. Daher kommt es, daß ein Teil der muselmanischen Bevölkerung, insbesondere die niederen Klassen, sich für berechtigt halten, dieJudeninjedermöglichen Weise zu quälen: Einmal sind es Frauen und junge Mädchen, die angerempelt und belästigt werden, ein andermal sind es jüdische Bauern, die insultiert oder junge Leute, die mit Stockschlägen traktiert werden. Am Freitag den 13. März ging ein Jude namens Davidsohn durch die Bahnhofstraße in Begleitung einer jungen Frau, als zwei mohamedanische Araber letztere angriffen. Davidsohn erhielt beim Versuche, sie zu verteidigen, einen Stockhieb über den Kopf und wurde schwer verwundet. Am Montag den 16. März, dem Vorabend des Purimfestes wurden in derselben Bahnhofstraße einige junge jüdische Leute vor der deutschen Bäckerei von zwei mohamedanischen Arabern, darunter einem gewissen Kavoui. angerempelt. Sie widersetzten sich und verfolgten die Angreifer; die flüchteten mit Geschrei in den Laden eines Spezereiwarenhändlers namens Chaban hinein. Andere Muselmänner eilten auf ihr Geschrei herbei. Es entstand eine allgemeine Schlägerei; man warf sich Gläser und Flaschen an dem Kopf und hieb mit Stöcken um sich, ja einige zogen sogar das' Messer. Ein Jude, namens Boulotin, wurde an der Hand verwundet, der Muselmann Chaban erhielt mehrere Stockhiebe und trug zahlreiche Wunden davon, darunter eine sehr schwere am Unterleib. Diese ganze Rauferei dauerte nur einige Minuten. Die Israeliten flüchteten in das benachbarte Hotel, daß einem gewissen Haim Baruch gehört, und die Mohammedaner ließen die Polizei rufen, die das Hotel Baruch umzingelte, um jedermann am Verlassen des Hotels zu verhindern. Da der Besitzer des Hotels Baruch Russe ist, konnte man bei ihm nicht eindringen ohne Genehmigung des russischen Konsuls. Man lief den letzteren holen, der seinen Kawassen mit dem Auftrag schickte, der Polizei Hilfe zu leisten. Nach Ankunft des Kawassen drang die Polizei ins Hotel Baruch ein und verhaftete auf die Aussage eines gewissen Marrokaners, ' Derwisch Fassik. der wegen seiner Drohungen und seiner Angriffe auf Juden schon bekannt ist, 5 Personen, von denen wenigstens 3 bestimmt-keinerlei Anteil an der Schlägerei hatten. Man untersuchte die Verhafteten in Gegenwart des Kawassen, ohne bei ihnen irgendwelche Waffen zu finden. Hierauf brachte man sie auf die Polizeiwache, wobei man sie, obgleich sie nicht den geringsten Widerstand leisteten, mit Stöcken schlug. . Nach Vornahme dieser Verhaftung fuhr man fort, das Hotel Baruch zu bewachen, ebenso wie das benachbarte Hotel eines gewissen Spektor. Da man vermutete, daß sich einige der Teilnehmer in das letztgenannte Hotel geflüchtet hätten, drang der Polizeikommissar Mohammed Effendi in Begleitung des Kawassen Abudi und des Marrokaners Fassik dort ein. Dieser konnte keine der anwesenden Personen als Teilnehmer an der Schlägerei bezeichnen. Er versuchte indessen Davidsohn, der am vorhergehenden Freitag verwundet worden war, zu beschuldigen, aber der Kommissar legte keinerlei Gewicht auf seine Anschuldigungen und verließ das Hotel ohne jemanden verhaftet zu haben. Mohamed Efendi hatte das Hotel knapp einige Minuten verlassen, als man plötzlich auf .der Rückseite des Hotels Schüsse vernahm. Zu gleicher Zeit drang der Chef der Gendarmerie, Daud Effendi, durch eine Hintertür ein, den Revolver in der Hand, gefolgt von seinen Polizisten, von Soldaten und fünf Mohamedanern der Familie Matari, alle bewaffnet, die Einen mit Revolvern oder Gewehren, die Anderen mit Säbeln oder jenen kolossalen Stöcken in Form einer Keule, die man Naboutes nennt. Jetzt begann ein richtiges Blutbad, die Angreifer zerschlugen die Lampen, teilten rechts und links furchbare Stockhiebe aus, schössen durch die Zimmertüren und verwundeten und schlugen jeden, der ihnen begegnete, nieder. Das Ergebnis: 13 unglückliche Juden, arme unschuldige Leute, die teilweise am selben Morgen aus Russland angekommen waren, fielen als Opfer dieses brutalen Angriffs, mehr oder weniger schwer verletzt. Um die Erzählung dieser Abscheulichkeiten zu beendigen, haben wir noch hinzuzufügen, daß die Angreifer aus dem Hotel Spector alles mitnahmen, was ihnen wertvoll erschien und daß sie Petroleum auf den Boden schütteten und versuchten einen Brand zu entzünden, um so alle Spuren ihrer Metzelei zu verwischen. Es ist für uns schwierig, Gründe für diesen wilden Uberfall anzugeben, der in der Geschichte der Türkei, wo die in einzelnen Ländern verfolgten Juden immer freundlichst aufgenommen wurden, einzig dasteht. Wir glauben indes, daß die ganze Verantwortlichkeit für diese Greuel dem augenblicklichen Kaimakam von Jaffa, Assaf Bey, zuzuschieben ist, der alle Mittel anwendet, um das Märchen einer jüdischen Gefahr in Palästina glaubhaft zu machen. Wir wissen, daß die Polizei, um ihren Oberfall zu erklären, vorgibt, daß die Juden das Purimfest ausgewählt hatten, um eine Verschwörung in Jaffa zu organisieren. Eine eigentümliche Verschwörung, wo man bei keinem der angeblichen Verschwörer irgend eine Waffe findet, wo sie alle Opfer der Kugeln und der Hiebe der Gendarmen sind und wo keiner der Gendarmen oder irgend einer deren Spießgesellen die geringste Wunde empfing. Kurz vor Schluß der Redaktion erhalten wir folgendes Telegramm: Jerusalem, den 31. März. Der Kaimakam von Jaffa wurde zur Rechenschaftsablegung nach Konstantinopel beordert. Wahrscheinlich dürfte er auf seinen Posten nicht zurückkehren. Es sind inzwischen noch andere Nachrichten aus Privatinformationsquellen über eine schon vollzogene Absetzung des Kaimakams und eine definitive Erledigung der Affaire in der Presse veröffentlicht worden. Demgegenüber beschränken wir uns auf die Wiedergabe obenstehender telegraphischer Nachricht, die bis zur Stunde als die einzig offizielle Lesart gelten kann. Wir zweifeln allerdings nicht, daß die auch uns zugegangene Privatnachricht von der schon erfolgten Absetzung des Kaimakams bald ihre offizielle Bestätigung erhalten wird. Eine neue jüdische Kultus-Kunst=Ausstellung. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankfurt a. M., veranstaltet im K.unstgewerbe-Museum zu Düsseldorf eine Ausstellung von jüdischen Bauten und Kultusgegenständen. Diese Ausstellung wird am 3. Mai eröffnet und bleibt bis zum 15. Juni offen. Die reichhaltigen Kollektionen der Gesellschaft befinden sich bekanntlich im Kunstgewerbe-Museum zu Düsseldorf unter der Aufsicht des rühmlichst bekannten Kunstkenners, des Herrn Direktors Frauberger, der die Gesellschaft geschaffen hat und als Vorsitzender des Arbeitsausschusses fungiert. Die Ausstellung hat den genauen und bestimmten Charakter einer jüdischen Kultus-Kunst-Ausstellung und dürfte in den weitesten Kreisen aller Wissensbegierigen lebhaftes Interesse wachrufen. Zum erstenmal wird die Gelegenheit geboten, in bequem zugänglicher Weise ordnungsgemäß und mit genügenden Erklärungen der großen Öffentlichkeit eine Sammlung näherzurücken, die sowohl als Archiv wie als Museum wahre Schätze von Denkmälern, die das jüdische religiöse Leben veranschaulichen, enthält. Die Ausstellung wird in den großen hellen Räumen des Kunstgewerbe-Museums zu Düsseldorf einen würdigen Platz finden. Herr

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