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Die Welt · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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.^.^^JW^wi-^r^V" : DlE3$XE 16 Direktor Frauberger, der viele Jahre emsigen Schaffens und liebevoller Hingebung der Schaffung dieser schönen Institution gewidmet hat, ist eben jetzt mit den Vorbereitungen für die Ausstellung beschäftigt. Die preußische Regierung gegen das „Borkumlied«* Im preußischen Herrenhaus brachte der Oberbürgermeister Struckmann von Hildesheim die antisemitischen Pöbelhaftigkeiten zur Sprache, die alljährlich in der Badesaison auf der Nordseeinsel Borkum Mode sind und die noch jüngst ein berufener Vertreter der Bevölkerung dieser Insel als lediglich von ,.teutschen" Badegästen ausgehend und als mit dem Empfinden der eingeborenen Bewohner Borkums im Widerspruch stehend geisselte. Oberbürgermeister Struckmann zitierte den Text des ebenso gemeinen wie hirnverbrannt blödsinnigen „Borkumliedes", dieserreinen Blüte antisemitischen Geistes und fragte, ob die Regierung nicht gesonnen sei, anständige Badegäste gegen diesen Unfug zu schützen. Der Minister von Moltke antwortete: Das Borkuralied ist zweifellos eine Beleidigung der Juden. Anders liegt die Sache, wenn dies Lied gesungen wird, ohne daß Juden anwesend sind. In diesem Falle ist es nicht möglich, strafrechtlich gegen die Absinger des Liedes vorzugehen. Ich nehme aber keinen Anstand, das ganze Verfahren als grobe Ungehörigkeit zu bezeichnen (Beifall), zu der nicht einmal Mut gehört (sehr wahr!), und habe die mir unterstellten Behörden angewiesen, mit allen möglichen Mitteln gegen die Ungehörigkeit einzuschreiten. (Beifall). Die Reichstagswahl Emden-Leer Emden, 1. April. Bei der heutigen Stichwahl zum Reichstag unterlag der antisemitische Kandidat Groeneveld mit 9015 Stimmen gegen den Freisinnigen Fegter, der mit 12687 Stimmen gewählt wurde. Bekanntlich hatten sich die Antisemiten auf diesen Wahlkreis, der bisher von einem konservativen Abgeordneten vertreten war, große Hoffnungen gemacht, und den Wahlkampf in einer beispielslos hetzerischen Weise geführt. - Hilfsverein der deutschen Juden. Sonntag den 29. März, nachmittags 4 und 5 Uhr, fanden unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des Centraikomitees und die Generalversammlung des „Hilfsvereins der deutschen Juden" statt. Beide Versammlungen hatten sich eines lebhaften Zuspruches auch seitens auswärtiger Mitglieder zu erfreuen. In der Sitzung des Zentralkomitees wurde über den Geschäftsbericht beraten; derselbe fand die Billigung der Anwesenden. Einen besonders tiefen Eindruck, der sich in lebhaftestem Beifall kundgab, rief die Mitteilung des Herrn Simon hervor, daß die Familie des verstorbenen Herrn Wolf Wissotzky in Moskau durch den Sohn des Verewigten Herrn David Wissotzky dem Hilfsverein der deutschen Juden eine Stiftung von 14 Million Francs mit der Bestimmung überwiesen hat, technische Mittelschulen im Orient zu begründen. An die Sitzung des Zentralkomitees schloß sich die ordentliche Mitgliederversammlung. Herr Simon gab einen Bericht über die Entwicklung des Hilfsvereins im verflossenen Jahre. Die Organisation ist nach verschiedenen Richtungen hin ausgebaut worden; die Ausbreitung des Vereins in allen Teilen des Reiches hat einen weiteren erfreulichen Fortgang genommen. Herr Dr. Nathan gab darauf in großen Zügen einen Überblick über die Hilfstätigkeit des Vereins: das Hilfswerk für die Juden des Ostens und Orients, die unter wirtschaftlicher Kalamität und grausamer Unterdrückung seit Generationen zu leiden haben; die Fürsorge für die Auswanderer; das umfangreiche Schulwerk des Vereins. Des besondern ging der Redner, der erst vor kurzem von einer viermonatlichen Studienreise ^aus dem Orient zurückgekehrt ist, auf die Organisation des Schulwerkes des Hilfsvereins in Palästina ein und führte insbesondere aus, daß im Hinblick auf die zunehmende wirtschaftliche Erschließung Palästinas, Vorder- und Hinter-Asiens die intellektuelle kaufmännische und technische Ausbildung der Juden des Orients von besonderer Bedeutung sei. Sodann erfolgte die Genehmigung des Geschäftsberichtes und die Entlastungder Verwaltung.' Territorialismus und Terrorismus Ein eigentümliches Mißgeschick, das des komischen Beigeschmacks nicht entbehrt, passie te jüngst unserm Freunde Dr. Wortsmann in Philadelphia. Die Zionisten Philadelphias hatten ihn eingeladen, einen Vortrag zu halten, und er hatte das Thema gewählt: Territorialismus im jüdischen Parlament. Die Polizei, der einige der jüdischen Einladungskarten zu Gesicht kamen, verwechselte nun merkwürdigerweise Territorialismus mit Terrorismus. Das gab LT No,14 natürlich im Polizeibureau eine große Aufregung — eine terroristische Versammlung, Anarchisten, Bomben, — kurzum, als die ca. 500 Juden, die die Versammlung besuchen wollten, zur Halle kamen, war da ein starkes Polizeiaufgebot, die Versammlung verboten usw. usw. Man hat dann natürlich Protest eingelegt, und der Irrtum wurde aufgeklärt. , England Liverpool: Gelegentlich seiner Anwesenheit in England wird Herr David Wolffsohn am 12. März auch in Liverpool in einem Massmeeting sprechen. Die-Vorbereitungen sind bereits im Gange; es ist zu erwarten, daß die Versammlung von besonderer Bedeutung sein wird. Manchester: Verflossenen Sonntag sprach hier Rev. Lewis über „Nachmonides". An den interessanten Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion. Jüdische Zeitrechnung im Altertum In der Royal Astronomical Society in London hielt kürzlich Mr. E. B. Knobel einen sehr interessanten Vortrag über den jüdischen Kalender im Altertum. Bis heute bestand nach seinen Ausführungen keine Gewißheit über die Art der jüdischen Kalenderberechnung vor der Reformation des jüdischen Kalenderwesens im vierten Jahrhundert der bürgerlichen Zeitrechnung. Die Entdeckung einer Anzahl aramäischer Papyri in Syene, deren Übertragung jüngst durch Professor A. H. Sayce und Mr. A.E. Co.wley erfolgt ist, hat indessen ein helles Licht auf die jüdischen Kalenderverhältnisse zu einer Zeit geworfen, die 800 Jahre vor dieser Reformation liegt. Diese Papyri enthalten eine Anzahl Kontrakte, die sowohl mit dem ägyptischen als dem entsprechenden jüdischen Datum versehen sind. Nun ist uns der ägyptische Kalender sehr wohl bekannt. Das ägyptische Jahr war, wie unser heutiges, ein solches von 365 Tagen und zählte 12 Monate. Eine Abweichung von der heutigen Zeitrechnung bestand darin, daß jeder Monat 30 Tage enthielt' und daß dem 12. Monate 5 Schalttage zugefügt wurden. Wir sind nun in die Lage versetzt, aus dem Vergleich der ägyptischen Daten mit den entsprechenden jüdischen diese letzteren zu berechnen. Die Aufgabe besteht weiter darin, aus diesen uns nunmehr bekannten jüdischen Daten die ganze Grundlage des jüdischen Kalenders zu rekonstruieren. Diese Aufgabe hat Mr. E. B. Knobel gelöst. Der Schlüssel für die Lösung war durch den Umstand gegeben, daß zwei der jüdischen Daten genau 30 Tage von einander lagen. Als Endresultat ergab sich, daß damals das jüdische Jahr wie heute ein Mondjahr war und daß die Monate von Neumond zu Neumond dauerten. Dieses Mondjahr wurde mit dem Sonnenjahr durch gelegentliche Einschaltung eines dreizehnten Monates ausgeglichen. Die Einschaltung findet heute nach einer Regel statt, die man den Metonischen Zyklus nennt, nach dem Entdecker dieser Regel, Meton. Es ist nun von hohem Interesse, daß aus den Feststellungen Mr. Knobels hervorgeht, daß die Juden diese Regel schon ein ganzes Menschenalter vor Meton in Gebrauch hatten. Das früheste Datum auf den fraglichen Papyris ist das Jahr 471 vor der heutigen Zeitrechnung. Meton entdeckte seine Berechnung nicht vor 433. 41 Jahre vorher aber wandten die Juden eine Kalenderrechnung an, die mit der, die seinen Namen trägt, bereits identisch ist. Die jüdische Kolonie in Syene (dem modernen Aswän) scheint von den Flüchtlingen gegründet worden zu sein, die nach der Ermordung Gedaljahs nach Ägypten geflohen sind und den Propheten Jeremias mit sich führten. Das Palästinaressort des E. A. C. bringt hiermit zur Kenntnis der galizischen Gesinnungsgenossen, daß Sammlungen und Zeichnungen zugunsten der palästinensischen Unternehmungen in sämtlichen Distrikten Galiziens durch das Zentralkomitee der galiz.. Zionisten in Lemberg z. H. des Herrn Dr. Samuel Rappaport, Sykstuska 33, gehen müssen. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. März 1908 abgelaufen war, bitten wir um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, damit in der Zustellung de% Blattes keine Unterbrechung eintritt. Der vorigen Nummer waren Posterlagscheine für die österreichischen _ und ungarischen Abonnenten beigelegt, die wir zur kostenlosen Überweisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Aus Deutschland werden Abonnementsbeträge auch in Briefmarken entgegengenommen, aus allen übrigen Ländern empfiehlt sich am einfachsten die. Einsendung der Beträge per Postanweisung. Die Expedition „Die Welt"

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