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Die Welt · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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DIE^ELT No. 14 widerlegte er einige Bedenken, die Herr Dr. Löbel gegen den Zionismus geäußert hatte. Nach ihm sprach Herr Stermann Riethof aus Teplitz. Nachdem noch der Referent, Herr Bechert, und einige andere Redner kurz gesprochen hatten, wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Amerika Unter den amerikanischen Zionisten ist jetzt eine starke Bewegung zur Gründung von Jugendvereinen. Allein im Monat März entstanden acht neue zionistische Jugendvereine in New York, Denver, Greenbay, Bourlington, New Häven, Syrakuse, Haberstown und Manchester. Die Vereine umfassen gewöhnlich junge Mädchen und Jünglinge und richten Zirkel zum Studium der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache, der Theorie des Zionismus und so weiter ein. Holland Coevorden. Sonntag den I.März fand hier eine gut besuchte Versammlung statt, in der Herr Hertzberger aus Groningen über das Thema „Zionismus und jüdischer Gottesdienst" sprach. Rotterdam. In der Jahresversammlung der Rotterdamer Zionistischen Vereinigung wurde der Bericht über das verflossene Jahr erstattet. Die Mitgliederzahl hat im verflossenen Jahre beträchtlich zugenommen, wenn auch die Stärke der Vereinigung der Anzahl der Rotterdamer Juden keineswegs entspricht. Auch hat sich hier eine Abteilung des Jüdischen Frauenbundes für Kulturarbeit in Palästina gefunden. Australien Sydney. Mit aufrichtiger Genugtuung verzeichnen wir die Nachricht von der Gründung einer zionistischen Ortsgruppe in Sydney, die am 17. Februar in einer Versammlung beschlossen wurde. Es bestand schon früher einmal eine zionistische Gruppe in Sydney, die indessen vor einigen Jahren eingegangen ist. Den unermüdlichen Bemühungen des Rechtsanwalts Perce J. Marks ist es nunmehr gelungen, diese Gruppe wieder zu neuem Leben zu erwecken. In der konstituierenden Versammlung, die Herr Marks leitete, verlas er Zustimmungskundgebungen hochangesehener Persönlichkeiten, von denen wir besonders diejenige des Herrn Walter D. Benjamin hervorheben wollen, der u. a. schrieb: Zu aller Zeit gab es viele Punkte im Zionismus, die mir diese Bewegung sympathisch machten. In diesen Tagen einer tollen Assimilationshetze, der kleinmütigen, kraftlosen und verwässerten Grundsätze von „Engländern jüdischen Glaubens", einer groben Furcht vor dem, „was die Leute dazu sagen" ist eine solche Einigungsbewegung unbedingt notwendig, wenn das jüdische Volk vor den zersetzenden Einflüssen seiner Umgebung bewahrt bleiben soll. Darum begrüße ich den Zionismus mit seinen erhabenen Idealen, mit seiner weltumspannenden Organisation und seinem tiefen und sittlichen Ernst". fs^° \L*a^ NACHRICHTEN Die Ausschreitungen in Jaffa Ober die bereits in unserer vorigen Nummer telegraphisch kurz gemeldeten Exzesse in Jaffa haben wir inzwischen weitere Informationen eingeholt, die das dort Berichtete vollinhaltlich bestätigen. Die schweren Ausschreitungen stellen sich darnach als die Missetat des Jaffaer Kaimakams Assef Bei heraus, unter dem die jüdische Bevölkerung auch schon vorher schwer zu leiden hatte. Schon seit 6—7 Monaten werden die Juden aufs empfindlichste von ihm unterdrückt und geschädigt. Er reizt die arabische Bevölkerung in Stadt und Land gegen die Juden auf und schickte wiederholt ohne jede Veranlassung Gendarmerie in die Kolonien, um die Kolonisten zu schrecken und die Araber gegen die Juden aufzureizen. Auch kam es in letzter Zeit mehrfach vor, daß Juden von Arabern auf der Straße geschlagen und mißhandelt wurden, ohne daß die Täter bestraft wurden. Am Montag den 16. ds. Mts. abends (Erew Purim) kam es neuerdings zu einem Zusammenstoß zwischen einem Araber und einem jüdischen Arbeiter, wobei der Araber verwundet wurde. Diese Rauferei dehnte sich in einen größeren Auflauf zwischen Arabern und Juden aus, wobei beide Seiten sich der Sodawasserflaschen aus einem arabischen Laden, dessen Besitzer zu den arabischen Rädelsführern gehörte, als Wurfgeschosse bedienten Bald jedoch liefen die Araber davon, die Juden gingen auseinander, und es kehrte wieder Ruhe ein. Nach einer Stunde etwa erschien ein türkischer Polizeibeamter in Begleitung des Dragomans des russischen Konsulats und einiger Araber, die an der Rauferei beteiligt gewesen waren, in dem Hotel Baruch, in dem viele jüdische Arbeiter wohnen Hier wurden von den Arabern dem türkischen Beamten sechs Leute als Teilnehmer an dem Auflauf bezeichnet, deren Schuld indessen durchaus nicht feststeht, und unter Zustimmung des russischen Dragomans von einer Eskorte Soldaten nach dem Serail abgeführt. Hierauf begaben sich der türkische Beamte, der russische Dragoman und die arabischen Zeugen nach dem Hotel Spektor, wo gleichfalls jüdische Arbeiter wohnen, verhafteten hier jedoch niemand. ^Kurze Zeit darauf drang dann plötzlich der Gendarmerieoffizier DaudEffendi, gefolgt von Polizisten, Soldaten und bewaffneten Arabern, durch eine Hintertür in das Hotel Spektor ein, schössen auf die Anwesenden — der anführende Offizier tat sich dabei besonders hervor — und schlugen ohne Erbarmen auf sie ein. Dreizehn jüdische Arbeiter wurden verletzt, darunter zwei lebensgefährlich, und liegen im jüdischen Hospital. Auch wurden Geld und Kleider geraubt Die Unruhen haben sich vorläufig nicht wiederholt. Der russische Konsul beobachtet eine abwartende Haltung. Der Kaimakam selbst soll in der Nähe des Hotels gewesen sein und den Befehl zum Einbruch erteilt haben. Der Mutesariff (Generalgouverneur aus Jerusalem) der sich in den letzten Tagen in Ramleh aufhielt, war in Jaffa und empfing eine Deputation jüdischer Bürger. Er betonte, daß er den Juden sehr gewogen sei und alles daran setzen werde, daß die Untersuchung sofort eingeleitet und die Schuldigen der Strenge des Gesetzes anheimfallen sollen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die vorgekommenen ungeheuerlichen Ausschreitungen lediglich von dem Kaimakam ausgehen, denn vor der Zeit seines Wirkens bestanden bei der arabischen Bevölkerung niemals irgendwelche bemerkenswerte Feindseligkeiten gegen die Juden. Selbst zur Zeit, als die jüdische Einwanderung überaus stark war, ist es niemals zu irgendeiner gegnerischen Kundgebung unter den Arabern gekommen. Der Vorfall erregt unter den Juden des Landes um so größeres Aufsehen und um so lebhaftere Entrüstung, als niemals hier oder überhaupt in der Türkei derartiges gegen Juden vorgekommen ist. Nachstehend bringen wir die offizielle Liste der bei diesen Ausschreitungen verletzten Juden, die im Hospital Schaare Zion untergebracht sind: Benzion Blufstein, 43 Jahre alt, 3 Stockwunden an der Stirn, 2 im Gesicht; Janke Klind, 23 Jahre alt, 2 Wunden an Arm und Schulter; Hirsch Mussin, 23 Jahre alt, eine Schußwunde im Rücken, 3 Kopfwunden; Abraham Komaroff, 24 Jahre alt mehrere Verletzungen am linken Bein; Josef Dormann, 27 Jahre alt, mehrere Verletzungen an Arm und Bein, mehrere Wunden im Gesicht; Benia Blak, 18 Jahre alt, 3 schwere Säbelwunden am Kopf, eine Verletzung im Gesicht; Nahom Lewin, 19 Jahre alt, mehrere Verwundungen an Schulter und Arm; Jakob Zolkind, 23 Jahre alt, Wunden am Kopf und Schulter; Jakob Reskin, 32 Jahre alt, Säbelwunden am Kopf; Enoch Löb Herschkowitz, 30 Jahre alt, Säbelwunden am Kopf und Schulter;, Chaim Burstein," 25 Jahre alt, schwere Schußverletzung im Rückgrat, Zustand lebensgefährlich;

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