Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE]KKELT 13 Verringerung der Ergebnisse unserer Nationalfonds-Sämmlungen in diesem Jahre. Den Vertrieb der Anteile der Palestine Land Development Co. Ltd. ubernahm Dr. Gustav Levien; bis jetzt sind in Hamburg 88 Anteile ä £ l gezeichnet wurden. Leo M. Michael besorgte die Einsammlung des Palästinabeitrags. Wenig befriedigend war leider in diesem Jahre der Absatz von Aktien der Kolonialbank. Die Bureauarbeiten der Ortsgruppe nahmen einen derartigen Umfang an, daß ein besoldeter Sekretär angestellt wurde. Der Etat stellt sich laut Rechnungsabschluß, wie folgt: Bilanz. ___ Debet 1907 I März! 1908 I März j Kassa An Bilanz Vortrag v. 28. Februar „ Nationalfonds-Kt....... „ Ölbaumspenden-Kt...... „ Versammlungs-Kt. . . . '. . „ Schriften-Kt......... „ Landesbeitrag-Kt....... „ Schekel-Kt.......... „ Spesen-Kt.......... „ Ortsgruppenbeitrag-Kt. . . . „ Nationalfonds-Büchsen-Kt. . . „ Palästina-Beitrags-Kt..... „ Diverses.......... „ Parteifonds-KL....... Mk. Pf. 1521 15 446 02 762 40 102 90 13 — 261 — 451 — 224 19 994 — 212 78 103 90 25 — 2702 85 7820 19 Credit Konto Per Nationalfonds-Kt .... „ Ölbaumspenden-Kt. . . „ Versammlungs-Kt. . . . „ Schriften-Kt......• „ Landesbeitrag-Kt..... „ Schekel-Kt. . . . . . . „ Spesen-Kt........ „ Nationalfonds-Büchsen-Kt. „ Palästina-Beitrags-Kt . . „ Diverses.......'. „ Parteifonds-Kt. ..... „ Bilanz-Kt........ Mk. Pf. 415 60 768 40 744 39 42 70 217 — 390 — 760 35 458 — 103 90 25 — 2553 30 1341 55 7820 19 Wir bemerken dazu, daß der Rechnungsabschluß nur diejenigen Geldspenden enthält die durch unseren Schatzmeister abgeführt wurden. Insgesamt sind in Hamburg-Altona aufgebracht worden laut Ausweis in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU resp. WELT: Für Nationalfonds „ Ölbäume 1907/08 830.65 Mk. 930.— „ 1906/07 962.05 Mk. 1338.— „ In Summa 1760.65 Mk. 2300.05 Mk. Personalien: Unsere Delegierten zum VIII. Kongreß waren Dr. Kalmus und Dr. Halpern. Die Ortsgruppe ehrte Gustav Tuch und Dr. Max Besser durch Eintragung ins Uoldne Buch. Der Vorstand Dr. Kalmus, L. Estermann, Dr. Besser, I. Vorsitzender., IL Vorsitzender. I. Schriftführer. Dr. Huldschiner, Saml. Cohen, II. Schriftführer. Schatzmeister. Dr. Halpern. Frau Huldschiner. Hamburg. Am 26. März hielt die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona eine gut besuchte Generalversammlung ab. An der Aussprache über den Jahresbericht beteiligten* sich Dr. Kalmus,- Abraham, Michael und Eisenstein. Der letztere wünscht eine größere Propaganda unter den hier lebenden ausländischen jüdischen Proletariern.. "Hierauf wurde ein von Dr. Kalmus begründeter Antrag, den Mitgliederbeitrag um 1 Mark zu erhöhen, angenommen, ebenso ein Antrag Dr. Fink, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 7 auf 9 zu erhöhen. Der bisherige Vorstand, bestehend aus Dr. Kalmus als I. Vorsitzenden, Dr. Besser, Dr. Huldschiner, Frau Huldschiner, Estermann, Dr. Halpern und Sam. Cohn wurden wiedergewählt Moritz S. Wolff und Rechtsanwalt David als neu eintretende Vorstandsmitglieder gewählt. Dem bisherigen Vorstand sprach die Versammlung ihr Vertrauen aus. Als zweiter Punkt der Tagesordnung folgte nunmehr ein Vortrag von Dr. Frank-Altona über den Misrachi. Vortrag und Diskussion standen trotz größter sachlicher Gegensätze auf einer seltenen Höhe objektiver und grundsätzlicher Betrachtung und dürften für ein weiteres harmonisches Arbeiten der hiesigen Zionistenvon unschätzbarem Wert sein. Dr. Frank führte aus: Die Situation in der zionistischen Bewegung drängt zu einer Aussprache. Die Kraft des Judentums beruht auf dem Historisch-Traditionellen. Das verkennt der Zionismus, wenn er an die Zeit des Unterganges des jüdischen Reiches anzuknüpfen sucht und über das hinweggeht was aus dem Judentum durch die dazwischenliegende Entwickelung geworden ist. Eine Reform, wie sie eine rein nationale Erfassung des Judentums darstellt, bedeutet eine Unterbrechung historischer Kulturarbeit, das Alte befindet sich in einer Kampfesstellung gegen das Neue. Das traditionelle Gesetz hat das Judentum in der Diaspora erhalten; in allen seinen äußeren Handlungen und Symbolen spiegelt sich die ethische Auffassung des Judentums wieder; seine sozialpolitischen Tendenzen, die auch den Modernen genügen müssen, machen es geeignet, die Grundlage für ein neues jüdisches Staatswesen zu bilden. In der Diskussion konstatierte Dr. Halpern, daß zwischen der philosophisch-ethischen Auffassung des Dr. Frank und der seinigen eine geringere Kluft besteht als zwischen Dr. Frank und den östlichen Misrachisten, und begrüßt diesen Gegensatz als einen Kulturfortschritt. Die Institutionen der Bewegung müssen so beschaffen sein, daß jeder Jude zu uns kommen kann. Damit wird aber auch das Recht der Fortschrittlichen auf Respektierung ihres Standpunktes gefordert. Dr. Fink, selbst Misrachist, erklärt gegenüber verschiedenen Angriffen, daß er in den Artikeln der hebräischen Ausgabe der Welt (Ha-Olam) eine religionsfeindliche Tendenz nicht entdeckt habe. Dr. Israel Auerbach erkennt die Notwendigkeit einer Anknüpfung an das Historisch-Traditionelle an, hält aber eine Fortentwickelung auf dieser Grundlage für notwendig, weil wir während der Diaspora so viel an geistigen und kulturellen Werten in uns aufgenommen haben, daß der moderne Jude sich mit dem Historisch-Traditionellen in seiner Totalität nicht abfinden kann. Das Element der Fortentwicklung liegt auf dem Gebiet des jüdischen Ethizismus. Das jüdische Volk bedarf eines ideellen Zusammenhanges, um staatsbildend und staatserhaltend zu sein; ein bloßer Duodezstaat im Orient kann dieses Ideal nicht erfüllen. Estermann weist gegenüber diesen Ausführungen darauf hin, daß ein jüdisches Gemeinwesen eine politische und ökonomische Notwendigkeit ist und der Begründung durch eine höhere Idee nicht bedarf. Holländer begrüßt es mit Genugtuung, daß das gesetzestreue Judentum in Baden von zionistischer Seite unterstützt worden sei. An der Diskussion beteiligen sich noch Stiebel und Baruch. In seinem Schlußwort erklärte Dr. Frank, daß er die bisherige mehr aggressive Taktik der Misrachi nicht billige, sondern eine positive Propaganda wünsche. Duisburg. Am 26. März wählte die Generalversamlung der Zionistischen Vereinigung in den Vorstand: Rechtsanwalt Dr. Epstein, Eduard Gelber, Referendar Löwe, Diplom-Ingenieur Löwe aus Duisburg und Dr. med. Cahn aus Mülheim (Ruhr). Berlin: Der hebräische Sprachverein „Sapha Berura" hielt am Montag den 23. Mäiz in Simons Restaurant Gipsstr. 12a, eine Purimfeier ab. — Den Festvortrag des Abends hielt Herr Judelowitsch, während Herr Lockschin einige humoristische Kleinigkeiten unter großem Beifall zum Besten gab. Darauf folgten musikalische Darbietungen, an denen sich mit großem Erfolge die Herren Cantor und Zaludkowski beteiligten. Österreich Aussig a. E. Am 22. v. Mts. fand hier eine Wanderversammlung des jüdischen Volksvereins „Zion", Teplitz, statt, die erste zionistische Veranstaltung, die in Aussig abgehalten wurde. Der Referent des Abends, Herr Ernst Bechert aus Teplitz, behandelte vor einem mehr als 150 Köpfe starken Publikum das Thema „Wesen und Ziel des Zionismus". An den ausgezeichneten Vortrag knüpfte sich sodann eine lebhafte Debatte. Als erster Redner ergriff Herr Dr. Löbel (Aussig) das Wort. Er äußerte sich als Gegner, gab aber zu, daß das Wirken der Zionisten jedem Juden, dem die Zukunft seines Volkes nicht gleichgültig sei, sympathisch sein müßte. Sodann kam unser Gg. Dr. Emil Margulies (Trautenau) zu Wort In einer längeren, sachlich und formell glänzenden Rede