Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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12 DIE^ELT No. 14 und er starb, — ich weiß nicht wo, auf einer seiner Reisen. Das Dunkel hat ihn verschlungen — aber nur seine Person; nicht seine Schriften. Die Manuskripte — einige Teile hatten früher die „Mekitze Nyrdamin" gedruckt — wurden unter der Redaktion Harkavy's in Petersburg herausgegeben. Solche Forscher gebt uns für die Falaschas! Ich glaube, Feitelowitsch hat das Zeug dazu. Alles andere — seine Abessinische Majestät möge mir verzeihen! — ist „Wissenschaft in Galakleidern Der Sensationsliebhaber liest und freut sich. Ist es doch so „kolossal", daß ein Warschauer Jargonblatt den Empfang als „Besuch bei den Asseres Haochwatim" (zehn Stämmen) mit ','s ellenlangen Buchstaben bezeichnet und daß in der amerikanisch-jüdischen Presse das Maß der Oberschriftstypen der Zehnstämme, vielleicht auch des Sambatoris und der „schwarzen Berge" bis zu einer Ellenlänge steigen werden, — daran wird doch kein Mensch zweifeln. Dem Denkenden hingegen wird es grau und bedrückt zumute. Die billige Begeisterung. — Geh, lieber Freund, nach" Petersburg und pflücke dir den Lorbeer, der dir dort blüht. Und du — nach Wilna, und du nach Warschau... Man wird euch anjubeln, daß die Säle, wie Jesaias sagt: „kamluna bamyksche" zittern werden. „Hedad!" „Hedad!" Man wird euch, wie die alten Römer ihre Hausgötter, in den Tempelschrein „auf das festliche Fach" (yiddisch: „jom-tow'dige Politze") stellen. Glühen wird man vor Ekstase. Ich freue mich von Herzen, wenn ich so die Berichte lese. Bialik in Petersburg — gefeiert, bejubelt, beinahe auf den Händen getragen. Asch in Wilna — begrüßt, beehrt, schier bekränzt. Brainin in Warschau, — ein Triumphzug durch die Vorlesungssäle! Ist diese Stimmung wahr, ist das nicht momentane Massensuggestion, die keinen Pfifferling ,wert ist? Ist das, wie ich glauben möchte, ehrlich und unmittelbar, so sind wir Jammerlappen, wenn wir sie nicht für einen Aufschwung der Literatur nutzbar machen können. Warum zerstieben wir wie Spreu im Winde? Warum schaffen wir nicht eine literarische Kulturmacht? Warum kann kein einziges Blatt ohne Opfer und Verlust seitens der Eigentümer oder... Subvention existieren? Warum war es früher anders: Weniger Ovationen, aber mehr Verständnis, weniger Organisationen und Aufrufe und Komitees, aber — ein großer Abonnentenkreis? Oder ist all dies nur Possenspiel? Auch wir haben Dichter, auch uns umschwärmen die eigenen Musen und Grazien, — also losgedonnert! Eine Wallung des Selbstbewußtseins, eine Bravour, die einem augenblicklich Spaß macht? Einige Tage vor den Ovationenberichten las man in den Nekrologen über Jehuda Steinberg und S. Berschadski, daß sie vor Hunger gestorben sind. In bezug auf Berschadski bezweifelte ich die Richtigkeit dieser Angabe. Nun muß ich mein Fragezeichen streichen. Herr Sfog, ein Kollege, der dem Verstorbenen nahestand, bestätigt die sonderbare Kunde. Also vor Hunger gestorben, — und jetzt bedeckt man diese Blöße mit dem Feigenblatt, — mit den Blumen, die man den Lebenden streut? Steuern wir nicht, Freunde, in eine Bluffperiode mit vollen Segeln hinein? Wir, die alten, sich klug wähnenden Juden, sollen wieder Kinder werden, Kinder mit kindischen Spielereien? N. S. AUS DER BEWEGUNG ll o o o o o o o Deutschland Jahresbericht der Ortsgruppe Hamburg-Altona Die Mitgliederzahl der Ortsgruppe beträgt gegenwärtig (Mitte März 1908) 278. Die Zahl der Schekelzahler ist wiederum erheblich gewachsen und beläuft sich auf 410 Personen. Die Ortsgruppe veranstaltete im Berichtsjahr folgende Versammlungen 1. 18. März 1907 Dr. Bloede: „Jüdische Kolonialpolitik." 2. IS. April 1907 Ordentliche Generalversammlung. 3. 6. Juni 1907 Wahlversammlung zum VIII. Kongreß: Ansprache der Kandidaten. 4. 3. Sept. 1907 Bericht über den VIII. Kongreß (Dr. Franck und Dr. Kalmus). 5. 14. Okt. 1907 Oberlehrer Jos. Carlebach-Lübeck: „2's Jahre in Palästina." 6. 15. Novbr. 1907 Dr. Schmarja Lewin: „Jüdische Kultur- und Erziehungsaufgaben." 7. 24. Novbr. 1907 Zweiter Bericht über den VIII. Kongreß (Dr. Halpern). S. 12. Dezbr. 1907 R.-A. Dr. Victor: „Der Prozeß der Jüdischen Kolonialbank." 9. 23. Jan. 1908 1. Referat über die Sitzung des Großen A.-K. (Dr. Bloede). 2. Dr. Waschitz: „Jüdische Politik in Österreich." Ferner fanden folgende national-kulturelle Veranstaltungen statt: 1. 8. Dezbr. 1907 Makkabäer-Feier mit Ball (Festrede: Dr. Huldschiner. Vorträge: Frl. H. Goldschmidt, Oberkantor N. J. Süßkind, Hans Mewes). 2. 16. Jan. 1908 Unterhaltüngsabend (Vorträge in jüdischer Mundart von S. Goldfaden-Odessa). 3. 27. Febr. 1908 Dr. Paul Rieger: „Vorführung und Erklärung der Gegenstände des Museums für jüdische Volkskunde." 4. 12. März 1908 „Das jüdische Volkslied". Konzert unter Leitung von Dr. Bogumil Zepler (veranlaßt durch die Ortsgruppe in Verbindung mit der Henry Jones-Loge). Dem geselligen Verkehr und zwanglosen Meinungsaustausch dienen die jeden Sonnabend stattfindenden, meist gut besuchten Zusammenkünfte im Alsterpavillon. In der hiesigen Misrachi-Gruppe sprach in öffentlicher Verammlung am 8. März 1908 Lazarus Barth-Berlin über „Zionismus" und gesetzestreues Judentum". Die Frauenvereinigung, die 106 Mitglieder zählt, entfaltete auch in diesem Jahre eine recht lebhafte Tätigkeit. Außer den regelmäßigen Mitgliederversammlungen fanden drei Unterhaltungs-Nachmittage für beruflich tätige junge Mädchen statt, zu denen jedesmal etwa 100 Teilnehmerinnen erschienen. Das Programm bestand aus Ansprachen und Vorträgen nationalen Inhalts. Auch in diesem Jahr wurden während der -großen Ferien täglich mit etwa 40 Kindern Ausflüge unternommen, mit Verpflegung und unter schulärztlicher Aufsicht (sog. Tages-Ferienkolonien). Am Purim veranstaltet die Vereinigung wieder ein großes Kinderfest. Den Vorstand bildeten: Frau Huldschiner, Vorsitzende; Frau Dr. Chwolles, Frau Estermann, Frau Dr. Fink, Frl. Hedwig Lübke, Frau Constanze Mathiason, Frl. Veilchenfeld. Die Propaganda lag in Händen der reorganisierten Agitationskommission (Siegfried Engel, Vorsitzender; Herrn. Goldschmidt, Schriftführer), die sich den regen Vertrieb von Flugblättern, Bro- . schüren, Schriften des „Jüd. Verlages", „Welt"- und „Rundschau"- Nummern angelegen sein ließ. Nach dem Kongreß wurde an die Mitglieder ein Zirkular mit dem Winterprogramm versandt. Der auf Betreiben von Herrn Bleiweiß ins Leben gerufene hebräische Sprachkursus (Lehrer: Herr Salzberg) nimmt guten Fortgang und wird von der Ortsgruppe subventioniert. Die Nationalfonds-Kommission (Siegfr. Engel, Vorsitzender) leitete die Sammlungen, sorgte für den Vertrieb der Telegramme und verwaltete in Gemeinschaft mit der Frauengruppe die von ihr ausgegebenen 127 Büchsen (Ergebnis: 334.20 Mk.). Durch Ablösung der Rosch-Haschonoh-Glückwünsche wurden etwa 200 Mk. vereinnahmt. Die Materialiensammelstelle (Frl. Lübke) verzeichnete auch in diesem Jahre befriedigende Resultate. Für den Parteifonds wirkten wir einmal durch schriftliche Aufforderung an alle Schekelzahler und Hinweis bei jeder Versammlungseinladung, sodann durch persönliche Besuche in den Wohnungen der Zionisten. Eingegangen sind bisher 2702.85 Mk. Weitere Beiträge in Höhe von ungefähr 300 Mk. sind angemeldet. Die . Sammlung wird fortgesetzt. Wir hielten es für richtig, unseren .: Mitgliedern zu empfehlen, iürs erste bei ihren Zuwendungen vorwiegend den Parteifonds zu bedenken; dadurch erklärtsich die