Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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r«. -J 5^ 16 ■ DIE3 der Kapkolonie gewählt. Mr. Alexander, der erst 31 Jahre alt ist, ist ein geborener Deutscher, kam indessen schon in früher Jugend nach Südafrika. Er studierte in Cambridge und begann schon im Alter von 23 Jahren seine Praxis als Verteidiger auszuüben, in der er bald zu großem Ansehen gelangte. Zweimal wurde er bereits in den Stadlrat von Kapstadt gewählt. An der zionistischen Bewegung beteiligte er sich von Anfang an in führender Stellung, und war auch als Delegierter auf dem letzten Kongresse. Auch sonst betätigt er sich eifrig in Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde und bekleidet mehrere Ehrenämter jüdischer Institutionen. Seit nicht ganz einem Jahre ist er mit Ruth Schechter, Tochter von Professor Solomon Schechter vom American Hebrew College in New York, vermählt. Ein Überfall in Jaffa Aus Jaffa erhielten wir am 23. d. Mts. folgendes Telegramm: Während der Purimfeier wurde die jüdische Herberge auf Ordre des Kaimakams von Polizei und Soldaten überfallen. Dreizehn Juden wurden verwundet, mehrere schwer. Die Bevölkerung ist ruhig. Wr haben sofort nach Empfang dieser Depesche genaue Nachrichten einzuholen gesucht. Infolge der Schwierigkeiten einer schnellen und direkten Verbindung haben wir bis Schluß der Redaktion keine detaillierten Informationen erhalten. Im allgemeinen wurde die Nachricht jedoch bestätigt. Dieselbe Depesche hat auch die Frankfurter Zeitung gebracht. Wie man uns von verschiedenen Seiten mitteilt, wurde diese an sich so betrübende Nachricht durch Übersetzungen in anderen Zeitungen stark aufgebauscht. Wir haben sogar schon telegraphische Anfrage erhalten, ob die Nachricht der Frankfurter Zeitung wegen „Metzeleien in Jaffa und Jerusalem" auf Wahrheit beruht. Wir wollen dem detaillierten Berichte nicht vorgreifen, aber was schon jetzt festgestellt werden muß, das ist — der Charakter dieses Einzelverbrechens. Es handelt sich um die ruchlose Missetat eines einzelnen Beamten. Es verlautete schon früher, daß dieser Funktionär Tendenzen an den Tag legte, die ebensowenig mit den Interessen der Bevölkerung, wie mit den Existenzbedingungen eines geordneten Staatswesens in Einklang zu bringen sind. Der empörende Übergriff, den sich dieser Beamte jetzt leistete, und der zu einem blutigen Exzeß führte, hat, wie die Depesche berichtet, gar keinen Zusammenhang mit der dortigen Bevölkerung. Wir haben allen Grund anzunehmen, daß die Absetzung und Bestrafung des schuldigen Beamten nicht auf sich warten lassen wird. Palästina (Originalbericht) Jaffa: Die Generalversammlung der Weinbau-Gesellschaft, die jüngst hier tagte, gab ein Bild des guten Gedeihens des Weinbaues in Palästina. In diesem Jahr wurde ein Reingewinn von 12 Frcs. pro Zentner erzielt, während im vorigen Jahr der Verdienst gleich Null war._ Von der Verwaltung erhielten die Kolonisten bisher 16 Frcs. Überschuß pro Zentner, die Weinbau-Gesellschaft hat also -schon im ersten Jahre ihres Bestehens fast denselben Satz erzielt, obgleich ihre technischen Anlagen erst im Laufe des kommenden Jahres ganz benutzt werden können. Es steht somit zu erwarten, daß in den nächsten Jahren mindestens der gleiche Verdienst erzielt werden wird, wie der, den die Verwaltung verteilte. Dafür aber sind die Kolonisten nunmehr vollständig selbständig und nicht mehr von der Administration abhängig. Auch der Karmel-Weinhandel hat sich gut entwickelt und brachte im letzten Jahr nicht unbedeutende Einnahmen. Man ist jetzt insbesondere darauf bedacht, sich auch den.östlichen Markt zu erschließen. Demnächst wird dem Karmel-Weinhandel in Palästina eine Konkurrenz erstehen in Gestalt einer neuen orthodoxen Weinbau-Gesellschaft, für die in den strenggläubigen Kreisen ein großes Interesse herrschen soll.; Die Kolonisten kommen immer mehr von der einseitigen Pflege des Weinbaus ab. Neuerdings wurden in einigen Kolonien Versuche mit der Anpflanzung von Obstbäumen gemacht, auch wurde gELT No. 13 die Kultur von Gemüsen in Angriff genommen und brachte bereits gute Erträgnisse. Daß man neuerdings auch mit der Anpflanzung von Rizinusbäumen vorgeht, haben wir bereits berichtet Die bisher erzielten Erfolge sind durchaus ermutigend. Vor einigen Tagen fand hier die Grundsteinlegung des neuen Hauses für die Handwerkerschule statt, die feierlich begangen wurde. Dies Unternehmen ist ganz aus orthodoxen Kreisen hervorgegangen und lediglich aus palästinensischen Mitteln, ohne Unterstützung der Diaspora, entstanden. Die Schule hat in ihrem alten Heim im Laufe des 1 'ya Jahres ihres Bestehens bereits 20 Zöglinge ausgebildet und sie in die Lage gesetzt, sich eine eigene Existenz zu verschaffen. Jerusalem: Unsere Stadt entwickelt sich auch in architektonischer Beziehung durchaus zum Vorteil. Fortwährend entstehen ganz neue Straßen und Plätze. Die Häuser werden meistens von jüdischen Gesellschaften gebaut, die sich ausschließlich jüdischer Arbeiter bedienen. Auf diese Weise entstehen ganze Häuserviertel mit jüdischen Benennungen, z. B. „Sichron Moscheh", „Bothei- Achwah" usw. U. a. wird von einer hiesigen Baugesellschaft der Bau einer großen Talmud-Thora unternommen, die 40 Zimmer enthalten soll und für die bereits ein Kapital von mehreren lOOOOFrcs. vorhanden ist. *■ Vor einiger Zeit war viel die Rede von einer neuen Richtung innerhalb der Chalukahkreise. Man sprach von der Gründung einer Arbeitskolonie für junge Leute, die bisher nur auf die Chalukah angewiesen waren. Es sollte damit die Möglichkeit geschaffen werden, diesen jungen Leuten eine Nebenbeschäftigung mit landwirtschaftlichen Kleinarbeiten zu gewähren, ohne sie ganz von ihrem Studium abzulenken. Angeblich handelte es sich um ein großes Terrain, das spottbillig zu erlangen wäre und wofür in der ganzen. Welt Sammlungen unternommen wurden. Nun stellt sich aber heraus, daß es sich lediglich um ein paar Dunam schlechtes Land handelt, das ganz versumpft und auch von Malariakeimen nicht frei ist. Das Bekanntwerden dieser Tatsache hat viel böses Blut gemacht und mannigfache heftige Auseinandersetzungen hervorgerufen. Einäscherung des jüdischen Viertels in Konstantinopel (Originalbericht) Konstantinopel war am vergangenen Freitag, den 13. ds. Mts., der Schauplatz eines großen Brandes. In der Vorstadt Haskoei, fast ausschließlich von armen spaniolischen Juden bewohnt, wurden 412 Häuser, darunter 3 Schulen und eine Synagoge ein Raub der Flammen. Kaum vier Stunden haben genügt, um 1528 jüdische Familien obdachlos zu machen und ihrer ganzen armseligen Habe zu berauben. Das Feuer entstand im Laden des jüdischen Händlers Abram Leon, wo durch ein fortgeworfenes Streichholz ein Petroleumbehälter in Brand geriet. Mangel an Wasser verhinderte, den Brand im Anfang zu ersticken, und mit Blitzesschnelle wurden die enganeinander gebauten Holzhäuser vom Feuer erfaßt. Viele, die ihr Hab nach entfernteren Straßen gebracht hatten, wurden auch dort vom verheerenden Element überrascht. Die wenigsten waren versichert, und selbst unter diesem Häuflein „Glücklicher" gibt es eine große Anzahl, für die die Auszahlung der Versicherungssumme fraglich ist, da sie infolge ratenweiser Zahlung der Versicherungsprämien an die Agenten nicht in dem Besitz der Policen sind. S. M. der Sultan beauftragte sofort den Stadtpräfekten S. E.Rechid Pascha, sich auL den Unglücksplatz zu begeben und die Hilfeleistung y.u organisieren. In einigen Synagogen, Schulen, Kirchen und Privathäusern wurden die Unglücklichen, zu Hunderten zusammengepfercht, untergebracht und mit Brot, Käse und Oliven gespeist. Auch wird auf Order des Sultans eine Liste der Betroffenen aufgestellt, die dem Souverän präsentiert werden wird. Das Großrabbinat empfing Kondolationen von verschiedenen Notabilitäten, unter anderen auch vom armenischen Patriarch. 30 Telegramme sind von hier an philanthropische Gesellschaften des Auslandes abgegangen, einstweilen hat nur der Hilfsverein deutscher Juden die Summe von 1000 Francs als erste Hilfe telegraphisch an Rabbiner Herrn Dr. Markus überwiesen. Erst Montag um 6 Uhr abends vereinigten sich die Vertreter des Großrabbinats, des Konsistoriums, des Hilfsvereins und der Alliance, um über die Beschaffung der Mittel zu beraten, die zur Linderung der großen Not notwendig sind. Als erste Zeichnung einschließlich der 1000 Francs des Hilfsvereins sind 600 türk. Pf. (13 800 Frcs.) aufgebracht. . Zur Linderung der ersten Not hat das Zentralkomitee der Alliance seinem Konstantinopeler Hilfskomitee bereits zehntausend Francs telegraphisch überwiesen. Auch ist ein Teil der Obdachlosen in den Schulgebäuden der Alliance, die glücklicher-