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Die Welt · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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: DIE^ELT , 10 : jüdischen Bürger aus Lask, in deren Häuser die Kosaken nach der Meldung des „Telegraph" eingedrungen waren, in ihrem Heimatsorte vernehmen lassen, und dabei hatten diese beiden Zeugen die Richtigkeit der Nachricht bestritten. In der Hauptverhandlung vor dem Warschauer Gericht jedoch wiederriefen sie ihre erste Aussage, die sie lediglich aus Angst vor dem Untersuchungsrichter abgegeben hatten, und bekundeten, daß tätsächlich betrunkene Kosaken in ihre Häuser eingedrungen seien, die Häuser demoliert, den Hausrat vernichtet und sie selbst gröblich mißhandelt hätten. Infolge dieser Exzesse sei damals eine Pogrompanik in dem Städtchen entstanden, genau wie es der Korrespondent des „Telegraph" geschildert habe. Herr Sokolow war bei der Verhandlung nicht zugegen. Die Verteidigung lag in den Händen des beeidigten Rechtsanwalts Sobolewski, demesgelang.einenvollständigenWahrhertsbeweis für die veröffentlichten Behauptungen zu erbringen. Außerdem führte die Verteidigung aus, daß Herr Sokolow zur Zeit, da die fraglichen Notizen erschienen, im Auslande geweilt habe und demzufolge unbedingt nicht verantwortlich gemacht werden könne. Nichtsdestoweniger gelangte das Gericht nach langer Verhandlung zu einer Verurteilung Sokolows, der zu drei Monaten Gefängnis und 300 Rubel Geldstrafe verurteilt wurde. Gegen das Urteil legte der Verteidiger sofort Berufung ein. Brief aus Galizien (Von unserem Korrespondenten) „Die Judenherrschaft* Das antisemitische Stichwort von der „Judenherrschaft" greift auch in Galizien immer mehr Platz. Diesmal ist es die „Volkspartei" der" polnischen Bauern, welche das Gespenst der polnischen und ökonomischen Herrschaft der Juden im Lande ihren Anhängern vor die Augen hält. Stapinski, der siegreiche Führer der Bauern- . partei. welcher \etzt mit der konservativen Schlachta die Regierung im Lande übernehmen will, droht nun den Juden, weil sie in zwei Städten gegen die Kandidaten seiner Partei gestimmt haben sollen. In seinem offiziellen Organe „Volksfreund" schreibt er: „Daß die Juden gegen uns gestimmt haben, wollen wir gar nicht bedauern. Vielmehr werden wir nun genau wissen, wer mit und wer gegen uns geht. Diese Lehre werden wir in unserer weiteren Arbeit ausnützen." Dann will er, weiter behaupten: „Neben der Bureaukratie sind es die Juden, welche immer mehr den Einfluß und die Herrschaft erlangen wollen. Demgegenüber müssen wir energisch auftreten und eine entsprechende Kampfstellung einnehmen". Umsonst hat sich also die „Jeduosc", das Organ der Assimilantenparfei, der angenehmen Freude hin gegeben wollen, daß nun Galizien von jedwedem Antisemitismus frei sei. Umsonst haben sich auch manche assimilatorische Juden schon bereit erklärt, zu der großgewachsenen Volkspartei überzugehen. Die polnischen Bauern No.13 wollen die Juden nicht, und den Kampf, welchen sie bis nun'gegen die Großgrundbesitzer geführt haben, werden sie nun gegen die Juden führen. -. _ Die Baron Hirsch-Schulen Jeden Tag werden in Galizien Klagen über die Verwaltung der JJaron Hirsch-Schulen laut Man wirft der Administration mit Recht vor, daß sie kein Verständnis für die kulturellen Bedürfnisse der heutigen jüdischen Bevölkerung besitzt und daß sie sich von politischen Parteien leiten läßt. Erst vor kurzem konnte man sogar m polnischen Blättern lesen, daß die Verwaltung manche Schulen in kleinen galizischen Städtchen auflösen will, während doch diese jüdischen Schulen eben in den kleinen, von der Landesregierung ganz vernachlässigten Ortschaften unentbehrlich sind. Insbesondere aber protestieren jüdische Lehrer dieser Schulen gegen die Wiener Administration, welche jetzt nach den politischen Gesinnungen der Lehrer riecht und auf Grund von Denunziationen alle Zionisten aus den Schulen verdrängen will. Die Herren aus der Verwaltung der Baron Hirsch-Stiftung zeigen sich nämlich den Weisungen der Assimilantenpartei sehr folgsam, und erst vor einigen Wochen wurden zwei jüdische Lehrer nur deshalb entlassen, weil sieZionisten sind. Wir glauben uns berechtigt zu fühlen, die Wiener Administration darauf aufmerksam zu machen, daß ein solches Vorgehen nicht geeignet ist der jüdischen Bevölkerung Galiziens Vertrauen zu diesen Schulen einzuflößen, und daß es gar nicht in den Intentionen des sei. Baron Hirsch gelegen haben konnte, jüdische Schulen zwecks Bekämpfung des Zionismus zu gründen. - jjEmunah" Die „Emunah" ist eine der besten und rührigsten akademischen Verbindungen in Galizien, und wo "eine wichtige zionistische Arbeit vollführt wird, dort fehlen niemals die Burschen aus der „Emunah". Ihr Bericht, den sie letztens für das letzte Semester veröffentlichten, bestätigt noch einmal den guten Ruf, welchen sie in der zionistischen Partei für sich gewonnen haben. Sie begnügten sich nicht nurmit der Pflege des kameradschaftlichen Gesellschaftslebens in akademischen Verbindungen, sondern führten bei sich einen besonderen Palästinakurs ein und einen Kurs der Geschichtedes Zionismus, welcher unter der Leitung des Gg.-S. Schiller fünfzehn Vorträge veranstaltete, denen sich erschöpfende Diskussionen anschlössen. Auch andere Vorträge aus den verschiedensten Gebieten des jüdischen Lebens haben stattgefunden, und die Debatten über zionistische Parteifragen, an welchen fast alle Mitglieder der Parteileitung teilgenommen haben, dienten oft zur Klärung der Situation. Die „Emunah" hat auch die Vorträge R. Brainins und Mathias Achers veranstaltet und ihre Makkabäerfeier versammelte die ganze zionistische Gesellschaft Lembergs. In alle akademischen Institutionen haben sie ihre Vertreter entsendet und für die zionistische .Partei- .Ieitung stellten .sie mehrere Aushilfskräfte. —-' Mit Recht können sie also Anerkennung für ihre tapfere Arbeit im Dienste des Zionismus verlangen. FEUILLETON DER EINSAME Von A. Gordon Es war an einem kalten Dezemberabend;, der große Boulevard war wie ausgestorben. Wie Totenkerzen brannten die Straßenlaternen, ihr fahles Licht auf den mit Schnee bedeckten Fußweg werfend. Hin und wieder pfiff ein eisigkalter Windhauch durch die kahlen Bäume, die wie ewige Gespenster aus. der Dunkelheit emporragten. Der Wind schlug an die Glasscheiben der Straßenlaternen, und diese klirrten wie zur Antwort auf das stumme Fragen. Auf einer Bank, die von den Strahlen einer Laterne magisch beleuchtet wurde, saß eine zusammengekauerte Gestalt.' Wie in sich versunken stutzte sieden schwarzen Lockenkopf auf die rechte Hand. In der Linken hielt sie eine Geige, deren untere Seite zwischen Arm und Brust zu liegen kam. Das blasse Gesicht des Einsamen, das durch den Schimmer der Laterne noch fahler, fast geisterhaft aussah, war von einem langen, schwarzen ßart umrahmt Manchmal zupfte er wie in nervöser Angst an den Saiten seiner Violine, deren Akkorde sich dann wie das Klagen einer gebrochenen Menschenseele anhörten. Neben diesem Manne saß ein kleiner Knabe, die Hände zwischen die Knie haltend, der vor Kälte zitterte, wie die Zweige der Bäume zittern, wenn ein Windhauch sie durchweht. „Vater", sagte der Knabe mit leiser, zagender Stimme,, nachdem er den Einsam enx einige Minuten bittend angesehen hatte, „Vater, so kalt."' Erschrocken fuhr Kowinsky aus seinen Träumen

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