Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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und weiß aus ihm seine Nahrung zu ziehen. Übrigens bietet Bethlehem nicht nur durch seine Bodenkultur, sondern auch durch die "als Hausindustrie betriebene Anfertigung von Palästinaandenken, insbesondere aus Perlmutter, das Beispiel eminenten Fleißes. Werkstatt reiht sich in den Straßen an Werkstatt, und mehrere Tausend Seelen finden damit ihr Brot. Schön ist dieeigenartige Tracht der Frauen, ihr Ruf soll weniger gut sein. Am wenigsten interessant ist der Besuch der Geburtskirche Jesu. Was dem Fremden hier an Reliquien, z. B. als Krippe Jesu usw., gezeigt wird, ist nur bei der Naivität des Orientalen möglich und dem Abendländer ebenso unerträglich wie der Schmuck der Kirche, ^der vielfach j[nur auf den Effekt berechneter schlechter Stuck ist." Hebron Eines der schönsten alten Bauwerke bei Jerusalem sind die drei salomonischen Teiche. Sie legen von der imposanten Bautätigkeit der. alten Juden beredtes Zeugnis ab. Die Teiche sind über 100 m lang, über 50 m breit und 15 m tief. Die Seitenmauern sind von gewaltiger Dicke. Als ich Ende Juni dort war, hatte nur ein Teich Wasser. Im Jahre '1901 ist die alte Wasserleitung von den Teichen nach Jerusalem wieder in Stand gesetzt worden, und versorgt jetzt wieder einen Teil Jerusalems mit Wasser. Von den Teichen fährt man in etwa 3 Stunden auf mäßig guter Straße nach Hebron, das trotz seiner 20000 Einwohner ein sehr unansehnlicher Ort ist. Insbesondere den etwa 1000 Juden, die sich vom Handel mit den Beduinen und vom Handwerk ernähren, geht es schlecht. Sie wandern aus, und ihre Zahl ist seit 20 Jahren fast um die Hälfte gesunken. Ober der Höhle Machpelah, der poesieverklärten Grabstätte der Erzväter, haben die Araber eine Moschee erbaut, die von außen nichts Sehenswertes bietet. DerEintrittiistNichtmohammedanern versagt, das hinderte aber den Torwächter nicht, dafür, daß er uns nicht hineinließ, einen^Backschisch zu verlangen, überhaupt habe ich in punkto Backschisch in Hebron ergötzliche Szenen&'erlebt. Der Wirt der winzigen Gaststube, in der wir uns Tee und Eier bestellten, verlangte außer der Bezahlung dafür, noch 5 Frcs. für die Benutzung seiner Gaststube. Als ich ihn fragte, ob *fwir \den Tee im Hühnerstall hätten trinken sollen, beschränkte er sich darauf, seine Forderung einfach zu wiederholen. Ein Stadtgendarm schließt sich ohne unsere Aufforderung uns zur Bedeckung an — Backschisch. Ich will ein Kind photographieren — Backschisch. Und niemand ist mit dem Gegebenen zufrieden. Um einmal eine Probe zu machen, gebe ich unserem jüdischen ^Führer für seine kurze Begleitung 3 Pres., — ungefähr so viel, als er sonst in 3 Tagen verdient. Anfänglich verklärten Erstaunen und Freude seine Züge, doch alsbald nimmt er Anlaß zu der Erklärung, daß 4 Frcs. noch besser wären als 3. Wir besuchten auch den sogen. Baum Abrahams im Hain Mamre. Ich war sehr enttäuscht. Ich hoffte, eine alte Eiche mit mäßiger Krone zu sehen; statt dessen fand ich nur einen Baumstumpf mit wenigen Ästen, der durch eine Untermauerung, ein Wellblechdach und eiserne Aststützen, verunstaltet war. Jericho An einem Donnerstag nachmittag um 4*Uhr*fuhren wir von Jerusalem nach Jericho, obwohl man uns im Hotel wegen der Hitze und eines einige Tage zuvor auf der Straße nach Jericho passierten Meuchelmordes von der Reise abriet. Die Straße senkt sich um mehr als 1000 m und ist bis kurz vor Jericho recht gut im Stande. An einem Chan begrüßte uns auf deutsch ein Araber, ein sehr drolliger Mensch, der nicht nur 8 Sprachen sprach, sondern auch deutsche Sprüchworte bei jeder Gelegenheit dutzendweise anwandte. Er verkaufte uns die ersten Weintrauben des Jahres. Er erzählte, daß er seine Söhne für schweres Geld (25 J5) in gute Jerusalemer Schulen untergebracht habe. Auf meine Bemerkung, daß es die Söhne dann noch we t bringen könnten, erwiederte er: Sie bringen es doch nicht so weit wie die Juden, mit denen können wir Araber nicht Schritt halten. War dies nur Liebedienerei gegen die jüdischen Gäste oder wirklich der Ausdruck eines Inferioritätsgefühls? Um 8 Uhr kamen * wir in Jericho an, nachdem wir schon vorher von der Straße aus mehrfach einen Oberblick über die Jericho-Ebene, den Jordanlauf und das Tote Meer gehabt hatten. Wir fanden im Hotel Unterkunft und aßenim Garten, in dem eine Art.Jasmin außerordentlich stark duftete, unsere mitgebrachten Vorräte. Es waren um 9 Uhr abends bei völliger Dunkelheit noch 31° C, und allerhand fliegendes Getier, vor dem nichts eine Minute sicher war, machte uns das Essen schwer. In den Zimmern war eine stickige Luft, da wegen der Insekten alle Fenster geschlossen gehalten werden mußten, und ich habe wohl kaum eine Stunde geschlafen. Um 2 Uhr wurden wir geweckt, und um 3 Uhr fuhren wir ab. Es waren noch immer 29 bis 30° C, und erst um 5 Uhr nach Sonnenaufgang, als wir bereits am Toten Meere waren, fiel die Temperatur auf 24°, um nachher bald wieder auf 30° zu steigen. Weitere Messungen konnte ich leider nicht vornehmen, da mir mein Thermometer zerbrach. Als wir von Jericho abfuhren, glänzten noch alle Sterne am Himmel, der in ganz Palästina unvergleichlich schöner und reicher ist als in Europa. Allmählich verblaßten die Sterne. Wir fuhren durch die mit merkwürdigem Gestrüpp bewachsene Ebene, die überall kleine Erhöhungen, ganz ähnlich den Meeresdünen, aufwies. Das Tote Meer selbst ist nicht eigentlich imposant; dazu sind die Erhebungen an seinen Ufern zu niedrig. Ich hatte es mir in meiner Phantasie ganz anders vorgestellt. Es wirkt nicht anders als ein großer Süßwassersee zwischen niedrigen Höhenzügen. Das Bad, das ich in ihm nahm, zeigte mir allerdings bald, daß das Wasser wenigstens kein gewöhnliches Süßwasser ist, denn es war unmöglich, den ganzen" Körper im Wasser zu halten, er wurde von dem Wasser, das über 20°/o gelöste mineralische Bestandteile enthält und schauderhaft schlecht schmeckt, immer wieder herausgehoben, — eine ideale Schwimmschule. Das Wasser hatte am Rande 31° C„ nach der Mitte zu wurde es jedoch noch erheblich wärmer. Das Wasser läßt auf der Haut ein unangenehmes klebrig-öliges Gefühl zurück. Auch Hautjucken soll die Folge des Bades sein; ich entging dem dadurch, daß ich mich mit etwas mitgebrachtem Süßwasser abspülte. Die Eintönigkeit des Sees wurde etwas unterbrochen durch ein schöngetakeltes kleines Segelschiff von etwa 20 t Raumgehalt, das in der Nähe unserer Badestelle - lag. Es ist das einzige Schiff auf dem Töten Meere . 2*