Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 13 (27.3.1908)
- Date
- 1908-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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i^s»«r-»-»? -w W5-^^.%^>^^T^S;^ 6 •-, =■ DIE3( vallenwert. Nur bei den Indern finden wir eine einigermaßen ähnliche Skala: AV»—Ci1/*—eis1/*—dl— ei-fisi— gis1/*—a. Die Ähnlichkeit reicht aber nur bis zur Quint, weiterhin hat sie einen anderen Intervallenwert. Somit kann der „Ahawa-raba-Steiger", der nirgends vorkommt, mit Sicherheit als spezifisch jüdischer be-. trachtet werden. Und in der Tat wird dieser „Steiger" in den Synagogengesängen und in den Volksliedern am häufigsten verwendet. Viele Komponisten, — freilich keine Archäologen, sondern Künstler — bedienten sich dieser Skala, wenn sie eine jüdische Klangfarbe erzielen wollten. Dies taten zum Beispiel Rubinstein in seinen „Makkabäern" und Goldmarck in seiner „Königin von Saba". Die Gesänge, welche im „Adonai-moloch" oder „Mogen-awoth-Steiger" gehalten sind, sind zwar alt, ihr jüdischer Ursprung aber muß bezweifelt werden. Immerhin finden wir diesen Steiger auch bei den Griechen und Arabern. Dagegen sind alle Gesänge, . welche in dem Stil von Dur und Moll gehalten sind, weder alt noch jüdisch, denn — wie bekannt — ist dieser erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden. Untersuchen wir auf dieser Basis die polnischen rezitativen und aschkenasischen Nigunim, da finden wir, daß die polnischen Rezitative, die sogenannten Chasanuth meistens im „Ahawa-raba-Steiger", wenige im „Magenowoth" und „Adonai-moloch-Steiger" gehalten sind. Die polnischen Nigunim sind also zumeist im alten jüdischen Stil gedacht. Dagegen sind die meisten aschkenasischen Melodien mit nur geringen Ausnahmen in den europäischen Dur und Moll-Skalen gehalten. Diese Feststellung des Stiles beweist uns, daß alle alten aschkenasischen Melodien, die sogenannten „sinaj" oder „injanoh" Nigunim weder alt noch echt jüdisch sind, da fast alle im modernen Stile gehalten sind. Nicht einmal die allbekannte Kolnidrei-Melodie kann als EELT: No. 13 altjüdische Melodie bezeichnet werden. Nach ihrem < Stil (einfache Molltonart) muß man ihren Ursprung im Magyarenlande suchen. Sie ist höchstwahrscheinlich damals entstanden, als die großen polnischen Chasonim (Kantoren) auf ihren Kunstreisen mit Ungarn in Berührung gekommen sind. Viele Weisen der ungarischen Zigeuner sind durch jene Chasonim in die Tempel hinübergenommen und so gut den Bedürfnissen angepaßt worden, daß es fast unmöglich ist, ihren Ursprung zu erkennen. Die Tonphrasen der „Teomim-Neginüth" oder des Tropp werden in der Synagoge für die Megiloth Esther und Eicha, in Magen-owoth-Steiger, das heißt in der äolischen Tonart gehalten. Esther wird beschleunigt, Eicha retardiert; bei Esther sind die Kadenzen auf der Quart, beim Klagelied auf der Tonika. Die Wochenabschnitte aus den Propheten (Haftoroth) werden auch im Magen-owoth-Steiger gesungen. Die Thoravorlesungen an den hohen Feiertagen gehen im Adonai-moloch-Steiger vor sich, aber diese „Negunoth" passen sich immer . der modernen Singweise an. Allmählich [haben sich in sie ein G-fis und C-h eingeschlichen. Die Neginoth für die Thoravorlesungen am Samstag sind im modernen Dur gehalten. Dies beweist klar, daß sich die Neginoth trotz ihrer alten 'Schreibweise, inbezug auf den musikalischen Inhalt, vollständig" modernisiert haben. Synagogale Melodien sind vielmals bearbeitet und gesammelt worden. Eine vollständige [unübertroffene Sammlung ist vom Kantor Beer unter dem Namen „baal-tefilah" herausgegeben worden. ,cDie synagogalen „Steiger" oder Tonarten waren ziemlich vernachlässigt. Erst um das. Jahr^ 1875 hat-der Wiener Oberkantor J. Singer auf diesem Gebiete epochemachende Arbeiten veröffentlicht, die als erste die synagogalen Tonarten festgestellt und viel zur Klärung des jüdischen-Stiles beigetragen, haben. — REISEEINDRÜCKE IN UND UM PALÄSTINA VON %* II. Bilder aus Jerusalem und Umgebung Bethlehem Will man sehen, was menschlicher Fleiß dem Steinboden der Umgebung Jerusalems abzuringen imstande ist, so muß man nach Bethlehem fahren. Der Weg führt vorbei an dem sogenannten Grabe Raheis, das — nach Abbildungen zu urteilen, die ich auf Postkarten gesehen habe — früher im Schatten eines großen Baumes sehr hübsch gelegen haben muß, heute aber ohne jenen Baum einen recht armseligen Eindruck macht. Das Grab gehört der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalem und ist die einzige historische Stätte bei Jerusalem, die sich noch in jüdischen Händen befindet. Früher gehörten auch noch die in ihrer erhabenen Einfachheit wundervoll wirkenden sogenannten Königsgräber in Jerusalem — in Wirklichkeit das Grab der Helene von Adiabene und ihrer Familie — einer Jüdin, sie hat es aber testamentarisch der französischen Regierung übereignet. Wir treten in das Grab Raheis ein. Der jüdische Schammes preist aufdringlich die Verdienste der Ahmnutter und die Heiligkeit des Ortes und ist beleidigt, als ich ihm Schweigen gebiete. Das einzig Schöne in dem halbdunkelnen Raum sind die an den Wänden hängenden bunten Decken, die von frommen bucharischen Juden aus Jerusalem gestiftet sind. Dagegen macht der in der Mitte stehende große Sarkophag mit seinem schmutzigen Gipsüberzuge und den Inschriften der Besucher einen geradezu häßlichen Eindruck. Wie konnte man nur die Barbarei begehen, den Stein mit Gips zu überziehen? Die gute Fahrstraße führt nach Bethlehem weiter. Schon von "ferne grüßen die Berge herüber, die bis obenhin mit Olivenbäumen in üppiger Fülle bewachsen sind. Kaum irgendetwas anderes hat im heiligen Lande auf mich einen, so großen^Eindruck gemacht als die Spuren der gewaltigen ehemaligen Terrassenanlagen, welche man viele * Kilometer weit ^überall im Lande findet als Zeugen der ehemaligen intensiven Bodenkultur, und die Berge bei Bethlehem, welche beweisen, daß man auch heute noch aus dem harten Kalkstein, der überall auf den Bergen uns in großen Blöcken entgegenstarrt, Brot mächen kann. Der Ölbaum, einmal mit etwas Erde in den harten Stein eingesetzt, zerbröckelt diesen