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Die Welt · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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: DIES^KELT Dieses Bestreben des Zusammenschlusses, das das ganze Seih und Leben des Volkes durchdringen und beherrschen muß, bildet die Grundlage der nationalen Idee. Die Gelüste einer Rückkehr hingegen zur Zersplitterung durch eine kleinlich-engherzige Gesinnungsriecherei sind in ihren Motiven und in ihren Folgen antinational. Die höchste und innigste Einheit trotz der Parteiverschiedenheiten, das Ineinandergreifen der verschiedenen Teile und Gruppen, das Zusammenfließen der Sonderbestrebnngen, das Durchdrungensein von dem stärksten Willen, ein ^Goi echod b"oretzu (ein einheitliches Volk in der Welt) zu bleiben, — das ist die nationale Idee. Wir verkennen die vorhandenen Parteien und Gruppen nicht. Eben vermöge dieser mannigfaltigen Gestalt, in der die jüdische Einheit sidi auffassen läßt, ist dieselbe geeignet, in einem reichen und harmonischen Bilde mit dem Ursprünge .und Wesen zugleich die wichtigsten Folgen einer höheren nationalen Union darzustellen. Der Unverstand wirft der jüdisch-nationalen Idee einerseits einen Gegensatz zum Staatsgedanken und Bürgertum, anderseits einen Widerspruch gegen das Geistige, gegen die Thora. vor. Beides ist falsch. Die jüdische Nationalität kann in der Diaspora weder staatlich noch politisch-bürgerlich zum Ausdruck kommen; sie berührt dieses Gebiet nicht, und daher kann sie nach dieser Richtung keine Konflikte schaffen. Auch nach innen ist sie das Erhaltende, das Bindende, das über den Parteien Stehende. Es ist Torheit, hierin eine Herabsetzung des Geistigen erblicken zu wollen. Die die jüdische Nationalität betreffenden spezifischen Eigenschaften, welche ihrem Inhalte nach aus der Zusammensetzung des Stammes mit seiner geschichtlichen Lehre hervorgehen und in wechselseitiger Bestimmung begründet werden, sind Gemeingut des jüdischen Volkes. % Das National-Jüdische ist mehr als national; es involviert auch den Begriff des K'nesseth Isroel, — aber es läßt sich nicht in den Rahmen einer bestimmten Richtung einzwängen. Diese letztere Anschauung ist nicht nur modern, sie entspricht auch der ältesten Tradition des oben zitierten Lehrsatzes: Af al pi schechata Israel hu. Das Nationale hat nichts mit den „ChätaTirr zu tun: dieses Gebiet überläßt es uneingeschränkt und unberührt. Es fußt auf dem „Isroel-^hu", auf dem Einssein des Stammes. Es ist ganz so wie in den Gemeinden, die inShrer Mitte verschiedene Richtungen haben, oder in einer Landesorganisation, ja noch mehr, es ist die Organisation der Gesamtheit. Der national-jüdische Gedanke verstößt ebensowenig .gegen das Bürgerliche wie gegen das Spezifisch-Religiöse. Er schlägt seine Wurzeln in den Boden der Abstammung und der Geschichte und küßt, wie ein hoher Baum, den blühenden Sonnenschein des jüdischen Ideals. Sein Bestreben ist das Bestehen, wohlgemerkt, vor allem: das sichere Fortbestehen und das Nichtassimiliertwerden des jüdischen Volkes. Welche Strömungen innerhalb dieses bestehenden Volkes die Oberhand gewinnen sollen, — diese Frage liegt logisch außerhalb des Gedankenkreises der Träger der nationalen Idee. Es ist traurig, daß es Menschen gibt, die dies nicht verstehen: es ist komisch, daß sie gegen diejenigen, die die Dinge richtig auffassen, Ketzergerichte abhalten möchten. Gegen den Grundsatz „denken und denken lassen" wird ein neuer Grundsatz aufgestellt: „selber nicht denken und keinen denken lassen." > No. 13 Das ist vergebliche Mühe. Jeder Denkende wird begreifen, daß niemandem jüdische Tradition heiliger ist als nationalen Juden. Das tiefheilige Prophetenwort: „lo jikoreth myh'joth goi ffonai" (wird nicht aufhören, ein Volk zu sein) ist die grundlegende Tradition des jüdischen Stammes. „Die Juden" — schreibt Isaac Aramah — „werden „am" und „goi" genannt: sie müssen ebenso auf ihre Erhaltung, wie auf die Erhaltung ihrer Lehren bedacht sein." „Vermeidet es, — schreibt Maimonides in einem seiner Briefe, — „die Juden, die zum Islam übergetreten sind, zu schikanieren, — durch Sanftmut und Liebe werdet ihr sie wiedergewinnen: wir müssen vor allem zusammenhalten." All dies sind Traditionen: in jedem Wort liegt der .nationale Gedanke. Nichts anderes bezweckt die national-jüdische Idee in der Diaspora. Sie will keinen Staat im Staate errichten, — das wollen wir Zionisten in Palästina; sie will weder eine religiöse Revolution, noch eine Inquisition einführen. Sie hat ihren Zweck und ihren Sinn außerhalb und über all diesen Tendenzen. N. S. An unsere Leser! Gesinnungsgenossen! Wie alljährlich, lassen wir auch diesmal eine Passah-Festnutnmer der „Welt". erscheinen, die am 14. April d J. zur Ausgabe gelangt. Die Nummer wird literarisch und künstlerisch sehr reichhaltig ausgestattet sein und dürfte sich auch als zionistische Propagandaschrift außerordentlich eignen. Von den zionistischen Organisationen und Gesinnungsgenossen erwarten wir, daß sie sich für die intensivste Verbreitung der Festnummer bemühen werden. Wir machen darauf aufmerksam, daß bei verschiedenen Gelegenheiten, wo derartige Festnummern unseres Blattes erschienen, zahlreiche Bestellungen, weil sie zu spät eintraten, nicht mehr ausgeführt werden konnten. Wir ersuchen daher die Organisationen und Gesinnungsgenossen, 'Bestellungen rechtzeitig, di. bis spätestens 6. April d. J. aufzugeben. Wir berechnen für Deutschland für alle und osterreichübrigen Ungarn: Länder: 1 Expl. inkl. Porto mit . Ji - .45 . ". — .50 10 „ „ „ „ . „ 4.30 . . „ 4.80 25 »» » », »» - « 8.— . - „ ' «MO 50. „ „ „ „ . „ 13 50 „ 15.70 100 „ „ „ „ . „ 21.50 . . „ 24.80 Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme ausgeführt. Expedition „Die Welt"

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