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Die Welt · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROl.INGERRING 6%/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XII: JAHRG. KÖLN, 27. März 1908 Wrb obntt'e* ~r>ü' ^"^ WAS IST NATIONAL-JÜDISCH? Das Nationale bezeichnet die Stammeseinheit selbst und als solche, sowohl in ihrem Entstehen' wie in ihrem Bestehen und ihrer unmittelbaren Wirkung, und ist eben ein prägnanter Ausdruck für die Innigkeit und Kraft derselben. Die Union entsteht und besteht nämlich durch ein Eindringen eines gewissen höheren Rassengeistes in eine bestimmte Menschengruppe, kraft •dessen ein-bestimmtes Sehnen nacheinem Ideal diese* Menschengruppe belebt und zu seinem Träger macht, also mit ihr zu einem Wesen vereinigt und gestaltet wird. Dieser eigene Geist „durchströmt" die Nationalität — um mit dem Dichter zu sprechen — „wie eine Salbe und durchglüht sie wie eine Flamme". Oder — mit unseren Weisen zu sprechen — „Israel und seine Thora sind eins". Die Eigentümlichkeit und Beispiellosigkeit des Charakters der jüdischen Nation bringen es mit sich, daß es im einzelnen oft schwer ist, genau zu be-. stimmen, ob und inwieweit gewisse Namen und Prädikate mit voller Wahrheit oder ,doch in nicht mißverständ- Iicher und unverfänglicher Weise von demselben ausgesagt werden können, während zugleich nichts wichtiger ist, als zur Wahrung des vollen und präzisen Inhaltes des Judentums, besonders gegenüber der Assimilation, in der allerbestimrntesten und unzweideutigsten Weise von der jüdischen Nationalität zu sprechen. Ebenso könnte es aber auch leicht geschehen, daß gegenüber einem assimilatorischen Mißbrauch bestimmter Ausdrücke die letzteren von den Nationalen als unstatthaft bezeichnet würden, während sie an sich : berechtigt sein können, und daß hinwiederum andere Ausdrücke-als einzig korrekt geltend gemacht würden, welche nach einer anderen Seite doch wieder einer näheren Bestimmung oder Beschränkung bedürften, um ganz korrekt, zu sein. Ohne auf die Prüfung einer ganzen Reihe von Sätzen einzugehen, welche in der Polemik beiderseits vorkommen, soll es die Aufgabe dieses Aufsatzes sein, die wichtigsten Grundsätze hervorzuheben, nach welchen die Begriffe im allgemeinen zu behandeln sind und in deren Erörterung die Mißverständnisse so oft hervortreten. Zunächst ist bei der Bestimmung der jüdischen Nationalität im Auge zu behalten, daß der nationale- Grundbegriff, von dem hier ausgegangen werden muß, kein anderer ist als der historisch-ethnologische. — Die Prädikate des nationalen Begriffes aber zerfallen, in Anwendung auf alle anderen Völker, in Prädikate des Ursprunges, der historischen Gemeinschaftlichkeit, der Rassenergenschaften und in Prädikate des Staatsverbandes, der politischen aktuellen Funktionen und der lokalen, bürgerlichen Interessen. Zu unserem Subjekt verhalten sich -nur die Prädikate der ersten Kategorie (des Ursprunges, der Rasse, der Geschichte, der kulturellen Bestrebungen) wie zu den anderen Nationalitäten; die anderen Prädikate hingegen stehen in einer wesentlich anderen Weise zu unserem Subjekte als zu anderen Subjekten, die man national nennen mag. Um genau diesen Standpunkt zu formulieren, , müssen wir feststellen, daß unsere Nationalität, vermöge ihrer eigentümlichen Konstitution, Subjekt jener Prädikate ist, die sich auf das natio, also die Herkunft, wie auch auf den Geist, den Typus beziehen. Nur das haben wir mit andern Nationalitäten gemeinsam. Ausgenommen, oder doch nur in beschränkter V£eise anwendbar, sind nach der Natur der Sache solche Prädikate, welche auf die jüdische Nation bezogen, dem Charakter ihres zusammengesetzten Wesens widersprechen würden. Die nationale Idee ist keine historische Anschauung; sie ist ein Programm, sowohl nach außen, wie nach innen. Nach außen manifestiert sie sich in einem energischen Kampf um das eigene Dasein, in einem erhöhten Selbstbewußtsein, in einer sorgfältigeren Wahrnehmung eigener Interessen; nach innen — in einem Zusammenschluß der Juden sämtlicher Länder, Riten, Kulturgrade und Parteischattierungen zu einer Stammeseinheit. Weil in dem „natio" die Tatsache des Einsseins mit dem Stamme als eine wahre und vollständige Eigenschaft hingestellt wird, so kann und muß man sie im Sinne des Prinzips : Af al pi sehechata Israel hu (auch wenn er gesündigt, ist er Israelit), wie die Mitglieder jeder anderen Nationalität, als Juden betrachten.

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