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Die Welt · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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^jf^\fif>>tx^SP^v^^K S dies|eelt N-o. 10 ■■• sie alle blühen vielmehr unter ^demselben Zeichen einer respektvollen Mittelmäßigkeit. Wenn indessen ihre gemeinsame Einzelarbeit in einem Zentrum konzentriert werden könnte, welche ruhmvolle Liste von Namen käme da zusammen! Es würde doch eine große Anziehungskraft auf die Studierenden ausüben, Hörer einer Anstalt zu sein, an der ein Bacher, ein Schechter, Friedmahn, Büchler, Hazkavy, Hoffmann, ein Israel Levi, ein Barth, um nur wenige Namen zu nennen, die einem zunächst einfallen,' gemeinsam am Werke wären, um großen Klassen von Studenten ihr Bestes zu geben, die aus allen Enden der jüdischen Welt zusammenkämen. Das würde der erste Vorteil sein. Wir würden eine tatsächliche Machtkonzentration haben; jetzt ist unsere intellektuelle Schlachtreihe schwach, weil sie über ein zu großes Feld verstreut ist. Dazu kommt eine andere Erwägung. Jerusalem ist ein idealer Platz für eine jüdische Üniversität. Wie immer die politische Meinung . des Sultans der Türkei ist er ist durch Tradition ein Freund des Unterrichts. Der Mohammedanismus ist allezeit für das Lernen eingetreten. Darum würde unter einer mohammedanischen Regierung eine jüdische Universität jede Unterstützung erfahren und jedenfalls nicht in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Und obgleich der Jude eigentlich kein Orientale ist, noch ist seine Religion semitisch, und es würde sich vielleicht herausstellen, daß jüdisches Lernen am besten in einer semitischen Umgebung gedeiht. Aber Jerusalem hat noch andere Vorzüge. Die Schwierigkeit eine große jüdische Lehranstalt in Europa zu gründen, ist unzweifelhaft nationaler Art Juden sind immer patriotisch, und in ihren Lehrhäusern sind sie gar eifrig national. Keine einzige Hauptstadt Europas könnte hoffen, Juden aus einer andern Hauptstadt zu erhalten; die deutschen Juden würden für Berlin, die ungarischen für Budapest stimmen und so fort. Aber alle Juden würden ohne weiteres die Vorzüge Jerusalems zugeben. Mit der nationalen Verschiedenheit geht Hand in Hand die sprachliche. Französisch. Englisch, Deutsch, Ungarisch und Italienisch sind die Sprachen, die an den verschiedenen Seminaren gebraucht werden. In Jerusalem würde natürlich die Unterrichtssprache hebräisch sein. Das allein würde einen großen Gewinn bedeuten. Es würde nicht nur der Wiederbelebung des Hebräischen dienen, es würde auch um die Studenten der verschiedenen Länder ein brüderliches Band schlingen, wie heute nichts Ähnliches besteht Es würde nicht bedeuten, daß ein Ausländer die Sprache der Eingeborenen annimmt, wie wenn ein Engländer nach Berlin geht; alle würden eine Sprache annehmen, die zwar nicht ihre eigene Sprache wäre, die indessen die allgemeine zweite Sprache aller Juden sein könnte und sein sollte." Herr Abraham erwähnt sodann die Erforschungs- und Ausgrabungsarbeiten in Palästina, an denen die Juden leider nicht beteiligt seien und für die eine jüdische Universität im Lande das gegebene Zentrum sein würde, und fährt dann fort: „Das Geld könnte leicht oder nicht leicht zusammengebracht werden. Noch ist Jerusalem ein Name, der uns bezaubert. Aber der wichtigste Punkt ist, daß die Universität in einer wahrhaft jüdischen Atmosphäre stehen würde. Die heilige Stadt würde dem jüdischen Studenten ein Stück seiner großen Vergangenheit verwirklichen. Er würde die Gassen entlang gehen, die Hillel gegangen ist und der Zufall würde ein Echo der alten Inspirationen erwecken, gerade stark genug, um sein Studium fruchtbar zu gestalten." Der Schreiber führt dann noch aus, daß gerade eine Universität in Jerusalem allen Richtungen gerecht werden könnte. Er denkt sich die Entstehung der Universität schrittweise aus Kleinem zu Großem emporwachsend, darum sympathisiert er mit der Idee Dr. Paul Nathans, zunächst dort ein Institut ähnlich den amerikanischen Colleges in Beirut und Konstantinopel, zu errichten; er sieht darin den ersten Schritt auf dem von ihm vorgeschlagenen Wege. „Manche mögen mir sagen, daß ich einen .zionistischen Plan vortrage, und mögen sich wundern, daß ich etwas derartiges unterstütze. Vielleicht ist er zionistisch, aber wenn dem so ist dann ist er zionistisch in dem Sinne, wie wir alle Zionisten sein sollten. Und eine Universität in Jerusalem würde das Wort der Erfüllung näher bringen: „Von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem." Sind wir nicht angesichts dieser glorreichen Hoffnung alle Zionisten? Ich gebe freimütig zu, daß ich dazu gehöre." Der Herausgeber des Jewish Chronicle hat die Meinung verschiedener namhafter Persönlichkeiten über die von Herrn Abrahams behandelte Frage eingeholt und veröffentlicht sie gleichzeitig mit dem Artikel. Chief-Rabbi Adler begrüßt den Vorschlag einer jüdischen Universität in Jerusalem, von der er glaubt daß sie einen hohen Grad der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit einnehmen würde. Indessen verkennt er nicht die großen Schwierigkeiten, hauptsächlich materieller Natur, die der Ausführung der Idee ent- 17 gegenstehen. Er bezweifelt die Möglichkeit der Sammlung der nötigen Mittel und weist darauf hin, daß es sehr schwer sein wird, in einer Umgebung der chronischen Armut ein solches wissenschaftliches Institut zu unterhalten. Auch würden sich nicht so leicht Schüler finden, die die Kosten und Gefahren der weiten Reise auf sich nehmen. Grand Rabbin Dreyfus vonParis erklärt das Projekt für sehr interessant, kann aber kein Urteil abgeben, so lange er die Frage nicht eingehend und gründlich studiert hat. Professor S. Schechter, New-York, hält die Einrichtung einer Jüdischen Universität in Jerusalem so lange für unmöglich, als dort keine starke jüdische Ansiedelung besteht Sir Francis Montefiore sympathisiert außerordentlich mit der Idee, von der er nicht zweifelt daß sie die Unterstützung aller guten Juden finden wird. Israel Zangwill schreibt: „Die Erhaltung des jüdischen Volkes in der Diaspora ist weder erwünscht noch möglich, es sei denn auf einer religiösen Basis. Es würde darum logisch sein, in Jerusalem entweder ein Seminar oder ein autoratives Zentrum jüdischen Religionsunterrichtes zu errichten. Aber keine Universität oder eine andere weltliche Institution, wenn sie nicht einen Schritt zum palästinensischen Territorialismus bedeuten rsoll." Ein amerikanischer Regierungsbericht über die Juden in Rußland Ein sehr interessanter Bericht über die Lage der russischen Juden ist sbeben vom Ministerium für Arbeit und Handel der Vereinigten Staaten veröffentlicht worden. Der Bericht hat Mr. I. M. Rubinow zum Verfasser und gibt ein eingehendes Bild der ökonomischen Verhältnisse der Juden Rußlands. Interessant sind insbesondere die Zahlen, die der Bericht über das Verhältnis der Zahl der Juden in den Städten zu denen des flachen Landes mitteilt Der Bericht besagt darüber nach dem „Jewish Chronicle" folgendes: In Litauen wohnen 297980 Juden oder 42,7 ° „ der jüdischen Bevölkerung in Städten; in Weißrußland 324847 oder 44,8 °/0, An Südwestrußland 502830 oder 53,3 ° o, in Südrußland 453980 oder 62,2 °;o und in Polen 813375 oder 61,6 % der gesamten jüdischen Bevölkerung dieses Landes. Im Jahre 1857 waren 164026 Juden direkt und indirekt in der Landwirtschaft beschäftigt; 72220 waren bei der Verarbeitungtierischer Produkteangestellt 134476 beschäftigten sich mit der Verarbeitung von Holz, 148329 mit jener von Metall, 125514 gehörten gelehrten Berufen an, 54277 dienten in Armee und Marine, 183316 produzierten Nahrungsmittel und 782454 waren in der Kleidungsindustrie beschäftigt. Im Baugewerbe fanden 152678 ihren Unterhalt, in der Speditions- und Fuhrwerksindustrie 170724, in der keramischen Industrie 20691 und in der Textilindustrie 93298, 61697 werden als in Synagogen beschäftigt aufgeführt, 8122 in der- Rubrik „Kunst und Wissenschaft", 171905 als von ihren Renten oder der Unterstützung ihrer Angehörigen Lebende, 7125 als in der Viehzucht Beschäftigte und 12876 als im Forstgewerbe Angestellte. Als Geschäftsleute und Handlungsgehülfen im allgemeinen werden 398937 bezeichnet und 587107 als Händler mit landwirtschaftlichen Produkten. Von einer Totalzahl von 556 086 Personen, die innerhalb des Ansiedlungsrayons vom Handel leben, sind 426 628 Juden, und nur 129 458 Nichtjuden. Das heißt also, daß vier Fünftel aller im Ansiedlungsgebiete lebenden Kaufleute Juden sind. Interessante Aufschlüsse über die geographische Verteilung der verschiedenen Berufsarten sind in dem Bericht enthalten. In Litauen und Weißrußland z. B. entfällt auf den industriellen Berufen Angehörige eine viel größere Zahl als auf Kaufleute, eine bemerkenswerte Tatsache, angesichts der größeren Anhäufung der Juden im Nordwesten und ihrer schlechteren ökonomischen Lage. In diesen Provinzen ist ein rapider Wechsel von kaufmännischen Beschäftigungen zur industriellen Tätigkeit zu beobachten, und hier ist auch er Mittelpunkt der Arbeiterbewegung. Diese Provinzen stellten auch bis in die jüngste Zeit hinein das Hauptkontingent der Auswanderer nach den Vereinigten Staaten. Aus den offiziellen Statistiken geht hervor, daß 63 Prozent der jüdischen Einwanderer in Amerika während der Periode von 1901/06 der Klasse der industriellen Arbeiter angehörten und unzweifelhaft ist ein großer Teil der in den amerikanischen Einwanderungstabellen als Hausangestellte bezeichneten Einwanderer der Rubrik „Industrielle Arbeiter" zuzurechnen. Mehr als 40 000 Juden sind in Rußland in der Landwirtschaft beschäftigt und mehr als 150 000 Personen leben von ihrem Verdienst so daß insgesamt mehr als 190 000 Juden ihren Unterhalt in der Landwirtschaft finden. Sie bearbeiten 305 407 Ares. Wenn die durchschnittliche Lage des russischen Bauern zum Vergleich herangezogen werden soll, muß man feststellen, daß diese jüdischen .Bauern im allgemeinen gut gestellt sind. Die Familie besitzt durchschnittlich 2—28 Pferde. Neben jüdischer Arbeit ist

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