Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316296-3316307--50376-3377501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
18 djei|e:elt No. 10 auch iüdisches Kapital stark in der Landwirtschaft angelegt. Beträchtliche Landstrecken gehören Juden zu eigen oder sind von ihnen gepachtet. Ein offizieller Bericht gibt die Ziffer von 6422684 Ares an. Das sind allerdings immer noch nicht l,5°/o der Gesamtfläche des Rayons. Außerhalb des Ansiedelungsrayons leben nach einer Zählung von 1893 weniger als 10000 jüdische Handwerker. Für ungelernte Arbeiter war aus den. 5 großen Zentren Lodz, Odessa, Kiew, Kowno und Mohilew kein statistisches Material zu erbringen. Außer diesen 5 Städten betrug die Zahl der ungelernten Arbeiter 97900, im ganzen also weit über 100000- Nach Beschäftigungsarten unterschieden, stellt sich diese Zahl wie folgt dar: Landwirtschaftliche Arbeiter 12901, Droschkenkutscher 13260, Erdarbeiter und,Steineklopfer .9986, Hafenarbeiter und Lastträger 32528, Holzfäller 4286, Flößer 3113, Lumpensammler 4301, Fuhrleute 18819, Wasserträger 5378, nicht spezifiziert 328, insgesamt also 97900. Der Prozentsatz der ungelernten Arbeiter beträgt also 2°jo der gesamten jüdischen Bevölkerung, während in gelernten Berufen 70/o tätig sind. Dieser Prozentsatz steigt auf 3,3 resp. 10 in Südrußland und fällt auf 1,4 und 4,2 in Polen. Einen gewissen Überblick über die Verteilung des jüdischen Kapitals in Rußland gibt die folgende Tabelle, die nach Branchen geordnet die Zahl der Etablissements enthält, in denen jüdisches Geld investiert ist: Textilbranche 305, Leder 162, Keramische Unternehmungen 98. Mineralwasserfabriken 81, Getreidemühlen 68, Ziegelbäckereien 66, Kurzwaren 63, Holzwarenbranche 58, Gläserei und Töpferei 50, Metallwaren 49, Sägemühlen 46, Bierbrauereien 45, Papierfabriken 42, Chemische Fabriken 29, Seifenfabriken 21, Bürstenfabriken 25, sonstige Etablissemements 201. Im Ansiedlungsgebiete stellen die Juden dreiviertel zur Gesamtzahl der Kaufleute (448 541 zu 618 762 oder 72,5 M Dieses Verhältnis wechselt beträchtlich, je nach den verschiedenen Provinzen. Im Nordwesten sind 90" o der Kaufleute Juden, in Glodno und Minsk über 92 0 o. Tatsächlich befindet sich in diesen Provinzen der gesamte Handel in Händen der Juden. Im Süden stellen die Juden schon nur mehr die Hälfte des Handelsstandes, und diese Zahl sinkt rapid, je mehr man sich vom Zentrum des Ansiedlungsrayons entfernt Da ihnen keinerlei Möglichkeit auf staatliche An Stellung offensteht, bildet für den studierten Juden die Privatpraxis als Rechtsanwalt oder Arzt meistens die_ einzige Möglichkeit des Lebensunterhalts. Das Resultat ist eine Oberfüllung dieser Berufe, was sich am meisten in den Städten des Rayons fühlbar macht, wo auch die entsetzliche ökonomische Lage, der Massen auf.die Lebenshaltung der studierten Klassen ungünstig einwirkt. Viele Rechtsbeflissene sind genötigt, als Bankkommis für 10 Rubel wöchentlich zu arbeiten, und ein Arzt erhält sehr selten mehr als 30 oder höchstens 40 Kopeken für einen Krankenbesuch. Die Angehörigen anderer akademischer Berufe machen sehr oft von dem Recht Gebrauch, in Großstädten außerhalb des Rayons zu leben und beschäftigen sich in großer Zahl mit Literatur und Journalistik, ernten allerdings dafür nur sehr geringe Einnahmen. Religionswechsel ist häufiger in gelehrten Berufen als unter den anderen Klassen der jüdischen Bevölkerung, zum größten Teile sind solche Fälle natürlich auf die damit verbundenen materiellen Vorteile zurückzuführen. PARTEIFONDS Tabelle über alle Eingänge für den Parteifonds bis Ende Februar 1908 Xa.ch Ländern geordnet Mk. 20211.15 Vereinigte Staaten von Nordamerika . - 3705.40 3108.70 Österreich Galizien.....„ 303.10 . 2575.29 1 übrige österr. Länder „ 526.54 J Rußland.......... „ 2140.20 ■ 2003.05 „ 1861.— 1166.35 Holland............. „ 954.70 „ 526.75 , 401.53 294.30 172.— Palästina...... ....... x......Mk. 170.30 China.........." ... .. 102.— Dänemark ............, 66.30 Italien......... .....„ 21.— Türkei........ „ 16.— Ägypten..............., 4.90 Mk. 39500.92 Indem wir hiermit den Gesamtausweis der bis Ende Februar für den Parteifonds eingegangenen Spenden nach Ländern geordnet veröffentlichen, können wir nur unserem lebhaftem Bedauern über den bisherigen geringen Erfolg der Sammlung Ausdruck geben. Alle Mahnungen, Zirkulare und Aufrufe haben offenbar leider immer noch nicht vermocht, große und bedeutsame Faktoren der zionistischen ' Organisation aus ihrer Lethargie aufzurütteln und sie zu bewegen, ihrer Pflicht gegen die zionistische Organisation gerecht zu'werden. Aus der obenstehenden Tabelle geht hervor, daß Deutschland allein bisher mehr aufgebracht hat, als alle übrigen Landsmannschaften zusammengenommen. Auch einige kleine Landesorganisationen und Distrikte (Belgien, Rumänien, Böhmen) haben sich in anerkennenswerter Weise betätigt. Dagegen haben die größten und stärksten unserer Federationen bisher vollständig versagt. Rußland, das Zentrum und der Rückhalt der Organisation, steht an fünfter Stelle mit insgesamt 2140 Mark! - Die amerikanische Federation hat leider nicht, einmal 1000 Dollars gesammelt, in England und Südafrika ist die Sammeltätigkeit auch offenbar noch gar nicht ernstlich begonnen worden. Und wenn man von Österreich Böhmen abtrennt, so_ sind in ganz Galizien 300 und im ganzen sonstigen Österreich 500 Mark zusammengekommen, d. h. ungefähr so viel wie in der Schweiz und Frankreich! Wir können nicht annehmen, daß dieses klägliche Ergebnis im mangelnden Willen der einzelnen begründet liegt. Die Beispiele der deutschen, rumänischen, belgischen und böhmischen Organisation zeigen, daß, wenn nur von der Spitze aus die Sammeltätigkeit energisch und ernsthaft in die Hand genommen wird, die besten und schönsten Erfolge sich erzielen lassen. Und wir können nur hoffen, daß die verantwortlichen Stellen sich bald bewußt werden, wie gefährlich und undiszipliniert ihre laue Haltung gegenüber dem einstimmigen Beschluß des Kongresses und dem dringenden Erfordernis des Augenblicks ist. Videant consules..... Beim" Zionistischen Zentralbureau in Köln eingegangen: Hillel Klein als erste Pauschale von der Ivria in Elberfeld Jl 23.50, Adolf Hoenig, Louisville 10.—, Moritz Gawronsky, Goldingen, durch Aron Brachman 6.45, Sammlung Abr. Lewkowitsch, Petrikau: Marcus Meiran, Abraham Lewkowitsch, David Königstein, MandelWeishof, Michal Hertz, Moses Feinkind ä Rbl. 2.— c^ 25.70 zus. - ff. 65.65 Beim Jewish Colonial Trust, London, eingegangen: - Rev. Dr. J. M. Salkind, Mrs. Salkind, Master Salkind je 4 sh., Josef Rosenfeld, Alexandrien 0.4.9 Sammlung des Herrn Benzion J. Garty, Philipoppel: Benzion- Garty Frcs. 10.—, Nissim Avdala 10.--, Moise Moscona 7.—, Mercado Cordova, Mme. Cordova, Jacob Ieni, Rabbin Samuel, Gabriel Faro, Samuel Cordova, Azriel Peres, Joseph Ch. Caleff, Tschelibi Policar, Jacob Alfandari, Abraham Alfandari, Nessim Saranga, Juda Chimon, Eliezer Isaac Passi, Moise Haleva, Joseph Assa ä 5.—, Societd ^Benot-Sion" 20.—, Societe „Joseph M. Barouch" 20.—................ Frcs. 147.— Insgesamt Jt 200.10.