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Die Welt · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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und den Schekeleingang um 50 "> vermehrt. Sein gtößter Erfolg sei sein Eingreifen in die Kultuswahlen der Wiener Kuftusgemeinde. im Jahre 1906 gewesen, wo die Zionisten 48°.'o aller abgegebenen Stimmen aufbrachten und zwei ihrer Kandidaten in die Stichwahl brachten. Im letzten Jahre habe das D. K. die „Jüdische Zeitung" gegründet, die sich bald einen sehr beachtenswerten Platz errungen habe. Wenn das Distriktskomitee sich trotz dieser Erfolge veranlaßt sehe, seinen Rücktritt anzumelden, so geschehe dies, weil entstandene sachliche Differenzen persönlich aufgefaßt wurden. Das D.-K. sei entschieden gegen die Kompromißrieigungen; die sich bei der Frage der'Neuwahl eines Präsidenten des jüdischen Nationalvereins an Stelle des zurückgetretenen Dr. Schalit zeige. Der folgende Redner, Herr Weisengrün, äußerte seine Unzufriedenheit mit dem herrschenden Parteigeist, der einen bedauerlichen Mangel an theoretischer Grundlage aufweise. Die Tätigkeit des Landeskomitees für Österreich sei durch das Prager Statut vollständig lahmgelegt: daher bestehe keine Zentralleitung und kein Zusammenhang zwischen Programm und Taktik. Der Redner unterbreitet zwei Resolutionen, deren erste jede opportunistische Taktik ablehnt. Die zweite verwirft jedes Kompromiß bei den Kultuswahlen. Nach lebhafter Debatte werden diese Resolutionen angenommen. Die Wahl des Komitees wird auf den 8. März verschoben! Ungarn Kleinpest: Ein erfreulicher Fortschritt ist im. ungarischen Zionismus zu verzeichnen. Der Budapester zion. Mädchenverein hat eine Filiale in Neupest gegründet, der mit 30 arbeitsfreudigen Mitgliedern erstanden, sich mit Eifer dem Schwesterverein.anschließt um den zionistischen Zwecken zu dienen. Die Präsidentin des Budapester Vereins, Fräulein Molnar Solan, hielt eine schwungvolle Ansprache. Die Tätigkeit beider Vereine besteht in Agitation, in Verfertigung von Handarbeiten, welche zugunsten des Nationalfonds verlost oder veräußert werden. Letzhin wurden mehrfach Teeabende mit Vorträgen und Debatten über Zionismus veranstaltet. Bei der Gründung des Kleinpester Vereins erwarb sich der dortige Rabbi Liebermann anerkennenswerte Verdienste. Eine opferfeudige Dame stellte dem Verein einen Teil ihrer Wohnung' zur Verfügung, bis derselbe in der Lage sein wird, sich selber ein Lokal zu mieten. England In der letzten Woche fanden wieder mehrfach Versammlungen' statt. Im Manchester sprach Professor S. Alexander über „Spinozas Idee eines jüdischen Staates". In Leeds hielt Herr A. Kaplan einen Vortrag über „Die Juden -in Palästina". Gelegentlich der Anwesenheit Dr. Gasters in Cambridge fand dort eine Versammlung statt, in der die Gründung einer Cambridge University Zionist Society beschlossen wurde. In Glasgow sprach Mister Raskin über „Zionismus als die Regeneration des Judentums". In einer Versammlung in Portsmouth vertrat Mr. N. Phillips in einem Vortrag über „Wie kann das Ziel des Zionismus erreicht werden?" die Meinung, daß es zum Zwecke des Erfolges des Zionismus nötig sei, ihn in Form eines Geheimbundes zu konstituieren. Die Vereine in Brynmawr und Abertillen,-, in Tredegar und New Tredegar sind infolge der Bemühung des Herrn Dr. Salkind reorganisiert worden. Kanada " - Am 16. Februar fand in Toronto die Einweihung des neuen Vereinshauses der United Zionists of Toronto statt. Das großartige Gebäude hat eine Front von 70 Fuß Länge und eine Tiefe von 120 Fuß. Im Innern enthält es einen großen Versammlungssaal, mehrere kleine Komiteezimmer, Sonderräume für jeden der acht zionistischen Vereine Torontos, eine große Bibliothek, einen Lesesaal, eine Turnhalle und eine Wohnung für den Direktor. Es ist beabsichtigt, später noch einen großen Saal anzubauen. Die Eröffnungsfeier fand unter der Teilnahme der gesamten jüdischen Bevölkerung Torontos statt. Herr Clarence de Sola^ Vorsitzender der kanadischen Zionistenfederation, hielt eine mit großer Begeisterung aufgenommene Ansprache. Der Bürgermeister von Toronto sprach in einer Rede seine Sympathie für die zionistische Bewegung aus. Die Kosten des Gebäudes betragen rund 50 000 . //[ . Mitteilung des Pflanzungsvereins Palästina" Zweck des Vereins; Dieser erst im Jahre 1906 mit dem . Sitze in Berlin begründete Verein verdankt seine Entstehung der hervorragenden Eignung'Palästinas für Gartenwirtschaft und Baumpflanzungen (Orangen, Oliven, Mandeln, Rosinen, Aprikosen, Feigen, Zitronen, Ethrögim etc.) und den bisher in Palästina erzielten kolonisatorischen Erfolgen. Der Grundgedanke des Vereins ist einer alten jüdischen Tradition entlehnt, wonach ein jeder Jude Besitzer eines Fruchtgartens im heiligen Lande werden soll. Als Minimum gilt ein bepflanztes Dunam Land (v'n ha) im Werte von Mk. .80.—, welcher Betrag auch in 12 jährlichen Raten entrichtet werden kann. Jedes Mitglied wird als lebenslänglicher Eigentümer einer Parzelle Land jn das Vereinsbuch eingeschrieben und erhält als Nutznießung seines Grundstückes alljährlich an Stelle einer Dividende eine Palästinagabe in Gestalt einer Sendung von Früchten oder anderen Erzeugnissen des Landes. Anlage1 der ersten Pflanzung. Die erste Pflanzung in Größe von ca. 30 ha , ist bereits in diesem Winter in der Kolonie Rechoboth-angelegt worden. Die Anlage dieser ersten Pflanzung ist auf folgende Weise erfolgt: Der Pflanzungsverein hat ein; für Pflanzungen geeignetes Terrain von ca." 300 Dunam bei der Kolonie "Rechoboth erworben und hat mehrere Kolonisten dieses Dorfes, die. als erfahrene und ehrenhafte Landwirte bekannt sind, beauftragt, daselbst eine Mandel- und Olivenpflanzung unter nachstehenden Bedingungen anzulegen: Die Kolonisten erhalten vom Verein zur Deckung der mit der Anlage der Pflanzung verbundenen Kosten 20 Francs per Dunam nach Erledigung der ersten Arbeiten, während die restlichen Pflanzungskosten aus eigenen Mitteln-der Kolonisten bestritten werden. Die Kolonisten pflegen die Pflanzung durch 6 Jahre, und nach Ablauf dieser Zeit erhalten sie als Entschädigung für ihre*Auslagen und Arbeit die Hälfte der Pflanzung, d. h. ca. 150-Dunam. Die Teilung in 2 Hälften geschiehtdurch Vertrauensmänner beider Parteien. Die Auswahl der beiden Hälften geschieht aber nur durch den Verein, so daß die Kolonisten bis zur Teilung gar nicht wissen, welche Hälfte ihnen zufallen wird und sie deshalb allein aus, Eigeninteresse für die richtige Anlage und Pflege der ganzen Pflanzung sorgen werden: Die Kolonisten haben sich auch verpflichtet, schon von diesem Jahre an jährlich eine gewisse Quantität Mandeln dem Verein zur Verfügung zu stellen, ,so daß der Verein in der Lage ist, seinen Mitgliedern schon von diesem Jahre an eine „Palästinagabe" zu senden. . Diese Abmachung basiert auf der Berechnung, daß, die als endgültiges Eigentum des. Vereins verbleibende Hälfte von ca. 150 Dunam bereits ertragsfähigen Mandeln- und Olivenlandes nicht mehr als 15000 Frcs. kosten wird, d. h. Francs 100,resp. Mk. 80.— per Dunam, welcher Betrag allgemein als Minimum der Selbstkosten > bis zur vollen Reifeperiode gilt. Der Verein hat den Kolonisten zur Bedingung gestellt, auf der Vereinspflanzung ausschließlich jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Nach erfolgter Teilung wird der Verein sein Besitztum voraussichtlich an professionelle jüdische Landarbeiter verpachten, sofern er bis dahin keine selbständige Verwaltung besitzen wird. Die Kolonisten sind aber außerdem auch kontraktlich verpflichtet, die Verwaltung der dem Verein zukommenden Parzelle auch weiterhin gegen Vergütung eines Viertels der Ernte zu übernehmen,-falls der Verein es wünscht. Wenn Differenzen zwischen dem Pflanzungsverein und den Kolonisten entstehen sollten, muß die streitige Angelegenheit einem Schiedsgericht zur Schlichtung übertragen werden. Falls die eine Partei sich weigert, Schiedsrichter zu ernennen,. erlöschen ihre Rechte auf das Grundstück zugunsten der anderen Partei. Ebenso erlöschen die Ansprüche der Kolonisten,, wenn sie nach dem Urteil der Majorität der Schiedsrichter, die Pflanzung vernachlässigt haben. - Wird sich die oben skizzierte Methode bewähren, und es ist nach Lage der Dinge kein Grund vorhanden, das Gegenteil anzunehmen, so wird dadurch. die jüdische Kolonisation 'eine raschere Ausdehnung*, als es bisher der Fall war, erfahren, da dann unser Vorgehen allgemeine Nachahmung finden dürfte. Daß -der Verein auch in Palästina' populär ist, geht daraus hervor, daßschon aus mehreren jüdischen Kolonien Angebote seitens zuverlässiger Kolonisten vorliegen, unter gleichen Bedingungen Neuanlagen für den Verein zu übernehmen. Wir werden in Zukunft vor allem nur solche Angebote bevorzugen, die von Kolonisten mitmehreren . Söhnen ausgehen, da in diesen Fällen infolge des Erwerbes von Land durch ihre eigene Arbeit es den jüngeren Söhnen ermöglicht wird, gleichfalls als Ackerbauer im Lande zu bleiben. . Fina nzlage des Vereins. Um den anderen palästinensischen ,. Institutionen nicht hindernd in den Weg zu treten, hat der Pflanzungsverein bisher noch keine Agitation für seine Zwecke entfaltet. Wenn es dennoch dem Verein gelungen ist, dhne besondere

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