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Die Welt · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 10 ■=• ' Dl£^ Jaffa, teilnahmen. Gegenstand der Besprechung bildeten die verschiedenen Fragen der Anglo Palestine Company in Palästina sowie die Einrichtung einer Bankabteilung in Konstantmopel. Die Generalversammlung der Anglo Palestine Company, die statutengemäß in den ersteh vier Monaten des Jahres stattfinden muß, wird Anfajig April in London abgehalten werden. Abänderung der Bankstatuten London: Die Abstimmung der Aktionäre wegen der Abänderung der Bankstatuten hatte bisher folgendes Ergebnis: Für die Abänderung stimmten über 12 000 Aktionäre mit über 40 000 Aktien, dagegen stimmten 2000 Aktionäre 4mit 6000 Aktien. Deutschland Berlin: Dienstag den 25. Februar veranstalteten die Alten Herren der Verbindung im K. Z. V. Hasmonaea eine Jüdische Studenteriversammlu-ng in den Germaniasälen. Herr Rechtsanwalt Dr. Pinkus leitete die Versammlung. Vor etwa 200 jüdischen Akademikern entwickelte Herr Dr. Elias Auerbach „Das Problem des jüdischen Studenten". Er charakterisierte in feinster Weise die psychologische Wirkung der Aufklärungs- und Assimilationsperiode in ihren verschiedenen Phasen und wies die Parallelerscheinungen dieser Entwicklung in der Studentenschaft nach. Heute sei der jüdische Student, der sich vom Judentum losgerissen habe und von seinen christlichen Kommilitonen überall - zurückgestoßen werde, genötigt zum Judentum zurückzukehren, um wieder ein ganzer Mensch zu werden.. Es folgte eine lebhafte Diskussion. Am 22. Januar fand in Dräsels Festsälen eine Versammlung der Berliner zionistischen Vereinigung statt, in der Herr N. Sokolow aus Köln über jüdische Kulturaufgaben referierte. Ein zahlreiches Publikum folgte mit größtem Interesse den 1 Va stündigen Ausführungen des geschätzten Redners, der die Bedeutung des . kulturellen Moments für den Zionismus ins rechte Licht setzte. Zum Schluß der Versammlung forderte der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Gronemann, zu eifriger Tätigkeit für den Parteifonds auf. Königsberg i. Pr.: Die Zionistische Vereinigung veranstaltete am Donnerstag einen Vortragsabend, der dem russischjüdischen Jargondichter Perez gewidmet war. Eingeleitet wurde der Abend durch einen Vortrag über Perez, den Herr M. Kowner übernommen hatte. Perez entstamme, wie er hervorhob, der sogenannten Aufklärungsperiode. Dennoch sei er frei von jeder Tendenz; seine Persönlichkeit träte hinter seinem Werk völlig zurück. Erweise er sich in einer großen Anzahl von Novellen als ein hervorragender Beobachter und virtuoser Schilderer des Lebens der Juden der Gegenwart, so flüchte er sich in anderen iri die Vergangenheit. Perez sei ein ausgezeichneter Schilderer des Chassidismus, jener eigenartigen Kulturerscheinung, die man als die Romantik des Judentums bezeichnen könne. Der Redner besprach dann eingehend mehrere Novellen des Dichters, die er einer psychologischen Analyse unterzog. An den Vortrag, der lebhaften Beifall fand, schlössen sich Rezitationen Perezscher Dichtungen. Auf der letzten Generalversammlung im Herbst vorigen Jahres wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, von nun an allmonatlich anstatt einer zwei Mitgliederversammlungen zu veranstalten. Die damals geäußerten Bedenken, daß man für so häufige Versammlungen nicht das genügende Publikum finden werde, haben sich nicht nur nicht bewahrheitet, der Erfolg der neuen Einrichtung hat sogar die Erwartungen ihrer Schöpfer bei weitem übertroffen. Die Teilnehmerzahl an unseren Versammlungen wächst von Monat zu Monat. Besonders unsere russischen Gesinnungsgenossen zeichnen sich durch lebhaftes Interesse und regelmäßige Teilnahme an den Versammlungen aus. Es wurde eine größere Anzahl von Vorträgen wissenschaftlichen, politischen und literarischen Inhaltes gehalten, denen jedesmal ein ausführliches Pressereferat folgte. Am 29. Januar fand im großen Saal der Bürgerressource eine stark besuchte öffentliche Versammlung statt, in der Israel Auerbach über „Das jüdische Problem" sprach. Als Purimfeier veranstaltet die Ortsgruppe am 22. März ein Kinderfest Das Ergebnis der Parteiföndssammlungen ist ein recht erfreuliches geworden, seitdem die voraussichtlichen Spender von Beiträgen persönlich aufgesucht werden. Solange wir uns auf die Aufrufe in unserer Parteipresse verließen, liefen die Beiträge sehr spärlich ein, so daß nach mehreren Monaten noch nicht einmal unser Voranschlag, dem der Mindestbeitrag von 4 pro Person zugrunde gelegt war* erreicht war. Seitdem wir die in Frage kommenden Herren EELT 13 und Damen persönlich besuchen, hat sich in wenigen Wochen der gesammelte»Betrag mehr als verdoppelt; die auf diesem Wege erzielten Beiträge sind weit höher als die ohne Aufforderung eingelaufenen, sie waren selten geringer als 30 J6, zuweilen aber beträchtlich höher. Wir haben hier eine größere Anzahl gänzlich unbemittelter Gesinnungsgenossen, die selbst den Mindestbeitrag nicht aufbringen können, dafür haben sich aber wiederholt Nichtzionisten in erfreulicher Weise an der Sammlung beteiligt. Prankfurt a- M.: Eine gut besuchte Mitgliederversammlung hatte sich am 2. März zum Vortrage des Herrn Referendars Gottlieb zusammengefunden. Nachdem der Vorsitzende, Herr Sondheimer, über den Stand der bis jetzt in der Ortsgruppe eingegangenen Parteifonds-Beiträge berichtet und zu weiterer Arbeit aufgefordert hatte, erteilte er dem Referenten das Wort. „Einige Hauptmerkmale des jüdischen Wesens" war das Thema, welches sich der Redner gewählt hatte und zu dessen Beleuchtung er interessante Beweise aus dem jüdischen Schrifttum und aus der Welt-Literatur brachte. Eine lebhafte Debatte über Materialismus, Untugenden des Ghetto-Judentums und der Assimilation schloß sich dem Vortrage an. Hamburg. Im Logenheim veranstaltete die hiesige zionistische Ortsgruppe eine stark besuchte Versammlung, in der der hiesige Prediger, Herr Dr. Paul Rieger, zahlreiche Gegenstände des Museums für jüdische Volkskunde vorführte und erklärte. Iri fesselnder Darstellung ging der Redner die verschiedenen Perioden der jüdischen Geschichte durch und suchte unter Demonstration zahlreicher Münzen, Abbildungen, Geräte usw. ein Bild der jeweiligen Kultur der Juden zu entwerfen. Unter den ältesten Gegenständen sind besonders erwähnenswert ein Stein und Mosaikstückchen vom Tempel des Herodes. Eine Reihe von holländischen, französischen und italienischen Kulturgegenständen bewiesen, welch künstlerisches Empfinden schon in früheren Epochen unter den Juden vorhanden war. Zum Schluß wurden noch Abbildungen und Geräte gezeigt, die für die Geschichte der Hamburger Juden wertvoll sind. Der Vorsitzende Dr. Kalmus dankte Herrn Dr. Rieger unter de^n lebhaften Beifall der Versammlung für seine interessanten Ausführungen und machte sodann darauf aufmerksam, daß am 12. März im Concerthaus Ludwig ein Concert „Das jüdische Volkslied" unter Leitung des Herrn Dr. Bogumil Zepler stattfinden wird. Breslau: Am Donnerstag den 27. Februar fand in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Lessingloge die erste öffent- . liehe Versammlung der neugegründeten Ortsgruppe des Misrachi statt. Im Namen der Gruppe begrüßte Herr Professor Dr. Badt die Erschienenen und gab eine Schilderung seines eigenen zionistischen Werdeganges. Er schloß mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich dem Zionismus anzuschließen, um so mehr als jetzt niemand mehr Gründe der Religion für sein Fernstehen vorschützen könne. Den Beweis für diese Behauptung trat Herr Rabbiner Dr. Leszynsky, Berlin, an in seinem einstündigen Vortrag „Zionismus und Religion". Der Redner löste seine Aufgabe in geradezu meisterhafter Weise, und seine Worte wurden durch reichen Beifall sowie eine Reihe Beitrittserklärungen belohnt Nach einer, leider vergeblichen, Aufforderung an unsere Gegner, sich zur Diskussion zu melden, schloß Herr Professor Dr. Bade mit einer kurzen Ansprache die Versammlung, welche einen erfreulichen Erfolg für das zionistische Leben unserer Stadt bedeutete. Österreich Innerösterreichischer Distriktstag (Originalbericht) ' Am. 1. März fand in Wien der Distriktstag des innefisterreichischen Distrikts statt, der durch die jüngsten Vorgänge innerhalb der Wiener Organisation besondere Bedeutung hatte. Anwesend waren 30 Delegierte, die 12 Vereine vertraten. Den Vorsitz der Tagung führte Gg. Markus. Der Obmann des Distriktskomitees, Herr Böhm, gab zu Beginn seines Rechenschaftsberichtes die Erklärung ab, daß das bisherige Distriktskomitee mit dieser Tagung von seinem Amte zurücktrete. Die Tätigkeit des D. K. sei in den zwei Jahren seiner Arbeit eine sehr ersprießliche gewesen. Das D. K. habe die untätigen Bürgervereine reorganisiert und in Wien den Zionistischen Zentralverein gegründet der allmählich zum Mittelpunkt des Wiener Zionnismus geworden sei. Einen Glanzpunkt in der Geschichte dieses rührigen Vereins bilde die von ihm veranstaltete Palästinareise. Der D. K. habe eine umfangreiche Broschürenagitation vorgenommen

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