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Die Welt · 1908-03-06 · 10 (6.3.1908) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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daß Herr Nisselowitsch nicht in der Duma, sondern in einer Zeitung gegen Sazonow polemisiert hat, keinen bemerkenswerten Einfluß ausüben. Man ist so furchtbar übereilt mit dem Aufbauschen. Man hat noch nicht die ausgereifte, feine Skepsis, die eine längere politische Schulung gibt. Die Kadetten sollen dieses Schweigen verschuldet haben. Diese Bösewichter sollen beschlossen haben, die Judenfrage nicht zur Sprache zu bringen. Miljukow soll es in New York gesagt haben. Eine Nachricht aus New York! Ich meine, für einen Tacitus noch nicht ganz reif. Und hat er es gesagt, — was ist neues dabei? Uns, von unserem jüdischen Standpunkte, erscheint doch zweifelsohne der ganze Kadettendusel abgeschmackt. Aber wenn die Kadetten wirklich durch ein Auftreten in der jetzigen Duma alle Hunde auf uns hetzen und nichts helfen können, daß hundert Hetzredner auf uns schimpfen, und daß unser schwaches Pärlein dagegen piepsen soll — wäre das ein so großes Glück? Um wen handelt es sich denn? Um die Leute in der Duma, oder um die Zeitungsleser? Die erst er en sind in Parteien gegliedert, und diejenigen, die Sazonow glauben wollen, werden ihm und nicht Nisselowitsch glauben. Die ."letzteren würden bei einer lebhafteren Judendebatte in der Kammer doch viel mehr antials philosemitischen Lesestoff in den Berichten bekommen. Man sucht Sündenböcke, weil man sich täuschen will. „Die haben geschwiegen", „Jene haben Schwelgen verlangt", „Unsere -Pflicht ist, aufzutreten" usw. Du lieber Gott, warum sagt man nicht klar und einfach: Die Lage ist verzweifelt, die Machtverhältnisse haben sich derartig gestaltet,, daß jetzt dieses Nörgeln mit den zwei jüdischen Deputierten und die unangebrachte heroische Pose gar nicht an der Zeit sind? Man kühlt sich sein Mütchen durch eine ziellose Polemik. Und Herr Nisselowitsch hat noch die ' schöne Naivität der Apologetiker von der ersten Zeit der Abwehrvereine gegen den Antisemitismus. Er verlangt von Herrn Sazonowitsch Beweise für seine Behauptung. Die „Rjetsch" hat es abgedruckt, andere Zeitungen drucken etwas anderes. Der eine sagt dies, der andere das Gegenteil. Von der Disputation kommt nichts heraus — die Kraft entscheidet. Das bißchen jüdische Kraft — es ist wirklich schade, es in Kleinigkeiten aufreiben zu lassen.- N. S. oooooool AUS DER BEWEGUNG I o o o o o o o Bericht über die Sitzung: des Engeren Aktions- Komitees am Freitag, den 28. Februar 1908, in Köln Am Freitag, den 28. Februar, fand in Köln im Zionistischen Zentralbureau eine Sitzung des E. A. C. statt. Anwesend waren die Herren Präsident David Wolffsohn,' J. H. Kann, Professor Warburg, sowie die Herren Sokolow und Berger als Protokollführer. Den ersten Punkt der Beratungen bildete die Frage der Abänderung der Bahkstatuten. Zu diesem Punkte wurde folgender Beschluß gefaßt: Nachdem das E. A. C. die Gutachten der vom Kongreß gewählten Juristen entgegengenommen hat, sieht es keine Veranlassung, jetzt das schwebende Verfahren zu unterbrechen und beschließt vielmehr, die Entscheidung des englischen Gerichtes vom 7. April abzuwarten. Das E. A. C. hat ferner Veranlassung genommen, sich dahin auszusprechen, daß die von einigen Mitgliedern der Bankverwaltung gegen die Abänderung der Statuten geführte Agitation mit der erforderlichen Parteidisziplin nicht in Einklang zu bringen ist. Der Sitzung lag ein vom zukünftigen Leiter des Palästina-Amtes, Herrn Dr. Ruppin, aufgestelltes Budget vor. Dieses Budget, sowie -das von Herrn Professor Warburg vorgelegte Budget des Palästinaressorts wurde genehmigt. Das Engere Aktions-Komitee nahm Kenntnis von der inzwischen erfolgten Ausführung seines früheren Beschlusses, aus den Mitteln des Russischen Hilfsfonds 6 russische Waisenmädchen, die durch die Pogrome gelitten haben, im Jüdischen Mädchenheim zu Jerusalem erziehen zu lassen. Auf Vorschlag des Palästina-Amtes erklärte sich das E. A. C. mit der Aufnahme eines siebten Mädchens im Mädchenheim einverstanden. Gemäß einem früheren Beschlüsse des E. A. C. wurde der Leiter des Lemaan-Zion-Waisenhauses in Jerusalem ermächtigt, 4 von ihm inzwischen vorgeschlagene Pogromwaisenknaben auf Kosten des russischen Hilfsfonds in diesem Waisenhause unterzubringen. Der beabsichtigten Unterbringung von Pogromwaisenmädchen in einer jüdischen Kolonie, wo sie eine vorwiegend landwirtschaftliche Erziehung genießen sollten, stellten sich bisher Schwierigkeiten in den Weg, die. die Ausführung dieses Planes vorderhand unmöglich machten. Es wurde deshalb beschlossen, die Erledigung dieser Angelegenheit bis zur definitiven Einrichtung des Palästina-Amtes in Palästina zu vertagen. Die Frage des Parteifonds wurde eingehend besprochen. Angesichts der Tatsache, daß die meisten Landesorganisationen bisher in der Sammlung für den Parteifonds mit wenigen Ausnahmen fast gänzlich versagt haben und angesichts der zwingenden Notwendigkeit, die gerade in diesem Augenblick die Bereitstellung eines großen Fonds für die Zwecke der Bewegung dringend verlangt, faßte das E. A. Czwecks Belebung der Sammeltätigkeit folgenden Beschluß: Das Engere Aktions-Komitee beschließt, die Landsmannschaften aufzufordern, spezielle Kommissäre zum Zwecke der v energischen Durchführung der Sammlung für den Parteifonds einzusetzen. Diese Kommissäre sollen gehalten sein, überall Agitationsversammlungen für den Parteifonds abzuhalten, die rückständigen Beträge einzuheben und überhaupt die ganze Arbeit für den Parteifonds in Fluß zu bringen. Außerdem wurde noch eine Reihe anderer wichtiger Fragen in der Sitzung erledigt. Im Anschluß an die Sitzung des E. A. C. fand eine Besprechung der Direktoren der Anglo Palestine Company statt, an der auch die Herren Josef Cowen und Hirsch aus London und Direktor Levontin aus

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