Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14; =D1E3^ forderung des Herrn Cowen zur Insubordination Raum zu geben, ohne sogar seine ablehnende Stellung zu diesem Treiben zum Ausdruck zu bringen. Mit Zionsgruß Das Odessaer Schekelzahlerkomitee I. A.: Der Vorsitzende Dr. J. Sapir, Mitglied des Großen A. C. , (Zu dem Schlußsatz dieses Protestes, hat die Redaktion unter Bezugnahme auf ihre in voriger Nummer an dieser Stelle abgegebene Erklärung nur zu bemerken, daß die Stellungnahme der Odessaer Gesinnungsgenossen offenbar auf einer mißverständlichen Auffassung des Wesens der Rubrik „Korrespondenzen" beruht. Wie in jeder Zeitung, so steht auch in der „Welt" diese Rubrik der freien ' Meinungsäußerung jedes Lesers, sofern sie in anständiger Form gehalten ist, offen. Die Redaktion ist daher auch für die in dieser Rubrik veröffentlichten Zuschriften keineswegs verantwortlich. Was insbesondere die Stellungnahme der „Welt" zu der Angelegenheit der Abänderung der Bankstatuten betrifft, so deckt sich diese vollständig mit der in den verschiedenen diesbezüglichen Bekanntmachungen des Zionistischen Zentralbureaus ausgedrückten Meinung.) Ein Vorschlag Die Mitteilung von einer inTeplitz-Schönau durch eine dortige sehr verdienstvolle Gesinnungsgenossin, Frau Perutz, erfolgte Shareklub- Neugründung. veranlaßt mich zu nachstehendem Vorschlag einer Neuorganisation aller bisherigen Shareklubs bzw. Neugründung von solchen auf Grund folgender Prinzipien: I. Die Shareklubs umfassen 4 Kategorien von Mitgliedern und zwar mit einem Wochenbeitrage von: l. 25 Pfennig bzw. Heller bzw. Centimes usw., 2. 50 Pfennig bzw. Heller usw., 3. 1 Mark bzw. Krone usw., 4. Mehr als 1 Mark bzw. Krone usw. II. Nach Einzahlung von 21 Mark bzw. 25 Kronen usw. (den Betrag von 1 Pfund engl, immer um ungefähr 1 40 übersteigend) haben die Mitglieder das Bezugsrecht nach eigener Wahl auf ein Share des Jewish Colonial Trust, oder der Anglo Palestine Company, oder der Palestine Land Development Company, oder der Palästinensischen Arbeiter-Heimstätten-Genossenschaft, oder auf ein Viertel Anteil der Pflanzungsgesellschaft „Palästina". " III. Der dabei erzielte Oberschuß wird, soweit er nicht durch Porto und dgl. kleine Spesen verbraucht wird, alljährlich zu-Purim unter die Mitglieder der Gesellschaft, die bereits mehr als 10 Mark bzw. 12 Kronen eingezahlt haben, in Anteilen der genannten Gesellschaften ausgelost. IV. Bei einer länger als 3 Monate unterbliebenen Einzahlung verfällt der früher eingezahlte Betrag nach zweimaliger schriftlicher Androhung der Kasse des Klubs. V. Die Klubs werden von einem dreigliederigen Komitee geleitet, die an jedem Ort eigene, in ein Heft zu klebende Klubmarken ausgeben, die durch Stempel auf gummiertes Papier, kontrolliert durch Signum zweier Komiteemitglieder, hergestellt werden. VI. Das Inkasso wird durch freiwillige Hilfskräfte (insbesondere junge Damen) wöchentlich besorgt, möglichst so organisiert, daß eine Hilfskraft immer nur 5—10 Inkassi pro Woche zu besorgen hat. _^_ Hugo Schachtel Kotz man, 22. Februar 1908. Löbl. Redaktion! In Ihrer Nummer vom 7. Februar ds. Js. bringen Sie aus Kotzman (Bukowina) eine Notiz, nach welcher ruthenische Bauern anläßlich einer Gemeindewahl die jüdische Bevölkerung bedroht hätten. Da diese Notiz geeignet wäre, eine ungünstige Meinung über das Verhältnis der Ruthenen und Juden hervorzurufen, bitten wir Sie im Interesse und zur Steuerung der Wahrheit folgende Be-- richtigung aufzunehmen: Es ist nicht wahr, daß in Kotzman je ruthenische Bauern die jüdische Bevölkerung auf irgendwelche Weise bedroht hätten. Wahr ist vielmehr, daß die Ruthenen und Juden seit jeher speziell in Kotzman im besten Einvernehmen leben, und daß zu wünschen ist, daß dieser Friede auch fürderhin nicht gestört werde. Wohl wurden in Suchowerchow bei Kotzman anläßlich einer Wahl einem jüdischen Wahlmanne die Fensterscheiben eingeschlagen, welcher Vorgang aber keinesfalls einen judenfeindlichen Charakter trug, sondern vielmehr ein, persönliches, im Wahlkampfe häufig vorkommendes Wahlschreckungsmittel bedeutete. Für die Aufnahme dieser Berichtigung dankt bestens und empfiehlt sich mit Zionsgrüßen Die Vereinsleitung des „Dorsche Zion" in Kotzman. - Der Schriftführer: Der Obmann: S. Ehrlich Samuel Fritz DE LT No. 9 1^^^_NACHRICHTEN §^°g] Antisemitismus in England In Leeds wurde ein Vorfall viel besprochen, der demnächst die Lizenzbehörde beschäftigen wird, die die Erteilung von Wirtschaftskonzessionen unter sich hat. Jüngst wurde das Erdgeschoß des Grand Restaurant in ein Kaffeehaus umgewandelt Bei dieser Gelegenheit verbot der Eigentümer, ein Mr. Ives, seinen Angestellten jede Bedienung eines jüdischen Gastes. Darüber zur Rede gestellt, erklärte er, er wolle keinerlei Abneigung gegen Juden zum Ausdruck bringen, indessen rechne er für sein Lokal hauptsächlich auf den Besuch besserer Kreise, die an der Anwesenheit von Juden öfters Anstoß nähmen. Der Rat der jüdischen Gemeinde wird nunmehr gegen die Erneuerung der Konzession an den Eigentümer des Restaurants Einspruch erheben. Inzwischen ist die Entscheidung des Gerichtes erfolgt, und zwar hat das Gericht den Einspruch der Gemeinde zurückgewiesen und die Gültigkeit der Verlängerung der Konzession an den Restaurateur ausgesprochen. Die englisch-jüdischen Zeitungen, nehmen mit Bedauern von dieser Entscheidung Kenntnis, die umso beschämender wirkt, als einer der Gründe, die das Urteil des Richters beeinflußt haben, das Anerbieten des Restaurateurs war, daß er bereit sei, jeden Gast zu bedienen, falls dieser sich damit einverstanden erkläre, an einer besonders bezeichneten Stelle Platz zu nehmen. Mit Recht sprechen die englisch-jüdischen Zeitungen von diesem Anerbieten als von einem Versuch, einen Ansiedlungsrayon im Restaurant zu schaffen und stellen dem Urteil des englischen Richter jenes gegenüber, das jüngst in Amerika gefällt wurde. Dort hat bekanntlich in einem ähnlichen Falle ein Richter mit Entrüstung die Zumutung zurückgewiesen, die Zulässigkeit einer Bestimmung auszusprechen, die [die Juden von dem Besuch eines bestimmten Hotels ausschloß. Bemerkenswert ist die Haltung der englischen Zeitungen in Leeds, die sich samt und sonders über das Urteil selbst befriedigt äußern und Karikaturen veröffentlichen, in denen die aus dem Hotel ausgeschlossenen Juden verhöhnt werden. Auch bei der Verkündung des Urteils spielten sich wilde antisemitische Szenen ab. Achad Ha'am in London Achad Ha'am weilt zurzeit in London und hielt dort am Samstag den 8. ds. Mts. einen Vorträg im Jüdischen Arbeiterklub. Die Versammlung, die durch die Qualität" des Redners," wie durch einen ganz außergewöhnlich starken Besuch ausgezeichnet war, nahm einen glänzenden Verlauf. Der Versammlungsraum war bis in den letzten Winkel gefüllt, eine Tatsache, die um so bemerkenswerter ist, als die Veranstaltung keinen direkt aktuellen Zweck verfolgte und die Verhandlungen in hebräischer Sprache geführt wurden, die nur einem minimalen Bruchteil der Londoner Juden verständlich ist. Und es waren durchaus nicht nur Eastendjuden, die dem Vortrage Achad Ha'ams mit gespannter Aufmerksamkeit folgten. Der Leiter der Versammlung war Dr. Gaster, der in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit der Erneuerung des Hebräischen als Volkssprache betonte. Achad Ha'am selbst wurde bei seinem . Erscheinen auf der Tribüne mit minutenlangem, tosendem Beifall empfangen. Seine glänzenden Ausführungen, in denen er die Ursachen behandelte, aus denen heraus die Synagoge dem jüdischen Leben nicht habe gerecht werden können und die Maßregeln besprach, die ergriffen werden müßten, um einer vollständigen Verflachung und Vernichtung des Judentums entgegenzuwirken, gipfelten in der Feststellung, daß es zwei Wege gebe, um das Judentum zu neuer Blüte zu erwecken; die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina und die Belebung des Studiums des Hebräischen im Exil. * Nach Achad .Ha'am sprachen noch . mehrere Redner, von denen' insbesondere die Ausführungen Israel Beikinds als eines praktischen Arbeiters im Dienste der Erneuerung des Hebräischen beifällig aufgenommen wurde. Notizen über diese ausgezeichnet verlaufene Versammlung sind auch in die allgemeine deutsche Presse gelangt Und hierbei haben wir wieder einmal konstatieren können, wie wenig doch die deutsche Presse über unsere Bestrebungen, aber auch über die tatsächlichen Verhältnisse informiert ist Es wäre wirklich an der Zeit, daß diesem Zustande ein Ende gemacht würde.