Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- D l E 3q&E LT No. 9 kaum zu fassen vermochte. Aus dem reichhaltigen Programm seien besonders die Rezitationen des Vortragsmeisters Herrn Fritz Richard aus Berlin hervorgehoben, der, wie schon im vorigen Jahre, reichen Beifall für seine formvollendeten Vorträge erzielte. Frl. Elsbeth Stein, älteste Tochter unseres I. Vorsitzenden, brachte "den Prolog von L. Barth stimmungsvoll zum Vortrag. Ein Festball hielt die Teilnehmer noch bis zur frühen Morgenstunde beisammen. Hameln: Am 6. d. M. fand hier im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" ein Vortrag des Herrn Dr. BIöde-Hamburg über das Thema: »Vom Ghetto zum Zionismus" statt. Der Besuch war ein sehr guter. Mit welchem Interesse der Vortrag aufgenommen wurde, zeigte sich in der sehr lebhaften Diskussion, an der sich die Herren Seiberg und Michaelis mit besonderm Eifer beteiligten. Bei der ungemein günstigen Aufnahme, die der Vortrag allseits gefunden hat. ist die Gründung einer zionistischen Ortsgruppe - wohl als sicher anzusehen. München: Nach längerer Pause hat sich die Münchener Ortsgruppe wieder zu neuem Leben aufgeschwungen. Am 11. Februar sprachen .im überfüllten Saale vor. einigen hundert Mitgliedern und Gästen Herr Rabbiner Dr. Emil Levy aus Berlin über Blut und Erde, und der als Gelehrter rühm- , liehst bekannte Frahziskanerpater Herr Dr. Engelbert Hub er über Palästina. Herr Dr. Huber verbreitete sich in längeren Ausführungen an der Hand von Lichtbildern über die geologischen und geographischen Verhältnisse des heiligen Landes, um sich dahin zu resümieren, daß das Land der Arbeit wert wäre und bei rationeller Tätigkeit auch ein Erfolg in Aussicht stehe. Mit dem Wunsche, daß sich die Bemühungen der Zionisten der Unterstützung weitester Kreise erfreuen mögen, schloß der Redner unter lautem Beifall der Versammlung. ' Hoffentlich wird sein Appell auch bei der jüdischen Geistlichkeit ein Echo erwecken! Herr Rabbiner Dr. Levy wußte vom jüdisch-nationalen Standpunkte aus die Hörer zu begeistern; eine Reihe Neuanmeldungen war der Erfolg des Abends. Am 18. Februar hielt Herr Schriftsteller Bernhard Witties ein Referat über Nationalität und Sprache. Der ldare und geistvolle Vortrag entfesselte eine lebhafte Diskussion, an der sich besonders die akademische Jugend in echt jüdisch-nationalem Sinne beteiligte. Die Generalversammlung delegierte für das kommende Jahr die Herren F. Theilhaber, Jos. Schaeben, S. Hausdorf, W. Alper, J. Reich, Frau Kunstmaler Hermann und Herrn Dr. Strauß in die Vorstandschaft. Österreich Wien: Donnerstag den 13. d. M. hielt Herr Dr. Kadisch auf der Bude der „Ivria", IX, Glasergasse 4 a, einen Vortrag über „Österreichische Politik, die österreichisch-israelitische Union und die jüdische Natiönalpartei". Der Redner führte in glänzender Weise aus, daß -durch die Einführung des allgemeinen Wahlrechts die deutsche Hegemonie einerseits, die magyarisch-chauvinistische Politik anderseits eine Umgestaltung Österreich-Ungarns im nationalautonomistiseben Sinne erschwere und infolgedessen die einzig richtige Politik dem Balkanstaate gegenüber unmöglich mache, da diese in Österreich nur den deutschen resp. magyarischen Unterdrücker sähen. Der Referent wies ferner nach, daß die jüdischassimilatorische Politik die in Westösterreich durch die Union verkörpert, die deutschen und magyarischen Bestrebungen gefördert habe, nicht nur unjüdisch, sondern auch im höchsten Grade undemokratisch und unösterreichisch sei. Der Redner schloß seine interessanten Ausführungen mit einer Skizzierung des Programms der Jüdischen Nationalpartei, die nicht nur vom jüdischen, sondern auch vom wahrhaft demokratischen Standpunkte J aufs wärmste zu begrüßen sei. Bezalel-Abend der „Hasmonaea* in Czernowitz Am 8. ds. Mts. fand im Musikvereinssaale ein von der akad. Verbindung „Hasmonaea" veranstalteter „Bezalel-Abend" statt. Außer einem musikalisch-deklamatorischen Teil waren Vorträge von Professor Sigfried Bromberg (Lemberg), Baurat Oskar Marmorek (Wien) und Universitäts-Professor Dr. Leon Kellner als Programmpunkte aufgenommen. Dieses ungewöhnlich schöne Programm bewirkte, daß der Musikvereinssaal Samstag, den 8. ds. Mts. bis auf das letzte Plätzchen ausverkauft war. Hunderte von Personen strömten zum Musikvereinssaale und konnten, da keine Karte mehr zu vergeben war, nicht mehr Einlaß finden. Das Publikum rekrutierte sich aüs allen Gesellschaftskreisen. Man sah den größten- Teil der jüdischen Intelligenz neben Kaufleuten und Arbeitern, sämtliche jüdisch-nationalen akad. Verbindungen und sonstige zionistische Vereine, Vertreter aus der Provinz und viele Kunstfreunde. Eine so massenhaft besuchte jüdische Veranstaltung hat zuvor in Czernowitz noch, nicht stattgefunden. Nach einer 13 warmen Begrüßungsansprache des Seniors der „Hasmonaea", cand. jur. Arie, sprach Professor Bromberg „Über die Bedeutung der Kunst im jüdischen Volksleben". Hernach sprach Baurat Marmorek, der schon bei seinem Erscheinen mit Jubel begrüßt wurde. Baurat Marmorek ist ein Volksredner von übersprudelndem Temperament, hinreißend in der Vortragsweise. Es war eine Agitationsrede, ein Weckruf an alle Juden, an den Institutionen des Zionismus mitzuarbeiten. Zum Schluß kam der Glanzpunkt des Abends, die Rede des Universitäts-Professors Dr. Leon Kellner. Ein Orkan von Beifall, Hedad- und Hochrufen begrüßte den Liebling der Czernowitzer, der in so kurzer Zeit sich alle Herzen, die seiner Gesinnungsgenossen, seiner Hörer und aller, die ihn kennen zu lernen das Vergnügen hatten, erworben hat. Es war eine geistvolle Plauderei, die, wie in einer zwanglosen Debatte vorgetragen, das Publikum begeisterte. Holland Amsterdam: Dienstag den 4. Februar sprach Dr. Franzie. Berenstein in der „Amicitia" über „Volk, Glaube und Klasse". Die Versammlung war außerordentlich gut besucht, Hunderte fanden keinen Zulaß mehr. Das hauptsächlich aus Arbeitern bestehende Publikum folgte den Darlegungen des Redners mit großem Interesse und beteiligte sich lebhaft an der Diskussion. Die Versammlung schloß unter dem Absingen der „Hatikwah" und der „Internationale". Demnächst soll ein poalezionistischer Redner einen Vortrag halten. Groningen: Am 9. Februar veranstaltete Herr Hen hier einen jüdischen Kunstabend. Sein Vortrag, der durch Rezitationen erläutert wurde, fand großen Beifall. England Die erste Sitzung des neugewählten Exekutivkomitees der English Zionist Federatäon fand am Dienstag, den 23. Februar in den Bureaus der Federation in London statt. Es wurde u. a. beschlossen, mit allem Nachdruck auf die englischen Aktionäre der Kolonialbank dahin einzuwirken, daß sie sich an der Abstimmung wegen der Abänderung der Bankstatuten beteiligten und ihre Stimme für die Abänderung abgeben. Herr S. B. Rubenstein wurde einstimmig zum Schatzmeister der Federation gewählt. Mit der Schekel- Sammlung soll sofort begonnen werden, auch sollen Schritte unternommen werden, um die Herausgabe eines zionistischen Monatsheftes zu sichern. China In der jüngsten Versammlung der Shanghai Zionist Assocation wurde eine Resolution gefaßt, die sich für die Abänderung der Bankstatuten ausspricht und beschlossen, die Mitglieder des Vereins aufzufordern, für die Abänderung zu stimmen. KORRESPONDENZEN Abänderung der Bankstatuten An die Redaktion der „Welt". Sehr geehrte Gesinnungsgenossen! In Nr. 6 Ihrer geschätzten Zeitschrift veröffentlicht Herr Joseph Cowen einen Brief, in welchem er zur Opposition gegen die Abänderung des Memorandums des J. C. T. auffordert und den Aktionären dahinlautende Formulare zu entsprechender Ausfüllung vorlegt Das Komitee der Odessaer Schekelzahler sah sich veranlaßt, in einer eigens zu diesem Zwecke einberufenen Sitzung zu dieser Kundgebung Stellung zu nehmen. D.as Komitee erblickt in diesem Schritte des Herrn Cowen eine offenkundige Verletzung des Kongreßbeschlusses, gegen die es mit aller Energie Verwahrung einlegt. Die Handlungsweise des Herrn Cowen ist ein schwerer Verstoß gegen die Parteidisziplin und verdient um so schärferen Tadel, als es sich um die Entscheidung einer Frage handelt, die sowohl unser wichtigstes finanzielles Institut, als auch die Ehre und Würde unseres Kongresses und unserer Bewegung'aufs empfindlichste berührt. Ins Gewicht fällt noch, daß Herr Cowen als Direktor der Bank eine hervorragende Stellung in der Organisation einnimmt. Das Odessaer Schekelzahlerkomitee sieht sich femer veranlaßt, sein Bedauern darüber auszusprechen, daß das offizielle Organ der zionistischen Bewegung es für möglich gefunden hat, der Auf-