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Die Welt · 1908-02-28 · 9 (28.2.1908) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 9 DIE^ELT 5 strophallehre mit unberechenbaren Willkürmöglichkeiten operierende, sondern eine langwierige, systematisch geleitete Politik notwendig. Man muß dafür sorgen, daß dieses Prinzip voll zur Geltung komme und es nicht wieder durch ein. Überwiegen der Kleinigkeiten zur bloßen Phrase herabgedrückt werde. Mißerfolge bedrohen die Versuche auf allen Gebieten, und man muß Kraft sammeln um alle Mißerfolge überdauern zu körinen. Das ist nur durch ein logisches Zusammenwirken aller Teile möglich. Wie bei einem Baume, muß alles gleich wachsen. Es ist nicht gut, wenn ein Ast sich allein zu ragender Höhe entwickelt und nun vereinzelt vom Sturm hin- und hergerüttelt wird. Sind alle Äste gleich hoch gewachsen, so halten sie dem stärksten Ansturm Trotz. In dieser Erkenntnis begrüßen wir in dem integralen Teil des zionistischen Programms, in der Vorbereitung des* Landes, die neuen Anstrengungen, die vielverheißenden wirtschaftlichen Unternehmungen, die die Seßhaftigkeit, die Nutzbarmachung des Bodens und die ökonomische Hebung zum Zwecke haben. All diese Arbeiten, die das von uns begründete Palästinaamt leiten soll, stehen in den engsten Wechselbeziehungen mit sämtlichen Punkten des zionistischen Programms. Ein sinniges Wort eines jüdischen Philosophen drängt sich bei dieser Betrachtung mit aller Gewalt an uns heran. Nach den sechs Tagen der Schöpfung — sagt der Weise von Cordoba — greift die Bibel bei der Erzählung von des Menschen Schaffung zurück und gibt an, der Mensch sei aus Erde geschaffen. Aus dem Anorganischen, aus dem Stoff des Planeten, auf dem er lebt, ging er hervor. Der Staub entwickelt sich durch den Odem Gottes bis zum Menschen empor. Auch wir müssen beim Zionismus zum Boden zurückgreifen. Man wird sagen: Developmentzionismus! In der Tat ist nur dies eine der zahllosen Formen, eine der vielen Etappen, ein einzelner Teil, — und wird der lebendige Odem des Zionismus darüber wehen, so wird sich der Staub zum Menschen, — die eigene, tiefdurchfurchte Scholle zum Heim entwickeln. Ein großes Sehnen, in dem die Seele eines Volkes lebt, kommt nicht nur in der glücklichen Inspiration eines Hochbegnadeten zum Ausdruck. Es äußert sich ebenso stark in mühsamer Arbeit, in einer langandauernden, mühsamen Tätigkeit größerer Kreise. Jedoch ist eben ein Zusammenwirken einer Volksmasse noch notwendiger als je. In täglich sich erneuernder Frische und Schaffenslustigkeit, in einer nie ermüdenden Begeisterung, in einer regsamen Förderung aller Teile unseres zionistischen Arbeitsprogramms liegt die Gewähr unseres Erfolges. N. S. Die jüdische Statistik Von Dr. Bruno Blau (Schluß) Erst nachdem ein besonderes Kuratorium begründet worden war und nachdem mehrere große und angesehene Vereinigungen, jüdische Gemeinden und Logen die Subventionierung des „Vereins für jüdische Statistik" zugesagt hatten, konnte am 1. Oktober 1904 das „Bureau für Statistik der Juden" in Halensee bei Berlin unter Leitung von Dr. Artur Ruppin eröffnet werden. Damit ist eine Zentralstelle für alle jüdisch-statistischen Arbeiten geschaffen worden. Das .Bureau übernimmt die ihm von anderer Seite übertragenen Untersuchungen und Ausarbeitungen, veranstaltet eigene Enqueten und befaßt' sich mit den planvollen Vorbereitungen zu einer Gesamtstatistik der Juden. Seit dem 1. Januar 1905 gibt das Bureau auch die monatlich erscheinende „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" heraus, welche gleichfalls von Ruppin vorzüglich redigiert wird. Die Zeitschrift bringt eine Fülle selbständiger Abhandlungen und in der Rubrik „Statistisches Archiv" ein reichhaltiges statistisches Material unter besonderer Berücksichtigung der neuesten statistischen Ergebnisse aus allen Ländern. Die Zeitschrift hat bereits in den maßgebenden Kreisen eine große Verbreitung gefunden und erfreut sich heute schon des besten wissenschaftlichen Rufes. Außer der Zeitschrift gibt das Bureau größere Arbeiten, als „Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden", heraus. Bisher sind drei Hefte erschienen, welche den „Anteil der Juden am Unterrichtswesen in Preußen", die „sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland" und die „jüdischen Gemeinden und Vereine in Deutschland" behandeln. Die erstere, mit Unterstützung der jüdischen Gemeinde zu Berlin herausgegebene Arbeit zerfällt in einen geschichtlichen, von Dr. Jacob Thon verfaßten, und in einen statistischen, von Dr. Artur Ruppin bearbeiteten Teil; sie entsprach einem praktischen Bedürfnisse, namentlich mit Rücksicht auf den zurzeit viel erörterten Entwurf eines preußischen Schul-' unterhaltungsgesetzes und gibt in übersichtlicher und erschöpfender Weise Auskunft über alle einschlägigen Fragen. Die „sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland" wurden im Auftrag des zionistischen Aktionskomitees von Ruppin bearbeitet, und zwar unter Zugrundelegung des amtlichen statistischen Materials. Diese Quellen sind hier zum erstenmal im Zusammenhange und ausgiebig benutzt worden und liefern ein vollständiges Bild der sozialen Lage der jüdischen Bevölkerung im Zarenreiche. Sowohl für die Beurteilung der Judenfrage in Rußland als auch für die Ausführung von Hilfsaktionen dürfte die Schrift unentbehrlich und in hohem Maße nutzbringend sein. Die dritte, von Tho n verfaßte und mit Unterstützung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" herausgegebene Publikation beruht auf dem von dem Bureau selbst durch Umfrage bei den jüdischen Gemeinden gesammelten Material. Die Schrift bietet zum ersten Male einen statistischen Überblick über die Verhältnisse aller deutschen jüdischen Gemeinden, über deren Gottesdienst, die Kultusbeamten, die Schulverhältnisse, die Finanz- und Besteuerungsverhältnisse, sowie über die Mitgliederzahlen, das Gründungsjahr, den Etat und das Vermögen der jüdischen Vereine, Stiftungen und Wohltätigkeitsanstalten. Das Bureau hat ferner im Auftrage des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" den 17. Jahrgang des „Statistischen Jahrbuchs deutscher Juden" bearbeitet. Das Werk enthält auf Grund eigener Erhebungen eine genaue Obersicht der einzelnen jüdischen Gemeinden und Vereine im Deutschen Reiche, eine Reihe von Zusammenstellungen über die wichtigsten sozialen Verhältnisse auf Grund der amtlichen Statistik und endlich behördliche Entscheidungen und Anordnungen, welche für die Juden von Bedeutung sind. So sehen wir, daß die jüdisch-statistische Wissenschaft dank ihrer heutigen Organisation recht erfreuliche und bedeutsame Erfolge gezeitigt hat. Auch äußerlich hat sich der „Verein für Jüdische Statistik" schnell entwickelt. Er ist zu einem „Verbände für Statistik der Juden" geworden und steht jetzt in engem Verkehr mit den jüdisch-statistischen Vereinen in Bayern, England und den Niederlanden, welche sich voraussichtlich mit dem „Verbände" bald zu einer gemeinsamen Organisation zusammenschließen werden. Ferner subventionieren den Verband nunmehr folgende Körperschaften : die „Deutsche Konferenzgemeinschaft der AUiance Israelite Universelle", der Hilfsverein der deutschen Juden", die „Jewish Colonisation Association", der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund-, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", die „Gesell-

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