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Die Welt · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Herzen nehmen mögen. Dies sind vor allen Dingen diejenigen Privatpersonen und Gesellschaften, die den Bau von Häusern in Palästina unternehmen. Das sind auch besonders der „Bezalel" und die ihm nahestehenden Kreise, in denen sich jetzt die in Palästina erwachenden künstlerischen Interessen verdichten. Sie werden dafür zu sorgen haben, daß nicht mehr nüchterne europäische Blockhäuser, sondern . der orientalischen Umgebung, dem Klima und der dortigen Lebensweise angepaßte, zweckmäßige Bauten errichtet werden. Ich gebe mich gern der festen Überzeugung hin, daß sich unter uns tüchtige Architekten finden, die es sich angelegen sein lassen werden, Friedemanns Anregungen zu verarbeiten und auszuführen. — Haben wir doch das Glück, unter unseren Führern einen der hervorragendsten Architekten Österreichs zu besitzen, dem es nicht schwer sein dürfte, ein zweckentsprechendes schönes Musterhaus zu entwerfen. — Es sei mir noch gestattet, an dieser Stelle der immer und immer wieder auftauchenden Ansicht entgegenzutreten, daß die jüdische Religion der künstlerischen Betätigung ihrer Bekenner hindernd gewesen sei. Wenn religiöse Gesichtspunkte hier in Betracht kamen, so ist dies fast immer ein Verkennen biblischer Satzungen oder direkter Aberglaube gewesen! Mit vorzüglicher Hochachtung und besten Zionsgrüßen Ihr ergebener Hermann Struck. An die Redaktion der „Welt", Köln a. Rh. Die Anregung, die Dr. A. Friedemann im Großen Aktionskomitee getan hat und die dahin ging, das A.C. möge die von ihm subsidierte Häuserbaugesellschaft in Jaffa veranlassen, die modernisierte jüdischarabische Bauart in Bebauung und Behausung einzuführen, hat ihre Würdigung im A. C. nicht gefunden, was aufrichtig zu bedauern ist. Es mag sein, daß vom trockenen praktischen Standpunkte und speziell von der golus-jüdischen Ansicht die Frage etwas unwichtig erscheint, aber sie ist doch im allgemeinen von sehr großer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung des neujüdischen Kunstsinnes. Wir Zionisten hegen doch den größten Wunsch, daß der Kunstsinn der Einwanderer die fortpflanzende Ausbildung des alten jüdischen Geistes sein soll; das Verständnis für die allgemeine Kunst und speziell für die Baukunst war doch in der alten Zeit naturgemäß asiatisch und keinesfalls europäisch. Die Behauptung, daß Einwanderer ihre Neigungen und Gewohnheiten in der ersten Zeit ungern entbehren mögen, ist nicht ganz richtig. Die Juden, die den Mut haben, Europa den Rücken zu kehren, um aus unliebsamen Luftmenschen nützliche palästinensische Bauern zu werden, haben auch genug Vorliebe und Gefühl für die nationale jüdisch-arabische modernisierte Bauart, um so mehr die letzte den örtlichen Verhältnissen und Bedingungen Rechnung trägt und den Kolonisten Komfort und Behagen bietet. Herr Dr. Friedemann hat vollständig recht, je schneller der Kolonist sich an-die. Formen und Gestalten des Orients gewöhnt, desto eher wird er auch für die örtliche Zucht und Pflege zu haben sein. Ich möchte die Gelegenheit nicht unbeachtet vorübergehen lassen und unsere kulturellen Vorkämpfer wie Sokolow und Ingenieur Ussischkin auffordern, zur Frage Stellung zu nehmen. Von besonderer Wichtigkeit erscheint mir doch, wenn das Aktionskomiteemitglied, der bekannte Architekt O. Marmorek, der Sache sich annimmt. Dem Dr. A. Friedemann für die Anregung gebührt auch der Dank. Charlottenburg, den 10. Februar 1908. _ Ingen. J. Lipawsky LöbL Redaktion der Welt, Köln! Der Artikel des Herrn Dr. Kadisch in Ihrer Nummer vom 17. v. Mts. veranlaßt mich Sie hiermit zu ersuchen, einigen Worten . der Berichtigung, soweit sich dieser Artikel mit ungarischen Verhältnissen befaßt, Platz geben zu wollen: Unser werter Gesinnungsgenosse gießt das Kind mit.dem Bade aus, indem er stark übertriebene, der Wahrheit sehr ferne stehende Behauptungen des deutschen Schulvereines und der österreichischen Antisemitenapostel nachspricht und von einer Verfolgung der Nationalitäten und Herrschaft eines Judäomagyarentums in Ungarn als von feststehenden Tatsachen redet Von den Nationalitäten in Ungarn, würde keine mit ihren Kon nationalen in den Stammländern tauschen wollen, da die ganze Verfolgung nur darin besteht, daß der Nachwuchs in den Schulen auch die Staatssprache lernen muß, die Staatsämter sind Deutschen, Rumänen,- Slaven, gerade so zugänglich wie den Magyaren; eine Ausnahme bildet nur diejenige Nationalität im Lande", die eben leider noch in ihrer Majorität keine Nationalität sein will und deren Zustand weit entfernt davon ist, der Behauptung Recht zu geben, daß es eine Judäomagyarenherrschaft im Lande gibt. Je höher die soziale Stellung und je größer das assimilatorische Bestreben des Juden in Ungarn, desto klaffender die Kluft zwischen seinenBestrebungenund denErfoIgen.von denenHerrDr. Kadisch spricht Also die sozial am höchsten stehenden Juden Ungarns sind es, die es als hohes Glück begrüßen, daß Kultusminister Graf Apponyi endlich die aus großer geistiger und materieller Bedrängnis der ungarischen Judenschaft gezeitigte Bitte nach Bewilligung eines Landeskongresses, ernst zu nehmen beginnt. Wir suchen daher unser Heil nicht in der Lösung der Nationalitätenfrage, und auch die nicht existierende Judäomagyarenherrschaft konnte uns nicht hypnotisieren, denn unser Leid' ist nicht das Leid der Nationalitäten, und unsere Herrlichkeit ist nicht größer als die Herrlichkeit aller mitteleuropäischen Juden, und so wie bei diesen der erste Schritt zum Heile im Erwachen des jüdischen Solidaritätsgefühls liegt, sehen wir mit Freude im 40. Jahre der sogenannten ungarischen Judenemanzipation und des ersten jüdischen Kongresses, dem Kongresse entgegen, der einen Erfolg der zionistischen Bewegung in Ungarn bedeuten wird, in dem er zur Überbrückung der beim ersten Kongresse ausgesprochenen Spaltung zwischen Orthodoxie und Neologie gewiß beitragen wird. Indem ich noch bemerke, daß Herr Dr. Kadisch den kroatischen Abgeordneten Supilo mit Unrecht Antisemitenhäuptling nennt, (siehe „Zidovska Smotra") zeichne ich mit Zionsgruß hochachtend als Ihr Abonnent David Kohn, Komiteemitglied der ung. Landeszentrale. NOTIZEN Die Falascha-Expedition Der geschäftsführende Vorstand des italienischen Pro-Fafaschakomitees, dem die Herren Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz, Professor Finzi ebenda und Advokat R. Ottolenghi in Acqui angehören, veröffentlicht folgende Kundgebung: Das unterzeichnete Präsidium des ttalienischen Pro-Falaschakomitees sieht sich veranlaßt, öffentlich über seine bisherige Tätigkeit Bericht zu erstatten,, und bittet Ew. Hochwohlgeboren um Aufnahme der folgenden Erklärung: Wie allgemein bekannt, bewilligte die J C A nach Bemühungen unseres Präsidenten zunächst auf 3 Jahre eine jährliche Subvention von 10 000 Frs. zu dem Zwecke, für die Falaschas in Erythräa eine jüdische Schule zu errichten. Gleichzeitig beschloß die J C A, daß die Leitung der geplanten Schulgründung zugunsten der Falaschas und demnach die Auszahlung der besagten Subvention der Alliance Israelite Universelle in Paris anvertraut würde. Diese setzte sich durch ihren Präsidenten, der auch Präsident der J C. A ist, sofort mit dem italienischen Komitee in Verbindung, und es schien zunächst, daß sie geneigt war, mit dem Komitee an der Gründung der Schule in Erythräa mitzuarbeiten, entsprechend dem Auftrage, den sie von der J C A empfangen hatte, und dem Zwecke, für welchen diese in unzweideutiger Weise ihre Subvention bestimmt hatte. Aber mit einem Male änderte das Präsidium der Alliance seine Meinung und erklärte, daß, bevor man an die Durchführung des Schulwerkes gehen könnte, es unerläßlich wäre, eine neue Mission zu senden, um besser die Lage der Falaschas und ihre Bedürfnisse zu studieren. Obwohl das italienische Komitee diese Ansicht nicht teilte, vielmehr die Entsendung einer neuen Mission als unnützen Zeit- und Geldverlust betrachtete, gab es, um einen Konflikt zu vermeiden, dem Wunsche der Alliänce nach. Da aber kam eine neue Frage aufs Tapet, die ohne Verschulden des italienischen Komitees zu einem Konflikt geführt hat. Das Zentralkomitee der Alliance in Paris wollte aus persönlichen Gründen und auf Grund subjektiver Bewertung der bisherigen Tätigkeit und der Fähigkeiten des Dr. Faitlowitsch, diesen von der Mission ausschließen. Das italienische Komitee erachtete ein solches Vorgehen als Ungerechtigkeit und als Fehler. Als Ungerechtigkeit, weil Herr Faitlowitsch derjenige ist, der die ganze gegenwärtige Bewegung zugunsten der Falaschas eingeleitet und allein gefördert hat; als Fehler, weil Herr. Faitlowitsch vermöge seiner ausgezeichneten Kenntnis des Landes, der Bewohner und ihrer Sprache, Vermöge des Vertrauens und des Ansehens, das er sich bei den Falaschas erworben hat, im gegenwärtgen Augenblick als die einzigePersöhnlichkeit gelten kann, die sichere Gewährfür einen glücklichen Ausgang derMission bietet Als alle Bitten und bescheidenen Vorstellungen, von diesem Beschluß zurückzutreten, die vom italienischen Komitee schriftlich bei der Leitung der Alliance vorgebracht würden, ungehört blieben,

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