Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ergriff dasWortTTr. Zalman zu seinem Vortrage über „Das Blutmärchen im Lichte-der-Zivilisation". — - Nachdem Herr N. Luwisch einige humoristische Erzählungen des Jargonschriftstellers „Scholem Aleichem" vorgetragen hatte, hielt Herr Dr. Hütt mann die Tendenzrede, in der er in interessanter Weise den Ausgangspunkt, die Entwicklung und die jetzige Lage des Zionismus einer eingehenden Erörterung unterzog. Nach Mitternacht begann die Tanzunterhaltung, die bis zum grauen Morgen dauerte. Rußland Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland hat folgenden Aufruf erlassen: Genossen! Binnen einigen Wochen sollen in London die Gerichtsverhandlungen wegen der Abänderung der Statuten der Jüdischen Kolonialbank stattfinden. Nach zwei Wochen müssen wir die Sammlung der Unterschriften von Aktionären, die die Abänderung der Bankstatuten verlangen, zu Ende bringen. Es ist euch allen bekannt, daß der VIII. Kongreß mit allen gegen eine Stimme beschlossen hat, daß die Statuten der Bank nach derjenigen Richtung abgeändert werden müssen, die den Zielen, für die die Bank gegründet worden ist, vollständig entsprechen würde. Der VIII. Kongreß hat in dieser Beziehung die Beschlüsse der früheren Kongresse und der Generalversammlungen der Bankaktionäre bestätigt. Unser seliger Führer bemühte sich mit allen Kräften seit dem III. Kongresse die Statuten der Bank abändern zu lassen, jedoch ist dies wegen formeller Schwierigkeiten nicht zu seinen Lebzeiten verwirklicht worden, die sich bei einer Abänderung;der Statuten jeder Aktiengesellschaft in England darbieten. Das Zentralkomitee hat sowohl in diesem, wie im vergangenen Jahre in seinen Briefen und Zirkularen kund gegeben und mit allem Nachdrucke betont, daß wir tatkräftig die zionistischen Prinzipien, die die Bank betreffen, verteidigen müssen und das wir verpflichtet sind, die diesbezüglichen Kongreßbeschlüsse, die den Willen unserer ganzen Organisation und unserer sämtlichen Genossen, die unserer Fahne treu geblieben sind, zum Ausdruck bringen, der Verwirklichung entgegen zu führen. In der letzten Zeit begannen einige Personen, die die Finanztätigkeit unserer Institutionen nach einer Richtung, die mit zionistischen Zwecken nichts Gemeinschaftliches hat, lenken möchten, einen Kampf gegen uns zu führen. Diejenigen Mitglieder unserer Organisation, die sich erlaubt haben, gegen die Abänderung der Bankstatuten Protest zu erheben, untergraben dadurch die Autorität der Kongreßbeschlüsse und zerstören die Disziplin unserer Organisation. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland bestätigt hiermit alle seine früheren Aufrufe in Angelegenheiten der Abänderung der Bankstatuten und stellt an jeden Verein und an jedes einzelne Mitglied das unbedingte Verlangen, mit der größ'.en Energie und Eifer die Unterschriften der Aktionäre zugunsten einer Abänderung der Bankstatuten zu sammeln. Es darf leeine einzige Unterschrift eines Aktionärs verloren gehen. 1. Die Vereine, die noch bis jetzt die Sammlung der Gutachten nicht begonnen haben, sind verpflichtet, sofort nach Empfang dieses Aufrufes die Arbeit zu organisieren und von uns die hierzu erforderlichen Blanketts zu verlangen. 2. Die Vereine, die bereits einen Teil ihrer Gutachten uns zugesandt haben, sind verpflichtet, diese Arbeit zum Abschluß zu bringen und uns den Rest zukommen zu lassen. 3. Die Vereine sind verpfl^htet, das Sammeln der Gutachten in allen größeren und kleineren Städten ihres Bezirkes anzuordnen. 4. Die Gutachten müssen dem Zentralkomitee nicht später als im Laufe von zwei Wochen zugestellt werden. Genossen! Die Institutionen, die die Zionistische' Organisation geschaffen hat, sind dazu da, die Ziele des Zionismus -zu befolgen und sich nicht Zielen zu widmen, die mit dem Zionismus gar keinen Zusammenhang haben. Die Würde und das Ansehen der Zionistischen Organisation und unserer Kongresse erfordern es, daß wir mit aller Kraft, die Grundlagen unserer Bewegung verteidigen, daß wir sie zu realisieren suchen und daß wir es nicht gestatten, daß andere Elemente sich unserer Institutionen, die wir mit schwerer Mühe im Laufe vieler Jahre geschaffen haben, für andere Zwecke bedienen. Schreitet unverzüglich an die Arbeit, sammelt die größtmögliche Anzahl von Gutachten und sendet sie schleunigst an das Zentralkomitee! Erfüllet eure Pflicht! Wilna, den 9. Adar 1/5668. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation in Rußland Nach dem neuen Organisationsplan wird die gesamte zionistische Arbeit nunmehr in der Zentrale in Wilna vereinigt. Der direkte Verkehr der Rayonkomitees mit ihren Vereinen fällt fort. Aus diesem Anlasse versendet der Vorsteher des Moskauer Rayons, Dr. E. W. Tschlenow, Mitglied des A. C, an die seinem Rayon unterstellten Vereine einen Bericht, in dem er von ihnen Abschied nimmt und sie ermahnt, in der neuen Organisation mit dem gleichen Eifer wie bisher fortzuarbeiten. Er nimmt Bezug auf die Entwicklung, die der Rayon unter seiner Leitung genommen hat Zehn Jahre hat der Rayon bestanden, mit zwei Vereinen wurdeer gegründet und hat es bis auf mehr als 10000 Schekelzahler gebracht. Wenn auch die augenblicklich herrschenden schweren Verhältnisse der Arbeit hindernd im Wege stehen und sie teilweise ganz unmöglich machen, so hofft Dr. Tschlenow doch, daß die Treue der Zionisten nicht wanken wird, und daß sie in ihrem Eifer ausharren, bis bessere Zeiten für die Juden kommen werden. g j &j KORRESPONDENZEN Das Marokkpprojekt Ich höre und lese soeben etwas von einer von der „Ito" geplanten jüdischen Ansiedelung in Marokko, und ganz eigenartige Erinnerungen, etwas wie ein zweites Gesicht drängt sich mir auf. Und ich erinnere mich tatsächlich eines Umstandes, der mir Veranlassung geben könnte, Herrn ZangwiU, dem Vater des Projektes, zuzurufen: Nichts Neues, Jieber Herr Zangwill! Ihr Vorschlag war Dr. HerzI schon vor langer Zeit bekannt und ist von ihm rundweg abgelehnt worden. Das war zu einer Zeit, als ich gerade meinen ersten zionistischen Schekel erworben hatte und mich selbst mit eigenen zionistischen Plänen befaßte. Als einer, dem die Lage seiner bedrängten Brüder sehr am Herzen liegt und der auch mit den politischen Verhältnissen in Marokko ziemlich gut vertraut ist, hegte ich damals auch so etwas wie den Gedanken einer jüdischen Ansiedelung in Marokko. Ich arbeitete meinen Vorschlag bis in alle Einzelheiten aus und unterbreitete ihn dann Dr. Herzl zur Beurteilung. Ich wies ihn auf die Möglichkeiten hin, die für eine derartige Ansiedelung bestehen, gab den am meisten geeigneten Platz an und stützte mich auf die damalige bedrängte finanzielle Lage Marokkos und die mit der Regierung anzuknüpfenden Beziehungen. Auch erinnerte ich an die historische Bedeutung des Landes für unser Volk. Dr. Herzl schenkte aber .meinem Plane gar keine Beachtung. In seinem ersten Schreiben antwortete er mir zwar, er würde später noch darauf zurückkommen; in einem anderen Briefe aber ließ er mir durch seinen Sekretär mitteilen, daß mein Vorschlag nicht geeignet sei, darüber zu verhandeln. Das geschah vor rund 4 Jahren, zu "einer Zeit, als noch kein Marokko-Konflikt bestand. Kaiser Wilhelm hatte seine berühmte Reise nach Tanger noch nicht gemacht, Frankreich drang noch nicht in das Innere des Landes ein, und auch Spanien beteiligte sich noch nicht an der Aufteilung des Landes. Der Sultan fühlte sich denn auch bedeutend sicherer, und die verschiedenen Stämme empörten sich nicht so, wie sie es jetzt tun. Unser unvergeßlicher Führer erfaßte aber die Sache tiefer und ließ den damals gar nicht so weitläufigen Vorschlag fallen. Er hatte eben einen weiteren Blick als die, die sich seine, J. M. Tolidani. Nachfolger nennen. Tiberias. Jüdische Kunst in Palästiaa Berlin, den 10. Februar 1908. Brückenallee 33. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit großem Vergnügen und aufrichtiger Genugtuung habe ich Dr. Friedemanns Artikel in der letzten Nummer Ihres Blattes gelesen. Sein Antrag war, so seltsam er vielleicht manchem allzu „praktischen" Zionisten erschienen sein mag, ein Wort zur rechten Zeit; und.es sei hier der nachdrückliche Wunsch und die zuversichtliche Hoffnung ausgesprochen, daß dieser Ruf nicht ungehört verhallen möge, sondern daß diejenigen, die ,er angeht, ihn sich zu *) .Um Mißverständnissen vorzubeugen, machen wir noch einmal darauf aufmerksam, daß wir für in dieser Rubrik erscheinende Zuschriften keinerlei Verantwortung übernehmen. Dies diene als Antwort auf die bei uns eingelaufenen Proteste wegen tler Aufnahme einiger die Abänderung der Bankstatuten betreffenden Zuschriften.