Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*£^3$?S?£3iT$& tfo. 8 ' DIE^E wenn der Schluß der Reden so hoffnungsfreudig klingt, wo doch tatsächlich gar keine praktische Möglichkeit zur Ausführung vorhanden ist, — fällt es denn uns ein, hier sarkastisch entgegenzutreten? Wir sagen uns: die Absicht ist gut, ein mutiges Auftreten hat seine moralische Bedeutung und vielleicht wird das auch etwas helfen. Es wäre eine Sünde, irgendeinen . Versuch, der auf eine Besserung der Lage hinausläuft, von vornherein zu diskreditieren. Möge auch nie auf unserer Seite derartiges zu verzeichnen sein. Möge man nie die Ironie der Ironie entgegenstellen! Je wüster die Hetze in irgendeiner Form einsetzt, um so besonnener muß, bei aller Entschiedenheit in der Wahrung der Würde der eigenen Partei, die Haltung der Zionisten sein. Und noch ein Wort den — Unbefriedigten. Wir sind es auch. Aber eins darf nicht vergessen werden: Aus der Unbefriedigtheit müssen sich verstärkte Kraftanstrengungen erheben, aus dem Widerspruch, in welchen das kraftvolle, gemeinsame Verlangen mit dem abgeschwächten Ausdrucksvermögen geraten ist, müssen glückliche Inspirationen entstehen! Wer stört sich hieran? Wenn das landläufig gewordene uns nicht mehr genügt — was folgt daraus? Daß wir dem tiefen Sehnen nach einem lebendigen Judentum, dem heißen Verlangen, aus der Dürre heraus zu den frischen Quellen des Stammlandes zu gelangen^ durch neue Taten und eigene Zusätze Befriedigung gewähren sollen! Tun wir das nicht selbst — wer soll es für uns tun? Weitere eigene Arbeit unserseits — das wird die Antwort sein!. Zionisten, suchet die Idee zu hegen und zu pflegen, geht den von Euch gewählten Führern mit Rat und Tat zur Hand, achtet sorgsam auf die Vereine, damit sie sich lebenstüchtig und tatkräftig erhalten, veranstaltet würdige Versammlungen, niemand verschmähe die geringste Arbeit, die die Partei heischt, nährt und fördert durch einen lebhaften Ideenaustausch die Energie des Ganzen! Seid zugleich die begeistertsten Mitarbeiter in Eueren Gemeinden, wecket und rufet für das jüdisch-kulturelle, wachet über das heranwachsende Geschlecht und pflanzt tief hinein in das jugendliche Herz eine ernste jüdische Gesinnung, eine heilige Ehrfurcht und Liebe gegenüber dem jüdischen Genius und dem jüdischen Volkstum! Die zionistische Arbeit muß erst recht beginnen ... "_ N. S. Dr. Paul Nathan über die Entwicklung Palästinas Unter der Doppel-Überschrift: „Der zionistische Plan als aussichtslos bezeichnet" und „Dr. Nathan erklärt, daß Palästina in keinerlei Weise für die jüdische Einwanderung in Betracht käme", reproduziert eine Reihe amerikanischer Blätter den Inhalt eines Interviews, das Dr. Nathan dem Vertreter der „New-York Times" gewährt hat. Wir geben dieses Interview nachstehend im Wortlaut wieder: , " „Jede Hoffnung auf Wiederbesiedelung Palästinas durch die verfolgten Kinder Israels, die jetzt in andere Länder verbannt sind, muß als durchaus unausführbar aufgegeben werden," — so äußerte- LT --5 sich Dr. Paul Nathan, der Leiter des ■ Hilfvereins deutscher Juden, in einem Interview mit dem Vertreter der „New-York Times". Dr. Nathan ist eben von einer sich auf Palästina, Kleinasien und die Türkei erstreckenden Untersuchungsreise, die ihn vier Monate in Anspruch nahm, zurückgekehrt. Mit dieser Reise verband er den doppelten Zweck : der Inspizierung der großzügigen palästinensischen und türkischen Erziehungs-und philanthropischen Anstalten des Hilfsvereins einerseits und anderseits der gründlichen Untersuchung der Frage, ob es rätlich sei, den Strom der russischen, galizischen und rumänischen Emigration von Amerika und England nach Palästina zu lenken. . „Ich bin fest überzeugt," erklärte Dr. Nathan, ..daß Palästina kein Gebiet für jüdische Emigration in einem größeren Maße darstellt. Weder die industriellen noch die landwirtschaftlichen Hilfsquellen des Landes würden hinreichen, eine größere Bevölkerung als die gegenwärtige zu ernähren. Und gerade die Lage der jetzt in Palästina angesiedelten Juden ist es, die eine Entwicklung und Hebung durch Unterstützung von außen verlangt, insbesondere auf dem Wege der Ausdehnung des Schulsytems, und zwar sowohl rücksichtlich der gewöhnlichen als auch der landwirtschaftlichen und gewerblichen Ausbildung. Es ist vor allem erforderlich, daß — abgesehen von den Handelszentren — in den Schulen keine anderen Sprachen als Hebräisch, Türkisch und Arabisch gelehrt werden. Wenn man die Schüler mit einer europäischen Sprache vertraut macht, so liefert man ihnen selbst ein Mittel, das später den stärksten Anreiz zur Auswanderung bildet. Und es würde so tatsächlich das Hauptübel, das wir alle auszurotten bemüht sind, nur fortgesetzt und gestärkt werden. Französisch, Englisch und Deutsch sollen nur in den größeren Städten und in den höheren Klassen gepflegt werden. Das Verhalten der türkischen Regierung gegen die in Palästina und . in anderen Teilen des ottomanischen Reiches wohnenden Juden ist ein hervorragend freundliches. Die Türken fürchten keine politische Aktivität seitens der Juden, wie sie sie seitens der Griechen oder Armenier befürchten. Jede Bemühung der Juden, an ihrer Regeneration zu arbeiten, erfreut sich der aufrichtigen Begünstigung durch die Organe des Sultans, und ich habe mich davon überzeugt, daß die Türken mit Freuden die Mitarbeit der Juden in der Leitung der türkischen Staatsgeschäfte annehmen werden, wenn sich die Juden in moralischer und geistiger Hinsicht für «ine solche Anteilnahme genügend gerüstet haben werden. Die amerikanischen höheren Schulen in Konstantinopel und Beirut sind zu führenden Zentren des intellektuellen Lebens für die gesamtenicht mohammedanische Bevölkerung im ganzen Reiche geworden. Ihr Einfluß reicht bis nach Persien hinein. Und das, was eben die jüdische Bevölkerung des türkischen Reiches dringend. braucht,, sind einige große, zentrale Unterrichtsanstalten nach dem Muster der amerikanischen Institute. Die Juden werden zwar in letzteren aufgenommen, aber es ist doch wesentlich eine protestantische. Atmosphäre und dazu der Zwang für alle Hörer, an christlichen Zeremonien teilzunehmen, — was natürlich von einem orthodox-