Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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^S^^ESe^^^^vT^p«^^^" No. 7 .. DIE2 genug haben, um den letzten Teil seines Wanderweges zu machen, um zum Ziel zu gelangen? Die Juden haben so viel Kräfte und Genie im Dienste anderer Nationen und Länder entfaltet Das Volk hat auch jetzt Kräfte, Mittel und Kenntnisse genug. Es muß nur dies alles konzentrieren im Dienste seiner: eigenen Sache, und der Sieg ist gesichert Ja, wann und wie das zionistische Ideal verwirklicht sein wird, das können wir Ihnen nicht sagen. Aber eines wissen wir fest und behaupten es fest: Das jüdische Volk will und muß leben. Um zu leben, muß es seinen eigenen Boden haben. Dieser Boden ist für uns nur einer — unser altes Heimatland Palästina. Das Volk muß es erreichen. Und was ein Volk erreichen will und muß, das wird auch unbedingt sein werden! NACHRICHTEN Palästina (Originalbericht) Rischon le Zion: Nach langer Depression ist hier endlich wieder ein Aufblühen des Geschäftslebens zu verzeichnen. Der Verkauf von Wein der Karmelgesellschaft zeigt wieder ein erfreuliches Aufblühen. Augenblicklich wird hier der Plan der Anlage einer Kanalisation eifrig erörtert. Dadurch soll es jedem Kolonisten ermöglicht werden, seine Gartenanlagen selbst zu bewässern und auf diese Weise im Haushalt namhafte Ersparnisse zu machen. Die Lesehalle ist jetzt wöchentlich viermal geöffnet, und wird von den Kolonisten eifrig besucht Die Bibliothek verfügt über eine große Anzahl auch nichtjüdischer Werke, auch liegen sämtliche jüdischen Zeitungen auf. Das Bureau des Hapoel-Hazoir macht bekannt, daß in der Nachbarschaft von Tiberias und Sedjera Nachfrage nach Arbeitskräften herrscht die dort gegen hohen Lohn beim Austrocknen der Sümpfe Beschäftigung finden können. Die letzten Regengüsse haben auf die Landarbeit sehr wohltuend gewirkt, die Arbeiten sind jetzt in vollem Gange. Ein langgehegter Wunsch unserer Kolonien soll jetzt in Erfüllung gehen. Seitdem die Kolonie groß wurde, ist das Bedürfnis nach einer offiziellen Vertretung bei der türkischen Regierung oft lebhaft empfunden worden. Die Angelegenheit ist nun in die Hände eines gewiegten Rechtsanwalts gelegt und in die richtigen Wege geleitet worden. Ekron: Unsere seit 3 Jahren bestehende Schule macht bedeutende Fortschritte. Sie zählt jetzt 39 Schüler. Interessant ist, daß sich ein Teil dieser Schüler gegenseitig verpflichtet hat, überall, in der Schule sowohl wie im Hause, lediglich Hebräisch zu sprechen und ihre hebräischen Spiachkenntnisse auch nach Verlassen der Schule weiter zu pflegen. Jaffa: Die Abschiedsfeier des Chacham Baschi gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung des Vertrauens und der Wertschätzung. Die Kolonie der bulgarischen Juden in der Nähe von Jerusalem sowie die Einwohner von Artuff begrüßten Rabbi Meir bei seiner Aukunft und spendeten ihm und seinen Begleitern Kränze. An der Bahnstation in Jaffa erwartete eine 3000köpfige Menge den Chacham Baschi und empfing ihn mit brausenden Hedaddrufen. Der Präfekt von Jerusalem stattete ihm einen Besuch ab. Am letzten Abend seines hiesigen Aufenthalts fand eine öffentliche Versammlung statt, in der die Herren Dr. Mossensohn, Scheinkin und Dr. Turoff Ansprachen hielten. Rabbiner Jakob Meir dankte in tief empfundenen Worten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelungen sein möge, für das Wohl seiner Srüder im heiligen Lande Ersprießliches zu leisten. Der neue Vorsteher der türkischen Postverwaltung beantragte bei der Regierung, in den benachbarten jüdischen Kolonien besondere Zweigpostämter einzurichten, damit es nicht mehr nötig sei, die Hilfe der fremden Postämter in Anspruch zu nehmen. Saffed: ' Hier hat sich ein Verein gebildet der die Errichtung eines jüdischen Volkshauses mit Lesehalle und Leihbibliothek in Angriff nehmen will. Jerusalem: Von einer amerikanischen Gesellschaft, die vom Chacham Baschi empfohlen wird, wird angekündigt das sie gegen 7% Verzinsung die Gesamt-Amortisation in 27 Jahren Häuser für Juden aufbauen will, falls sich wenigstens 5000 Interessenten finden. Bei einer größeren Zahl soll der Zinsfuß nur 6 % betragen. Der Bezalel hat in der letzten Zeit merkliche Fortschritte gemacht und ist auf dem besten Wege, eine umfangreiche produktive Arbeit aufzunehmen. £ELT ■ 17 Antizionistisches — Zionistisches in Palästina (Von unserm Korrespondenten) Das neu erwachende jüdische Leben in Palästina, die modernjüdischen Institutionen und Einrichtungen, die dort überall von zionistischer Seite ins Leben gerufen wurden, zwingen allmählich auch die gegnerischen Kreise, sich dem neuen Geiste anzupassen. Die eingefleischten Chalukahempfänger, die bisher von nichts anderem, als der so bequemen Chaluka wissen und hören wollten, die jede rationelle Erziehung der heranwachsenden Generation verpönten und mit dem Bann besiegelten, auch diese fangen jetzt an, neue Wege und Lebensformen zu suchen. Und es wirkt etwas komisch, wenn man sieht wie sie dafür sich der Mittel bedienen, die sie bisher immer so verdammt haben. Auch sie verbreiten jetzt Flugschriften, verschicken Zirkulare, die in einem ganz modernen Hebräisch abgefaßt sind und versuchen, die Chedarim wenigstens äußerlich zu modernisieren und sie den Anforderungen unserer Zeit anzupassen. Um dem „verderblichen" Einfluß, der von zionistischer Seite inspirierten Kindergärten entgegen zu arbeiten, begründeten sie jetzt eine streng palästinensisch-orthodoxe Erziehungsanstalt der auch ein sogenannter Kindergarten angegliedert ist nur mit dem Unterschied, daß dort die Kinder anstatt in hebräischer Sprache in irgend einem Golus-Dialekt unterrichtet werden. Auch unter den Jeschibah-Jüngern gährt es jetzt gewaltig. Was im Golus schon einer überwundenen Epoche angehört, die „verbotene Literatur" wird jetzt dort entdeckt. Heimlich werden neuhebräische Werke gelesen und man munkelt sogar, daß die jungen Leute beabsichtigen, demnächst ein im Geheimen redigiertes Sammelwerk herauszugeben, daß. ein Dokument ihrer Gesinnung bilden soll. In einer von den Chalukahleuten verbreiteten Flugschrift ergeht jetzt die Aufforderung zur Gründung einer Zentrale für das orthodoxe Judentum in Jerusalem, wo die gesamten Angelegenheiten des Chalukah-Judentums in Palästina behandelt werden sollen. Die Zentrale soll auch eine Stellenvermittlung einrichten. Der Kostenanschlag für diese neue Institution ist auf ca. 6000 Francs jährlich veranschlagt, die aus freiwilligen Spenden aus der Diaspora aufgebracht werden sollen. Mineralogische Untersuchungen in Palästina Die türkische Regierung hat Anfang dieses Jahres den Berliner Geologen Professor Dr. Blanckenhörn für die Aufgabe gewonnen, zunächst in der Gegend des Toten Meeres nach dem Vorkommen von Petroleum zu forschen und später auf der Sinaihalbinsel, im alten Midian, wo früher reiche Bergwerke im Betrieb waren, Untersuchungen nach abbauwürdigen Erzvorkommnissen anzustellen. Professor Blanckenhorn hat bereits früher wissenschaftliche Forschungen in Syrien und Palästina angestellt und Arbeiten darüber veröffentlicht. Vor zwei Jahren bereiste er die Hedschasbahn zu Studienzwecken auf eigene Kosten und teilte das Ergebnis seiner Reise in der Zeitschrift der Berliner Gesellschaft für Erdkunde mit. Er ist Mitte Januar in Konstantinopel eingetroffen und nach kurzem Aufenthalte nach Jerusalem weitergefahren. Bei den Nachforschungen nach Petroleum in jenen Gegenden kommt in erster Reihe das Bedürfnis der Hedschasbahn in Betracht. Es fehlt im Lande an Holz und Kohle, und es wäre für diese Bahn von unschätzbarem Werte, wenn in nächster Nähe der Bahnstrecke in Gestalt von Petroleum ein billiges Heizmittel gefunden würde. Die Zeitung Ikdam meldet: Die türkische Postdirektion hat beschlossen, einen Automobilpostdienst zwischen Eregli, der Endstation der Bagdadbahn, und Aleppo einzuführen. Palästinaarchiv Die erfreuliche Zunahme des Interesses der Juden für Palästina hat es mit sich gebracht, daß die jüdische Presse sich immer mehr mit Palästinafragen beschäftigt. Da nun in letzter Zeit in Österreich zwei Zeitschriften in polnischer und in jüdischer Sprache (PALESTYNA und SERUBABEL) gegründet worden sind; die ausschließlich dem Interesse Palästinas gewidmet sind, und da auch die in Odessa neu begründete Wochenschrift HATECHIAH sich wesentlich mit Palästina befassen wird, so erachtet das Palästinaressort den Zeitpunkt für gekommen, seine lang gehegte Absicht zu verwirklichen und die bisherige Zeitschrift PALÄSTINA in ein populär wissenschaftliches PALÄSTINA-ARCHIV umzuwandeln. Das PALÄSTINA-ARCHIV wird ausschließlich Beiträge von bewährten Fachleuten und Gelehrten enthalten und wird in Palästina selbst redigiert werden. Es ist zu erwarten, daß dieses Jahrbuch in weitere Kreise dringen wird, als dies der rein wissenschaftlichen