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Die Welt · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 DIE 3^ Zeitschrift möglich war, und daß" es somit zur Verbreitung der Palästinakunde ein gutes Teil beitragen wird. Das erste Jahrbuch PALÄSTINA-ARCHIV dürfte Ende 1908 erscheinen. Saatenstand und Getreidehandel in Syrien Der deutsche Generalkonsul in Syrien berichtet unterm 6. d. M.: „Die Witterungsverhältnisse im Dezember 1907 waren für den Stand der Saaten günstig. Die guten Aussichten für die nächste Ernte und die Aufrechterhaltung des von der türkischen Regierung erlassenen Verbots der Ausfuhr von Weizen und Gerste haben ein weiteres Sinken der Preise zur Folge gehabt. Im Dezember stand der Preis für- Weizen auf 22 Franken für den Doppelzentner, für Gerste auf 16,50 Franken für den Doppelzentner. Amtseinführung des neuen Chacham Baschi in Saloniki (Von unserem Korrespondenten) Unter großer Teilnahme der hiesigen Bevölkerung und der Spitzen der Beamtenschaft fand am 1. Adar in der großen Synagoge der „Talmud Thora" die Amtseinführung des neuen Chacham Baschi statt. Viele Läden waren geschlossen; auf den Stufen, die zur Synagoge führen, wogte eine tausendköpfige Menge, die große Synagoge selbst war von Menschen überfüllt. Um 10 Uhr morgens stimmte das Orchester die Nationalhymne an, und" Rabbiner Jakob Meir trat, von der ganzen Gemeinde lebhaft begrüßt, in Begleitung der Gemeindevorsteher in die Synagoge. Nach Verrichtung des Gebets für den Landesherrn hielt der Chacham eine zündende Rede in klassischem Hebräisch, die nachher ins Spaniolische übersetzt und von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen wurde. In seiner Rede dankte der Chacham für die ehrenvolle Aufnahme und sprach über die Notwendigkeit der sozialen und kulturellen Hebung der Juden in der Diaspora durch die Errichtung moderner Schulen und eine planvolle Erziehung zur lebendigen Arbeit. Die Wahl des Großrabbiners von Frankreich Die Wahl des Großrabbiners von Frankreich fand am Nachmittag des 6. Februar im Bureau des Konsistoriums in Paris statt. Das Wahlkollegium bestand aus 64 Delegierten. Die Wahlhandlung leitete der Präsident des Konsistoriums, Baron Edmund von Rothschild. Bei den ersten Wahlgängen erhielt keiner der aufgestellten fünf Kandidaten absolute Majorität. Im dritten Wahlgange erhielt Alfred Levy, Großrabbiner von Lyon, 35 Stimmen und Israel Levy, Großrabbiner in Paris, 29 Stimmen. Somit ist Alfred Levy zum Großrabbiner von Frankreich gewählt. Ober den Lebensgang des Gewählten ist zu berichten, daß er am 14. September 1840 in Luneville geboren ist. Im Jahre 1867 wurde er zum Rabbiner von Dijon gewählt. 1869 wurde er Rabbiner von Luneville, seit 1880 bekleidet er das Amt des Großrabbiners von Lyon. 1 Großrabbiner Alfred Levy erhielt im Jahre 1879 in einem Preisausschreiben des Komitees der israelitischen Schulen von Paris einen Preis von 1000 Francs für eine Arbeit über „Ausgewählte Lektüre aus der jüdischen Literatur". Der neugewählte Großrabbiner ist der Verfasser mehrerer historischer Abhandlungen: „Die Juden des Herzogtums Lothringen", „Die Juden von Lyon", „Die Trauer- und Begräbnis-Zeremonien bei den Israeliten" usw. usw. Am 8. Januar 1888 wurde er Ritter der Ehrenlegion. Ein Tempelstreit in New York Ein Vorfall in der Gemeinde des Tempels „Emanuel", der reichsten jüdischen Gemeinde der Welt, macht in New York viel von sich reden. Vor einiger Zeit hielt der Rabbiner dieser Gemeinde, unser bekannter Gesinnungsgenosse, Dr. J. L. Magnes, eine Predigt in der er sich sehr lebhaft und energisch gegen die Mischheiraten aussprach und nachdrücklich auf den Schaden hinwies, der dem Judentum erwachse, dadurch, daß gerade die reichen Juden mit Vorliebe ihre Töchter an christliche Männer verheirateten. Durch diese Rede fühlte sich einer der Vorsteher des Tempels, der bekannte Bankier und Millionär Stern getroffen, dessen Tochter kürzlich einen schweizerischen Adeligen geheiratet hat. Stern reichte daher seine Demission ein. In der letzten Sitzung des Vorstandes kam es infolgedessen zu einer lebhaften Auseinandersetzung,. Eine Anzahl Vorstandsmitglieder war der Meinung, man solle "die Resignation nicht annehmen. Bei der ersten Abstimmung wurde denn auch die Demission Sterns nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen angenommen. Bei einer bald darauf stattfindenden zweiten Abstimmung stellten sich indessen weitere sechs Vorstandsmitglieder auf die Seite derjenigen, die für die Annahme der Demission waren, und nur zwei gELT - No. 7 Stimmen sprachen sich gegen die Annahme der Demission und gegen Dr. Magnes aus. Bemerkenswert ist die Haltung des zweiten Rabbiners der -Gemeinde, Dr. Silbermann, der erklärte, in dieser „unglücklichen Geschichte", keine Meinung abgeben zu wollen. Die jüdischen Zeitungen verlangen infolgedessen, der alte Rabbiner möge deutlicher erklären, was er mit dem Ausdruck „unglückliche Geschichte" haben sagen wollen, ob er damit das Verhalten des Herrn Stern oder die Predigt des Dr. Magnes habe treffen wollen. Im übrigen ist die jüdische Presse Amerikas mit der Entscheidung des Vorstandes natürlich sehr zufrieden und rechnet es dem Tempel Emanuel zur Ehre an, daß er auf die Tätigkeit des Herrn Stern verzichtet habe, obwohl dem Tempel zweifelsohne erhebliche Revenuen dadurch verloren gehen. Marokko Aus Mogador wird gemeldet: Die Proklamation des heiligen Krieges durch Muley Hafid, die durch öffentliche Ausrufe verkündet wurde, erfüllt die Juden in Marrakesch mit großer Besorgnis. Für sie liegen die' Dinge in jedem Falle schlimm; wenn nun gar, wie es den Anschein hat, Frankreich für Abdul Aziz Partei ergreift, und Muley Hafid infolgedessen unterliegen würde, wird die Lage in der Hauptstadt des Südens sehr gefährlich werden, und das Mellah wird keinesfalls geschont werden. Die Auswanderung aus Marrakesch dürfte deshalb größeren Umfang annehmen und nur durch die Wachsamkeit der Behörden, die die Juden nicht gern ziehen lassen, und die Unsicherheit der Wege in Schranken gehalten werden. Jedenfalls ist die Lage unserer Brüder in Marrakesch sehr bedrohlich, und wir können nur hoffen, daß im kritischen Augenblick das Mellah doch noch einmal vor dem Untergange bewahrt bleiben wird. Wir berichteten s. Zt. von dem ,Heldenmute, den ein Jude aus Casablanca, Yahia Zagury, während der Beschießung von Casablanca bewiesen hat, und der Tapferkeit, mit der er damals für das bedrohte Leben seiner Brüder und der Europäer eingetreten ist. Jetzt ist ihm der für Juden allgemein übliche Lohn geworden. Die französische Regierung, die eine Unzahl von Ehrenbezeigungen, Ordenverleihungen usw. für bewiesene Tapferkeit u: dgl. verliehen hat, hat Zagury, dessen aufopferungsvolles Verhalten s. Zt. in der ganzen Presse und auch vom französischen Konsul in schmeichelhaftester Weise anerkannt worden ist, dabei vollständig außer acht gelassen. Selbst der „Courrier du Maroc" findet dieses Verhalten ungerecht und erklärt es damit, daß Zagury in Frankreich oder in den Kolonien keinerlei Beziehungen und Protektionen besitzt Die Zeitung hofft daß die französische Regierung das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen habe. Die „Tribüne" meldet aus Tanger, daß dort und in Rabat eine Panik ausgebrochen sei infolge des Eintreffens von Zirkularen aus Fez, die besagen, daß, falls Muley Hafid nicht sofort anerkannt würde, das Eigentum der Widerspenstigen konfisziert, ihre Frauen und Töchter weggeführt und die übrigen Familienmitglieder ins Gefängnis geworfen würden. Die Juden in Fez befinden sich in großer Aufregung, da ihnen fortwährend Lebensgefahr droht. Sie befürchten eine Hungersnot weil ihnen verboten worden ist, auf den maurischen Märkten außerhalb des Mellahs Lebensmittel einzukaufen. Eine neue Palästinazeitschrift Lemberg. Im Verlag der hiesigen akademischen Verbindung „Judaea" ist ein neues Organ für rein palästinensischen Zionismus erschienen: die (poln.) Vierteljahrschrift „Palestyna". Die recht zahlreiche Landespresse ist durch die Verhältnisse genötigt worden, den Ereignissen des politischen Lebens fortwährend .zu folgen, so daß die allgemein-zionistischen Angelegenheiten dadurch notwendigerweise etwas zu kurz kamen. Von der Erörterung speziell-palästinensischer Probleme konnte kaum noch die Rede sein. Diesem für die Entwicklung des Zionismus hierzulande ungünstigen Umstände vorzubeugen, ist Aufgabe des neuentstandenen Organs. Entsprechend dem Stande unserer Palästinabewegung will die Zeitschrift in populärer, vorläufig allgemeiner Weise die Kenntnis des Landes sowie der Bedingungen und Erfolge unserer Siedlungsarbeit verbreiten, die palästinophile Bewegung schüren und verbreiten helfen. Dadurch soll dem bei uns-fast noch unbekannten neuen Kurs im Zionismus in Galizien Geltung verschafft werden. — Die erste Nummer der neuen Zeitschrift enthält-Arbeiten von Prof. Warburg, M. Ussischkin, D. Trietsch, Salomon Schiker, N. Almoni sowie ein reiches InformationsmateriaL Ein besonderer Raum ist dem Palästinaressort reserviert worden. Der bedeutende Umfang (5 Bogen großen Formates) sowie der durchaus gediegene Inhalt machen das Heft an sich zu einem wertvollen Werk. . Dazu kommt die reiche geschmackvolle Form, welche schon äußerlich die „Palestyna" empfiehlt. — Eine intensive Propaganda für das neue Organ ist bereits im Gange.

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