Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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>'5B1^W* DIE3$£ELT: No. 7 zahlreiche neue Mitglieder-und dem Parteifonds reichliche Spenden brachte. Damit war der zweite Pbsener Distriktstag, an Inhalt und Erfolgen -dem ersten nichts nachgebend, glücklich beschlossen. dessen: Am Sonnabend, den 1. d. Mts. fand hier eine zionistische Agitationsversammlung statt, für die Herr Dr. Blöde aus Hamburg das Referat-„Vom Ghetto zum Zionismus" übernommen hatte. An den eindrucksvollen und höchst interessanten Vertrag schloß sich eine rege Diskussion, in der auch Nichtzionisten ihren Standpunkt zu rechtfertigen suchten. Herr Dr. Blöde widerlegte aber in überzeugender Weise die Ansichten der Nichtzionisten. Er erzielte einen glänzenden Erfolg. Es traten 35 Personen derzionistischen Organisation bei. In der darauf folgenden konstituierenden Versammlung zwecks Gründung einer hiesigen Zionist. Ortsgruppe -wurde Herr'Rechtsanwalt Elsoff er in Giessen zum ersten Vorsitzendön gewählt In den Vorstand wurden noch gewählt: die "Herren stud. med. Heilbronn, Sondheimer und Levy. Tlafberstadt. In der vorigen Woche hielten wir eine Mitgüederversamriilung ab, in der unser Gg. Herr Martin Brunn über die Palestine Land Development Comp, referierte. Der Redner beleuchtete die. Arbeiten, die die Palästinakommission bis jetzt geleistet habe (Palästina-Pflanzungsverein, Palästina-Industrie- Syndikat usw.), und skizzierte dann in klaren Ausführungen die Ziele, die die Land Development Comp, verfolge. Den Schluß des sehr;anregeriden Abends bildete eine Sammlung von Palästina- Schekolim. — Acht Aktien für die Land Development Comp, wurden bereits gezeichnet — Trotzdem wir den uns zukommenden Beitrag für den Parteifonds fast vollständig bereits abgeführt haben, wurde dennoch beschlossen, eine„ nochmalige, kräftige Agitation zugunsten des Fonds zu veranstalten. Bremen: Am Dienstag den 28. Januar er. sprach in einer von* unserer Ortsgruppe unter Einladung fast sämtlicher hiesigen Juden einberufenen, aber leider schwach besuchten Agitationsversammlung Herr Dr. Bloede über das Thema: „Vom Ghetto zum Zionismus". Der geschätzte Redner entwickelte in meisterhafter Weise den Gegensatz zwischen dem assimilatorischen Ghettojudentum und dem modernen nationalen Judentum und die daraus folgende Grundidee des Zionismus und riß seine Hörer in dem von geistvollen Sarkasmen durchwirkten Vortrage zu wahrhaft begeistertem Beifall hin. In der Diskussion wurden von einigen der Anwesenden sachliche Fragen gestellt, die der Vortragende ebenso treffend beantwortete. Die Ortsgruppe gewann "drei Schekelzahler. — Nationalfondssämmlung. — Hamburg:. Am Sonntag den 2. Februar veranstaltete die zionistische Frauengruppe den zweiten Unterhaltungsnachmittag für junge Mädchen, die in Geschäften tätig sind. Wieder waren ca. 100 Mädchen erschienen, die mit lebhaftem Interesse den ausgezeichneten und geschickt arrangierten Darbietungen folgten. Frau Constanze Mathiason entwarf in fesselnder, von poetischem Schwung und nationaler Begeisterung erfüllten Rede ein Charakterbild von Theodor Herzl. Fräulein Hensehel sang treffliche Lieder, Fräulein Hedwig Engel rezitierte meisterhaft die „Beruriah" von Löwenberg und eine humoristische Kindergeschichte von Josefa Metz, Fräulein Erna J^ewandowsky erfreute am Klavier durch das Spiel jüdischer Volksmelodien, deren letzte „Dort wo die Ceder"' vom Chor gesungen wurde. Fräulein Hedwig Lübke gebührt das Verdienst der Anregung und des Gelängens dieser regelmäßigen Veranstaltungen, durch welche der zionistische Gedanke, in Kreise getragen wird, die uns sonst unerreichbar sind. Andere Ortsgruppen mögen dem Beispiele folgen! Dresden: Am 23. Januar sprach Herr N. Sokolow, Köln, in «iner öffentlichen Versammlung über „Die Renaissance des jüdischen Volkes", In seinen fesselnden, 1V« stündigen Darlegungen führte er den glänzenden Nachweis, daß der moderne Zionismus der einzige richtige Weg ist, um das jüdische Volk als solches zu beleben. Wir können ihn daher mit Recht und Stolz als die wahre Renaissance unseres Volkes bezeichnen. — Dem Redner wurde mehrfach lebhafter Beifall gespendet An jedem Dienstag wird ein hebräischer. Sprachkursus unter Leitung des Herrn Lehrer Glückmann abgehalten. Österreich 3ösemestriges Stiftungsfest des Vereins jüdischer Hochschüler, „Bar-Kochba" in Prag (Unliebsam verspätet) Ein Studentenverein, der schon lange vor Beginn des politischen Zionismus eine Stätte zur Pflege jüdischen Volkstums begründete, und nfit dem Auftreten Theodor Herzls dem Rufe zu den 'Waffen gefolgt war, und der in mühevoller, jahrelanger Arbeit den Boden 13 .für jede weitere zionistische Tätigkeit in Böhmen geebnet hat, feierte am 28. Jänner sein 30semestriges Stiftungsfest Aus ganz Böhmen, aus Karlsbad, Teplitz, Iglau, Kolin, Nachod usw., usw., waren die Vertreter der Volksvereine herbeigeeilt, um „Bar-Kochba" zu danken und seine Verdienste zu würdigen. In überaus feierlicher Weise wurde das Fest begangen. A. H. Prof. Freud hielt die Festrede, A. H. Dr. Emil Marguli es die Tendenzrede, die in wirkungsvoller Weise in Inhalt und Form vollendet ebenso begeisterten Widerhall wie die Festrede fand. Sodann sprach Dr. Kuh im Namen des böhmischen D. K., Dr. Kral im Auftrage des A. H. Verbandes, lebhaft akklamiert Dr. Kohn im Namen des jüdischen Volksvereins Prag, phil. cand. H. Wittmann für die „Barissia", ing. Reinisch für die Wiener jüd. Verbindungen, stürmisch begrüßt Dr. Siegmund Werner für den Volksverein-Iglau und die andern auswärtigen Volksvereine, Dr. Singer für den Volksverein Kolin, Dr. Engel für seine Verbindung „Chermoniat", Frau Robitschek für den jüd. Frauen verein, Prag. Eine musikalische Akademie verhalf dem Feste auch in künstlerischer Beziehung zu vollständigem Gelingen. Fräulein Josephine Leckner, Herr A. de Grassi, I. Konzertmeister, Herr Dr. W. Zemanek, I. Dirigent der „Böhmischen Philharmonie", ebenso Herr Blann fanden lebhaften Beifall. Unter den Begrüßungsschreiben ist das Schreiben des Präsidenten der zionistischen Bewegung David Wolffsohn, in dem er in überaus herzlicher Form für die anläßlich des 30. Semesters erfolgte Ernennung zum Ehrenmitgliede dankte sowie das Schreiben des A. C, das in den anerkennendsten Worten die bisherige Arbeit Bar-Kochbas würdigt hervorzuheben, ebenso die Briefe der verschiedenen zionistischen Behörden, nahezu sämtlicher Studentenvereine usw., usw. Anläßlich des Stiftungsfestes wurden von Freunden und Mitgliedern des „Bar-Kochba" an 30 Ölbäume gespendet die den Grund zu einem Bar-Kochba-Haine im Herzl-Walde in Palästina bilden sollen. Mit besonderer Genugtuung und Freude hat es der Verein begrüßt, daß nahezu sämtliche befreundete Korporationen teils durch Abgesandte bei seiner Feier vertreten waren, teils durch Glückwunschschreiben seines Festes gedacht haben. Es ist dem Vereine bei der großen Anzahl der eingelaufenen Schreiben unmöglich, für jeden einzelnen Freundschaftsbeweis zu danken und er überweist deshalb dem Vereine „Ölbaumspende" den Betrag für 3 Ölbäume im Bar-Kochba-Haine des Herzl-Waldes. Drohobycz. Es ist uns endlich gelungen, hier einen poalezionistischen Mädchenverein zu gründen und die jüdischen Arbeiterinnen heranzuziehen, — trotz einer regen, aber völlig resultatlosen Gegenagitation der hiesigen P. P. S. In zwei glänzenden Referaten beleuchtete Gen. Rosa Mayer aus Lemberg das Programm der Poale-Zion und wies auf die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der jüdischen Arbeiterinnen, die in Galizien unter den elendesten materiellen und geistigen Verhältnissen ihr Dasein fristen. Dem Vereine sind bis zur Stunde 70 Arbeiterinnen beigetreten, die einen provisorischen Ausschuß, ein Agitationskomitee, ein Bildungskomitee gewählt haben. Die Gewählten entfalten eine rege Agitation unter dem jüdischen weiblichen Proletariat und sind sehr behilflich in der Ausbreitung der poale-zionistischen Bewegung. Mikojalow: Am 1. Februar rief Herr Dr. Heinrich Landesberg eine Versammlung hiesiger Bürger ein, in welcher nach einer Ansprache des Einberufers und nach einer längeren Rede des Herrn Abrahamsohn aus Rußland die Gründung eines Zionistischen Vereins beschlossen wurde. Zirka 30 Mitglieder haben sofort ihren Beitritt erklärt und den Schekel und Parteisteuer bezahlt. Es wurde ein Komitee aus 5 Mitgliedern, mit Herrn Dr. H. Landesberg an der Spitze, eingesetzt, welches die Gründungsarbeiten durchzuführen hat Für den Nationalfonds wurde gesammelt. Brünn: Am 18. Jänner 1. J. veranstaltete die jüdisch-akademischa Verbindung „Veritas" in Brünn in den Festsälen des „Grand Hotel" ihren diesjährigen Kommers, der aus Anlaß des 25 semestrigen Bestandes der Verbindung den Charakter eines Stiftungsfestes trug. Gleichzeitig gestaltete er sich zu einer Kundgebung der Brünner zionistischen Studentenschaft, die es verstanden hat sich hier, in der Hochburg der Assimilation, durch ihr ehrliches Auftreten einen nun unbestrittenen Platz in der jüdischen Gesellschaft zu erringen. Cb. cand. ing. Ernst Frischer hielt die Festrede. In schwungvoller, stilistisch und inhaltlich vortrefflicher Rede sprach er über die Ethik des Zionismus und hob zum Schlüsse die Schwierigkeiten hervor, welche die Verbindung während ihrer 25 Semester zu überwinden hatte. Der Rede folgte das Bundeslied der „Veritas". Hierauf ergriff A. H. E. B. der Verbindung, Ingenieur Robert Stricker, das Wort zur .Tendenzrede. Seine ausgezeichneten Ausführungen entfesselten einen Sturm des Beifalls. — Es folgten viele Ansprachen. Als Vertreter des „Akademicky ctenärsky spolek Zora" erörterte Herr