Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-02-14 · 7 (14.2.1908) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316304--50295-3377285
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

l^^^^^^^^^^n^^^^S^^^^S^^^t DIE'3§KELT 12 folgenden Verlauf: Der Präsident des zionistischen Vereins „Theodor Herzl", Herr I. N. Schulhof, eröffnete um halb 9 Uhr abends die Versammlung, indem er alle Erschienenen begrüßte. Er ersuchte hierauf die Herren Dr. Kohlbach, Dr. Spitzer und Leopold Singer, den Präsidenten Wolffsohn in die Versammlung einzuholen. Unterdessen gelangten die eingelaufenen Begrüßungstelegramme zur Verlesung — 20 an der Zahl —, darunter vom A. C.-Mitglied Dr. Alcalay (Belgrad), N. Landau (Bjelina), Gustav Seidemann (Prijedor) Aladar Merkler (Sarajevo), Dr. H. E. Kaufmann (Virovitica), Rabb, Saul Stern (Broda S.),Rabb.Dr. Margel (Pozega),Dr. Ivan Jacobi( Agronn), „Zidovska Smotra" (Agram), dann Herren aus Pozega Kreuz, Agram, Zemlin u. a. Orten. Beim Erscheinen wurde Präsident Wolffsohn mit stürmischen Hedaddrufen empfangen. Nachdem ihn Herr Schulhof begrüßt hatte, begann er seine mit Begeisterung aufgenommene Rede, die fünf Viertelstunden währte. Von Theodor Herzls „Judenstaat" ausgehend, widerlegte Wolffsohn alle gegen den Zionismus Erhobenen Angriffe und Beschuldigungen, verbreitete "sich über Nationalität, Staatsbürgerschaft, Patriotismus, um dann über die Grundidee des Zionismus zu sprechen. Seine diesbezüglichen Ausführungen gipfelten darin, daß man ein Territorium schaffen müsse, wo einwandernde Juden mit Jubel begrüßt werden. England und Amerika werden ihre Tore Tbald gänzlich verschließen, und dann? Eine halbe Million Juden befinde sich ununterbrochen auf der Wanderung. — Auf seinen letzten Konstantinopeler Aufenthalt übergehend, sagte Herr Wolffsohn wörtlich folgendes: „Ich kann versichern, daß die türkische Regierung unsere Bewegung durchaus nicht für eine Utopie hält und daß sie immer mehr zur Überzeugung kommt, daß sie nicht hur den Juden, nicht nur Palästina, sondern auch der türkischen Regierung selbst große Vorteile bieten wird, wenn die große jüdische Einwanderung vollbracht sein wird, und daß es heute nicht mehr an der türkischen Regierung, sondern an uns selbst liegt. Wenn das jüdische Volk erst den Willen haben wird, wenn die Mittel da . sein werden, dann bin ich sicher, daß auch alle Nichtjuden auf unserer Seite sein werden." Herr Wolffsohn sprach sodann über die Institutionen des Zionismus, um damit ein Bild über die bisherigen Leistungen und Erfolge der zionistischen Bewegung zu geben. Längere Zeit verweilte der Präsident bei der gegenwärtig wichtigsten Institution, dem Parteifonds. Herr Wolffsohn schloß sodann mit einer vortrefflichen, der Gelegenheit entsprechenden Legende über den Propheten Elias. Nach der Rede, die mit nicht endenwollendem Beifall aufgenommen wurde und einen Sturm der Begeisterung entfesselte, dankte Herr Schulhof dem geschätzten Vortragenden für seine überzeugenden und begeisternden Ausführungen. Der größte Teil der Versammlung nahm hierauf an dem im „Grand Hotel Weingruber" abgehaltenen Kommers zu Ehren des Präsidenten Wolffsohn teil. Beim Kommers ergriffen zu Gelegenheitsreden das Wort u. a.: Dr. Hugo Spitzer, I. N. Schulhof, Oberrabbiner Dr. Simon Ungar (Essegg), Samuel Wölff und I. G. Kraus. Der Kommers, dereinen animierten Verlauf nahm, dauerte bisnach 1 Uhr. Beüsce: Herr David Wolffsohn, Präsident des A. C, hielt am 1. Februar im Beliscer Kasinosaale einen Vortrag über die zionistische Bewegung sowie über seine Reise und Aufenthalt in Palästina und Afrika. Der hochinteressante Vortrag, welchem ein zahlreiches Publikum beiwohnte, wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Anwesenden folgten dem Vortrage mit dem regsten Interesse. Als Beweis, welchen Erfolg der Vortrag des Herrn Präsidenten nach sich zog, diene, daß nach Beendigung seiner Ausführungen sofort -mehrere Beamte ihren Beitritt in den in Essegg bestehenden Verein „Theodor Herzl" anmeldeten. Deutschland II. Posener Distriktstag. Am 26. Januar trat in Posen die zweite Tagung des Gruppenverbandes Posen und Westpreußen zusammen. Außer zahlreichen Mitgliedern der Posener Ortsgruppe waren Gesinnungsgenossen aus Schönlanke, Filehne, Samter, Wronke, Schroda, Strakowo, Freu- No. i Stadt, Kraschwitz, Pieschen. Mur-GosBn, Koscnmhv Obersitzko, Borek, Santomischel, Crona a/B. erschienen. Nachdem der Vorsitzende die Tagungen um 11 */z Uhr mit kurzer Ansprache eröffnet hatte, begrüßte Herr Rechtsanwalt Gronemann-Berlin namens des Zentralbureaus,Herr Victor-Posen namens des „Vereins für jüdische Gemeindeinteressen'", Herr. Dr. Manasse.namens des „Jüdischen Turnvereins" den Distriktstag. Alsdann erstattete der Vorsitzende den Tätigkeitsbericht des Distriktsbureaus. , Danach stand das Bureau mit 14 Gruppen und insgesamt 40 Ort en & Verbindung; der Umgang der Beziehungen resultiert aus der Summe der 'Eingänge mit 250, der Ausgänge mit.275. Fortdauernd blieb das Bureau bemüht, in den kleine^n Gruppen zionistisches Leben zu erhalten und zu heben. Dies geschah einmal durch Veranstaltung zahlreicher Versammlungen'im ganzen Distrikt, meist mit eigenen rednerischen Kräften;.ferner durch Vermittlung häufiger Anregungen und Informationen, Verbreitung der Parteipresse und -Literatur. Auch mit einer kleinen Wanderbibliothek, die besonders tätigen Gruppen gesandt wurde, wurdenerfolgreiche Versuche gemacht Das Bureau vermittelte ferner einer Reihe vön Gruppen die eindrucksvollen Vorträge von Dr. Bioede sowie eine Tournee von Dr. Moses über „Jüdische Kunst" mit Lichtbildern. Trotzdem entfaltete nur die Hälfte der bestehenden Gruppen eine eigentliche Tätigkeit, allen voran Samt.er, das allen kleineren Gruppen "ein Muster sein könne. Von besonderen Einrichtungen einzelner Gruppen seien zu erwähnen: Zeitungslesezirkel, Leseabende, Ges'chichtskurse-, Volksunterhialtungsabende. Die übrigen Gruppen konnten aus ihrer Lethargie nicht aufgerüttelt werden; nicht einmal Versammlungen, wären zustande zu bringen, so daß der Gruppen verband tatsächlich mehr rednerische Kräfte zur Verfügung habe, als der Distrikt in Anspruch nehme. Viel zu wünschen lasse der Eingang der Beiträge zum Parteifonds, während Schekelzahlungen und N. F.-Spend'en im ganzen befriedigend seien. An den Bericht knüpfte sich eine ausgedehnte Debatte, an-der sich "die Herren Gold-Samter, Salinger-Filehne, Preudenthal-Grüschwitz, Goldschmidt-Fraustadt, Paradies-Posen und Grohemänn-Berlin beteiligten. Alsdann hielt Herr Dt. ehem. Rosenberg .ein nach Form und Inhalt ausgezeichnetes, volles Referat über die „Lage im Zionismus". In der sehr lebhaften Diskussion, die erst nachmittags stattfinden konnte, flammten alte Gegensätze in der Frage der Bankstatuten und des Territorialismus noch einmal auf. Es sprachen die Herren Scherek, Auerbach, Salinger und Gronemann; die konziliante Art des Letztgenannten gab der Diskussion eine versöhnliche Schlußwendung. - In der Mittagspause vereinigte ein Diner 50 Damen und Herren in gehobenster Stimmung und bei anregenden Tischreden. Die Nachntfttagsverhandlungen 'brachten zunächst ein Referat des Frl. Ella Fink über „Frauenarbeit im Zionismus". Lebhafter Beifall lohnte die inhaltreichen und von tiefem Verständnis und warmer Begeisterung getragenen Ausführungen. Nach kurzer Diskussion ergriff Herr Dr. Kollenscher das Wort zu seinem Referat über „Jüdische Gemeindepolitik". Das Korreferat hielt Herr Rosenthäl-Wronke. Auch an diese beiden Referate knüpfte sich eine kurze Diskussion, an der sich die. Herren Salinger, Filehne, Berg, Diamant beteiligten. Alsdann gelangten in kurzen Verhandlungen noch folgende Anträge zur Beschlußfassung. Antrag des Bureaus: daß das Bureau des Gruppenverb-andes künftig mit dem Vorstand der Ortsgruppe Posen identisch'sein " solle. Antrag des oberschlesischen Gruppenverbandes: daß der Distriktstag sich dem dringenden Ersuchen an das C. C. anschließe, den nächsten deutsch enDelegierten tagnach Breslau oder Po s*e n einzuberufen. Resolution Salinger: daß den kleineren Gruppen des Distrikts die Veranstaltung engerer Bezirkstage empfohlen -werde. Nachdem noch ein Dankesvotum für das-Bureau angenommen war, schloß der Vorsitzende den Distriktstag um xh8 Uhr-mit Worten lebhafter Genugtuung über den Verlauf des'T-ages und des Dankes für die rege Mitarbeit aller Beteiligten. Um 9 Uhr fand dann im schönsten Saale Posens eine öffentliche Versammlung statt Vor fast 500 Zuhörern entwickelte Herr Rechtsanwalt Gronemann tiefdurchdächte Ausführungen über „Jüdische Mission und Assimilation";"er fand die gespannteste Aufmerksamkeit und den lebhafsten Beifall der Versammlung. Das große Interesse, das er erregte,' bekundete sich in einer ausgedehnten, sehr ernsten und würdigen Diskussion, in der verschiedene Nichtzionisten, ungeachtet -mancher Einwände, doch alle 'warme Symyathien für den Zionismus zum -Ausdruck brachten. <T3ie glänzende Replik und ein enthusiastischer Schlußappell des Refe- . renten endeten den hochinteressanten Abend,, der «er Ortsgruppe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.