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Die Welt · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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. Was mir bleibt? Nicht viel, meinßruder. Doch was bleibt, verbleibt mir ganz: Undank, ,Kränkung, Sorgen, Armut Und — ein Blatt von einem Kranz. . . Doch nicht das/mein Freund, bedrückt mich, Ich verlang' nicht Ehr und Lohn, — Ein Geschenk gab mir der Himmel, Das allein genügt mir schon. . . Nehmt euch, nehmt vom vollen Strauße. Schließlich kommt ihr doch daher, Arme Teufel, und erbettelt Bei uns Dichtern Ruhm und Ehr! Doch der Dichter — (mag sich hüten, Wen sein Wort im Zorne trifft!) — Für den Edlen hat er Rosen, Für den Schurken hat er Gift! Ah! — Ich bin schon wieder munter, Du verzeihst: Melancholie, Schwache Nerven (deshalb treib' ich Jetzt auch Hydrotherapie). —■ Ja, meinFreund-, gar schwer erträgt sich's, Ringsum Falschheit, Unrecht nur, — Ach, wie.sehnt sich da die Seele Nach der ehrlichen Natur!. Zu dir, o Zion, will ich fliehen, Und müßt' ich tausend Tage gehn, Dahin, wo die Esrogim blühen Und schlanker Palmen Wipfel wehn. Dort steht die Wiege meiner Brüder, Ragt meiner Jugend Hochpalast, Dort hat die göttlichsten Gedichte Mein Sängerkönig einst verfaßt. Es weideten dereinst die Väter Die Herde fromm auf ihrem Gut; Dort haben meine Helden später Ruhmvoll geglänzt durch ihren Mut. Du Land, von Milch und Honig fließend, Des höchsten Geistes Wohnstatt du, Möchf in dir weilen, froh genießend In deinem Schatten süße Ruh! In deinem Schatten will ich liegen - Und froh genießen süße Ruh, Ein einfach Mahl wird mir genügen, Ein Stückchen Brot und Milch dazu. Und will mir laden Tischgesellen, Ein paar herzbrave, gute Leut\ Die sollen mir dort Bilder_ stellen Aus alter und aus neuer Zeit: Den Ahn und Urahn soll man sehen, Wie sie gewirkt, wie sie gestrebt, — Daneben aber soll erstehen, Der Enkel, wie er leibt und lebt. Großmutter Rahel zu Kamele, Von heißem Wüstenwind umbraust, — Die späte Enk'lin, Miß Gabriele, Kommt per Bicycle angesaust. Dort fängt den Feind der stolze Löwe Mak'kabi, — Tod bringt seine Näh, — Und hier der Enkel (Ballsaallöwe). Fängt Vögelchen durchs Pincenez. Dort ist zu sehn, wie in Ägypten Großmütterchen die Schafe tränkt, -— Und hier, wie lieblich dem Geliebten Die Enkelin — Champagner schänkt. Wie Jakob sich für Linsenspeise Erkauft den Titel des „Bechor", — Das Enkelkind, — zu welchem Preise Erkauft's den Titel des „Major"?---- Ja, gar manche ^heitre Sachen Gäb's und manches lustige Wort, — Ach, wie herzhaft ließ sich's lachen, Säße man nur erst schon dort! Weit vom städtischen Getümmel, Knuten-, Säbel-, Stockkultur, — Wo noch rein und blau der Himmel Und natürlich die Natur. Wo die Bauern still auf ihren Schwarzen Äckern Furchen ziehn: — Besser — nicht? — als zu hausieren In der Residenzstadt Wien. Ja, ich selbst kannt' auch so einen. Der da zog von Haus zu Haus Und mit schlecht verhalt'nem Weinen Heiser schrie sein „Handel!"" aus. Und ich war's, der ihm geraten: „Bruder, Bruder, mach dich fort!*" — Golden s.tehrc jetzt seine Saaten, Auf der Scholle sitzt er dort..... Fort, ja fort von Spott und Schande, Handel, Schacher. Börsenspiel. Zählst hier stets zur „Schnorrerbandeu, Dienst-dem rohen Haß zum Ziel.— Fort! Nach Hause sollst du ziehen, Jn die Heimat sollst du gehn. " Wo Esrogim lieblich blühen. Kühl der Palmen Wipfel wehn .... KORRESPONDENZEN Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Zeit erschienen in der jüdischen Presse Notizen und Aufsätze, die auf die Tätigkeit des Zentral-Emigrationsbureaus der Ito Bezug haben und die nicht wenige Ungenauigkeiten enthalten. So wurde über „eine Flucht jüdischer Emigranten aus Galveston" im allgemeinem und über die Schicksale eines gewissen Moses Opatowski, der angeblich das Opfer verschiedener Repressalien ward, berichtet. Sofern es sich um Auswanderer handelt, die nach Galveston unter Leitung des Emigrationsdepartements der Ito und nicht eigenmächtig (es waren auch solche Fälle) sich begeben haben, können wir auf Grund unserer tatsächlichen Daten folgendes erklären: Bis heute haben wir nicht nur keinerlei Flucht unserer Auswanderer aus ihren neuen Wohnorten konstatiert, sondern im Gegenteil, wir haben die glaubwürdigsten Nachrichten über ihre erfolgreiche Niederlassung und Einrichtung in verschiedenen kommerziellindustriellen Unternehmungen erhalten. Solche Nachrichten haben alle Institutionen des Emigrationsdepärtements erhalten und ihr Einlauf ist fortdauernd. --Wir sind im Besitze einer beträchtlichen Anzahl von

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