Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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das, was von der früheren Direktion des Kultus dem Ministenum des öffentlichen Unterrichts übergeben worden war, letzterem wieder abgenommen und dem Justizministerium zugewiesen. Es ist zu bemerken, daß . dieses Nehmen und Geben sich im Laufe eines Jahrhunderts mehreremal abgespielt hat. Es handelt sich hier nicht nur um Subventionen für Kultusbedürfnisse, die. durch die Trennung aufgehoben . worden sind, sondern um eine Masse von Akten, die das Eigentum, die Bedürfnisse, die Statuten und die Rechte verschiedener jüdischer Institutionen, betreffen. Eine franzosische Revue über den Zionismus Das führende Organ der französischen Ökonomisten: „Revue economique" reproduziert aus dem Bericht des englischen Konsuls in Palästina den Passus, der auf die Kolonisation der Juden Bezug hat und knüpft an die Obersetzung „folgende redaktionelle Bemerkung: „daß der Zionismus, der ein Element der Arbeit und der Kultur pär excellence in Palästina darstellt, nichts im Auge hat, als die friedliche, fortschrittliche Entwicklung des unternehmerischen und arbeitenden Judentums in diesem Lande, ist selbstverständlich. Wenn außerdem noch aus Rußland Juden hinströmen, so liegt das einerseits-an de-m großen ethisch- . historischen Wert, den Palästina für die Juden bietet, anderseits an den in Rußland obwaltenden Verhältnissen". " Neue Beiträge zur psychologischen Würdigung der Assimilation Wenn auch Preßorgane, die keine speziellen Sympathien für die Juden haben, ihre Anerkennung einem Kulturwerk, wie es die Kolonisation Palästinas ist, nicht versagen können, so versetzen die Zeitungen anderseits Nadelstiche auch für die Munifizenz der Juden für allgemeine Zwecke. Die „Academie Nationale de. Musique et de Danse," die unter einem chronischen Defizit leidet und des hübschen Sümmchens von 1400000 Frcs. zur Herstellung ihres Gleichgewichts bedurfte, hat den dritten Teil dieser Summe von Juden bekommen. Die Namen der freigebigen Herren: Willy Blumenthal, de Cammöndo, Deutsch (de la Menrthe), Gaston Dreyfuß, Bischoffsheim, Otto Kahn — gehören zu "den ersten auf der Liste. Der Lohn für dieses Mäzenatentum besteht darin, daß nun die antisemitische Presse diese Ziffern als Beweis dafür zitiert, daß die Juden den nationalen- Reichtum Frankreichs aufgesaugt haben. Nun ist das wenigstens, wenn man auch viel würdigere Zwecke für eine wohlbedachte Wohltätigkeit finden könnte, ein Mäzenatentum. Aber auch in der „Chronique scandaleuse" kommen jetzt wieder ziemlich oft jüdische Namen vor. Kaum ist der Skandal mit dem „russischen Bankier Lilienstern" verhallt, da rauscht es wieder im Blätterwalde wegen des Prozesses einer leichtgeschürzten Diva mit dem Baron David Leonino — in dem es sich um eine „Subvention"-von 500,000 Frcs. handelt. Diese Prozesse werfen ein grelles Licht auf die Wege, auf denen „das jüdische Geld" durch den Leichtsinn, die Verschwendungssucht und das Aufgehen in dem fremden, ideenlosen Snobismus verloren geht. Die Dijoner Gemeinde gegen das Zölibat; Die kleine jüdische Gemeinde in Dijon witi "einen neuen Rabbiner anstellen. Ihr früherer Rabbiner, Herr Louis Levy, ist zum Leiter der neuen Reform: „Union liberale" in Paris ernannt worden. Nun stellt die Gemeinde den Kandidaten die Bedingung, daß sie verheiratet sein müssen. Ist es vielleicht, weil 'Herr Louis Levy ein Junggeselle war? Oder sind die;Wiederbevölkerungs- . ideen" des Senators Piot, der das Problem der Entvölkerung Frankreichs so tragisch nimmt, daß er es alsseine Lebensaufgabe betrachtet^ wie ein neuer Jeremias eine Zerstörung, des Vaterlandes zu prophezeien, in Dijon so mächtig, daß die Gemeinde nur einen bevölkerungsfähigen Mann;für würdig hält, das Rabbineramt zu bekleiden? Sei es wie es sei,'die Dijoner Gemeinde hat es beschlossen, und in Konsistorialkreisen werden darüber Scherze gemacht. . In altjüdischen Kreisen in Osteuropa würde man das gar nicht für denkbar halten, daß es überhaupt als fraglich erscheinen könnte: Der Rabbiner — ledig oder verheiratet? Natürlich muß ein Rabbiner verheiratet sein, — so lauten ja die Vorschriften! Aber die französische Judenheit hat Konsistorialvorschriften, ein neues Gesetzbuch, das eigentlich nach der „Trennung" keinen Sinn mehr hat, aber traditionell ist es' doch geworden. In diesem Gesetzbuch steht nichts von der Heiratspflicht eines Rabbiners. Es blieb Dijon vorbehalten, eine solche Vorschrift einzuführen. Früher konnte vielleicht das „Consistoire Centrale" einschreiten, aber jetzt ist jede Gemeinde autonom, und der „Conseil de i'administration de la cultuelle israelite de Dijon" kann über die Familienangelegenheiten seiner Rabbiner verfügen. Die Wahl eines Qrand-Rabbin für Frankreich Die Wahl des Grand-Rabbin ist für den 6. Februar bestimmt. Folgende Kandidaturen sind aufgestellt worden: Bloch Isaac, Grand-. Rabbin von Nancy; Dreyfuß, Grand-Rabbin von Paris; Levy Alfred, Grand-Rabbin von Lyon; Levy Israel, Rabbin von Paris; Levy Isaac, Grand-Rabbin von Bordeaux (der Nestor der französischen Rabbiner) und Meiß Honel, Grand-Rabbin von Marseille. Die größten Chancen soll Rabbiner Israel Levy, der Schwieger-" söhn des sei. Zadoc Kahn, haben. Der erste Oberrabbiner von Frankreich, seitdem diese Institution gegründet worden ist (früher bestand ein Triumvirat, dessen letztes Mitglied, E-manuelDeutz," im Jahre 1842 verstarb), war der im Jahre 1846 gewählte Marchand Ennery. Er war ein tüchtiger Tälmudist und galt als ein Heiliger. Auf ihnfolgte der gelehrte S a^l o m.o n U1 m a n n, der im Jahre 1865 starb. Nach dem Tode Ulmanns wurde der frühere Oberrabbiner von Paris, Isidor, zum Grand-Rabbin de France gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1888. Kurz darauf wurde der Oberrabbiner von Paris, Zadoc Kahn, an seine Stelle gewählt Er zeichnete sich durch" Herzensgüte und Toleranz in hervorragender Weise aus. Es ist noch zu erwähnen, daß Baron Gustav von Rothschild jetzt ziim drittenmal bei den Wahlen eines Oberrabbiners von Frankreich den Vösritz führen wird. O ff □ □ □ □ □ □ FEUILLETON □.□ □ □ □ oj) o NACH ZION Von Abraham Goldfaden Übersetzung aus dem Jüdischen*) Wirst wohl fragen: Na; wo steckst du Und was treibst du und wie geht's? — Nun, mein Kamerad, du weißt ja: Wie die Biene war ich stets. Meine Seele, in dem Weltwald Fliegt sie summend her und hin, .Und aus jeder Lebensblume Liebt sie neuen Saft zu ziehn. . *) Bruchstück aus dem Zyklus „Der Kolonist in Palästina" des kürzlich verstorbenen Volksdichters, das ihn von der satirischen Seite und zugleich als warmfühlenden Zionisten zeigt. Gleich der Biene: süßen Honig Fabrizier ich emsiglich; Alle lecken, alle schlecken Von dem Honig, — nur nicht ich. Sagt, ihr nimmermüden Bienen, Warum müht ihr euch so heiß? Seht doch, lebende Maschinen, Wer sich nährt von eurem Fleiß: Der Konditor nimmt den Honig Und macht — Geld draus allsogleich, — Und ein fremder Herr Direktor Nimmt mein-Werk und wird dran reich.