Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Opatów 1× ep/1047788
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Originalbriefen der Emigranten, die in einfacher, ungekünstelter Weise ihre neue Lage schildern und ihre Anerkennung den Leitern des Emigrationsdepartements aussprechen. Aus diesen Briefen, wie auch aus der ganzen Zusammenstellung der uns zur Verfügung stehenden Daten, ist ersichtlich, daß die kommerziell-industriellen Unternehmungen, bei denen unsere Auswanderer Anstellung gefunden haben, ihre Arbeit in befriedigender Weise und in manchen Fällen in einem noch höheren Maße belohnen. Der Minimallohn beträgt 1,75 Dollar pro Tag oder 45 Dollar, d. s. 90 Rubel pro Monat. Bezeichnend ist auch die Tatsache, daß viele Auswanderer kurz nach ihrer Ankunft beginnen, ihren Familien Geld zu senden und daß einige sogar Summen für die Oberfahrt ihrer in Rußland zurückgebliebenen Familien gesandt haben. Da die Ausnahmen die Regel nur bestätigen, so lassen die Einzelfälle des Mißlingens die allgemeine Tatsache nur desto klarer erscheinen. Einer dieser Einzelfälle war die „Geschichte" des AuswanderersMoses Opatowski, die die Sensation den amerikanischen Presse aufgegriffen und die dann in europäische Preßorgane übergegangen ist. Die Erklärung Opatow^kis, man habe ihm gewaltsam den Bart geschoren und mißhandelt, stellen sich als ein'Produkt seiner durch Alkohol genährten Imagination dar. Zusammen mit anderen Auswanderern wurde er nach der Stadt Pueblo (Colorado) gebracht, jedoch mochte er infolge seiner verdorbenen Eigenschaften dort nicht bleiben, während die anderen Auswanderer bis jetzt dort leben und mit ihrer Lage zufrieden sind. Zwei von ihnen, David Wielnowetzki und Judel Karakowski, haben wegen diesen Vorfalls folgendes dem Emigrationsbureau der Ito geschrieben: „Pueblo, den 17. Oktober 1907. Kaum sind wir nach Pueblo angekommen, als man uns mit großen Ehren nach einer Wohnung gebracht_hat, wo man uns im Laufe einiger Tage Speise und Trank im Oberfluß gab. Dann begann einer von uns, Karakowski, auf einer Eisenfabrik zu arbeiten, während der andere sich dem Rauchwarenhandel zugewandt hat. Wir sind, Gott sei Dank, zufrieden und danken -dem Bureau dafür, daß es uns nach einen so günstigen Orte gesandt hat. Wir machen die Leiter des Bureaus darauf aufmerksam, daß. sollte von jemandem ein Brief einlaufen," als ob man ihn nicht gut eingerichtet hätte, so ist cias pure Lüge. Dieser Mensch -will nicht arbeiten und hetzt auch die anderen Auswanderer. Wir nehmen uns die Freiheit, euch zu versichern, daß, wer arbeiten will, sich sehr zufrieden fühlt; es ist, Gott sei Dank, Arbeit genug vorhanden. Wir äußern Ihnen abermals unseren Dank dafür, daß Ihr uns nach einem Orte gesandt habt, wo Arbeit vorhanden ist. Und schreibt man euch, daß es hier schlimm sei, so erklären wir, daß wer dies schreibt, ein schlechter Mensch ist". Das ist die Wertschätzung, die die Auswanderer selber Opatowski zuteil werden lassen. Wir können zur nähern Charakteristik Opatowskis noch hinzufügen, daß er schon in Rußland seine Machenschaften begonnen hat: er hatte seine „Anweisungen" einem andern verkauft, und uns erklärte er, er hätte sie verloren. Der Betrug wurde indes entdeckt. Als Pendant zu den Erzählungen über die „Flucht" der Auswanderer wird auc-h ein Brief des Interesses nicht entbehren, den wir aus Memfis (Tennessee) vom Auswanderer Jakob Rieznicki aus dem Städtchen Ruzany erhalten haben: Seid um mein Schicksal unbekümmert; ich habe mich, gottlob, etabliert und bin der Ito sehr dankbar für alle Sorgen und Mühe, die sie für mich hatte. Alles, was die Zeitungen über Sklaverei und dgl. schreiben, ist unwahr. Man hat niemand geknechtet, und man kann es auch nicht. Ist jemand mit einer Arbeit in einem Orte unzufrieden, so steht es ihm frei, nach einem andern Orte zu gehen. Niemand darf einen Arbeiter gewaltsam zurückhalten. Übernimmt jemand eine schwere Arbeit, so tut er dies für seinen eigenen Nutzen: je schwerer die Arbeit, desto höher die Besoldung." Das ist die Wahrheit über die „Flucht" der Galvestoner Auswanderer. In amerikanischen Blättern erschien auch eine „Beschwerde" von vier Auswanderern aus Chodorkar, die ihrer Unzufriedenheit Ausdruck gegeben, daß man sie nach einer Stadt geschickt hat, wo nur wenige Juden leben und wo auch diese wenigen wenig Interesse für sie haben und daß sie infolge der Unkenntnis der Sprache keine Arbeit finden können. Nach der Prüfung dieser Beschwerde stellte es sich heraus, daß zwei von diesen Auswanderern, Janikiel Parewski find Berel Öswolinski, ihrem Berufe nach Möbelarbeiter, nach einem Verlauf von zwei Tagen Arbeit bekommen haben und zwei Dollar pro Tag verdienen konnten, daß sie aber diese Arbeit aufgegeben und eine andere Arbeit, die ihnen besser paßte, begonnen haben. Bei letzterer sind sie auch geblieben. Moses Juszynski, ein Faßbinder, bekam nach fünftägigem Aufenthalt eine Beschäftigung, bei der er 2.50 Dollar pro "Tag verdient und er setzt seine Arbeit fort; Noah Öswolinski, Metzger, hatte früher in einer Selcherei Arbeit mit einem Monatsgehalt von 25 Dollar bekommen; er war aber für diese Arbeit untauglich, und man fand für ihn eine andere Arbeit, bei der er 1.50 Dollar pro Tag verdient Alle diese oben erwähnten Auswanderer erfreuten sich seitens des lokalen Komitees der sorgfältigsten Aufmerksamkeit und bekamen verschiedene Unterstützungen. - " Wir könnten mitgroßer Mühe nur noch einige Fälle von Unzufriedenheit anführen, deren Grund vorwiegend in /einem ungenügenden Anpassungsvermögen an die neuen Lebensbedingungen liegt. Aber wir können einwandsfrei sagen, daß all diese- Unzufriedenen kaum 1 °/o der von uns abgesandten Auswanderer ausmachen. Und wenn die jüdische Presse der jüdischen Auswanderermasse einen Dienst leisten will, so darf sie picht außer acht lassen, daß 99 °/o sich sehr gut eingerichtet haben.' Ist nun Grund dafür vorhanden, den jüdischen Auswanderer, denr die westamerikanischen Staaten eine so große Wahrscheinlichkeit des- Verdienens und des Wohlstandes bieten, umsonst zu ängstigen? Übrigens richtet sich der jüdische Auswanderer, allem Anscheine nach, nach seiner eigenen und eigenartigen Presse, die er in der Gestalt von Postkarten von seinen Verwandten und Bekannten erhält. Dadurch erklärt sich der Umstand, daß der temporäre Stillstand, der durch die amerikanische Krisis hervorgerufen worden ist die Juden, die nach Westamerika auswandern wollen, veranlaßt uns Briefe voll Ungeduld zu schreiben. Es hat sich in der letzten Zeit bei uns und bei unserer Abteilung eine große Masse von Emigrationskandidaten angesammelt Nach unserer übergroßen Korrespondenz zu urteilen, wächst das Interesse für die Galvestoner Auswanderung mit jedem Tag. Wir erachten es im Anschluß an das Obengesagte für notwendig, mitzuteilen, daß wir nicht nur nicht unsere Emigrationstätigkeit wie manche Blätter behaupteten, aufgegeben haben, sondern im Gegenteil, daß wir mit dem nächsten Dampfer, der Bremen am 2. Februar alt St verläßt, eine neue Emigrantenpartie nach Galveston senden. In der Hoffnung, daß die Redaktion-der „Welt" die Veröffentlichung dieses Schreibens nicht ablehnen wird; verbleiben wir mit ausgezeichneter Hochachtung Für das Zentral-Emigrantenbureau der Ito: Dr. N. Mandelstamm, L. Paperin Kiew, 5. Jan. (alt. St.) 1908. Anmerkung der Redaktion. Man geht sehr irre, wenn man meint die Preßorgane, die, die Klagen, die sich auf vereinzelte Vorkommnisse beziehen, veröffentlicht haben, hätten für den Erfolg des "rühmenswerten Wohltätigkeitsversuchs, den wir der Munifizenz des Herrn Schiff u. a. und der eifrigen Arbeit der Ito-Bureaus zu verdanken haben, weniger Sympathie als das obenerwähnte Emigrationsdepartement. Niemand betrachtet die Emigration nach dem fernen Westen als eine Parteiangelegenheit; die Unterstützung der Auswanderer, die Informierung, die Verteilung sind" eine gemeinnützige Arbeit mit der sich alle jüdischen Institutionen . seit vielen Jahren beschäftigen. Einzelfälle von Mißbrauch oder schlecht angewandter Hilfe wurden immer veröffentlicht und wie man auch in diesem Falle sieht führt die Veröffentlichung zu einer Prüfung und zu einer Richtigstellung, der wir gerne Raum geben. . Herr Joseph Cowen ersucht uns um Abdruck beifolgenden Briefes, den er an verschiedene Zionisten gerichtet hat. London E. C, 30th. January 1908. 2 Gresham Street Geehrter Herr! Ich erlaube mir, Sie ergebenst und dringendst um Ihre Mithilfe in der Opposition gegen die Abänderung des Memorandums des Jewish Colonial Trust zu bitten. Falls weitere Argumente gegen die Abänderung notwendig sind, so gestatte ich mir, Ihre Aufmerksamkeit auf den Brief des Herrn Keßler in Nr. 5 der „Welt" zu lenken, zu welchem ich noch hinzufügen möchte, daß wir nach meiner festen Überzeugung im Interesse der Kolonisation Palästinas, des Jewish Colonial Trust, der zionistischen Bewegung und des jüdischen Volkes im besten Sinne des Wortes handeln, wenn wir die Abänderung der Statuten zu verhindern suchen. Wollen Sie die Güte haben, soviel Formulare A oder A und B als möglich (ich sende Ihnen dieselben unter Separatkuvert) von den Aktionären ausfüllen, unterzeichnen und an den Sekretär des Jewish Colonial Trust bis spätestens Ende Februar senden zu lassen. Sollten Sie noch mehr Formulare benötigen, so werde ich Ihnen dieselben mit Vergnügen einsenden. Indem ich auf Ihre gütige Mithilfe rechne, zeichneich mit Zionsgruß Hochachtungsvoll Joseph Cowen P. S. Diejenigen, welche bereits das frühere Formular Nr. 1 ausgefüllt und der Bank gesandt haben, müssen jetzt Formular A und Formular B unterzeichnet einsenden.