Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1908-02-07 · 6 (7.2.1908) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
6 (7.2.1908)
Date
1908-02-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316296-3316303--50267-3377256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des Odessaer. Komitees äußerte sich hier lediglich'darin, daß es den Kolonisten den Boden gegen langfristige Ratenabzahlungen, mk der strikten Verpflichtung; im Laufe von 12 Jahren die Schuld mitsamt zwei Prozent Zinsen ganz zu tilgen, zur Verfügung stellte. In allem andern sind die Kolonisten sich selbst überlassen und auf sich selbst angewiesen. Es war somit der erste Versuch, durch langfristigen Agrarkredit der Privatinitiativ« in der Kolonisationsarbeit tatkräftig entgegenzukommen. Im ganzen beträgt die Kaufsumme von Ber-Jakob 72000 Frs., wozu die Kolonisten von vornherein 25 Prozent beitrugen, während das übrige vom Odessaer Komitee beigesteuert wurde. Das Komitee übernahm dabei keine Verpflichtung und Verantwortung für die weiteren Geschicke der Kolonie, ja, es betonte nachdrücklich; es werde die Bodenschuld der Kolonisten mit .aller Strenge einkassieren und nötigenfalls sogar vor dem Äußersten, der Einziehung des Bodens, nicht zurückschrecken, da es sich um einen für das Kolonisationswerk überaus wichtigen -Versuch mit Agrarkredit handelt. . . Die an einem wunderschönen Chanukkahtag stattgehabte Grü ndungsf ei er" gestaltete sich zu einer glänzenden Kundgebung des neuen, schaffenden, bauenden, säenden, pflanzenden Judentums Palästinas. Zur Feier erschienen die meisten Kolonisten aus Rischon, Rechoboth, Wadi-Chanin, viele aus Ekron u. a. m. Die Schulen der genannten Kolonien erschienen vollzählig. Es war eine freudige, würdige und erhebende Feier, und rührend war der Anblick, wie die Fahnen der verschiedenen Kolonien sich trafen und zum gegenseitigen Gruß geschwenkt wurden. Warme, aus dem Herzen kommende Reden wurden gehalten, und man hatte allgemein das stolze, erhebende Gefühl, daß an diesem Tage eine neue Position im Lande der Väter für die Kinder erobert wurde. " Das Menschenmateriai, welches berufen ist, diesen Vorposten auszubauen und zu verteidigen, scheint ein vorzügliches zu sein. Es ist ein kräftiger, tüchtiger Menschenschlag, zum Teil aus bewährten palästinensischen Landarbeitern, zum Teil aus kaukasischen Bergjuden bestehend. Und schon wird in Ber-Jakob mit vollem Dampfe gearbeitet. Fast alle Kolonisten haben bereits ihre Felder gepflügt,-viele sind auch schon mit dem Säen fertig, manche legten Gemüsegärten an, die meisten begannen auch die Anlage von Mandelplantationen. Die Mehrzahl wohnt 'vorläufig in Rischonle Zion und in den anderen benachbarten Kolonien. Viele haben sich aber bereits in Ber-Jakob niedergelassen, wobei sie sich vor der Hand, mitunter zusammen mit ihren Familien, in Bretterhütten, und häufig in^noch primitiveren Unterschlüpfen eingerichtet haben. Der Bergjude Monuach ben Aba, Inhaber von 3 Parzellen (insgesamt wurde Ber-Jakob in 41 Parzellen ä 50 Dunam eingeteilt, die 26 Eigentümern gehören), hat sich eine Tscherkessenhütte errichtet, in der er mitsamt seiner Mutter, zwei Brüdern und deren Frauen haust; ein persischer Jude, namens Simon Tow, „wohnt" in einem Leinwandzelt, usw. Mehr als Ber-Jakob verdient indes die im Entstehen begriffene Arbeitersiedlung in Fedge bei Pethach-Tikwah ein Musterversuch genannt zu werden. Das Odessaer Komitee stellte zur Gründung dieser Kolonie einen Agrarkredit von 40 000 Frs. zur Verfügung. Die Hälfte dieser Summe ist ihm zu diesem Zweck vom Jüdischen Nationalfonds darlehensweise gewährt worden. Die Gründer ließen sich hierbei von der Absicht leiten, einen neuen Typus seßhafter Arbeiter zu schaffen, die neben der üblichen Beschäftigung in der benachbarten Kolonie als landwirtschaftliche Arbeiter über ihr eigenes Häuschen, ihre eigene kleine-GartenWirtschaft und kleines Ackerfeld verfügen und so sich in der arbeitslosen Zeit über Wasser halten können. In dem vorliegenden Falle gewinnt Pethach-Tikwah an der Arbeiterkolonie zu Fedge einen Stab bodenständiger, an Pethach- Tikwah gefesselter Arbeiter. Pethach-Tikwah und Fedge werden auf diese Weise durch einander gefördert und unterstützt Im ganzen beträgt die Bodenfläche der Arbeiterkolonie zu Fedge 522 Dunam. Davon erhalten einige 30 Arbeiter je 15 Dunam. Einige 20 Dunam sollen als Bauplätze von je 2 Dunam parzelliert und einer Reihe von Pethach-Pikwaer Handwerkern und Ladenbesitzern, die sich in Fedge ihre Häuschen errichten möchten, überlassen werden. So wird Fedge insgesamt 46—50 Hauswirtschaften erhalten. — Der Palästinarat Die verschiedenen Organisationen und Vereine entfalteten während der Wintermonate eine sehr rege Tätigkeit. Der Palästinaiat hielt im Laufe der letzten Wochen vier Sitzungen ab, die neben den Organisations- und Programmfragen des Rates den wichtigsten jüngsten Ereignissen und Erscheinungen im öffentlichen Leben Palästinas gewidmet waren. Unter anderem wurde auch über den Prozeß von Gederah und über Fedge beraten. Das Ergebnis der Beratungen über Aufgaben und Organisation des Palästinarates gipfelte darin, daß es als Aufgabe des Rates fixiert wurde, die palästinensische Bevölkerung zu organisieren, die öffentliche jüdische Meinung über unsere Aufgaben in Palästina aufzuklären .und ein einmütiges Vorgehen und planmäßiges Zu-, sammenarbeiten aller zionistischer Institutionen der. Diaspora zu erzielen. Der Palästinarat setzt sich zusammen: 1. aus Vertretern der zionistischen Institutionen der Diaspora (den Mitgliedern des großen A. C, den Vertretern des Odessaer Komitees, der „Geülah"- Gesellschaft, der A. P. C, der Gesellschaft Karmel); 2. aus je einem Delegierten sämtlicher palästinensischer Organisationen (den „allgemeinen" Ziohisten, des „Hapoel-Hazoir" der Poale Zion, des Lehrerverbandes). Die Mitglieder des -Rates haben das Recht, Vertreter der Kolonien und Städte zu kooptieren. Aus der Mitte des Rates wurde ein permanentes Bureau von fünf Mitglieder gewählt ^ie Herren Dr. Chissin, Scheinkin, Safir, Diezengoff und Trietsch). Als Vorsitzender des Rates — und somit auch Leiter des Bureaus — wurde Herr Dr. Chissin gewählt. — „Hapoel-Hazoir" Eine rege Tätigkeit entfaltet gegenwärtig die Arbeiterorganisation „Hapoel Hazoir", insbesondere in ihrem, gleichnamigen Organ. — Das Organ wurde in Palästina ungemein günstig aufgenommen. Hunderte von Exemplaren wurden in den größeren Städten an einem Tage abgesetzt. In Jaffa wurde aus Anlaß des Erscheinens der ersten Nummer eigens eine Feier abgehalten, wobei für den Preßfonds 55 Frs. gesammelt wurden. * Von der Tätigkeit des Hapoel Hazoir verdient besondere Erwähnung die Gründung und Unterhaltung einer eigenen, vorzüglich funktionierenden Küche in Jerusalem, der Bibliotheken in Jerusalem und Pethach Tikwah, die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen, ferner die verschiedenen agitatorischen und organisatorischen Parteiarbeiten und ihre rein professionelle Vereinstätigkeit. In letzter Zeit wurde in Jaffa ein „Bund der professionellen Vereine" gegründet. Gegenwärtig werden Schritte getan zur Gründung einer „Kooperativen Gesellschaft zur Schaffung der für die jüdischen Arbeiter in Palästina nötigen Institutionen". — Chanukkah in Palästina Das Chanukkahfest wurde dieses Jahr in sämtlichen Städten und Kolonien Palästinas mit großer Feierlichkeit begangen. Besonders zeichneten sich die Schulfeiern in Jaffa und Jerusalem aus. Die Schüler der älteren Klassen des hebräischen Gymnasiums zu Jaffa unternahmen' gemeinsam mit den Lehrern einen Ausflug nach Mödin, der Geburtsstätte der Makkabäer, welches fünf Stunden von Jaffa entfernt liegt. . Eine sehr gelungene Feier veranstaltete die Jaffaer Ortsgruppe des Hapoel Hazoir. Außer der glänzenden Festrede Dr. Mossinsohns fanden Rezitationen, musikalische Vorträge und lebende Bilder statt. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die hebräische Sprache die Feier ausschließlich beherrschte. In echt palästinensischer Art wurde das Chanukkahfest in RiscJionle Zion gefeiert. Hier arrangierten die Arbeiter eine Prozession

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.