Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 5 (31.1.1908)
- Date
- 1908-01-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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für die Ansiedlung verfolgter russischer Juden in Australien Propaganda zu machen, die infolgedessen Geldspenden von unsern Glaubensgenossen erhielt, dann den Spieß umdrehte und behauptete, sie sei ein Gegner der Fremdeneinwanderung. Nach dem Tone, der aus einem Interview spricht, das eine unserer Tageszeitungen mit dem Sekretär der Liga gehabt hat, und das bisher nicht dementiert wurde, scheint es eine Tatsache zu sein, daß die Mitglieder der Liga mit antisemitischen Vorurteilen durchtränkt sind. Der Bericht selbst ist zwar sehr lang, enthält aber keinerlei Angaben über die Stärke der Mitgliederzahl des Vereins, obgleich dieses die Öffentlichkeit sicher sehr interessiert hätte. Es scheint, daß man dieser Gesellschaft eine viel zu große Bedeutung beigemessen hat. Sie ist zwar sehr energisch, indessen scheint sie weder viele, noch hervorragende Mitarbeiter zu besitzen. Die Kiewer Pogromverbrecher vor Gericht Aus Kiew wird uns geschrieben: Wer waren die Pogromverbrecher, denen jetzt in reichem Maße kaiserliche Begnadigung zuteiL wird? Darüber gibt die eidliche Aussage des Gütsbesitzers Straschewski vor dem Kiewer Gericht, vor welchem die Tragödie des Pogromes jetzt aufgerollt wird, Auskunft. Straschewski beobachtete durch das Fenster seiner Wohnung, wie das Haus von Margolin geplündert wurde. Nach der Aussage dieses einwandfreien Zeugen drangen in die Wohnung von Margolin vier Pogromübeltäter unter der Anführung einer Person, die die Uniform eines Schutzmanns trug. Der Zeuge und andere Personen, im ganzen ungefähr sechs, standen an der Tür des Balkons ihres Hauses und sahen, wie die Pogromleute alles im Hause Margolin demolierten. Auf der Straße standen Soldaten, in deren Anwesenheit der Pogrom andauerte. — Rechtsanwalt Kalmanowitsch wendet sich an den Zeugen mit der Frage: Es gab also mehr Zuschauer des Pogroms, als Pogromräuber selbst? Zeuge: Jawohl. Warum haben Sie vdenn keine Maßregel getroffen, um den Pogrom einzustellen? Wir erhielten die Warnung, daß man . auf uns schießen wird, wenn wir uns nach unten begeben würden. Von wem haben^ie denn diese Warnung bekommen? — Von einem Offizier in Polizeiuniform. Eine ähnliche Warnung erhielten wir auch von dem Polizeimeister, als wir auf den Balkon heraustraten. Zur selben Zeit zog ein patriotischer Demonstrationszug auf der Straße vorbei. In welchen Ausdrücken wurde Ihnen von dem Polizeimeister diese Warnung erteilt? Er sagte: Schließt den Balkon und kommt nicht zum Vorschein, sonst werde ich schießen lassen. — Polizei und Militär waren also auch nach dieser Aussage, wie nach vielen anderen Aussagen im Prozeß, die Organisatoren des Pogroms. Die russische Korrespondenz erhält noch folgende Mitteilung aus Kiew: In dem Prozeß gegen die Veranstalter der Judenhetzen in Kiew hat das Gericht in weitgehendster Weise alle von dem Verteidiger geladenen Zeugen zugelassen. Dagegen sind die Zeugen der geschädigten Juden, die als Privatkläger auftreten, abgelehnt worden. Infolge dieser parteiischen Stellungnahme des Gerichts verließen sämtliche Vertreter der geschädigten Juden den Gerichtssaal, nachdem sie vorher folgende Erklärung zu Protokoll gegeben haben: „Wir wollten den Beweis führen, daß die Hetze wohlvorbereitet und organisiert war, da aber das Gericht uns verbietet, die Tätigkeit der Truppen und der Polizei während der Hetze zu berühren und die Vernehmung unserer Zeugen ablehnt, müssen wir auf die weitere Teilnahme am Prozeß verzichten". Czernowitz: Nach dem Muster des an der Wiener Universität bestehenden „Sozialwissenschaftlichen Bildungsvereins" hat sich hier ein „Sozialwissenschaftlicher akademischer Verein" gebildet. Zweck des Vereins ist Verbreitung wissenschaftlicher und insbesondere sozialwissenschaftlicher Kenntnisse. Dies wird angestrebt: a) durch Vorträge und Diskussionen, b) durch Errichtung einer Bibliothek und einer Lesehalle, c) durch Verlag von Druckschriften. Im Verlage der jüd.-akad. Verbdg. „Unitas", Wien, erscheint demnächst die. in der Hochschuldebatte im österreichischen Parlamente vom Reichsratsabgeordneten Doz. Dr. Arthur Mahler gehaltene Rede als Broschüre. Preis pro Stück 20 h (Porto inbegriffen). Bei Mehrbestellung entsprechende Ermäßigung. Bestellungen nimmt entgegen: Jüd.-akad. Verbdg. „Unitas", Wien VIII. Auerspergstraße 21. —-- Miltenberg b. Frankfurt a. Main: Im Anschluß an die seit dem Jahre 1867 bestehende militärberechtigte Real- und Handelslehranstalt wird vom' 1. April 1908 ab, unter der Aufsicht des hiesigen Religionslehrers, Herrn Translateur, ein streng rituelles israelitisches Pensionat errichtet. PARTEIFONDS Tabelle über die Eingänge für den Parteifonds . bis Ende Januar 1908 Nach Landern geordnet Deutschland . . . . . .: . •.- . . . . =^17182:65 Rumänien . . . ... . . . . . . . „ 2857.70 Vereinigte Staaten von Nordamerika . . „ 2 674.60 Rußland.............. „ 1 89365 Belgien................. - „ 1 850.80 Österreich-Ungarn . . . . . ., . _ 1 583.12 England .............. „ 988.35 Holland............... . 653.60 Schweiz.............. 516.75 Frankreich.............. .. 172.— Palästina.............. „ 170.30 Südafrika............... „ 127.50 China................ „ 102.— Dänemark............. „ 66.30 Italien . . -.......:..... „ - 21.— Türkei ................. 16.— Zusammen Jt 30 876.32 Es erübrigt sich, dieser Tabelle ein Wort hinzuzufügen. Die Zahlen sprechen eine so deutliche Sprache von der Arbeit — und der Nichtarbeit in den einzelnen Ländern, daß ein Kommentar wirklich überflüssig"erscheint. Wir können nur dem dringenden Wunsche Ausdruck geben, daß die nächste länderweise geordnete Tabelle, die wir Ende Februar veröffentlichen werden, ein ganz «anderes Bild geben und uns endlich auch diejenigen Landesorganisationen an der Arbeit für den Parteifonds zeigen wird, die wir bisher mit Bedauern und mit schmerzlicher Enttäuschung vermissen mußten. Beim Zionistischen Zentralbureau in Köln eingegangen: Samuel Lafer, San Remo, zweite Rate JL 5.—,' David Suchowolsky, Bialystock Jt 4.10, S. W.. Köln JC 10.—, zusammen -JL 19.10. Sammlung des Herrn Dr. E. W. Tschlenow, Moskau.............Frcs. 1250.— Beim Jewish Colonial Trust, London, eingegangen: Hugo Urysohn, Moskau, Frcs. 150.—, cand. iur. Viggo Koppel durch Herrn Dr. Louis Fraenkel, Kopenhagen £ 3.5.0, Sammlung Getz Brothers Langlaagte durch die Herren E. Friedländer & Co. Ltd. Johannesburg £ 1.0.0, gesammelt von den Zionisten in St. Louis durch die Federation of American Zionists New York $ 500.— Sanunlung des Schweizerischen Zionisten-Verbandes: Dn Wormser, Basel Frcs. 20.—, M. Horn, Baden 10.—, Dr. C. Lew, Biel 25.—, Moritz Lew, Liestal. 10.—, Felix Fich. Biel 5.- , Albert Herz, Zürich 20.—, Meier- Fogal, Zürich, gesammelt 15.—, Moritz Heß, Winterthur , 5.—, Isaac Guggenheim, Winterthur 5.—, Adolf Neuhaus, Winterthur 5.—..Emanuel Biedermann, Winterthur 5.—, Max Biedermann, Winterthur 5.—, Marco Heumann, Winterthur 5.—, Alex Heumann, Winterthur5.—, Salomon Bloch, Winterthur 5—,Samuel Bollag-Wyler, Winterthur 5.— . Samuel Bollag-Heumann, Winterthür 5.—, J. Las- . kovsky 5.—, Wwe. Brunschwig 2.—, L. A. A. durch M. Levy, Liestal 5.—, M. Fogal 10.—, J. Horn 20.—, Schweiz. Landeskomitee 50.—, ferner 75 Beiträge ä 5 Frcs. von folgenden Personen aus Basel: Viktor Haas, Albert Haas, A. Haas-Netter, Paul Heymann, J. Half- Dreifus, Emil Grätz, S. Garfunkel, Julius Epstein, Frau Dreyfus-Strauß, Frl. Freder-Dreyfus, Dreyfus-Salomon, Dreyfus Strauß, Henri Dreyfus, Alfred Dreyfus, Friedr. Bloch, Jos. Rhein, Dr. Bamberger, Jos. Bollag-Bollag, Jak. Bloch (sei.), Leop. Braunschweig-Ettlinger, Mathias Braunschweig, Raphael Braunschweig, Sam. Bornstein. J. Braunschweig, jun., Jules Bloch-Bloch, Gustav. Brun-, schwig, Silvain Brunschwig, Frau Vve. Gustav Borach, J. Bollag-Feuchtwanger, Sigmund Bloch, BIoch-Roos,