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Die Welt · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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i/.^^ff^^r^'.ß}^.; 16 D1E23£ELT No. 5 Kolonialplänen befassen soll, welche auf Palästina und benachbarte Länder Bezug haben. Diejenigen, .welche anderer Ansicht waren, haben uns verlassen. Der letzte Kongreß hat jedem unbefangenen Beobachter klar gezeigt, daß ungeachtet gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten über untergeordnete Fragen der Mittel, vollständige Einigkeit im Zionismus herrscht über das Ziel. Deutlicher noch kam dies zum Ausdruck während der letzten Aktionskomitee- Sitzung in Berlin. Diese Tatsache allein sollte schon genügen . zur Beruhigung der argwöhnischen und ängstlichen Gemüter, welche auf eine Abänderung der Bankstatuten gedrungen haben. Auch in der Zukunft dürften Ostafrika oder ähnliche Vorschläge ebenso entschieden abgewiesen werden, wie in der Vergangenheit. Ich bin hiervon überzeugt, weil ich der Macht der zionistischen Idee voll und ganz vertraue. Deshalb aber auch halte ich eine Änderung der Bankstatuten für vollständig überflüssig, denn praktische Menschen verwenden nicht Kraft, Zeit und Geld auf die Verfolgung von Zielen, welche nützliche Resultate nicht liefern können. Allen denen, welche mit englischen Gesetzen und Geschäftsverhältnissen vertraut sind, war es von Anfang an klar, daß die geforderte Abänderung beträchtliche Kosten verursachen wird, und daß die Durchführbarkeit zum mindesten zweifelhaft sei. Das Bestreben nach Einschränkung unserer eigenen Rechte ist aber auch schädlich, weil es heute nur dahin gedeutet werden kann, daß den Zionisten Selbstvertrauen fehlt, daß sie selbst befürchten, sie könnten sich verleiten lassen, unsern zionistischen Zielen und Aufgaben untreu zu werden. Die Bank untersteht vollständig der Aufsicht des Großen Aktionskomitees resp. des von ihm gewählten Ausschusses des Aufsichtsrates. Die Mitglieder dieses sind von einem Kongresse gewählt worden, in welchem vollständige Einigkeit herrschte in bezug auf unser ursprüngliches Programm und die Notwendigkeit der Arbeit in Palästina. Wenn trotzalledem die Zionisten auch nur den geringsten Verdacht hegen sollten, daß der Aufsichtsrat gegen den zionistischen Willen handeln könnte, so möge man die Mitglieder des Aufsichtsrates auffordern, ihre Amter niederzulegen und diese durch unverdächtige Zionisten besetzen. Das waren, die Hauptgründe, welche mich bisher bestimmten, gegen eine Änderung der Statuten aufzutreten, abgesehen von vielleicht minder wichtigen Gründen, wie die beträchtliche materielle Schädigung der Bank durch das Prozeßverfahren und der zum mindesten zweifelhafte Ausgang des Rechtsstreites. Jetzt aber habe ich auch den Wortlaut der beantragten Veränderung gesehen und da haben sich weitere sehr gewichtige Bedenken bei mir eingestellt. Der Antrag lautet: „Die Machtbefugnis der jüdischen Kolonialbank, Kolonisatiönsunternehmungen zu fördern, soll auf Palästina. Syrien und andere Teile der asiatischen Türkei, die Halbinsel Sinai und die Insel Cyprus beschränkt werden." Der Wortlaut dieses Antrages zeigt, daß es während der wenigen Kongreßtage nicht möglich ist, in Ruhe alle die vielen Anträge, welche plötzlich gestellt werden, zu prüfen, bevor zur Abstimmung geschritten wird. Er zeigt, daß Anträge ohne reiflich vorher in Kommissionen durchberaten worden zu sein, je nach der augenblicklichen Kongreßstimmung unter Beifall oder Zischen angenommen oder verworfen . werden. Wenn wirklich eine derartige Änderung der Statuten durchgeführt werden sollte, dann würde es zwar erlaubt sein, die Mittel der Bank für die Kolonisation von Territorien zu verwenden, welche am roten Meere und persischen Golfe liegen, hunderte von Meilen von Palästina entfernt, dagegen aber wird es ungesetzlich sein, auf der afrikanischen Seite des Suezkanals, nicht mehr wie etwa 25 Meilen von der heutigen Grenze Palästinas entfernt, irgendetwas zu unternehmen. Selbst nicht in einem Distrikte, wo bereits lange vor der Eroberung Jerusalems durch Vespasian eine blühende jüdische Kolonie bestand, in Onia da, wo noch heute die Ruinen jüdischer Städte, von den Ara bern als Tel-el-Yahudiya bezeichnet, von der jüdischen Vergangenheit dieses Landstriches Zeugnis ablegen. Weiter gestattet die vorgeschlagene Einschränkung, uns zwar mit Cypern zu befassen, aber nicht mit Rhodus oder einer der anderen benachbarten Inseln, welche in unmittelbarer Nähe der kleinasiatischen Küste liegen, aber geographisch zu Europa gerechnet werden. Ich kann nicht glauben, daß sich die große Majorität unserer Zionisten der Tragweite der verlaugten Abänderung bewußt geworden ist, denn es ist doch undenkbar, daß man einem so unlogischen, so gefährlichen Antrage zustimmen konnte. Die Zukunft ist für uns alle dunkel. Wege, welche heute verschlossen sind, können sich in naher Zukunft öffnen und uns unsern Endzielen näher bringen. Wer weiß es? In demokratischen Staaten macht das Volk durch seine Ver- . treter Gesetze, gibt oder beschränkt Rechte und verändert sogar die Konstitution des Staates, wenn es dem souveränen Volke beliebt, aber niemals würde es eine außenstehende Macht anrufen, um ihre Rechte zu verkürzen. Der Zionismus aber, eine demokratische Volksbewegung, ruft das englische Gesetz, eine fremde Macht, an, seine eigenen Rechte und diejenigen unserer Nachfolger für alle Zeiten zu verkürzen und zu beschränken. Meine Oberzeugung gebietet mir, wenn es, was ich nicht hoffe, zur Weiterführung des Prozesses kommen sollte, mich den Opponenten der Beschränkung . unserer zionistischen Volksrechte. anzuschließen. Noch ist es Zeit zu überlegen und sich eines Besseren zu besinnen. Diejenigen, welche bereits das Formular Nr. 1 für die Veränderung der Statuten abgegeben haben, können noch ihre Stimmen zurückziehen, und sie haben die Pflicht es zu tun, wenn sie die Gefahren der Statutenänderung für unsere Bewegung erkannt haben. Der Starke und Mutige schämt sich nicht einzugestehen, daß er sich geirrt habe, und ich fordere alle Gesinnungsgenossen auf, sich mir anzuschließen, in dem Ersuchen an das Engere Aktions-Komitee, das Prozeßverfahren einzustellen. L. Kessler l— NACHRICHTEN Palästina ( Von unserem Spezialberichterstatter) Jaffa: Nach einer kurzen Unterbrechung beginnt die Einwanderung wieder zuzunehmen. Fast jede Woche-treffen Arbeiter und Handwerker hier ein. Ebenso interessant wie erfreulich ist es, daß sich darunter zum erstenmal auch amerikanische Einwanderer befinden. Der Typus des amerikanisch-jüdischen Arbeiters ist für Palästina ganz neu. Im Lande des Dollars sind die jungen Leute zu praktischen Anschauungen gekommen, sie befassen sich nicht mit endlosen Diskussionen über Theorien und Haarspaltereien, über „Klassenkampf und- „Zukunftsstaat". Und da sie zudem fast ausnahmslos im Besitze eines gewissen Vermögens sind, kann man in ihnen gewiß eine wertvolle Bereicherung des jüdischen Kolonistenmaterials sehen. In den letzten Wochen trafen auch mehrfach angesehene und wohlhabende Bürger aus Rußland hier ein, die man als Pioniere der jüdischen Bourgeoisie betrachten kann. Der Zustrom solcher kapitalkräftigen Elemente muß selbstverständlich auf das wärmste begrüßt werden. Erfreulich ist auch die Tatsache, daß die 1CA nach jahrelanger Untätigkeit ihre Arbeit hier wieder aufgenommen hat. Das Zentralbureau der „Iwriah", das laut Beschluß der letzten Konferenz nach Palästina verlegt worden ist, hat seine Tätigkeit begonnen. In Jaffa, Jerusalem, Beirut und verschiedenen Kolonien sind Zweigvereine gegründet worden. Herr Dr. Mosessöhn, der Sekretär der „Iwriah", hält im Auftrage des Zentralbureaus in Jaffa. Jerusalem und den Kolonien eine Reihe von Vorträgen über jüdische Geschichte und die Entwicklung Palästinas nach den neuesten Ergebnissen der Bibelkritik und der Palästinaausgrabungen. Auch ist beschlossen worden, eine Organisationhebräischer Hauslehrer zu schaffen, die hebräischen Unterricht von Haus zu Hans unentgeltlicherteilen sollen. Unter starker Beteiligung fand jüngst die Generalversammlung des hiesigen Kreditvereins statt, in der der bisherige Vorstand wiedergewählt wurde. Der Verein zählt jetzt 190 Mitglieder und' hat im Berichtsjahre ca. 60000 Francs Darlehn an seine Mitglieder gewährt. Rischon Ie Zion: Zu Beginn des Monats Schebat ist hier , ein Wetterümschlag eingetreten. Anstatt der üblichen Kälte herrscht jetzt eine unerträgliche Hitze, die die Weinbauern wegen ihrer möglichen schädlichen Folgen für die Ernte in Besorgnis setzt. Seit ca. zwei Jahren besteht hier unter dem Namen „Achusah". eine Gesellschaft für Landankauf. 23 Kolonisten sind an' ihr beteiligt Bisher hat die Gesellschaft.bereits ca. 2000 Dunam Land erworben. Auch die ICA hat sich an der Gesellschaft beteiligt und ihr beträchtliche Darlehen gewährt Neuerdings ist noch eine zweite Landerwerbsgesellschaft unter dem Namen „Rischonah" begründet worden, die demnächst einen größeren Komplex im naheliegenden Dorfe Zifriah kaufen will. Jüngst fand hier eine Versammlung von Aktionären des Jewish Coloriial Trust statt, in der sich fast sämtliche Aktionäre für die Abänderung der Statuten ausgesprochen haben. Nes-Zionah: Infolge des Ankaufs eines 700 Dunam großen Landgutes durch die „Geulah" sind die bisher getrennten Kolonien Wadi-Chanin und Nes-Zionah vereinigt und vergrößert worden. Der größte Teil der neu gekauften Ländereien soll baulichen Zwecken dienen und an die Familien der Landarbeiter in den

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