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Die Welt · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Gesellschaft liege zu wenig im Rahmen der Aufgaben des Nationalfonds. Dieser muß außerdem bestrebt sein, seine Mittel möglichst flüssig zu halten. — Hierauf folgte ein ebenso interessanter wie lehrreicher Vortrag des Herrn Dr. Waschitz über die jüdische Politik in Galizien. Auf Grund seiner intimen Kenntnis der Personen und Verhältnisse entwarf der Redner in kurzen Worten ein fesselndes Bild von der höchst erfreulichen Umwandlung, die in der Psyche der jüdischen Massen in Galizien, nicht zum kleinsten Teil dank der zionistischen Agitation, in den letzten Jahren vor sich gegangen ist. Die zionistischen Abgeordneten im Reichsrate haben durch ihr gesamtes Auftreten viel zur Hebung des Ansehens der Juden sowie zur Stärkung ihrer Selbstachtung beigetragen. Ratibor: Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt Dr. Heinrich Löwe-Berlin einen Lichtbildervortrag über „kulturelle Streifzüge im jüdischen Orient", der dem zahlreichen Publikum eine begeisternde Schilderung der Vorzüge der jüdischen Volksheimat Palästina bot. Österreich Donnerstag den 16. d. M. hielt das Lemberger Zentralkomitee der zionistischen Landesorganisation Galiziens eine Sitzung ab, zu der die Abgg. Stand und Dr. Gabel, die Parteiredakteure und der Herausgeber des „Tagblatts" Dr. Zipper zugezogen wurden. Nach einer eingehenden Debatte über die Parteipresse wurde die Haltung der jüdischen Nationalpartei bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Erwägung gezogen. Die Stimmung ist wohl für ein Eingreifen der Nationalpartei; die Entscheidung bleibt der am 26. d. M. in Lemberg zusammengetretenen galizischen Vertrauensmännerkonferenz vorbehalten. Die Herren Abgg. Dr. Gabel und Dr. Reich werden das statistische Material in Referaten verarbeiten, die der Konferenz zu unterbreiten sind. In den nächsten Tagen beginnt in Lemberg eine Palästinazeitschrift in jüdischer Sprache, „Serubabel", zu erscheinen. Rußland Neuerdings ist neben der immer stärker werdenden antisemitischen Strömung in den Regierungskreisen auch eine ausgesprochen antizionistische Tendenz wahrzunehmen. Die Bildung von Vereinen wird fast überall unmöglich gemacht und Versammlungen werden entweder verboten oder aufgelöst. So sollte am 18. Januar in Wilna eine Festversammlung zur Feier von Chamischo Osser B'Schwat stattfinden. Schon am 13. Dezember war die Erlaubnis der Behörde nachgesucht und erteilt worden. Die Versammlung war außergewöhnlich gut besucht, mehr als 1200 Personen waren anwesend. Der Festredner, Gg. Nissenbaum, hatte bereits eine halbe Stunde gesprochen, als die Versammlung von der Polizei plötzlich geschlossen und auseinandergejagt wurde. Auf die sofort eingelegte Beschwerde wurde barsch erwidert, es sei keine Erlaubnis für die Versammlung gegeben worden, die mündlich gegebene Erlaubnis beruhe auf einem Mißverständnis- Offenbar ist in den allerletzten Wochen eine Weisung an die Polizei ergangen, zionistische Versammlungen nicht zu dulden. Unter diesen Umständen liegt natürlich die zionistische Arbeit sehr darnieder. England Leeds: Am 19. Januar fand hier auf Veranlassung des Vereins Agudas Hazionim eine Volksversammlung statt Dem Meeting lag folgende Resolution vor: Die Versammlung drückt ihre unbedingte Anhänglichkeit an die Prinzipien des Zionismus als der einzigen wirklichen Lösung der Judenfrage aus. Sie beteuert ihr Vertrauen zu den Leitern der Bewegung, die der letzte Zionistenkongreß gewählt hat, und betont nachdrücklich, daß mit größter Energie für den Parteifonds gearbeitet werden muß. Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation am 2. Februar in Manchester macht die Versammlung nachdrücklichst auf die dringende Notwendigkeit einer besseren und tätigeren Organisation der Zionisten in England aufmerksam. Der Redner des Abends war Herr Greenberg, Mitglied des A. C. Nachdem er die Prinzipien der zionistischen Bewegung dargelegt und die hauptsächlichen Unterschiede zwischen der zionistischen und territorialistischen Anschauung begründet hatte, drückte er die Hoffnung aus, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, wo,eine gewisse Annäherung der beiden Organisationen zustande komme. Viele Territorialisten hätten erklärt, deshalb dem Territorialismus anzuhängen, weil sie, genau so wie manche Antizionisten, kein Vertrauen in die zionistischen Aussichten mit Bezug auf Palästina hätten. Dieser Anschauung trat der Redner entschieden entgegen. Er wolle keine falschen Hoffnungen erwecken, aber er habe guten Grund zu glauben, daß die zionistische Stellung in Bezug auf die Pforte in diesem Augenblick zu Unfriedenheit keinen Anlaß gebe. Der Beschluß des Aktionskomitees, eine Bankfiliale in Konstantinopel zu errichten, sei jedenfalls nicht zustandegekommen, wenn die politischen Aussichten in Konstantinopel so verzweifelt wären, wie man es gern darstelle. Die Versammlung nahm die Rede mit lebhaftem Beifall entgegen, eine Sammlung für den Parteifonds hatte ein gutes Ergebnis. In der abgelaufenen Woche fanden Versammlungen statt in Liverpool,, wo Herr Salomon Cohen über „Federzeichnungen vom letzten Zionistenkongreß" sprach, in New Tredegar, wo Dr. M. Salkind einen Vortrag über praktische Arbeit in Palästina hielt, und in der London Zionist League, wo Herr Beikind über Kiriath Sefer sprach. Belgien Das Landeskomitee der belgischen Zionisten hat die III. Jahreskonferenz der Belgischen Zionistenfederation auf Mittwoch den 29. Januar ds. Js. nach Antwerpen einberufen. Südafrika Kapstadt: Die hiesigen Zionisten veranstalteten Ende Dezember einen großen Bazar zwecks Deckiihg des Defizits aus dem Bau der Zionistenhalle. Der Bazar wurde vom Bürgermeister von Kapstadt eröffnet und erbrachte einen ausgezeichneten Erfolg. Bloemfonteine: Mr. S-Lenox Loewe sprach in der hiesigen Synagoge vor einem großen Publikum über „Die Bedeutung des Zionismus". Als Vorsitzender der Versammlung fungierte das Parlamentsmitglied Mr. W. Ehrlich. Johannesburg: Am 29. Dezember fand hier eine Massenversammlung, veranstaltet von dem United Johannesburg Jewish National Fund Club, statt. Vorsitzender der von mehr als 800 Personen besuchten Versammlung war Advokat Alexander. Zu Beginn der Versammlung verlas der Vorsitzende den Bericht des E.A.C. über die politische Tätigkeit des Präsidenten in Konstantinopel und führte aus, daß es nunmehr lediglich an dem guten Willen der zionistischen Masse liege, ob die politische Arbeit der Bewegung Erfolg haben solle. Auf Antrag des Herrn Schaksonowitz wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung hat den Bericht des Präsidenten des E. A. C. über unsere Beziehungen zu den türkischen Behörden mit größter Genugtuung entgegengenommen und bestätigt, daß die Johannesburger Zionisten nach wie vor das vollste Vertrauen haben, daß die Arbeit der Führer der Bewegung von Erfolg gekrönt sein wird. Auf Antrag des Herrn Benzion S. Hersch wurde außerdem noch eine Resolution angenommen, die den festen Willen der Versammlung ausdrückt, der Leitung die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen und insbesondere tatkräftigst die Arbeit für den Parteifonds zu unterstützen. Upington: In unserer letzten Versammlung wurden hier nicht weniger als £ 25.— gesammelt, 10 £ für den Nationalfonds, 3 £ für den Bezalel, 2 £. für Schekel und 10 £ für Aktien der Jüdischen Kolonialbank. In der nächsten Versammlung soll für den Parteifonds gesammelt werden.

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