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Die Welt · 1908-01-31 · 5 (31.1.1908) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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August 1906 unser hochverehrter Gesinnungsgenosse, der unermüdliche und tatkräftige Herr Ussischkin, anseine Spitze berufen, und siehe da! es geschah ein Wunder: im Laufe eines einzigen Jahres ist es dem neuen Vorsitzenden ' des Palästina-Komitees gelungen, die_ Einkünfte desselben von 19000 auf 50000 Rubel zu heben, und es sind. Anzeichen vorhanden, daß das zweite Jahr für das Komitee noch günstiger ausfallen wird. Natürlich sind der gebesserten materiellen Lage gemäß auch die Leistungen des Komitees in Palästina bedeutend gestiegen, und während man sonst in den letzten Jahren kaum etwas von dieser zu einem, kleinen Wohltätigkeitsverein zusammengeschrumpften Institution vernehmen konnte, hät sie jetzt. an Ansehen ganz gewaltig gewonnen und verspricht ein sehr bedeutender Faktor in unserer Kolonisation Palästinas zu werden. Und dabei war doch das verflossene Jahr wahrhaftig kein Jahr der Prosperität und der politischen Ruhe, zumal . in der Schreckensstadt Odessa nicht. Wir haben uns deshalb so lange bei diesem einen Beispiele aufgehalten, weil es am besten zeigt, daß man auch bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Rußland bedeutende Summen sammeln kann, wenn man nur energisch an die Arbeit geht und die richtigen Methoden anwendet. - Ja, die richtigen Methoden, — darüber möchte ich mir noch einige Bemerkungen schon aus dem Grunde erlauben, weil ich im Geldsammeln für Parteizwecke einige Erfahrungen besitze. Es ist in Rußland, absolut unmöglich, durch Vorträge allein sowie durch Zeitungsartikel, -Aufrufe und Zirkulare Geld zu sammeln, sondern manmuß einfach an jeden Spender einzeln herangehen, um den gewünschten Betrag zu erhalten. In Westeuropa, wo man eine freie, bis in die ärmste Hütte hineindringende Presse hat, wo die Massen in jahrhundertelanger politischer Betätigung wohldiszipliniert und geschult sind, braucht man h,ur im gegebenen Falle ah die Leute zu appellieren, um den gewünschten, -finanziellen Erfolg zu erzielen. So, hat z. B. die Sozialdemokratie von Groß-Berlin mehrere hundert 'Zahlstellen, wo die „Genossen* allwöchentlich freiwillig hinströmen, um den Parteibeitrag zu entrichten. Von diesem idealen Zustande sind wir in Rußland noch sehr weit entfernt. Zu einem zionistischen Vortrage in die Synagoge strömen unsere Massen in hellen Haufen, sie lauschen dem Redner mit großer Aufmerksamkeit und lassen sich leicht zu großer Begeisterung hinreißen. Am nächsten Tag aber geht jeder wiederum seinen Geschäften nach, an Sorgen und Kummer fehlt es bei uns gewöhnlich nicht, die gestrige Begeisterung ist verflogen, und kein Mensch denkt daran, mit seiner Spende sich an die Zahlstelle oder gar an. die Post zu bemühen. Dagegen, sucht man die Leute, in ihren armseligen Behausungen oder kümmerlichen Läden auf, so wird man nie, besonders wenn man es verstanden hat, vorher in Versammlungen Stimmung zu machen, mit leeren Händen ausgehen. Es ist bei uns eine tiekannte Tatsache, daß auch die wirksamsten Redner, wenn sie sich nur mit ihren moralischen Erfolgen begnügen, keine Gelder aufzutreiben vermögen^ während diejenigen Agitatoren, die nach den von ihnen abgehaltenen Versammlungen an die Leute herangehen, um ihre Agitation von Mund zu Mund fortzusetzen, die meisten Gelder der Partei zuführen. Wir möchten daher dem Zentralkomitee in Rußland sowie den lokalen zionistischen Organisationen besonders in den größeren Zentren raten, sich nicht mit Versammlungen und Zirkularen, Zeitungsartikeln und Aufruf en zu begnügen, sondern unmittelbar Sammlungen für den Parteifonds von Haus zu.Haus und von' Mann zu Mann zu organisieren, dann werden auch dieErfolge nicht ausbleiben, und wir russische Zionisten werden uns nicht mehr den bisher leider nur allzuberechtigten Vorwurf gefallen lassen müssen, daß' unsere Stärke nur im Nörgeln und Kriteln besteht, daß wir aber versagen, sobald es gilt, positive Opfer für die Partei zu bringen. Kein vernünftiger Gesinnungsgenosse wird uns russischen Zionisten einen Vorwurf daraus machen, daß wir so eifrig für ein rascheres Tempo in unserer Parteitätigkeit und besonders in allen Zweigen der Palästina-Arbeit eintreten, nur müssen wir uns dieses Stürmen und Drängen durch positive Arbeit und durch genügende Opferwilligkeit verdienen. Ich .möchte daher meinen lieben, so kritisch veranlagten und temperamentvollen Landsleuten zum Schlüsse zurufen: Wollt ihr euch das Recht der Kritik und des Vorwärtstreibens auf der nächsten,Jabreskonferenz und auf dem IX. Kongresse erwerben,, so sorgt für die Aufbringung der nötigen Geldmittel und sammelt vor allen Dingen ungesäumt und mit vollem Eifer für den Parteifonds! Ben-Ephraim Die russischen Juden in Amerika In der „Times" erscheinen seit einiger Zeit eingehende und ausgezeichnet geschriebene Berichte über Amerika und die Amerikaner. Der jüngste Brief behandelt die Frage der eingewanderten russischen Juden. Wir geben die bedeutsamen Ausführungen auszugsweise wieder, indem wir uns vorbehalten, darauf zurückzukommen. Nachdem der Verfasser dargelegt hat, wie sehr der Charakter New Yorks durch die Einwanderung bestimmt wird und daß New York die kosmopolitischeste Stadt der Welt sei, fährt er fort: Von allen Einwanderern sind die Juden die zahlreichsten. Besonders aus Rußland fluten die Juden in ungeheurer Zahl nach New York, in einem Einwanderungsstrome von wachsender/Größe. Und darum sei es mir gestattet, den russischen Juden in New York, dieser größten Stadt der Christenheit, deren fünfter Einwohner immer ein Jude ist, einen besonderen Artikel zu widmen. Der Artikel schildert hierauf die Entstehung der russischen Judenfrage, die Schaffung des Ansiedelungsrayons und führt aus, aus welchen Gründen die fussischen Juden sich zur, Auswanderung nach Amerika gezwungen sehen. „Die Reise über das Meer erscheint diesen modernen Juden nicht weniger riskant als ihren Vätern der Zug durch die Wüste, aber sie vertrauen auf die göttliche Führung und Hilfe und kommen in großen Scharen in dieses Land, in dem bereits 15 der Juden aller Welt wohnen, während sie doch nur ungefähr ls°o der Bevölkerung der ganzen Welt ausmachen. In New York allein wohnen jetzt 800 000 Angehörige des jüdischen Volkes, eine größere Zahl, als jemals auf einem Platz versammelt war, Jerusalem in seinen glänzendsten Tagen nicht ausgenommen. Was ist ihr Schicksal hier?, Finden sie in Amerika das Land der Verheißung oder bleiben sie auch hier die Fremden und die Wanderer, die ihre Väter waren. Eines Morgens während meines Aufenthaltes in New York, wo ich im Herzen des Ghettos wohnte, sah ich bei meiner Wanderung ' durch die "Straßen zwei hübsche jüdische Kinder, die eifrig den Eingang eines . jüdischen Theaters beobachteten. Zahlreiche Besucher, ohne Ausnahme Juden, strömten in das Gebäude und die Gesichter der beiden Kleinen drückten deutlich aus, daß sie zwar den Wunsch aber nicht die Mittel hatten, sich ihnen anzuschließen. In großen hebräischen Schriftzeichen kündeten die im Jargon abgefaßten Plakate an, daß darinnen eine Matinee „um der' Kinder willen" stattfände. Ich bot den beiden an, die Eintrittskarte für sie zu bezahlen. Sie' nahmen an-unter der Bedingung, daß ich das Einverständnis ihrer Eltern einholen und zu diesem Zwecke mit ihnen nach Hause gehe,

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