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Die Welt · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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folgenden Kompromisse. Die „Fortschrittler" gaben den Chassidäm „Carte blanche" in ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete der religiösen und rituellen Angelegenheiten, und diese verpflichteten sich ihrerseits, - die „Fortschrittler" in der Leitung der allgemeinen Gemeindeangelegenheiten und der Repräsentation nach außen nicht zu stören. Es ist klar, daß eine solche Sachlage jede nützliche und produktive Tätigkeit der Gemeinde ausschloß. Die an ihrer Spitze stehenden Persönlichkeiten waren unfähig, ihre Aufgaben zu erfüllen; die Bedürfnisse der jüdischen fassen waren ihnen unbekannt und sie verfolgten nur die Ziele ihrer persönlichen Ambitionen. Die anderen mangelnden Elemente setzten sich aus den eingefleischten religiös Konservativen zusammen, die eine jede Regung des fortschrittlichen Geistes fanatisch verfolgten. Seit dem Augenblicke aber, wo unter der jüdischen Bevölkerung Warschaus die jüdisch-nationale Idee Anhänger gefunden hat, das Bewußtsein der wesentlichen kulturellen Bedürfnisse entstand, und neue Gebiete der sozialen Arbeit enthüllte, erhoben sich Stimmen des Protestes gegen die Tendenzen und die Zusammenstellung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde. Vor 3 Jahren stellte schon die zionistische Organisation ihre eigene Kandidatenliste zu den Gemeindewahlen auf und erhielt eine ziemlich große Stimmenzahl. Gestimmt haben damals für diese Liste nicht nur die Zionisten, sondern auch der Teil der jüdischen Bevölkerung, welcher sich der Schädlichkeit des alten Regimes bewußt war. Dank dem Blocke der Assimilanten mit den Chassidim siegte aber damals noch der Block. "Die vor kurzem stattgefundenen Gemeindewahlen zeigen indessen eine andere Physiognomie und ihre Resultate bilden einen Wendepunkt in der Geschichte der Warschauer jüdischen Gemeinde. . Die Wahlen ergaben das Resultat, daß der Gemeindevorstand zu einem Drittel aus Zionisten besteht. Die zwei hervorragendsten und ältesten Vertreter der Assimilation, Dr. Nußbaum und Prof. Dickstein, welche den spiritus movens der assimilatorischen Gruppe bildeten, wurden nicht gewählt, und den Rest des Vorstandes bilden Assimilanten mäßigeren Charakters und Chassidim. Der Sieg der Zionisten ist dem Umstände zu verdanken, daß die Chassidim der Pression seitens der jüdischen Massen unterlagen, ihre alte Taktik änderten und die zionistischen Kandidaten unterstützten. Die Wahlkampagne wurde von 'den Zionisten mit einer ungewöhnlichen Energie geführt und vom besonderen Verdienste war hier die Tätigkeit des „jüdisch-nationalen Klubs." Der Sieg der nationalen Elemente bei diesen Wahlen ist ein wirklicher Sieg der jüdischen Demokratie. Während die Assimilanten ihren ganzen Einfluß der Macht einiger reichen jüdischen Familien verdanken, welche die Börse terrorisieren und durch Handelsbeziehungen einen Druck auf die zahleiche Klasse der Kaufleute ausübten, wurden die Zionisten vor der jüdischen Kleinbourgeoisie und der bewußten demokratischen jüdischen Intelligenz in den Gemeindevorstand gewählt. Die Zionisten werden in der Gemeinde die Minorität bilden. Doch die Tatsache, daß sie in die Gemeinde gewählt wurden, und der moralische Einfluß, den" sie zweifellos auf andere Mitglieder ausüben werden, läßt vermuten, daß die künftige Tätigkeit der Gemeinde größere Erfolge auf dem Gebiete des Volkswohls aufweisen wird, als es in früheren Jahren der Fall war. Gewählt wurden die folgenden Zionisten: J. Levite, L. Davidsohn, S. Lurje, Dr. Z. Bychowsky, Rechtsanwalt J- Cohn. Die zionistische Kopeken-Bibliothek .Ein ganz eigenartiges und großartiges Unternehmen ist von unserem Gesinnungsgenossen Dr. Sapir in Odessa in die Wege geleitet worden. Auf seinen vielen Agitationsreisen hatte er lebhaft empfinden gelernt, wie sehr die Bewegung in den kleinen und kleinsten Ortschaften des Ansiedelungs-Rayons unter dem Mangel geistiger Anregung, die dort so leicht nicht zu beschaffen ist, zu leiden hat Aus diesem Gedankengange heraus faßte er den Plan, volkstümliche Broschüren über sämtliche Fragen des Zionismus und der nationalen Bewegung überhaupt in Millionen von Exemplaren zum Preise von einer Kopeke pro Stück unter die Massen zu bringen. Trotz der großen Schwierigkeiten, die der Ausführung im Wege standen, gelang es ihm doch, seine Idee zu verwirklichen. .Die besten zionistischen Federn stellten sich in den Dienst dieser ausgezeichneten Sache und so gelang es, in verhältnismäßig kurzer Zeit die ersten Anfänge zu einer umfassenden zionistischen Volksbibliothek zu legen. Als erste Broschüre erschien ein vom Veteran der Palästinabewegung M. L. Lilienblum verfaßter Bericht über die Geschichte von Rischon le Zion. Die zweite Broschüre, die die Erfolge der jüdischen Kolonisation in Palästina während der letzten 25 Jahre behandelt, hat M. Ussischkin zum Verfasser. Dr. Sapir selbst hat eine Broschüre: „Der VIII. Zionistenkongreß im Haag" beigesteuert. Wladimir Jabotinski behandelt: „Das Basler Programm". Die fünfte. Broschüre von Seh. Schwarz berichtet über den Schekel, die sechste und bisher.letzte trägt den Titel: „Warum Palästina?" und hat Jacob Rabinowitsch zum Verfasser. Im Erscheinen begriffen sind: Dr. Pasmanik: „Die Verwirklichung des Zionismus", L. Jaffe: „Lieder für das Volk". Für die weiteren Publikationen sind u. a. gewonnen Professor Warburg, Lilienblum, Temkin, Trietsch, Schatz und andere. Das Unternehmen erfreut sich schon in den weitesten Kreisen eines großen Anklanges." Jede Broschüre wird zunächst in einer Auflage von zirka 25000 Exemplaren hergestellt Die Broschüren Ussischkins, Jabotinskys und Schwarz erlebten bereits mehrere Auflagen. In letzter Zeit laufen auch aus dem Ausland, aus Galizien, Rumänien, England, Südafrika und Amerika Bestellungen auf Tausende von Exemplaren ein. Die Broschüren sind durchweg in russischer und jüdischer Sprache geschrieben.. Rumänien Landesdelegiertentag der rumänischen Zionisten Am 25. und 26. Dezember fand in Galatz der X. Landesdelegiertentag der rumänischen Zionisten. statt. Mehr als 50 Delegierte aus dem ganzen Lande waren erschienen. Mittwoch vormittag um 10 Uhr wurde die Sitzung mit einer Begrüßungsansprache des Gesinnungsgenossen Dr. Nacht-Foscani eröffnet. In hebräischer Sprache, der offiziellen Sprache des Zionistenkongresses, wies er auf die 10jährige Geschichte des Zionismus hin, die zugleich die 10jährige Geschichte des Aufschwungs des jüdischen Geistes bedeutet. Nach der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede und der Bureauwahl wurde beschlossen, an das in Berlin tagende Aktionskomitee ein Begrüßungstelegramm zu richten. Hierauf erstattete M. Schwartzfeld Bericht über den VIII. Zionistenkongreß, der von den Herren Dr. Nacht und Dr. Moscovitz mit interessanten Ausführungen ergänzt wurde. Sodann schritt man zur Debatte über den Kassenbericht Verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der materiellen Lage der Federation wurden gemacht und schließlich die Erhebung eines Landesparteibeitrags beschlossen. In das Präsidium der Federation wurden gewählt die Herren M. H. Schein, Dr. Moscovitz, Dr. Helfant, Dr. Feldmann, Silberstein, Schönberg, Agent, Brociner, Heinr. Rosenbaum und M. Schwartzfeld. Die Herren Pineles und Dr. Lippe wurden zu Ehrenpräsidenten' ernannt Australien Die Veranstaltung von Makkabäerfeiern bürgert sich infolge der zionistischen Agitation auch hier ein. So fand am 4. Dezember in Melbourne eine ausgezeichnet verlaufene Makkabäerfeier der Victoria Zionist League statt, die ausserordentlich gut besucht war.

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