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Die Welt · 1908-01-24 · 4 (24.1.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
4 (24.1.1908)
Date
1908-01-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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, -^..--^y-»-» JRW-C Vfffr*^' '-r ' : DlE^I No. 4 Versammlung eine Stunüe lang im Zauberbanne seiner Rede hält, die hier und da von dröhnenden Applaus oder schallendem Gelächter bei seinen Ausfällen gegen die Assimilations-Moschkos unterbrochen wird. Er zeigt die Hohlheit und Unbeholfenheit der Assimilationsjuden, deren Devise im Parlamente stets „das eisige Schweigen" sei. Schon ihr erstes Auftreten im Abgeordnetenhause war charakteristisch. Bei der Abstimmung über die Wahl des Antisemiten Weißkirchner zum Präsidenten des Hauses, während der jüdische Klub offen und ehrlich mit der Opposition für den Sozialisten Pernerstorfer stimmte, gaben zwei „Israelitendes Polenklubs leere Zettel ab, die andern zwei aber flüchteten aus dem Saal. Und deuten etwa die leeren Zettel nicht direkt hin . auf die Leere und Hohlheit der. Assimilationsköpfe, und symbolisiert etwa die Flucht aus dem Saal nicht auch die Flucht vor Judentum und Fortschritt? (Tosender Beifall). Jahrzehnte lang sitzen diese Leute schon im Parlament, und sie haben nie mehr als die eine Arbeit gehabt: Das Abstimmen. Erst wir zeigten, daß der Jude im Parlamente, auch mit dem Kopfe arbeiten muß, und nicht bloß mit der Hand. (Beifall). Und die größte Neuheit die wir im Parlamente eingeführt haben, •— das ist nicht bloß die Tatsache, daß Juden sprechen, sondern daß sie als Juden sprechen. Gegenüber dem Schweigedogma der parlamentarischen Israeliten stellten wir einen andern Satz auf. Wir sind als ehrliche, überzeugte Kämpfer aufgetreten. Wir konnten darum ebensogut gegen die Polen auftreten und den Minister Abrahamowitz in unserer abgegebenen Erklärung als den Minister des Polenklubs und nicht Galiziens betrachten, als auch gegen die Unterdrückung des polnischen Volkes in Preußen unsern schwachen Protest hören lassen, im Namen des aufstrebenden jüdischen Volkes. (Beifall). Und Mauschel im Polenklub? Nicht nur für die Juden hat er nicht gesprochen, er hat auch nicht für die Polen gesprochen. (Heiterkeit und Beifall». Das ist eben die Art und das Los von Moschko, dem Makler: Wo es sich um die Angelegenheiten seines Herrn handelt, da hat er nichts dreinzureden. (Große Heiterkeit und Beifall). Wir jedoch hatten den Mut, gegen die Polen und — auch Für die Polen zu sprechen. Als die übermütigen Antisemiten ausgingen, „die Universitäten zu erobern", da war ein nationaler Jude, Dr. Mahler in der Avantgarde des Fortschrittes. Und das Wort Moschkos hat sich nicht bewahrheitet, daß man im Parlamente jüdische Redner auslachen werde. Zwei Stunden lang hat das österreichische Parlament der Judenrede Mahlers mit .großer Aufmerksamkeit gelauscht, und endlich war nicht nur der antisemitische Überrumpelungsplan vereitelt, sondern das ganze Judentum war um ein Ehrenmoment reicher. (Großer Beifall). Lueger wagte öffentlich die Blutlüge zu erneuern. Wir gaben ihm die richtige Antwort. . Und endlich, durch uns provoziert, entschlossen sich mit schwerer Mühe auch unsere Israeliten und gingen einer nach dem andern zum Minister. Wir können aber, auf Erfahrung gestützt, bestimmt behaupten: Wären wir nicht im Parlamente, es hätte sich keine einzige Stimme des Protestes erhoben gegen die Worte eines unverschämten Greises. (Beifall). Redner bespricht noch das Verhältnis zwischen Landespolitik und eigentlichem Zionismus. Die Landespolitik sei die Schule, der Zionismus das eigentliche Leben des jüdischen Volkes. Der Umstand, daß wir heute noch so wenig zu sein scheinen, tut nichts. Die Assimilation hat zwar vorläufig noch Icas, Universitäten, große Gemeinden usw. zur Verfügung. Sie gleicht aber bloß dem großen Geäste eines Baumes, dessen Wurzeln durchfault sind. Diese schweren, schattigen Äste werden bald zusammenstürzen. (Tosender Beifall). Wir haben kleine Zweige, aber unsere Wurzeln sind groß und frisch. Es blüht auf der jüdische Geist, die hebräische Literatur, die Jargonliteratur; das jüdische Leben bricht mächtig hervor. Und solange diese Erscheinungen anhalten, fürchten wir um unsere Zweige nicht! (Großer-' langanhaltender Beifall und Hedad- Rufel Eine Resolution Dr. Grünberg, die Vertrauen und Anerkennung dem jüdischen Klub ausspricht, und ihn auffordert, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, — wird von der Versammlung mit großem Beifall angenommen. Um 10 Uhr schließt der Vorsitzende unter Gesang der Menge die denkwürdige Versammlung. M. Ch. Zloczow: Bei den jüngsten Wahlen zur hiesigen Kultusrepräsentanz hat die zionistische Partei einen bedeutenden Sieg errungen. Es wurden die Gesinnungsgenossen Dr. Alter, Dr. Iüdelberg, Dr. Großkopf und N. Schorr gewählt. ELT : =- ■■ 15 ■ Einladung! Im Sinne des Beschlusses des südgalizischen Distrikttages, rufen wir, zwecks Gründung eines Kreiskomiteesin Kolomea, für Sonntag den 2. Februar 1908. den I. Kreistag mit folgender Tagesordnung ein: I. Begrüßung II. Organisation Referent Dr. Abr. Geber III. Agitation „ Red. Moses Lachs IV. Presse , „ Sigmund Haber V. Alg. Zion. Fonde „ Dr. Salomon Rosenheck VI. Wahlen des Kreiskomitees VII. Anträge der Delegierten. Dem Kreiskomitee in Kolomea gehören die Vereine der folgenden Städte an: Kolomea, Gwoz'dziec, Horodeuka, Obertyn, Chocinuerz, Jablouör.Pistyn, Kuty, Zabic, Pazenizyn, Zablotör, Suiatyn, Rozuior, Lanczyn und Delatyn. Jeder Verein hat das Recht, zwei Delegierte zu entsenden. In Orten, wo vorläufig kein Verein besteht, hat der Vertrauensmann das Recht einer Delegation. Der Kreistag beginnt um 10 Uhr früh im Saale der zionistischen Vereine in Kolomea, Hotel Römer, Japielvonsca). Beim Kreistage haben die Mitglieder des engeren vorbereitendeil Kreiskomitees Sitz und Stimme. Dasselbe Recht steht den event. Delegaten der anderen zionistischen Organisationen (wie Distrikt- und Landeskomitee) zu. Die Delegaten müssen bis zum 28. d. Mts. dem Komitee nominiert werden.. Zusc.hriften sind zu richten an Herrn Sigmund Haber, Kolomea, Rynck 23. Kolomea, den 15. Januar 1^08. Mit Zionsgruß für das dzt. Komitee! Siegmund Haber Dr. Salomon Roseuheck dzt. 1. Sekretär. dzt. Präses. Holland In einer Versammlung des Ostdistrikts des Niederländischen Zionistenbundes sprach Frl. Hoofien über die Notwendigkeit der Errichtung einer jüdischen Bibliothek, Herr Leverpool referierte über die Bedeutung der Betonung des sozialen Moments in der zionistischen Propaganda, und Herr Gelder sprach über die Vorteile der Bildung einer Misrachigruppe. Alle drei Vorträge ernteten lebhaften Beifall. Mit besonderer Genugtuung wurde das interessante- Referat des Frl. Hoofien entgegengenommen, die als erste Dame in einer öffentlichen Versammlung der Zionisten in Holland sprach. England Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation wird am Sonntag den 2. Februar im Grand Hotel in Manchester stattfinden. Schon jetzt werden große Vorbereitungen dafür getroffen. Abends soll eine öffentliche Volksversammlung stattfinden, in der außer Dr. Gaster und anderen hervorragenden englischen Zionisten, voraussichtlich auch Dr. Schmaryahu Lewin und Herr Adolf Stand Ansprachen halten werden. In der letzten Woche fanden zionistische Versammlungen, statt in Manchester, wo Herr Sortmann über „Nach 10 Jahren des Zionismus" sprach, in Liverpool, wo im zionistischen Jugendverein Dr. J. Harries über „Die Lösung der Judenfrage" referierte und in Nottingham, wo Dr. S. Daichels einen Vortrag über „Die Moral des 20. Jahrhunderts und die mosaische Gesetzgebung" hielt. Rußland Zionistischer Sieg bei den jüdischen Gemeindewahlen in Warschau Die jüdische Gemeinde in Warschau, welche gegen 300000 Seelen zählt, befand sich seit dem Anfange ihrer Existenz unter dem ausschließlichen Einflüsse des Blocks zweier sich widersprechenden, aber auf dem Boden eines gemeinsamen Kompromisses vereinigten Elemente. Die Assimilanten, die sogenannten Polen mosaischer^ Konfession, vereinigten sich während der Wahlen mit den Chassidim und bildeten ~so die Mehrheit. Die „entente cordiale" bestand im

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