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Die Welt · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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der Parlamentsdebatten, daß man auf antisemitische Angriffe nicht antworten kann. Man kann ja nicht im voraus wissen, wann ein Antisemit gegen Juden sprechen wfrd. Deswegen haben die jüdischen Deputierten beschlossen, nur dann aufzutreten, wenn ernste Debatten eröffnet werden. Sollte die Rechte ihre Interpellation dem Ministerium, der Volksaufklärung vorlegen, so werden die Juden das Wort ergreifen und die Möglichkeit haben, alle antisemitischen Angriffe zu parieren. Die jüdischen Deputierten in der zweiten Duma Vor kurzer Zeit wurde ein offizieller Anzeiger zu den stenographischen Berichten aus der zweiten Duma veröffentlicht. In diesem .Anzeiger werden zum erstenmal genaue Angaben über alle Deputierten angeführt, und zwar auf Grund ihrer persönlichen Aussagen in der Dumakanzlei. Der Bericht erweist, daß es in der zweiten Duma nicht vier, sondern sechs jüdische Deputierten gab. Außer Rabinowitsch, Abramson, Mandelberg und Schapiro haben* sich bekanntlich auch W. und A. Hessen als zur jüdischen Nation gehörend erklärt, während ihre Konfession „prawoslawnyj" lautete. Der Anzeiger gibt uns ein deutliches Bild von der Tätigkeit der jüdischen Deputierten in der zweiten Duma. So beteiligte sich Abramson an drei Kommissionen und hat einmal das Wort ergriffen, und zwar während der geschlossenen Sitzung über die Rekrutenaushebung. Mandelberg wurde in eine Kommission gewählt und sprach in 14 Dumasitzungen. Als Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion wurde er gleich den andern Mitgliedern zur Verantwortung gezogen. Rabinowitsch beteiligte sich' an drei Kommissionen und sprachin der Duma einmal zur Geschäftsordnung. Schapiro beteiligte sich an zwei Kommissionen und sprach in der Duma einmal während der Debatten über die Vorkommnisse im Gefängnis zu Riga. Wiener Brief (Konsularberichte aus Palästina) Die vor kurzem erschienenen Berichte der österreichungarischen Konsularämter in Jerusalem und Jaffa für das Jahr 1906 verdienen unsere Aufmerksamkeit nicht nur, weil sie uns Grüße aus - Palästina überbringen. Sie enthalten reichhaltiges Material und rühren von einer Seite her, die den Anspruch erheben darf, ernst genommen zu werden. Die Österreich-ungarischen Konsularberichte genießen einen wohlverdienten Ruf. Die Sachlichkeit, Objektivität und eingehende Kenntnis der Verhältnisse, insbesondere des Jerusalemer Berichterstatters Herrn R.v. Zepharovich, sind nicht hoch genug einzuschätzen. Der Jaffaer Bericht ist bestrebt, ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Entfaltung des Landes zu geben, betrachtet jedoch die Einwanderung in einem besonderen Abschnitt, losgelöst von den allgemeinen Erscheinungen des ökonomischen Werdens des Landes. Der Jerusalemer Bericht begeht nicht diesen Fehler in der Anordnung des Stoffes. Schon auf der ersten Seile wird „die starke Judeneinwanderung im Berichtsjahre" erwähnt und auch weiterhin bei allen Betrachtungen als Faktor der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gewürdigt. Der Bericht enthält zunächst einige statistische Angaben. „Von Bedeutung (für die Geschäftslage) war auch die starke Judeneinwanderung, die aber gewöhnlich sehr überschätzt wird." Für das Jahr 1905 gibt Herr v. Zepharovich die Zahl der „russischen Flüchtlinge" nach der Statistik des Odessaer Komitees mit 1320 an. Im Jahre 1906 kamen bis zum 1. Juli 1700 Personen (davon 700 Männer, 490 Frauen und 500 Kinder), „die Zahl der in der zweiten Jahreshälfte Eingewanderten dürfte etwa 700 betragen, von denen aber gewiß wieder 300. weggezogen sind." Die Gesamtzahl der jüdischen Ansiedler wäre demnach für das Jahr 1906 2 100. Der Jaffaer Bericht operiert mit größeren Zahlen, um schließlich einen bedeutend kleineren Rest zu erhalten. Er gibt die Zahl der Neuangekommenen mit 3000 an, „die zumeist dem Arbeiterstande angehörten. Es befanden sich aber auch wohlhabendere Elemente unter ihnen, welche sich in verschiedenen Orten Palästinas niedergelassen haben." Der Berichterstatter scheint" über die Triebkräfte der jüdischen Auswanderung aus Rußland und ihrer teilweisen Ablenkung nach Palästina hin ungenügend oder gar irrig unterrichtet zu sein.. Er glaubt nämlich, daß die russischen Juden sich für die Einwanderung entschieden haben, „angelockt durch die für die jüdische Besiedlung Palästinas aufgewendete Reklame sowie auch aus religiösen Motiven." Beides ist bekanntlich falsch. Aus religiösen Motiven sind, wie seit Jahren, kaum 100 Juden eingewandert. Ebenso ist es unbegründet, von einer „Reklame" zu sprechen, die nie betrieben worden ist. Wir sehen, der Jaffaer Bericht, der im allgemeinen Teile seiner Aufgabe voll gerecht wird, ist inbezug auf die jüdische Einwanderungsfrage nicht ganz einwandfrei. Es war aber, heißt es weiter, nicht zu verhindern, daß ca. 2000 Neueingewanderte Palästina wieder verließen. Der Jaffaer Berichterstatter veranschlagt also den „wirklichen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung Jaffas auf kaum 1000 Personen." (Wahrscheinlich nur der der Stadt Jaffa, sonst würden diese Angaben mit den des Jerusalemer Konsularberichtes nicht übereinstimmen.) Auf die Wirkungen der jüdischen Immigration weist wiederholt der Jerusalemer Bericht hin. „Die Judeneinwanderung hat hier eine ausgleichende Rolle gespielt und den Gesamthandel Palästinas vorteilhaft beeinflußt. Der Import hat infolge dieser Einwanderung etwas zugenommen. Allerdings sind auch einige Nachteile mit derselben verbunden gewesen: die Mietpreise der Wohnungen und Kaufläden sind, besonders in Jaffa, in die Höhe gegangen und die Konkurrenz im Kleinhandel hat erheblich zugenommen." Der Bericht befat-t sich mit den Folgeerscheinungen der erhöhten jüdischen Einwanderung in den einzelnen Branchen und schreibt ihr „eine stärkere Nachfrage nach Kolonial- und Manufakturwaren" sowie „Hebung des Tischlergewerbes" und der Möbelerzeugung zu. Daß die jüdische Landwirtschaft und Industrie stetige Erfolge' aufweisen, wird von den Konsularberichten selbstredend bestätigt. Die Weinproduktion der Kolonien hat trotz der Produktionseinschränkung des neugebildeten Syndikats eine Vermehrung um einige Tausend Hektoliter erfahren, das Preßergebnis im Rischoner Weinkeller allein wird auf ungefähr 25 000 hl angegeben. (Der Bericht über Haifa und Galiläa liegt noch nicht vor.) Die Orangenanbaufläche ist in den letzten 8 Jahren auf das Doppelte angewachsen. Die Orangengärten in der Umgegend von Jaffa umfassen ein Areal von 11 000 Dunam. In den Kolonien und arabischen Dörfern sind 6050 Dunam auf Orangen bebaut, davon gehören 4050 jüdischen. Kolonisten. Der Orangenexport, zumeist nach Liverpool, betrug im Jahre -1906 ca. 2 Millionen Francs, gegenüber dem Vorjahr ein Mehrbetrag von 110 000 Francs. Von industriellen Unternehmungen, die in jüdischen Händen sind, wurden eine Dampfmühle, die Steinsche Maschinenfabrik, die im Berichtsjahre eine Reihe von Staatsbestellungen ausgeführt^ und eine Aktiengesellschaft jüdischer Kaufleute aus Zaryzin und Hornel mit einem Kapital von 250 000 K. behufs Errichtung von Fabriken zur Ölgewinnung und Seifenerzeugung angeführt. Zu erwähnen wäre, daß auch die deutschen, ja die französischen Industrieunternehmungen immer zahlreicher werden. Diejenigen, die einer intensiven Baumwollkultur in Palästina das Wort reden, wird es gewiß lebhaft interessieren; daß in den Jordanauen, in der Nähe von Jericho, außer Weizen, Gerste, Durra, Südfrüchten und den „erlesensten Kolonialpflanzen" auch Baumwolle mit gutem Erfolg angebaut wird. Die Qualität „zeichnet sich durch' besondere Reinheit und Weiße aus. In dem letzten Jahre hat man auch mit der Seidenraupenzucht begonnen." Unwill-

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