Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Feiwel ist für die Development Company. Bezüglich der Häuserbau-Gesellschaft möchte er sich der Abstimmung enthalten, da ihm die Frage nicht geklärt erscheint. Ich möchte nicht die Gegensätze verschärfen, und darum kann ich nur bitten, daß endlich die Schlagworte aufhören mögen. Von einem Frontwechsel kann nicht die Rede sein. Man kann doch nicht leugnen, daß die sog. Politischen, die heute den Vorwurf des Frontwechsels erheben, nach dem Uganda-Projekt und immer gegen jede praktische Arbeit waren. Später erklärten sie, sie seien für die Palästinaarbeit. Wenn jetzt die Anhänger der Palästinaarbeit kommen und sagen, dieses oder jenes wurde falsch ausgeführt, dann sag*en die Herren, ja, das haben Sie ja gemacht. Man sollte sich endlich einmal offen erklären: Entweder man war für die Palästinaarbeit, dann kann man heute der anderen Seite keinen Vorwurf machen, wenn etwas vielleicht nicht gut gemacht worden. ist. Oder man war dagegen, dann soll man nicht kommen und von einem Frontwechsel der anderen sprechen. Der Präsident erklärt, wir haben die praktische Arbeit nur unternommen, weil wir dazu gedrängt worden sind. Das ist kein Standpunkt für eine Leitung. Die Leitung muß die Initiative selbst geben. Aber das ist es ja. was wir vermissen, daß eine Initiative von der Leitung nicht ausgeht Was wir verlangen, ist: Einen festen Plan der Arbeit und einen Plan, wie wir die Mittel bekommen können. Wir kommen nicht um die Frage herum, daß seit einiger Zeit ein gewisser Stillstand in der Bewegung zu konstatieren ist, und wir müssen den Ursachen nahegehen. Und diese scheinen mir erstens darin zu liegen, daß allmählich ein gewisses Überwuchern der Uniformierung zu konstatieren ist, ein Verfälschen der Bewegung in Statuten und Paragraphen der Bank, des Nationalfonds usw. usw. Und zum zweiten glaube ich, daß man darum die Fühlung mit der Volksseele verloren hat, und daß daher das Volk nicht mehr reagiert. Ich bin mir bewußt, daß wir vor ungeheuren Schwierigkeiten stehen. Und ich glaube, daß wir uns entscheiden müssen, ob unsere Agitation und unsere Arbeitsmethode in der Diaspora noch die geeignete ist, ob unser Verhalten zu den einzelnen Organisationen das richtige ist. In all diesen herrscht keine Klarheit. Wir sprechen davon, ob wir auf die Mittel der oder jener Gesellschaft rechnen können. Sind wir uns aber klar über unser Verhalten zu den anderen Organisationen in jedem Punkte? Dr. Gronemann: Herr Feiwel spricht von Systemlosigkeit- Systemlos ist unsere Palästinaarbeit gewesen. Jeden Trank, der uns unter der Palästinamarke gebracht wurde, mußten wir auslöffeln. — Es handelt sich nicht um die Frage: Für oder gegen Palästinaarbeit, — sondern darum: Was ist praktische "Palästinaarbeit? Unter Herzl haben wir wahrhaft praktische Palästinaarbeit getrieben, Das Kriterium ist der Zweck der Arbeit: nur was für unseren großen Endeindruck von Nutzen ist, kann in Betracht kommen. Deshalb hat das Palästinaamt bei uns Kredit, ist aber die Fülle unsystematischer Projekte, mit denen man uns kommt undiskutabel, weil wir bei ihnen nur unser Geld aufs Spiel setzen, um bestenfalls philanthropische Ziele zu erreichen. Zangwill hat einmal klar unsere Aufgabe in Palästina umschrieben: „Bedingungen, nicht Dinge" zu schaffen. Wenn das Prinzip feststeht, haben wir nur noch von Fall zu Fall zu prüfen. — Die Unduldsamkeit und der, Fanatismus der sogen, prakt. Zionisten haben jene unglückseligen Kämpfe geschaffen und haben so viele unserer Besten abgestoßen. Wenn diesseits gleiche Ketzerriecherei getrieben worden wäre, hätte man fragen müssen, wie viele alte Chowewe nur zu uns gekommen sind, um unsere Kräfte lediglich für ihre philanthropischen Zwecke zu verwerten. — Wir wollen nicht darüber rechten, ob irgendwo ein Frontwechsel vorliegt. Ruhen wir nicht auf Fraktionsprinzipien aus, sondern suchen wir das alte Vertrauen zu einander wieder zu fassen. Wenn einzelne Herren jetzt durch das Verantwortlichkeitsgefühl gezwungen sind, ihren Standpunkt zu reformieren, sollen sie sich dessen nicht ■schämen, es ist kein schmählicher Rückzug, jedenfalls kein zu tadelnder, und es ist keine Rückzugskanonade nötig. Dr. Friedemann: Es ist zwecklos "darüber zu diskutieren, wer einen Frontwechsel vorgenommen, hat Herr Weitzmarm hat erklärt, das A. C. habe -keine Politik. Daran sind gerade er und andere Extreme schuld, die stets mit dem Schlagwort „Palästinaarbeit" die Massen erregen und ohne positiv durchführbare Pläne eine Tätigkeit hervorgerufen haben „ut aliquid fieri videatur". Gegen Palästinaarbeit an sich, soweit sie dahin gehe, wirtschaftliche Arbeit zu politischem Ziele zu leisten, sei kaum jemand in der Partei, wohl aber gegen alle Pläne kleinkolonisatorischen Charakters und gegen alle Unternehmungen, die als Zweck an sich lediglich dazu führen müssen, den Kriegsschatz der Bewegung, den Nationalfonds, zu zersplittern. Redner interpelliert den Präsidenten über die Richtung seiner Tätigkeit in Konstantinopel. Falls dieselbe dahin geht, den Charakter oder doch eine Erlaubnis zu gesicherter Großkolonisation zu erlangen, müsse die Land Development Co. mit allen Mitteln ausgerüstet werden, um einen umfassenden Versuch mit der beabsichtigten Siedlungsgenossenschaft zu machen und auch die finanzielle Möglichkeit des Großkolonisationsunternehmens ernstlich erwogen werden. Hierauf gibt der Präsident eine detailliertere Darstellung seiner politischen Tätigkeit und "betont, daß seiner festen Überzeugung nach die politischen Aussichten der zionistischen Bewegung heute besser sind als je. Auf eine diesbezügi. Anfrage weist er auf den Wert hin, den auch die Unterstützung der Häuserbau-Gesellschaft habe, zumal es sich hier um keine Unterstützung seitens des N. F., sondern vielmehr um ein aussichtsreiches Geschäft -für denselben handle. Die A. P. C. übejnimmt die volle Garantie und deshalb ersucht der Präsident dringend, auch diesem Beschlüsse des Direktoriums zuzustimmen. Die Debatte berührt noch einmal die Frage der Zuständigkeit des Aktionskomitees in bezug auf die Nationalfondsverwaltung. Hierauf wird folgender Antrag einstimmig angenommen: Das Große Aktionskomitee begrüßt die Begründung der Palestine Land Development Company und fordert ~die Gesinnungsgenossen aller Länder auf. eine energische Propaganda zugunsten dieser Organisation zu entfalten. Das A. C. stimmt den Beschlüssen des Direktoriums und der Generalversammlung bezüglich des Nationalfonds in bezug auf die Palestine Land Development Company und die Häuserbau-Gesellschaft zu. Nachm ittagssitzung. Die Nachmittagssitzung wurde hauptsächlich durch eine eingehende Besprechung der' finanziellen Lage der Organisation ausgefüllt. In einem ausführlichen Referate legt der Präsident die gegenwärtige ernste Situation dar und betont nachdrücklichst die dringende Notwendigkeit einer sofortigen ausgedehnten materiellen Unterstützung der Leitung. Die Debatte erstreckte sich über fast alle Punkte der Organisation und Propaganda. Allerseits wurde die Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks anerkannt und darauf hingewiesen, daß bei geeigneter Agitation und bei genügender Unterstützung jedes einzelnen Zionisten mit Leichtigkeit die erforderlichen "Mittel zusammengebracht werden können. Vielfach wurden detaillierte Vorschläge in dieser Richtung gemacht, die zu einem großen Teile das gemeinsam hatten, daß sie zwar die ungünstige Lage einzelner Landesorganisationen anerkannten, anderseits aber zum Ausdruck brachten, daß der Opfermut des einzelnen noch viel zu wünschen übrig lasse. Was insbesondere die Frage des Parteifonds anbetraf, so betonte der -Präsident auf verschiedene Ausführungen, daß der Parteifonds selbstverständlich dazu berufen sei, allen Zwecken der zionistischen Organisation dienstbar gemacht zu werden, und darunter seien natürlich in allererster Linie palästinensische Zwecke zu verstehen. Schließlich sei doch die ganze Arbeit der Organisation und die ganze Tätigkeit der Leitung auf Palästina gerichtet. Eine Förderung und Unterstützung der Palästinaarbeiten 'aber sei ebenso wie diejenige der Aus~- gestaltung unserer politischen Tätigkeit in erster Linie eine Frage der Mitte!. Nach eingehender Beratung, an der fast alle Anwesenden Anteil nahmen, wurde schließlich folgende Resolution angenommen: Nachdem das Aktionskomitee den Bericht des engeren Aktionskomitee' über die politische Lage und die Erfordernisse der praktischen Arbeit in Palästina entgegengenommen hat, beschließt es einstimmig, die Landsmannschaften und einzelne Mitgieder des Aktionskomitees zu verpflichten, ihre Arbeit in erster Linie der Sammlung für den Parteifonds zu widmen. Es wurde festgesetzt, daß ein auf Grund der Ergebnisse der Besprechung auszuarbeitender Aufruf für den Parteifonds veröffentlicht werden soll. Mit Bezug auf die Jahreskonferenz wurde beschlossen, dem Engeren Aktionskomitee die Festsetzung von Ort und Zeit zu überlassen. Nach einer kurzen Schlußrede des Präsidenten und einem von Herrn Kessler in warmen Worten ausgedrückten Danke des Aktionskomitees an den Präsidenten für die umsichtige Leitung der Beratungen schloß abends 81 * Uhr die reichhaltige Sitzung.