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Die Welt · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 2 DIE^ELT 9 Landmesser Treidel beendet sind. Nur die Namenkontrolle durch den Lehrerverein in Palästina und einige hiesige Gelehrte harrt noch der Vollendung. Die Zeitschrift „Palästina* hat den 4. ^esp. unter ihrem jetzigen Namen den 1.) Jahrgang vollendet, und liegt als inhaltsschwer und vornehm aussehender Band vor. Die Zeitschrift fordert immer mehr Beachtung und wird auch sehr in den Konsularberichten zitiert. Die ernsteren unserer Gesinnungsgenossen gewinnen mehr und mehr Interesse für die Zeitschrift, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Zeitschrift sehr wesentlich zur Verliefung der Palästinakenntnis beigetragen hat. Es besteht die Absicht, die Zeitschrift von jetzt an in Palästina selbst redigieren und möglichst auch drucken zu lassen; wir glauben auf diese Weise mehr als bisher den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung Rechnung tragen und gleichzeitig auch aktuellere und mannigfaltigere Informationen bringen zu können. Was die Organisationsarbeiten betrifft, so hat unser Bureau sowohl der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem und dem Palästina-Pflanzungsverein als auch dem Palästina-Industrie- Syndikat auch weiterhin seine Hilfe angedeihen lassen. Im Bezalel werden jetzt auch schon große Teppiche hergestellt, — und dank der Munifizenz des Herrn Moser soll jetzt eine Abteilung für Gold-, Silber- und Seidestickereien mit der Schule verbunden werden. Auch der die Mittel aufbringende Verein hat dank der Arbeit des in den Vorstand des Vereins hinzugewählten Herrn Hamburg an Mitgliedern beträchtlich zugenommen. Von Seiten der Zionisten könnte durch die Erwerbung der Mitgliedschaft dieses Vereins sicher noch manches getan werden, um den Verein groß und unabhängig zu machen. Der Palästina-Pflanzungsverein hat jetzt seine Tätigkeit begonnen, indem er durch einige Kolonisten in Rechoboth 300 Dunam mit Mandeln, Oliven, Rosinen usw. beflanzen läßt, von denen später die Hälfte dem Verein, die Hälfte den Kolonisten zufallen wird. Auf diese Weise wird eine teure Administration erspart, und eine sorgfältige Pflanzung garantiert, da dem Verein freisteht, welche Hälfte der bebauten Fläche er wählen will. Auch wurde eine Abmachung mit den Kolonisten getroffen, dahin gehend, daß schon von diesem Jahre an die Vereinsmitglieder eine Palästinagabe erhalten. Bei der geringfügigen Mindestzahlung von 80 JL per 1 Dunam Land (Vn Hektar) haben die meisten Mitglieder den Betrag gleich voll eingezahlt, so daß die Zahl der außerprdentichen Mitglieder mit ratenweiser Einzahlung relativ gering ist gegenüber der Zahl der ordentlichen Mitglieder. Wenngleich die Mehrzahl der Vereinsmitglieder wohl aus Nichtzionisten besteht, so nimmt doch auch die Zahl unserer Gesinnungsgenossen in dem Verein in erfreulicher Weise zu. Wenn die Zahl der Mitglieder so zunimmt wie bisher, wird der Verein vielleicht schon im nächsten Jahre in der Lage sein, eine zweite Pflanzung in einer andern Kolonie anzulegen. Es ist ein gutes Mittel, um jüngeren Kolonistensöhnen durch ihre Arbeit und ohne ihnen etwas zu schenken, zu eigenem Lande zu verhelfen und sie so vor der Auswanderung zu bewahren. Vor allem, wird es immer mehr Brauch, Verwandte und Freunde durch Schenkung eines Dunam Landes zu ehren, wobei die schöne Originalradierung von Struck eine erfreuliche erste Palästinagabe darstellt Das Palästina-Industriesyndikat ist noch in "den Vorarbeiten begriffen. Die meisten der bisher angebotenen Projekte erwiesen sich ihrer Form oder Größe nach als nicht geeignet für das Syndikat oder in geschäftlicher Beziehung nicht zukunftsreich genug, um sie aufzunehmen. Das Syndikat hofft bald seine Tätigkeit aufnehmen zu können, da wenigstens für das eine der Projekte die Vorarbeiten bald abgeschlossen sein werden. Obgleich die 100 Anteile sämtlich gezeichnet waren, so sind durch nachträgliches Zurücktreten einiger russischer Zeichner wieder einige Anteile frei geworden und müssen noch untergebracht werden. Organisationsarbeiten, d<e noch nicht so weit gediehen sind, sind: 1. Verein Ölbaumspende, 2. Palestine Land Development Co.. 3. Palästina-Amt. Was den Verein Ölbaumspende betrifft, so ist die Gründung desselben im Prinzip und nach den von uns ausgearbeiteten Statuten vom Direktor und Aufsichtsrat des Nationalfonds genehmigt. Die Gründung des Vereins hat gestern stattgefunden, und damit ist dann die Grundlage für die weitere Entwicklung dieser zukunftsreichen Institution geschaffen. Die zionistische Organisation behält sich durch die Bestimmung, daß vier der sieben Mitglieder des Ausschusses Foundershares-Inhaber der Bank sein müssen, die entscheidende Kontrolle über den Verein vor, der im übrigen völlig selbständig sein soll. Während bis vor kurzem Deutschland das einzige Land war. wo erhebliche Mengen Ölbäume gespendet wurden, nimmt jetzt das Interesse dafür auch in andern Ländern in steigendem Maße zu; selbst von Rußland werden jetzt Ölbäume angemeldet, und besonders erfreulich ist es, daß auch Nichtzionisten in erheblicheren Mengen sich an diesem Werke beteiligen. Da es sich hier bekanntlich um Spenden in der Höhe von nur 6 Mk. handelt, und die spätem Einnahmen der Ölbaumwälder hauptsächlich der Kulturarbeit in Palästina dienen sollen, so ist es kein Wunder, daß die Popularität dieser Institution zunimmt. Wir sind überzeugt, daß die Spende mit der Zeit eine große Bedeutung erlangen wird, wenn ein regsamer Verein die richtige Propaganda dafür machen wird und wenn auf sichtbare Erfolge in Palästina dabei wird hingewiesen werden können. Der bisher gepflanzte Goldberghain bei Chedern gedeiht gut, ist aber noch zu jung, um Reisenden den Besuch desselben anempfehlen zu können. Recht gute Fortschritte macht die Zusammenbringung der Gelder'für den Herzlwald in der letzten Zeit; von den bis Ende des letzten Jahres erhofften 10000 Bäumen sind ca. 8500 sicher schon zusammen. Da die letzten 500 Ölbäume durch die Anweisung des Herrn Moser — der dadurch gleichzeitig der erste Stifter des Vereins wird — gesichert sind, so fehlen uns noch ungefähr 1000 Bäume. Eine einzige größere Sammlung in den Ortsgruppen der ganzen Welt zur Feier der Begründung des Vereins Ölbaumspende sollte genügen, diese fehlenden Bäume aufzubringen. Es ist beabsichtigt, schon im Februar—März die Baumschule des Herzlwaldes anzulegen, und zwar an einem Orte, wo es möglich ist, den Wald je nach Belieben auf mehrere 10000 Bäume zu vergrößern. Die Gründung der Palestine Land Development Co. ist gestern in der Sitzung des Aufsichtsrates des Nationalfonds durch Zubilligung einer Beteiligung des Nationalfonds so gut wie gesichert worden. Der Zweck dieser Gesellschaft ist der, Ländereien in Palästina anzukaufen, vorzubereiten, zu parzellieren, zu verpachten und schließlich dorten zu verkaufen. Um eine dauernde Basis zu erhalten, soll ein Land des Nationalfonds auf lange Zeit gepachtet werden, und hier sollen vor allem jüdische Arbeiter beschäftigt werden, welche als Pächter für später in Aussicht genommen werden. Dieses Gut soll also das Lehrgut werden für den zukünftigen Ansiedler. Auch können von diesem Lehrgut aus die Versuche mit einer Ansiedlungsgenossenschaft auf einem benachbarten Gute gebildet und überwacht werden;, ferner soll dieses Lehrgut auch für Versuche mit neuen Kulturen oder Kulturmethoden dienen, nachdem sie die erste Prüfung in der Versuchsstation mit Erfolg bestanden haben. Die Gesellschaft wird wahrscheinlich als englische Aktiengesellschaft mit 1 £ shares begründet werden und einem materiellen Kapital von 50 000 £: jedoch soll begonnen werden, sobald eine solche Summe, vorhanden ist, welche für die Bewirtschaftung eines größern Gutes genügt. Das Gut selbst soll dem Nationalfonds verbleiben; es soll jedoch auf 99 Jahre gegen eine sofortige Vergütung und Aktien der Palestine Land Development Co. übergeben werden.

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