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Die Welt · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Was werden Sie tun, wenn Ihre politische Arbeit Erfolg hat? Und seit drei Jahren erhalte ich keine Antwort Die Arbeit des A. C. muß eine einheitliche sein, sie muß von großen Gesichtspunkten geleitet werden. Sie darf nicht ein Produkt des täglichen Zufalls sein. Gewiß ist die Arbeit sehr schwer, gewiß wird es schwer sein, einen Plan aufzustellen. Aber das müßte geschehen. Hat man sich z. B. darum bemüht, die anderen Organisationen unseren Diensten willfährig zu machen? Ich weiß nicht, ob das ein Weg wäre, es gibt vielleicht bessere Pläne, ich frage nur. Wir müssen von Berlin weggehen und uns darüber klar sein, wir müssen wissen, ob wir wissen, was wir zu tun haben. Präsident: Die Ausführungen des Herrn Dr.Weizmann setzen mich in Erstaunen. Wir sprechen hier über Bewilligungen aus dem Nationalfonds, und da kommt Herr Weizmann, der Jahr für .Jahr dieselbe Arbeit von uns verlangt und sie erzwungen hat, der uns mit aller Gewalt in diese Politik hineingetrieben hat, und fragt, welche Politik wir treiben, nach welchem System wir handeln. Als wir Politik treiben wollten, da hat eben Herr Weizmann von uns praktische Arbeit verlangt, und da wir jetzt praktische Arbeit unternehmen, will Herr Weizmann Politik. Immer hat man gesagt, wir müßten etwas in Palästina unternehmen, und jetzt soll alles Unternommene schlecht sein. Wenn das E. A. C. für die Bewilligung an der Häuserbaugesellschaft gestimmt hat, so war es nicht zum wenigsten deshalb, weil auf diese Weise 300000 Frcs. festgelegt und sicher angelegt werden, weil so den Herren die Möglichkeit genommen wird, dieses Geld wenigstens nicht aus dem Nationalfonds für Experimente zu verschleudern. Für die Development Company haben wir erst gestimmt, als von privater Seite eine Beteiligung in gleicher Höhe zugesagt wurde, wodurch die Beteiligung des N. F. sichergestellt ist. Sie fragen, nach welchem System unsere politische Arbeit geschieht. Glauben Sie denn, daß ich zum Vergnügen nach konstantinopel reise? Mit den Mitteln des Nationalfonds allein können wir gewiß nicht unsere Politik machen, aber wenn wir politische Erfolge haben werden, werden uns die Mittel auch nicht mangeln. Was nun die positiven Vorschläge bezügl. des Nationalfonds anbetrifft, so glaube ich, daß es gut wäre, wenn wir jetzt den Sachverständigen hörten. Ich bitte daher Herrn Professor Warburg, seinen Bericht zu erstatten. Bericht des Herrn Prof. Warburg Das im vergangenen Sommer auf dem Kongreß im Haag eingesetzte Palästinaressort sollte an die Stelle der bisherigen Palästinakommission treten und wurde mit 25°/o der nicht ausdrücklich für andere Zwecke bestimmten Einnahmen des A. C. dotiert. Es sollte die Aufgabe des Palästinaressorts sein, die Palästinaarbeit zu organisieren und selbständigzu leiten, die Frage der Siedelungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und einen besondern Fonds für die Besoldungsanstalten in Palästina zu schaffen. Natürlich wurde es durch diese Zweckbestimmung notwendig, für die verschiedenen Arbeitsgebiete besondere Kommissionen einzusetzen, und zwar wurden Kornmissionen in Aussicht genommen: 1) für die wissenschaftlichen Erforschungsarbeiten: 2) für die Kulturarbeiten: 3'i für die landwirtschaftlichen Arbeiten: 4) für die gewerblichen und industriellen Arbeiten. Wenn diese Kommissionen sich noch nicht konstituiert haben, so liegt es daran, daß dem Ressort infolge des Fehlens von Schekeleingängen bisher noch keinerlei Mittel seitens der Zentrale zur Verfügung gestellt werden konnten, und es eine nutzlose Kräfteverschwendung ist. Kommissionen ins Leben zu rufen, die lediglich auf dem Papiere stehen und höchstens beraten und einige Briefe schreiben können. Ohne irgendwelche Mittel läßt sich nicht einmal eine propagandistische Tätigkeit einleiten. Weit größerer Mittel bedarf es hingegen, wenn man wirklich fruchtbringende Arbeit in Palästina leisten oder organisieren will. In der Nummer 50 der „Welt" wurde eine Aufstellung derjenigen Beträge gegeben, die wir für erforderlich halten, um die Aufgaben dieses Jahres einigermaßen erfüllen zu können. Die 100 000 Jt, die wir für nötig erachten, verteilen sich mit je 20 000 Jt auf Palästinaressort in Berlin, Palästinaamt in Palästina und Subventionen an palästinenische Institute; ferner sind nötig je 15 000 JL für Informationsdienst in Palästina wissenschaftliche und technische Forschungsarbeiten daselbst, sowie endlich 10 000 -M ,für landwirtschaftliche und gewerbliche Wanderlehrer. Anstatt eines Fonds in der Höhe der gewünschten 100 000 Jt. - hatte das Ressort aber im Sommer mit einer Erbschaft von Schulden in der Höhe von über 9000 Jt za beginnen, und hur der äußersten Sparsamkeit ist es gelungen, daß sich die momentanen Schulden nur auf 9619.28 Jt belaufen, d. h. nur 485 Jt mehr als bei Einsetzung des Ressorts. Wir haben das Resultat den Spenden unserer osteuropäischen Gesinnungsgenossen zu verdanken, die uns mit über 2000 Jl in diesem halben Jahre versahen, von denen Wilna 1270 Jt, Czernowitz 590 Jt, Lemberg (die Verbindung Judäa) 227 Jt und Rumänien 40 Jl. sandten. Westeuropa und Amerika haben leider bisher nur außerordentlich wenig getan, um unsere Arbeiten zu ermöglichen; bis auf Belgien, das 80 Jt sandte, trugen nur einzelne Gesinnungsgenossen noch durch kleine Beträge zur Unterhaltung des Ressorts bei. Das ungünstige Resultat liegt unseres Erachtens nicht direkt daran, daß die einzelnen Zionisten wohl gern ihr Scherflein beitragen, — der Bezalel hat viele zionistische Mitglieder, und auch das Hebräische Gymnasium besitzt zahlrefche Gönner unter den Zionisten, — schuld sind vielmehr die Landesorganisationen und die Ortsgruppen, die so viele lokale Bedürfnisse zu erfüllen haben, — wobei besonders die stets mit einem Defezit kämpfenden zionistischen Landeszeitungen hervorzuheben sind, — daß außer dem Nationalfonds kaum mehr andere Sammlungen veranstaltet werden, — was sich ja übrigens bei der Sammlung für den Parteifonds aufs eklatanteste gezeigt hat. Der Parteifonds ist auch der Grund, warum der Palästinaressort noch nicht in eine rege Agitation für den Palästinafonds und den Palästinabeitrag eingetreten ist; wir wollten dem Parteifonds keine Konkurrenz machen. Wir erwarten aber von einer intensiven Agitation in diesem Jahre einen guten Erfolg, zumal die Einrichtung eines Palästinaamtes in Palästina ja die Gewähr für die richtige Verwendung der eingehenden Gelder bieten wird. Wir sind nach wie vor der Ansicht daß es bei einigem guten Wollen und wenn nur jede Föderation und Ortsgruppe ihre Pflicht tut und die vorliegenden Quittungsbücher für Palästinabeiträge resp. Palästinaschekel vertreibt, mit Leichtigkeit gelingen wird, jährlich die nötigen Summen für die Palästinaarbeit aufzubringen, um so mehr, als man mit Recht verkünden darf, daß jeder Pfennig hiervon wirklich in Palästina verausgabt werden wird. Denn für die Unterhaltung der hebräischen Bureaus und der Agitation genügten die 25 ".'o der Einnahmen des Aktionskomitees. Um nun nicht die kostbare Zeit ungenützt für die Palästinaarbeit verstreichen zu lassen, wurden die bisherigen Arbeiten der Palästinakommission fortgesetzt und, wie wir wohl sagen können, mit gutem Erfolg. Die Haupttätigkeit unserer Bureaus bestand demnach neben Auskunfterteilung und Beratung der Centrale: 1) in Verbreitung der Palästinakenntnis. 2) in Organisationsarbeiten. Dadurch, daß wir jetzt in dem Palästina-Handbuch von D. Trietsch ein kompendiöses und inhaltreiches Informationsmaterial über Palästina besitzen, ist es ein leichtes, die Palästinakenntnis weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Absatz des Büchleins macht infolge der Preisreduzierung auf 2 Jt (gebunden) resp. 1.50 Jt (ungebunden) gute Fortschritte, und viele Ortsgruppen machen durch Entnahme von mindestens 10 Exemplaren von dem bewilligten Rabatt Gebrauch. Auch die Broschüre über die wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina von D. Trietsch findet weite Verbreitung, namentlich in Galizien, während das kleine Flugblatt Aktuelle Aufgaben der jüdischen Palästinabestrebungen zur Massenverteilung bestimmt ist und dazu anregen soll, sich je nach dem Geschmacke und den Mitteln an Palästina-Unternehmungen zu beteiligen. Die Hebräische Wandkarte Palästinas dürfte nun bald fertiggestellt werden können, nachdem die Eintragungen durch den

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