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Die Welt · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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geeignet sind, eine Bewegung gegen den Nationalfonds zu schaffen, die diesem uns allen so teuren Institute schweren Schaden zufügen Jcönnte. Gegen die Land Development Company habe ich nicht und hat wohl keiner etwas einzuwenden. Nur möchte ich um Auskunft darüber bitten, warum der ursprünglich vom Nationalfonds verlangte Beteiligungsbetrag von 10000 auf 3000 £ herabgesetzt worden ist. . Kremenezky: Herr Böhm kommt zu spät.. Ich habe immer auf dem Standpunkt gestanden, daß der Nationalfonds unangetastet bleiben müßte. Damals hat man von allen Seiten gedrängt, ihn in Palästina anzulegen. Man hat uns gezwungen, Land zu kaufen. Jetzt, wo wir diesem Drängen nachgegeben haben, und im Interesse der Nutzbarmachung des Nationalfonds-Landes, ja, um nur das Eigentumsrecht an "diesen Ländereien zu behalten, an seine Bearbeitung schreiten müssen, will man uns Vorwürfe machen. Das ist ein Frontwechsel, der zwar sehr interessant ist, der aber festgestellt werden soll. Tschlenow verteidigt die Beschlüsse des Direktoriums. Er ist seinerzeit gegen die Verwendung des Nationalfonds für Agrarkredite gewesen, weil die damals beabsichtigte Art der Verwendung eine Festlegung des Nationalfonds auf 40 bis 60 Jahre bedeutet hätte. Der Kredit an die Häuserbau-Gesellschaft läuft aber nur auf 18 Jahre und wird jedes Jahr amortisiert. Auch können für das darin investierte Kapital Obligationen ausgegeben werden. Hierauf wurde die Sitzung auf Dienstagvormittag 10 Uhr vertagt Dienstag den 7. Januar, Vormittagssitzung Die Debatte wird beim Punkte Nationalfonds fortgesetzt. Podlischewsky wendet sich gegen die Auffassung, als ob das A. C. für die Verwaltung des Nationalfonds nicht in Betracht käme. Es gehe nicht an, die juristische Form, die man aus Zweckmäßigkeitsgründen gewählt habe, zur Herrin des Nationalfonds zu machen. Das Recht des A. C, über die Verwendung des Nationalfonds mitzusprechen, ja sogar sie zu bestimmen, müßte unangetastet bleiben. Redner ist gegen die Bewilligung des Kredites an die Häuserbau-Gesellschaft Diese bestehe zum großen Teil aus wohlhabenden Leuten, die sehr wohl -in der Läge seien, das fehlende Kapital anderswo aufzubringen. Er beantragt daher, diesen Beschluß des Direktoriums zu annullieren. Dr. Bodenheimer: Die Verwaltung des Nationalfonds hatte durchaus nicht die Absicht die Rechte des Aktionskomitees in irgendeiner Weise zu beschränken, sie hätte dazu ja auch gar nicht die Möglichkeit. Indessen müssen wir uns doch einmal an die gegebene Form halten. Der Nationalfonds ist eine Körperschaft für sich, die nach ihren eigenen Ideen und Prinzipien alle Angelegenheiten entscheiden muß. Die Rechte des Aktionskomitees kommen dabei nicht zu kurz. Im Direktorium des Nationalfonds ist das engere Aktionskomitee vertreten und hat in seiner Eigenschaft als Governor die Möglichkeit, gegen alle Beschlüsse des Direktoriums ein Veto einzulegen. Es ist also in der Lage, Beschlüsse über Angelegenheiten, die seiner Meinung nach eine Verhandlung vor dem großen Aktionskomitee erfordern, so lange aufzuhalten, bis eine solche Verhandlung stattgefunden hat Präsident: Ich möchte daraufhinweisen, daß das große A. C. selbstverständlich durchaus unabhängig ist und über jeden Punkt verhandeln kann, den es zur Beratung zu ziehen wünscht. Böhm: Ich muß mich entschieden gegen die Auffassung des Herrn Präsidenten, daß wir nur über einzelne Vorschläge zu debattieren hätten, aussprechen. Ich sagte bereits gestern, daß es sich hier um Aufrollung wichtiger prinzipieller Fragen handelte, zunächst darum, daß die Entscheidung über die Prinzipien der Verwaltung der Anlage resp. Verwendung der N. F.-Gelder dem Großen Aktionskomitee vorbehalten werden muß und daß die aus rein juristischen Gründen geschaffene englische Genossenschaft sowie das Direktorium des N. F. nur auf Grundlage der prinzipiellen Entscheidungen des Großen A. C. einzelne Beschlüsse fassen darf. Dies ist im vorliegenden Falle nicht geschehen, muß aber Richtschnur für alle Zukunft bleiben. Wir müssen uns, nachdem dies festgestellt, nunmehr prinzipiell entscheiden, ob und wie die N. F.-Gelder zu verwenden sind. Es gibt da zwei Anschauungen. Die eine, welche Herr Kremenezky immer vertreten hat, ist die, daß die N. F. Gelder aufzuspeichern sindj um bei einer sich darbietenden großen Gelegenheit bereit zu sein. Dieser Standpunkt ist sehr schätzenswert; er fließt aus großen Gesichtspunkten. Das muß ich anerkennen, obgleich ich diese Meinung nicht teile und immer bekämpft habe. Die zweite Ansicht ist die, daß man die N. F. Gelder, wenigstens teilweise, schon jetzt für unser Ziel verwenden soll. In diesem Falle aber darf man mit dem Nationalfonds, diesem Volksvermögen, das die Bestimmung hat, Boden zu erwerben, der'dem ganzen Volke gehört, nur nach einem groß angelegten Plane solche Dinge unternehmen, welche tatsächlich zur Erreichung unseres großen Zieles nützlich sind. Was sind dies für Dinge? Es gibt in Palästina nur zwei wichtige für alle Zukunft grundlegende Fragen: die nationale Erziehung und die Schaffung eines jüdischen Bauern- und Arbeiterstandes. Das Hauptproblem des Zionismus ist die Frage, wie das jüdische Proletariat in einen in Palästina dauernd seßhaften Stand von Landwirten umgewandelt werden kann, Sie müssen sich darüber klar sein, daß Sie nie und nimmer einen Judenstaat haben werden, wenn sie keine jüdischen Bodenbebauer haben. Die heutigen jüdischen Kolonien sind keine Gewähr für die Zukunft, weil nur die Besitzer Juden, der größte Teil der Arbeiter , aber Araber sind. Die Oberführung städtischer Proletarier in Landbauer kann nur dann mit Erfolg versucht werden, wenn Sie die städtischen Elemente nicht auf eine tiefere soziale Stufe bringen, sondern auf eine höhere, d. h.. man darf nicht erwarten, daß sie zu Landarbeitern gemacht werden können, sondern man muß auf dem Wege der Genossenschaften, Gewinnbeteiligung usw. die Arbeiter an der Scholle interessieren und an sie dauernd fesseln, denn nur dadurch werden in den Leuten jene Impulse und seelischen Kräfte geweckt, die allein imstande sind, diese enorme schwierige Unischaffung vom städtischen Proletariat in seßhafte Landbauer zu bewirken. Das wird Ihnen Dr. Oppenheimer noch näher auseinandersetzen, weshalb ich mich auf diese Andeutungen beschränke. Was den N. F. betrifft, so kann ich nur dann für die Verwendung eines Teiles, des Geldes sein, wenn dieses solchen Zwecken dienen, deren zielbewußte und planmäßige Durchführung einen Weg zu unserem Ziele bildet. Herzl, den man immer nur als einen Politiker verschreit, hat dies klar erkannt und war für das Oppenheimersche Projekt Sie aber wollen N. F.-Gelder zu mehr oder weniger wichtigen Zwecken verwenden, welche durch ihre Natur absolut keine richtigen Wege darstellen, und das ist es, was ich kritisiere. Nicht weil ich gegen die Hausbaugenossenschaft bin, spreche ich dagegen, sondern weil ich verlange, daß man zuerst die Prinzipien aufstelle, nach welchen "N. F.-Gelder überhaupt verwendet werden dürren, bevor man über vereinzelte und zusammenhanglose Anlagefälle beschließt. Meiner Ansicht nach ist die Unterstützung de^ jüdischen Wirtschaft in Palästina gewiß unsere Sache, aber N. F.-Gelder dürfen dazu nicht verwendet werden, sondern diese müssen ausschließlich Zwecken vorbehalten werden, welche die Grundlage einer jüdischen Staatenbildung schaffen können, und das sind vor allem kolonisatorische Versuche in der angedeuteten Richtung. Herr Wolffsohn sprach von möglichen Erfolgen in-Konstantinopel, ich frage ihn, wenn er schon eine Landkonzession hätte, das Geld dazu auftreiben würde,- mit welchen Mitteln wird er sie ausbeuten, wenn die N. F.-Gelder durch langfristige Anlagen festgelegt werden, und nach welchem Plane wird er mit Aussicht auf Erfolg kolonisieren? Es ist klar, daß wir die Wege des Barons nicht gehen können, welcher mit Aufwendung ungezählter Millionen einige jüdische Bauern geschaffen hat welchen die dreifache Zahl arabischer Arbeiter gegenübersteht. Ich begrüße daher den Vorschlag der Landcompany, in welcher ich einen erfolgversprechenden Plan sehe. Wenn Sie aber gleichzeitig ein Drittel der flüssigen Mittel in städtischem Bodenkredit anlegen, wenn selbst jene Herren Direktoren, welche aufs heftigste gegen jede Verwendung der N. F.-Gelder noch auf dem Kongresse gekämpft haben, keinen Widerstand dagegen erheben, so sähe ich daraus, daß zwar das Direktorium gewillt ist, N. F.-Gelder nach Palästina zu bringen, daß ihm aber jeder Plan, jedes System und große Gesichtspunkte abgehen, und das ist der Grund, "warum ich diese Debatte als dringend notwendig angesehen und herbeigeführt habe. Kremenezky betont noch einmal den Frontwechsel, der stattgefunden hat." Er habe immer die schwersten Angriffe zu erdulden gehabt, als er die Unantastbarkeit 'des Nationalfonds vertreten habe. Jetzt, wo man durch die früher erzwungenen' Landkäufe zu weiteren Ausnahmen in dieser Richtung genötigt sei, jetzt, wo man zum erstenmal begonnen habe, dem allgemeinen und so oft geäußerten Drängen nach praktischer Palästinaarbei.t nachzugehen, würden Vorwürfe erhoben. Weizmann: Wir sollten uns von den Schlagworten frei zu machen suchen. Was heißt Frontwechsel, was heißt praktische Palästinaarbeit? Gewiß sind wir immer für die praktische Arbeit eingetreten, und wir stimmen heute nicht dagegen. Wir wollen lediglich, daß diese Arbeit nicht plan- und systemlos ausgeführt werde; das aber ist es, was wir überhaupt in unserer Leitung vermissen. Seit drei Jahren stelle ich die Frage an die Leitung: Was ist Ihr System? Nach welchen Gesichtspunkten arbeiten Sie? 2*

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