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Die Welt · 1908-01-10 · 2 (10.1.1908) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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6 DIE^ELT Nov'2 habe; es wird aber auch anderseits entschieden betont daß das Palästinaamt seine Instruktionen lediglich vom Aktionskomitee zu erhalten habe und nur diesem verantwortlich sei. Zum Schlüsse der Debatte gibt Herr Dr. Ruppin folgende Erklärung ab: Als das Engere A. Cseinerzeit an mich mit der Frage herantrat, ob ich bereit sei, die Leitung des Palästinaamtes zu übernehmen, weilte ich gerade in Palästina. Ich habe mich damals sofort mit mehreren' in Palästina wohnenden Mitgliedern des Aktionskomitees und anderen Vertretern der "zionistischen und jüdischen Interessen in Palästina in Verbindung gesetzt und sie gefragt, ob sie mich im Falle der Annahme des Amtes in meinen Arbeiten unterstützen wollen. Ich erkenne es' mit Dank an. daß mir diese Unterstützung im weitesten Maße zugesagt wurde, und ich benutze diese Gelegenheit, um gleichzeitig denjenigen Gesinnungsgenossen, die mir während meiner Reise in Palästina mit Rat und Tat so freundlich zur Seite standen, meinen wärmsten Dank auszusprechen. Ich würde da_s Amt nicht angenommen haben, wenn ich nicht zu der festen Überzeugung gekommen: wäre, daß ich darauf rechnen kann, von den maßgebenden Faktoren in Palästina in meiner Amtsführung wirksame Unterstützung zu erfahren. Es ist nicht leicht, in Palästina mit allen Leuten im Einvernehmen zu bleiben, und wenn ich mich über ein Ergebnis meiner Reise freue, so ist es dies, daß es mir gelungen ist. auf dieser Reise tatsächlich mit allen Kreisen gut auszukommen. An dem Tage, wo ich zur Überzeugung gelangen müßte, daß ich mich in meinem Wirken mit maßgebenden "Kreisen der palästinensisch-jüdischen Bevölkerung im Widerspruch befinde, würde ich es als meine Pflicht betrachten, mein Amt meinen Auftraggebern zur Verfügung zu stellen. Aber ich muß auf einen prinzipiellen Umstand mit Nachdruck aufmerksam machen: Man kann nicht zwei Herren zu gleicher Zeit dienen. Ich kann nur einer Stelle verantwortlich sein, dem Engeren Aktionskomitee, und ich kann nur von ihm Instruktionen erhalten. Ich werde immer bestrebt sein, meine Entscheidungen erst nach sorgfältiger Erwägung und nach Anhörung aller Faktoren zu treffen, und ich werde, falls meine Meinung mit der anderer nicht übereinstimmen sollte, in meinen Berichten das Engere Aktionskomitee darauf aufmerksam machen. Ich habe aber die feste Hoffnung, daß es zu keinen .Komplikationen in dieser Beziehung kommen wird. Ich danke dem Aktionskomitee dafür, daß es mich als einen in der Bewegung noch wenig bekannten Mann mit diesem Amt betrauen will. Versprechungen kann ich nicht geben, und ich kann Sie auch nur bitten, von der Einrichtung des Palästinaamtes nicht sofort große Erfolge zu erwarten. Auch" diese Institution wird sich erst einleben müssen. Ich bitte Sie. mich nicht nach den wenigen hier gesprochenen Worten beurteilen zu wollen, sondern, mir Zeit zu lassen, durch Taten meinen guten Willen und meine Fähigkeit zu beweisen. (Lebh. Beifall.) Nachdem verschiedene zu diesem Punkte eingebrachte Resolutionen zurückgezogen sind, wird schließlich folgende Resolution Sokolows einstimmig angenommen: Das Große Aktionskomitee genehmigt und begrüßt die Gründung eines ausschließlich dem Engeren Aktionskomitee unterstehenden und verantwortlichen Palätinaamtes und nimmt die Erklärungen des Leiters dieses Amtes über seine Arbeitspläne und seine Beziehungen zu den dortigen Organisationen mit Befriedigung entgegen. Hierauf wird die Sitzung vertagt. Nachmittagssitzung Um 3s/4 Uhr eröffnet der Präsident die Nachmittagssitzung und stellt den Punkt der Tagesordnung „Bildung neuer Föderationen" zur Besprechung. Der Kongreß hat einen Beschluß angenommen, wonach künftighin zur Bildung neuer Föderationen lediglich die Zahl von 3000 Schekelzahlern und die Genehmigung des Engeren Aktionskomitees erforderlich ist. Auf Grundlage dieses Beschlusses sind jetzt verschiedene Bestrebungen auf Bildung neuer Föderationen im Gange, und man ist mehrfach an das Engere Aktionskomitee mit dem Ersuchen herangetreten, die Möglichkeit zur Bildung neuer Föderationen zu gewähren. Das Organisationsstatut schreibt nicht vor, welche Bestimmungen für solche Gruppen gelten, die eine Föderation gründen wollen, solange sie mit dieser Gründung noch beschäftigt sind. Es entsteht daher die Frage, was zu geschehen hat, um solchen Gruppen die Möglichkeit zu gewähren, die Vorbedingungen zur Gründung einer Föderation zu erfüllen. Sie müssen in der Lage sein, den Nachweis zu führen, daß sie 3000 Schekelzahler stark sind. Der Präsident regt die Frage an, wie das Engere Aktionskomitee in solchen Fällen zu verfahren hat, um diesen Gruppen auf ihr Verlangen Schekelblocks direkt auszugeben. Diese Fragestellung führt zu einer lebhaften Debatte. Eine Reihe Redner äußert sich lebhaft gegen ein solches Verfahren, das geeignet sei, die Grundlagen der Organisation zu erschüttern. Schekel dürften ausschließlich nur von den Landesorganisationen ausgegeben werden. Das A. G. habe kein Recht, Schekel direkt zu verabfolgen. Ob die Grundlagen zur Bildung einer' neuen Föderation, d. h. das Vorhandensein von 3000 Schekelzahlern, vorliege, könne erst nachträglich entschieden werden. Anderseits" wird betont, daß die Bildung neuer Föderationen im Interesse der Gesamtpartei liege. Die ganze Entwicklung der Bewegung dränge dazu, die Organisation nach den vorhandenen Meinungsverschiedenheiten und nicht nach zufälligen territorialen Begriffen zu gliedern. Die Bildung neuer Föderationen wirke anregend auf den Wetteifer der verschiedenen Gruppen. Der Kongreß habe ausdrücklich die Bildung von interterritorialen Föderationen genehmigt und sie erleichtern wollen. Es sei gegen den Sinn des Kongreßbeschlusses, die Schaffung von Föderationen jetzt dadurch erschweren zu wollen, daß man den betreffenden Gruppen nicht die Möglichkeit gebe, ihre Föderationsfähigkeit zu erweisen. Schließlich wird folgender Antrag Dr. Bodenheimer gegen drei Stimmen angenommen. Die Verteilung von Schekelblocks bleibt den Landesorganisationen überlassen. Im Falle der Verweigerung durch die Landesorganisationen ist das E. A. C. berechtigt, selbst eine Entscheidung zu treffen und das Erforderliche zu veranlassen. x , Gegen diesen Beschluß wird seitens des Herrn Feiwel Protesteingelegt, da er den ausdrücklichen Beschlüssen des Kongresses widerspreche. Der Präsident gibt die Erklärung ab, daß er in jedem Falle, wo eine Landesorganisation' nach Ansicht des Engeren Aktionskomitees der Bildung von Föderationen unnötige Schwierigkeiten entgegenstellt, dieser Gruppe direkt Schekelblocks zustellen werde. Hierauf erstattet der Vorsitzende des Judischen Nationalfonds, Dr. Bodenheimer, Bericht über die Tätigkeit des Bureaus des Nationalfonds seit dem Kongresse und die in den gestern abgehaltenen Sitzungen gefaßten Beschlüsse (über die wir an anderer Stelle berichten). Professor Warburg bringt ein zu diesem Punkte eingelaufenes Schreiben des Poale-Zion-Verbandes zur Verlesung, in dem dieser gegen die beabsichtigte Verwendung von Nationalfondsgeldern für langfristige Kredite auf städtischen Grundbesitz Einspruch erhebt und die Förderung des Oppenheim ersehen Projektes der Siedelungs- Genossenschaft verlangt. Böhm: Ich bin außerordentlich erstaunt, daß ich, wie es scheint, der einzige bin, der die hier in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen erörtert sehen möchte. Es ist doch merkwürdig, daß das Direktorium des Nationalfonds plötzlich von seinem früheren Standpunkt in bezug auf die Landfrage vollständig abgewichen ist. Auf dem Kongresse hat man ausdrücklich in dem Palästinaausschuß einen Antrag auf Verwendung von Nationalfondsgeldem für Agrarkredite in Palästina mit der Motivierung abgelehnt, daß dadurch die Mittel des Nationalfonds in einer den Erfordernissen der Bewegung schädlichen Weise festgelegt würden, und heute geht man plötzlich hin und bewilligt große Summen aus dem Nationalfonds für die Zwecke einer Häuserbaugesellschaft und auf die Dauer von 18 Jahren. Ist das denn keine Festlegung? Ich weise ausdrücklich auf diesen Widerspruch hin, obwohl ich seinerzeit sehr warm für das Agrarprojekt eingetreten bin und obwohl ich nicht der Ansicht bin, daß die Gelder des Nationalfonds unberührt liegen bleiben müssen. Aber ich fühle mich zu dieser Konstatierung" für verpflichtet, weil eine große Zahl unserer Gesinnungsgenossen in diesem Umschwung der Meinungen ein Unrecht erblickt, das dem Kongresse zugefügt wird, der die Frage der Festlegung der Nationalfondsgelder' ausdrücklich verneint hat. Dazu kommt aber noch ein schwerwiegender Umstand. Die Gewährung eines Kredits an die Häuserbau-Gesellschaft aus den Mitteln des Nationalfonds bedeutet eine Verwendung der Nationalfondsgelder für die Zwecke einer städtischen Kolonisation. Das widerspricht allem, was man bisher als den Zweck des Nationalfonds betrachtet hat. nämlich die Verwendung für ländliche Kolonisation. Und es gibt eine große Anzahl Gesinnungsgenossen, die die Meinung vertreten, daß eine städtische Kolonisation Palästinas nichts anderes bedeuten würde als ein Hinübertragen des Golus nach Erez Israel. Prinzipiell habe ich noch vom Standpunkt des Aktionskomitees aus zu erklären, daß ich es als ein Unrecht gegenüber dem Aktionskomitee betrachte, wenn das Aktionskomitee nicht vor der Beschlußfassung über solche Fragen befragt wird, sondern erst nachträglich, und dann nur infolge eines starken Drängens von der Nationalfondsverwaltung, über diese ganzen Angelegenheiten Mitteilung erhält. Ich kann nur dringend bitten, sich mit der Mitteilung der Verwaltung nicht zu begnügen, sondern die von mir vorgetragenen Fragen eingehend zu prüfen und danach eine Entscheidung zu treffen. Ich fürchte, daß die vom Direktorium gefaßten Beschlüsse

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