Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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D1E3^ELT"= 16 Bericht über die Tätigkeit dieser Gesellschaft erscheinen lassen, dem., wir folgendes entnehmen: Seitdem das Bureau funktioniert, also seit 1902, sind ca.30000 jüdische Einwanderer durch seine Vermittlung nach dem Süden und Westen der Vereinigten Staaten geschickt worden. Grundprinzip der Removalorganisation ist, die Verteilung der Einwanderer nach den natürlichen Gesetzen der Einwanderung vorzunehmen, d. h. die Leute dahin zu schicken, wo nach Männern ihres Berufes Nachfrage herrscht. Der Geschäftsgang ist im allgemeinen folgender: In den in Betracht kommenden Städten wird ein Komitee einflußreicher jüdischer Bürger gebildet, dessen Zusammensetzung entweder von den einzelnen Vereinen oder von den jüdischen Einwanderern direkt bestimmt wird. Die Einwanderer werden dann an diese Komitees gesandt Zunächst wird für ihre dringendsten Bedürfnisse gesorgt und sodann wird ihnen Arbeit' verschafft. In vielen größeren Städten sind regelrechte Arbeitsnachweise für diese Zwecke eingerichtet, die einen oder mehrere ständige Beamte beschäftigen. Der folgende Fall ist typisch: Vom 1. Mai bis 30. September 1905 wurden 100 männliche Einwanderer in eine bestimmte Stadt geschickt. Im September 1906 wurde auf eine Anfrage festgestellt, daß 79 dieser Leute noch in derselben Stadt arbeiteten; 9 waren nach New York zurückgekehrt, 12 waren nach anderen Plätzen verzogen. Die 79 Verbliebenen hatten aber ohne irgendwelche Hilfe von außen durch neuen Zuzug eine Vermehrung um 28 Köpfe erfahren. In einigen Städten des Westens sind durdi diese Ablenkungsmaßnahmen die jüdischen Gemeinden, die bis dahin schwach und unbedeutend waren, sehr gestärkt und in die Lage gesetzt worden, eigene Synagogen und Schulen zu errichten. (Andererseits darf nicht verschwiegen werden, daß nach mancherlei zuverlässigen Meldungen diese Einwanderer, in einer fremden und oft fast ganz nichtjüdischen Umgebung, losgelöst von jedem jüdischen Zen rum, s;hr bald dem Jidentum entfremdet werden.) Verschickt wurden vom Bureau: 19u2 3208, 1903:5522, 1904r6023, 1905 : 6005, 1906 : 6922. In den letzten drei Jahren ist die Zahl also nicht beträchtlich gestiegen. Gegenüber der Ungeheuern Stärke der jüdischen Einwanderung in New-York, die in den Jahren 1905 und 1906 147 029 Personen betrug, verschwinden natürlich diese Zahlen. Auch ist zu bemerken, daß in den Jahren 1905 und 1906 39 206 jüdische Einwanderer ohne Vermittlung des Bureaus -nach anderen Städten als New York gingen. Christlich-soziale Rassenpolitik In der Weihnachtsnummer der „Neuen Freien Presse" äußert sich Professor Dr. Ernst Schweninger der bekannte Arzt und Bismarckfreund, über das Thema „Christlich-soziale Rassenpolitik" und führt dabei u. a. aus: Nur müssen wir dann auch billig denkend genug sein, um das Recht zu solcher Politik jeder Rasse zuzugestehen — und dann haben wir den Rassenkampf, der in freiestem Wettbewerb um die Güter des Lebens naturnotwendig zum Siege des Starken über den Schwachen führen muß, auf dem Gebiete geistigen wie materiellen Lebens. Den Schwachen schützen, heißt sehr oft, nur ihn noch schwächen, das heißt noch ungeeigneter für den Kampf im Leben machen. Ihn aber dadurch schützen und konkurrenzfähig machen, daß man dem Starken die Waffen entzieht, wäre antikulturelle Politik mit dem Endziel, die Selektion zu verhindern. Die natürlichen Anlagen und Fähigkeiten der Rassen sind zu verschieden, als daß an einen Ausgleich auch nur gedacht werden könnte. Aber jede Rasse kann von der andern lernen, c'en eigenen neuen Fähigkeiten hinzuzufügen und dadurch ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Eine Rassenpolitik, welche diesen Standpunkt verkennt, den freien Wettbewerb der Rassen unterbindet, schädigt sich nur selbst und beraubt sich überdies der Fähigkeit, im Interesse des Menschheitganzen nach dem Höchsten zu streben, was die Kultnr zu erreichen vermag. Ob und inwieweit eine Rassenpolitik von einer Kreuzung der Rassen einen Erfolg sich versprechen kann, wollen wir hier nicht weiter erörtern, weil sie doch nur als Einzelerscheinung in Betracht kommen könnte, als Massenerscheinung zu einer neuen Rasse führen muß. f Schon vor Jahrzehnten konnte man feststellen, daß die für das Studium an den Universitäten vorbereitenden Gymnasien (Berlin!) von einer das Verhältnis der Bevölkerungsziffer um ein Mehrfaches übersteigenden Zahl von Juden besucht wurden — eine Erscheinung, die nicht überraschen kann in einer Zeit, da — teilweise infolge mangelhafter Schulpolitik — selbst der kleine Mann seinen Jungen auf das Gymnasium zu bringen sucht —,Mangel an Intelligenz und Anlagen ist es gewiß nicht was neben den Christen auch die Juden in relativ erhöhter Zahl auf die Universitäten führt, wo ihnen nur die sogenannten freien Berufe offen stehen — während die Christen reichlich in den Dienst des Staates abwandern. No. I Glaubt man wirklich durch eine christlich-soziale Rassenpolitik ' die Mittel zu finden, um diesem Obel — wenn es als solches empfunden wird — zu steuern? Auf dem Boden der bestehenden staatlichen Ordnung, der bürgerlichen Gleichberechtigung wird es trotz fleißigster christlich-sozialer Düngung nicht wachsen. Angenommen aber, der Plan der „christlich-sozialen Rassenpolitik", wie er so schön gedacht ist könnte gelingen, die Universitäten würden „verchristlicht", „rekatholisiert" oder gar vollständig unter die Herrschaft der kirchlichen Oberhoheit gestellt — hat die christlich-soziale Rassenpolitik sich schon überlegt was dann geschehen würde? Hält sie die Juden wirklich für so untüchtig und ungeschickt daß diesem Druck nicht eine gewaltige Anspannung aller Kräfte zu entschiedenem Gegendruck folgen würde? Statt simultanen — konfessionelle Hochschulen und Universitäten oder neben christlichen eine jüdische Universität? Vielleicht könnten wir dann erleben, daß Christen die jüdische Universität aufsuchen — nur um die verlorene Freiheit wiederzufinden. In der gemeinsamen Arbeit der Klassen und Rassen an diesen sozialen Freistätten der Wissenschaft (der Universitäten), liegt ein guter Teil jener Garantien, die wir durch eine christlich-soziale Rassenpolitik vergeblich suchen, ein guter Teil jener gewaltigen Arbeit mit der wir den politischen Gesamtorganismus des Volkes zu erhöhter-Tätigkeit anspannen können, auf daß er aus eigener Kraft das ausscheide und abstoße, was seine Funktionen stört, das gewinne, was er zum Auf- und Ausbau nötig hat. Und von diesem Gesichtspunkte aus kann der „christlichsozialen Rassen- oder vielmehr Antijudenpolitik" wohl auch entgegengehallen werden, daß das Judentum in der göttlichen — nicht - christlichen — Weltordnun-g ein mindest ebenso großer und wichtiger kultureller Faktor war, ist und bleibt, als die Sozialdemokratie ein politischer Faktor in der Staatenordnung geworden ist gegen alle politischen Bestrebungen, die mit ängstlicher Sorge und fanatischer Begeisterung konservieren wollen, was unter dem alle benagenden Zahn der Zeit gelitten hat und daher verbesserungsbedürftig geworden ist. Cypern „L'Economiste Europeen" veröffentlicht die Abschlußziffern des Staatshaushaltes von Cypern für 1906 07, denen wir folgendes entnehmen : Gesamteinnahmen (einschließlich £ 28 000 englischer Anteil zum türkischen Tribut) £ 314 873, Gesamtausgaben (einschließlich £ 92 799 Tribut an die Türkeit) £ 291983. Oberschuß der Einnahmen über die Ausgaben £ 22 885. Eine vergleichende Statistik der Einnahmen der letzten zehn Jahre gibt folgendes Bild: 1897,98 1905 06 1906/07 £ £ £ Gesamteinnahmen. (ohne den englischen Tributanteil) 190 519 238 212 286873 Davon entfallen auf: Ertrag des Zehnten ........... 53 433 72 025 85 851 Ertrag der Zölle............. 26 851 40 868 46 681 Sonstige Einnahmen............... 110 225 125 419 154 341 Dieses günstige Ergebnis ist, führt der Bericht des englischen Residenten aus, die Folge der ausgezeichneten Ernte des letzten Jahres (wo insbesondere die Johannisbrotbäume ungewöhnlich reichhaltig trugen) und der allgemeinen guten Lage, die sich infolge der guten Ernte der letzten 4 Jahre herausgebildet hat Die Bevölkerung hatte sich im Jahre 1901 von 209 286 im Jahre 1891 auf 236 153 vermehrt. Heute dürfte sie rund eine Viertel Million Einwohner betragen. Die Export- und Importziffern zeigen eine gleiche Steigerung. 1902 1906 £ £ Der Import betrug .. 434 458 603 054 Der Export betrug .. 327 756 483 956 Das sind die bisher höchsten Ziffern in der ganzen Geschichte der Insel, die. sich seit der britischen Intervention in einer unüber- brochenen aufsteigenden Entwicklung befindet. Die Eisenbahnen in der Türkei Alexis Rey, der Direktor der Eisenbahn Saloniki-Konstantinopel, hat soeben seinen alljährlichen Bericht über die Eisenbahnen des türkischen Reiches erscheinen lassen, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen. Im Jahre 1906 betrug die Totaleinnahme der türkischen Eisenbahnen 51 838 000 Francs gegen 49984 000 im Jahre 1905. Im Jahre 1906 hatte die Regierung für Kilometergarantien 'zu zahlen 17 845 000 Francs gegen 19 044 000 im Vorahre. Also auch hier zeigt sich eine günstige Entwicklung. - Zurzeit beträgt die ganze Länge der ottomanischen Eisenbahnen 5770 Kilometer. Hierbei sind die 466 Kilometer der Hedschasbahn nicht