Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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eingerechnet Hiervon entfallen auf die asiatische Türkei: 517 km Smyma-Kassaba, 580 Damaskus-Hamah, 87 Jaffa-Jerusalem, 10 133 Anatolische Bahnen, 200 Konia-Bagdad, 67 Mersina-Adana, 516 Smyrna-Aidin, 41 Mudania-Brussa, valso insgesamt 3041 Kilometer. 1634 Kilometer der gesamten ottomanischen Bahnen gehören französischen Gesellschaften, 1519 deutschen, 1264 österreichischen, 516 (Smyrna-Aidin) englischen und 11 (Mudanin-Brussa) belgischen. Landwirtschaftliche Maschinen in Kleinasien Die in Washington erscheinende Revue „Daily Consular and Trade Reports" bringt folgende interessante Ziffern über die Einfuhr von landwirtschaftlichen Maschinen in Kleinasien: . Allein in Smyrna, dem Handelszentrum eines Gebietes, das sich 80 Meilen nördlich und 300 Meilen östlich erstreckt, werden jährlich ungefähr 4900 Pflugscharen für ein oder zwei Pferde verkauft. Davon sind 2500 amerikanisches Erzeugnis, und 1100 kommen aus -England; der Rest wird aus Deutschland und Griechenland eingeführt. Die, amerikanischen Pflüge haben Deichseln, hölzerne Griffe und ein Lenkrad. Die Pferde des Landes sind von leichter Rasse, und man spannt ihrer zwei ein, wo in Amerika eines genügt Die deutschen Pflüge sind aus Stahl, mit stählernen Deichseln, eisernen Griffen und laufen auf zwei Rädern. Die aus England kommende Ware ist eine genaue Nachahmung der amerikanischen, die griechische eine solche der deutschen. Eggen werden nur wenig eingeführt Sie sind aus Stahl und mit einer Vorrichtung zum Verstellen der Spitzen versehen. Jährlich werden nur 150 Stück verkauft Ihre Einführung stößt noch auf Widerstand, wenn auch einige von Europäern geleitete Güter sie regelmäßig benutzen. Das gleiche gilt von Sämaschinen. Mähmaschinen findet man selten. Garbenbindemaschinen werden höchstens 20 Stück jährlich abgesetzt; der Mangel an Zugpferden und die Seltenheit von Dreschmaschinen machen sie überflüssig. Dreschmaschinen werden nur ganz ausnahmsweise verkauft; sie werden nur auf feste Bestellung eingeführt. Ihr Preis und ihr komplizierter Mechanismus, der leicht Beschädigungen ausgesetzt ist stehen ihrer Verbreitung im Wege. Auch regnet es nur selten während der Haupterntezeit" so daß die Bauern ruhig nach der Altvätermethode dreschen können, die darin besteht, ein Brett mit schweren Steinen über die Garben zu wälzen. Alles in allem kann man nur sagen, daß der Vertrieb landwirtschaftlicher Maschinen in Kleinasien noch sehr aussichtsreich ist. Der Hilfsverein der deutschen Juden versendet soeben einen Bericht über seine bisherige Tätigkeit in diesem Jahre, dem wir folgendes entnehmen: Dem Hilfsverein der deutschen Juden gehören 17000 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 130000 Mark zurzeit an. In den Balkanstädten, im europäischen und .asiatischen Orient sind neue Schul- und Erziehungsanstalten begründet worden; die bestehenden vom Hilfsverein . unterhaltenen oder unterstützten wurden ausgestaltet und es sind in Deutschland ausgebildete Lehrkräfte dorthin entsandt worden. Eine weitere wesentliche Ausgestaltung des Schuhverkes des Hilfsvereins im Orient steht bevor. Sie wird auf Grund der Vorschläge des Herrn Dr. P. Nathan, Geschäftsführers des Hilfsvereins der deutschen Juden im Ehrenamt, erfolgen, der sich zurzeit auf einer ausgedehnten Studienreise im Orient befindet Insgesamt unterhält und unterstützt der Hilfsverein im Jahre 1907 zwölf Kindergärten, vierzehn Knaben- und Mädchenschulen, eine kommerzielle Mittelschule, eine Handelsschule, eine Haushaltungsschule, eine Handwerkerschule, eine Kunstgewerbeschule, ein Seminar, im ganzen 32 Anstalten. Das Hilfswerk für Galizien führt der Hilfsverein in Verbindung mit dem Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien und der eng befreundeten Großloge für Deutschland weiter fort. Erwähnt sei auch, daß eine Reihe von Komitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die in Galizien ihren Sitz haben, vom Hilfsverein subventioniert werden. Die Agrarunruhen in Rumänien und die Hand in Hand mit diesem gehenden Exzesse gegen die Juden machten auch für dieses Land eine umfassende Hilfsaktion notwendig- Die Gefahr für die rumänischen Juden ist noch immer nicht beseitigt. Die Juden, die von den Bauernunruhen verschont blieben, werden von der rumänischen Regierung bedrückt Verzweifeltgreifen viele Tausende zum letzten Mittel, zur Auswanderung. Für das rumänische Hilfswerk sind vom Hilfsverein allein 70000 Mark beigesteuert worden. Nachdem der Hilfsverein auf der Konferenz von Algeciras durch seine Initiative die Mächte veranlaßt hat eine Resolution zugunsten der marokkanischen Juden anzunehmen, hat er auch weiterhin sein Augenmerk auf die dortige trübe Lage gerichtet Bei den infolge der Beschießung von Casablanca entstandenen Wirren wandte .sich die Wut der Eingeborenen in erster Linie gegen die Juden. Durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes und des Deutschen Konsulats in Casablanca wurde denjenigen Juden, die unter deutschem Schutz stehen. Hilfe gebracht Insgesamt sind bis jetzt vom Hilfsverein für Marokko 15000 Francs aufgewendet worden. Die ernsteste Sorge bildet auch in diesem Jahre wieder die Lage der Juden in Rußland. Das russische Hilfswerk, für das der Hilfsverein seit zwei Jahren 2 V« Millionen Mark aufgewendet hat, muß infolgedessen fortgesetzt werden. Ober 30000 Auswanderer wurden auf den verschiedenen Verpflegungsstationen verpflegt und etwa 10000 Auswanderer sind bis zum 1. Oktober d. J. vom Hilfsverein befördert worden. Die Gesamtaufwendung dieses Jahres für Auswanderungszwecke beträgt jetzt bereits 1« Millionen Mark. Aufruf zur Hilfsarbeit für galizische Juden Die soziale und geistige Not der Juden in Galizien wird immer größer. Das Elend" erfaßt mit jedem Tage immer breitere Massen des galizischen Judentums. Jede Stufe des allgemeinen ökonomischen Fortschrittes des Landes wird derart ausgenutzt oder bewirkt mechanisch, daß sie nur eine neue Quelle jüdischer Bedrängnis wird. Die Handhabung der Gewerbeordnung, die strenge Durchführung der Sonntagsruhe, die Bildung christlicher landwirtschaftlicher Vereine mit „katholischen" Handlungen, die Propinationseinlösung, die Monopolisierung des Salzhandels entreißen immer mehr Erwerbsquellen den Händen der galizischen Juden, welche, auf ein sehr enges . Arbeitsfeld beschränkt, untereinander maßlos konkurrieren müssen. Alles dieses wirkt verhängnisvoll auf die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibende (Ackerbau in Kleinwirtschaften wird von Juden fast gar nicht betrieben). Die Aktionen der auswärtigen Hilfsvereine sind leider nicht genügend, deshalb schreitet das Hilfswerk für die galizischen Juden fast gar nicht fort, und oft werden große Summen, welche auswärtige Wohltätigkeitsinstitutionen Tür Galizien bestimmen, nur nutzlos verwendet. — Die wichtigste Ursache, weshalb dieses Hilfswerk dem guten Willen der zu so großen Opfern bereiten auswärtigen Vereine nicht entsprechend fortschreitet liegt vor allem darin, daß diese Wohltäter in Unkenntnis über die wirkliche Lage der galizischen Juden und deren wirtschaftlichen Verhältnisse sind, sowie darin, daß die Masse der galizischen Juden an dem Hilfswerke nicht mitarbeitet. Es mußte deshalb ein Hilfsverein gegründet werden, welcher, um den galizischen Juden von Nutzen zu sein, in Galizien selbst seinen Sitz haben und von galizischen Juden, denen die Verhältnisse des Landes genau bekannt sind, geleitet werden soll. Die nächsten Ziele dieses von der k. k. galizischen Statthalterei bereits g;nehmigten Vereines sind: 1. Sammlung genauer statistischer aten über die Juden in Galizien. — Es soll die Lage jeder einzelnen jüdischen Familie, besonders aber die Arbeitsfähigkeit und Fertigkeit jedes einzelnen Familienmitgliedes sowie deren Gesundheitszustand genau festgestellt werden. — Auf Grund dieser Statistik hoffen die Gründer sowohl Ursache und Grad der jüdischen Armut genau kennen zu lernen, als auch in der Lage zu sein, die zweckdienlichsten Mittel zur Behebung derselben anzugeben. — 2. Organisierung der jüdischen Arbeitsvermittlung im ganzen Lande. — Überall bestehen bereits solche Arbeitsvermittlungen für Juden, nur nicht in Galizien. Der Verein will auch die Hausindustrie fördern und den Absatz der fertigen Ware erleichtern. — 3. Die Errichtung von Gewerbeschulen für alle Handwerke, in denen die Zöglinge einen dem Leben der galizischen Juden angepaßten Unterricht genießen sollen. — Mithilfe bei Errichtung kleiner jüdischer Landwirtschaften. — 4. Die Errichtung von Wohlfahrtsanstalten in jeder galizischen ' Stadt damit das - körper- und seelenverderbende Schnorrerwesen im Lande allmählich ein Ende nehme. — 5. Einberufung von Lokalkonferen^en und möglichst großer Beteiligung behufs Beratung und Beschlußfassung über die Mittel zur Verbesserung der Lage und behufs Ausarbeitung von Hilfsplänen. — Behufs Ausführung dieser Pläne ersuchen wir alle unsere edlen Gönner, alle Wohltätigkeitsvereine im Auslande, wie überhaupt alle jene, welche sich mit galizischen Hilfswerken befassen, unserm Vereine ihre Sympathie zuzuwenden und uns mit Rat und Tat behilflich zu sein. Wir wenden uns vor allem an jene aus Galizien stammenden Glaubensgenossen, welche in ihrer neuen Heimat Vermögen und Ansehen erworben haben, aber doch noch das Elend und die Not ihrer Brüder im Geburtslande in Erinnerung behalten, und infolge dessen mit unsern Absichten und Wegen einverstanden sind, mit der Bitte, daß sie die Zwecke nach Möglichkeit und ihren besten Kräften fördern. Für den „Hilfsverein für galizische Juden zu Kolomea." — J. Weber, Dr. Landau.